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Niederdeutsches Jahrbuch.
Jahrbuch
des
Vereins dir niederdeutsche Spradiforschung.
Jahrgang 1908.
XXXIV.
NORDEN m LEIPZIß.
Diedr. Soltau's Verlag. 1908.
Ausarbeitungen, deren Abdruck im Niederdentsehen Jahrbnclie gewünscht wird, sind dem Mitgliede des Eedactionsausschusses Prof. W. Seelmann, Charlottenburg , Pestalozzistrasse 103 zuzusenden. Die Zahlung des Honorars (von 32 Mk. für deiL Bogen) erfolgt durch den Schatzmeister.
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Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das 'Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doornkaat Koolman (3 Bände gr. 8^ kartonirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- frei beziehen.
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Niederdeutsches Jahrbuch.
Jahrbuch
des
Vereins dir niederdentsche SpracMorscliimg.
Jahrgang 1908.
XXXIV.
NORDEN nnt LMIff.
Diedr. Soltau's Verlag. 1908.
Druck Ton Diedr, Soltau in Norden.
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Tfscci
Inhalt. V5
— V. 34-57
Seite
Die Mundart von Prenden (Kreis Nieder-Bamim). Von Erich Seelmann. 1
Die Laute der Mundart 3
Die Vokale in historischer Entwicklung 5
Diphthongierung Ton I und il 18
Vokalkarsungen 19
Vokaldehnung bei ^^-Sohwnnd • 20
Yokaldehnung bei »«-Schwund 21
Die Konsonanten in historischer Entwicklung 22
Anhang: Monophthonglerungsvorginge 30
Zum VokatismuB der Neumark 32
Die Entstehung des Berliner a 33
Die Entstehung der Tondehnung 34
Zu Laurembergs Scherzgedicht I v. 18 und 21 37
Sprachprobe 39
Die Konjunktion *und' in der Mundart von Cattenstedt. Von E. Damköhler 40
Idiotikon von Eilsdorf (bei Halberstadt). Von K. B 1 o c k 45
Der Spiegel der Weisheit Von J oh B ölte 103
Dithmarsche Gewerbeausdrücke aus der Gegend von Lunden. Von Heinr.
Carstens 109
Schweinschlachten 109
Zichorienbau ... 112
Ghetelens Nye Unbekande Lande. Von DanielBShumway . . . . 113
Aus Ghetelens hochdeutscher Vorlage 136
Gedicht auf die Niederlage des Varus Von H. Deiter 143
Reime und Sprüche aus Lippe. Von K. Wehrhan 145
Rätsel 145
Kinderlieder und Kinderreime 147
Volkslieder 151
Inschrift auf einer Tafel aus der Lemgoer Ratskammer 157
Luckenbüsser : abgebrannt. Von W. Seelmann 158
Anzeige: Das Kieler Deukelbok hrg. von Gundlach. Von Edward Schröder 159
232641
Die Mundart von Prenden (Kreis Niederbarninn).
§ 1. Das kleine rings von weithin sich erstreckenden Wäldern eingeschlossene Dorf Prenden, aus dessen Mundart hier das Wichtigste dargestellt werden soll, liegt in dem Teile des Barnim, welchem auch die vier Meilen südlicher gelegene Hauptstadt Berlin angehört. Dieses Gebiet nebst dem benachbarten durch den Unterlauf der Spree von ihm getrennten Teltow ist noch i. J. 1220 slavischer Besitz gewesen und erst damals an Brandenburg gekommen. Alles, was wir hierüber wissen, stützt sich auf die Chronistennotizen,^) dass die Markgrafen Johann (1220—1266) und Otto III. (1220—1267) a dmiino Baniem, terras Barnonein et Teltowe et alias plures obtinuerunt und die Städte Berlin, Struzeberch . . . Livenivalde , . . et alia loca plurima extrujcernnt, und auf zwei Urkunden von 1232 und 1238.2) In der älteren ordnen die Markgrafen an, dass oinnes de nova terra nostra Barnem (alle dy mn dem Nyen Barnem) von Spandau Recht holen und nehmen sollen, in der andern wird gesagt, dass jeder Kirche im neuen Lande min- destens vier Hufen zugeteilt sind. So dürftig diese Nachrichten auch sind, ist ihnen doch zu entnehmen, dass die Besitznahme des neuen Barnim zwischen 1220 und 1232 erfolgt und alsbald mit der Anlage deutscher Kirchdörfer und einiger Städte begonnen ist. 3)
Woher die neuen Besiedler des Nieder-Barnim gekommen sind, ist uns ebenso unbekannt wie die Herkunft der Besiedler des benach- barten schon früher deutsch gewordenen Havellandes.*) Die Ähn- lichkeit der Mundarten beider Gebiete und der des Teltow macht je- doch wahrscheinlich, dass hier wie dort dieselben ethnographischen Elemente zur Bildung der Mundart mitgewirkt haben. Diese selbst zeigt viele Einzelzüge, welche an Besiedler aus der Altmark und von der unteren Saale oder, wie Siewert 5) aus der mnd. Schriftsprache Berlins schliesst, vom Niederrhein denken lassen.
Die ehemals lebende plattdeutsche Mundart Berlins und seiner nächsten Umgebung ist verstummt, ohne dass ihre auf die heutige Aussprache nachwirkenden Lauteigenarten überliefert sind. Trotzdem ist vielleicht Aussicht vorhanden, die wesentlichsten Eigentümlich-
*) Märkische Forschungen 9, 24.
«) Riedel, Cod. dipl I, Bd. 11, S. 1 f ; 8. S. 151 f.
») Lutter in der Wochenschrift der „Bär" Jg. 10 (1884) S. 208 if.
*) E. Bartels, Der Nieder-Barnim unter den Anhaltinern. Progr. Berlin. 1892.
») Nd. Jahrbuch 29, 65 flf.
Niederdeutsohes Jahrbuch XXXIV. 1
käÜtefL:€^f*%na !&tlux ^erum noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts gesprochenen Mundart zu erforschen, nicht unmittelbar freilich, sondern mittelbar. Die Grundlage dieser Erforschung gibt die grosse Ähn- lichkeit oder Gleichheit der Mundarten ab, welche in den noch platt- redenden Dörfern des Barnim und des Teltow gesprochen werden. Die heutigen Abweichungen des Teltow sind, soweit ich bis jetzt sehe, zum grossen Teil nur sekundär, es sind Weiterentwicklungen von Barnim-Formen, welche sie zur Voraussetzung haben, entstanden z. B. durch Entrundung von Vokalen, Übergang des a zu o, Vokalisierung auslautender r usw.
Die Prendener Mundart hat im Ganzen ihre alte Eigenart be- wahrt. Sie hat zwar recht viele hochdeutsche Worte aufgenommen, aber — mit nicht allzuvielen Ausnahmen, — sie wie Fremdworte unverändert gelassen, nicht mit plattdeutschen Lauten sie zu ^mis- singschen" verquickt. Der alte Lautstand und die alte Aussprache ist im wesentlichen unverändert geblieben.
Prenden dankt das seiner abgeschiedenen von der Eisenbahn entfernten Lage und der Eigenart seiner Bauern. Jeder bewirtschaftet mit seinen Familienangehörigen ohne Hilfe von Knechten und Mägden seine dürftigen Ländereien. Tagesarbeit und Sparsamkeit halten den Bauern, wenn er nicht auf dem Acker zu tun hat, im Hause. Nur seltene Gelegenheiten bewirken geselliges Beisammensein mit anderen Dorfgenossen. Auch im Dorfkruge sieht man den Bauer nur selten. So ist der durch Verkehr geförderte Ausgleich der Mundart nicht gross, und es befremdet deshalb weniger, dass kleine Verschieden- heiten in der Aussprache und sogar in den Wortformen bei den einzelnen Familien, auch wenn sie ortsgebürtig sind, obwalten.
Was hier berichtet ist, gilt jedoch nur von den landbauenden Bauern und Büdnern. Während diese fast ausschliesslich in und ausser dem Hause ihre heimische Mundart sprechen, hört man vielfach die Handwerker und besonders die Maurer, welche meist Montags früh nach Berlin fahren und erst Sonnabends zu ihren Familien zurückkehren, hochdeutsch reden.
Li meiner Darstellung ist nur die Mundart, wie sie sich bei den Bauern und Büdnern findet, berücksichtigt worden und besonders habe ich mir angelegen sein lassen, von den ältesten unter ihnen meine Kenntnis der Mundart zu erwerben, vor allem von dem alten Gottlieb Gläser auf dem Heller, einem kleinen Büdnergehöft mitten im Walde, das einen Kilometer vom Dorfe entferiit liegt. Er wohnt hier, wie 0. Monke in der Monatsschrift ^Brandenburgia*' Bd. 12 S. 491 berichtet, ^mit seiner Frau seit fünfunddreissig Jahren in einer Weltabgeschiedenheit, die ihresgleichen sucht, insbesondere in so unmittelbarer Nähe der Grossstadt sich wohl schwerlich öfter findet*. Nach seiner Meinung spricht der Heller-Gläser genau dieselben Wort- formen, wie sein Vater, der auch schon ortsgebürtig war, und er ist sich auch keines Unterschiedes in der Aussprache bewusst.
Von ihm und einigen anderen Alten habe ich auch zu erkunden
gesucht, ob den Prendener Bauern früher sich öfter wiederkehrende Gelegenheiten boten, mit Leuten aus entfernteren Dörfern zusammen- zukommen. Derartige Mitteilungen können wertvoll werden, um Beeinflussungen durch fremde Mundarten zu erkennen. Ich erfuhr in dieser Hinsicht nur, dass früher zu gewissen Zeiten manche Bauern mit Hopfen oder grünen Bohnen nach Berlin gefahren sind, nnd dass, ehe es Chausseen und Eisenbahnen gab, also bis etwa 1829, zahllose ückermärkische Gespanne im Herbst durch Prenden und das nahe Klosterfelde gekommen seien, um Korn nach Berlin zu bringen. In den genannten Dörfern nahmen sie ihre letzte Nachtherberge vor Berlin. Die Dorfkrüge reichten nicht aus, die Menge zu beherbergen, aber eine grosse Zahl Bauernhäuser nahm viele von ihnen als Gäste auf. Die Möglichkeit uckermärkischen Einflusses ist also gegeben, und er hat vielleicht mitgewirkt, dass in Prenden heute wie in der Uckermark der Dorfkrug Arto, der Pflug plöx heisst; vgl. § 68 i.
Neuniederdeutsche Bücher in der Mundart des Nieder -Barnim gibt es nicht. Auch plattdeutsche Volks- und Kinderlieder ertönen nicht mehr. Doch sind im Volksmunde in Prenden wie in anderen Dörfern sogenannte Nachbar- oder Hausreime aus den 1830er oder 1840er Jahren erhalten.
Die Laute der Mundart.
Lautschrift.
§ 2. Die Lautschrift, der ich mich bedienen werde, ist die der
letzten Jahrgänge des Niederdeutschen Jahrbuches. Die Buchstaben
e i 0 u ö ü bezeichnen kurze offene, e i ö ü 5 ü lange geschlossene,
f V (^ lange oflene Laute, ä einen Zwischenlaut zwischen a und ä,
a) Monophthonge. § 3. Den Bestand der Mundart an einfachen Vokalen zeigt folgende Tabelle:
geschlossen ü ü t
offen u ü i
geschlossen öS e
offen 0 g ö ^ e ^
weit offen 9 ä ä
neutral a a
Ausserdem kommt,- aber nur in dem Worte r^n Regen, regnen, ein stark nasalisiertes f vor. (Auch im Teltow erscheint dieses Wort in gleicher Aussprache.)
Die gerundeten Vokale werden, wie meist auch in Berlin, mit schwacher Lippenrundung gesprochen. Die Folge ist, dass j>, der Zwischenlaut zwischen hd. öh und äh, nicht so volltönend wie in Mecklenburg klingt und nicht so deutlich vom ^ sich scheidet. In einigen Familien ist er sogar mit letzterem zusammengefallen. Da- gegen werden trotz der geringen Lippenrundung ü und i, ö und e Ton allen deutlich geschieden.
a, a sind mittlere, neutrale a ; ä und ä liegen zwischen a und ß, — in der alten echten Aussprache, wie sie z. B. der Heller - Gläser hat, fast näher dem a als dem «, bei manchen anderen näher dem 6, so dass bei ihnen ä den Klang eines recht breiten hd. äh hat. Aber auch diese scheiden es deutlich vom f = hd. äh. Bemerkt sei, dass dieser Zwischenlaut zwischen a und e auch ausser dem Barnim sich findet oder fand. Ein aus einem Dorfe etwas nördlich von Neu-Ruppin gebürtiger Herr erinnerte sich aus seiner Jugend, dass damals einige Greise, welche noch die Befreiungskriege von 1813 — 1815 mitgemacht hatten, einige Worte wie z. B. „Hemd* anders als es heute geschieht, ausgesprochen hatten. Die weitere Nachfrage und Vorsprechen ergab, dass sie hätnt gesagt haben, d findet sich femer noch im Teltow, in der Uckermark und Prignitz, sowie nördlich von Braunschweig und in der Altmark.
b) Diphthonge.
§ 4. 1. mit steigendem Accent: ai, au, oi. Aussprache wie im Berliner Hochdeutsch mit i bezw. u endigend.
2. mit doppelgipfligem Accent:
?^ «S ?«, $S p«, p^ wo, üe, üe.
Die Aussprache dieser Diphthonge wechselt sehr, mitunter sind beide Komponenten deutlich und fast getrennt hörbar, mitunter ver- schwindet fast oder ganz der zweite überkurze und verrät sich nur durch die Tonsenkung des ihn aufnehmenden, gedehnter gewordenen ersten Komponenten zu Schluss und durch mehr oder weniger merk- lich geschleifte Betonung. Statt üo kann «« eintreten, ohne dass eine feste Regel erkennbar ist, vgl. § 33. Bemerkenswert ist noch, dass besonders in ausdrucksvoller und stark betonter Rede einzelne Leute die Tonhöhe der Stimme bei dem zweiten Komponenten so erheblich sinken lassen, dass das Intervall etwa eine grosse Terz, wenn nicht mehr, ausmacht, während sonst der Tonhöhenunterschied zwischen betonter und unbetonter Silbe nicht sehr bedeutend ist.
c) Konsonanten. § 5. Bestand und Artikulation lässt folgende Tabelle überblicken.
|
Artikulations- stelle |
Lip] bilabial |
3en labio- dental |
Zunge ui Zahn- fleisch |
nrand Ld harter Gaumen |
Weicher Gaumen |
Rachen (Hauchlaut) |
|
gl^ 8th. |
b |
d |
||||
|
•i^ 8ti. |
P |
t |
k |
k |
||
|
8th. |
to |
V |
s i |
J |
5 |
|
|
^l 8tl. |
f |
8l |
X |
X |
h |
|
|
& ?" Nasale |
m |
n |
v> |
|||
|
Liquidae |
l r |
r, w. Der labiale stimmhafte Reibelaut wird verschieden arti- kuliert. Nach ^, i, t wird ziemlich allgemein bilabiales w?, in den übrigen Fällen von alten Leuten meist auch w^ von jüngeren gewöhn- lich labiodentales v gesprochen, also z. B. §walv9n Schwalben.
r ist bei allen alten und meist auch den jüngeren Prendnern Zungen- r.
i wird vor l^ r, w? (z. B. äriff) und in- oder auslautendem p, t (z. B. foi'st) breiter, dagegen in anlautendem .«Jp, St (z. B. äpan^ std) dünner, d. h. mit viel geringerer Zungenstülpung, gesprochen.
jy^ t, k werden anlautend schwach aspiriert gesprochen.
Silbenbildende sowie überlange /, w, w, r sind mit /, m, w, r bezeichnet.
§ 6. Verhochdeutschung der Aussprache tritt mehr und mehr bei denen ein, welche, wie besonders Maurer, Soldaten, Dienst- mädchen längere Zeit sich in Berlin aufhalten. Sie entwöhnen sich der nur mundartlichen Laute und ersetzen sie durch die der Berliner Vulgärsprache, d durch «, ä durch f, g durch a oder ö, f«, f«, üo u. s. w. durch ß, I, ü. Ferner tritt a an Stelle von auslautendem '9r, -m für auslautendes twn ein.
Greift der Einfluss Berlins auch auf die Wortformen über, so verschwindet zuerst der lautgesetzliche Wechsel von e und ai (c5§ 27 — 29), und man hört hecb statt haicb, dein statt dc$iln.
Die Vokale in historischer Entwicklung.
§ 7. Der nachfolgenden Darstellung der Lautentwicklung wird das Schema der gemeinmittelniederdeutschen Schriftsprache zu Grunde gelegt werden. In den Fällen, in welchen die mnd. Urkunden der Mark dialektische Abweichungen aufweisen, werden diese beigemerkt werden, sofern sie als Vorgänger der heutigen Laute anzusehen sind.
Mnd. kurze Vokale.
§ 8. Die mnd. kurzen Vokale sind in der Regel unverändert er- halten, soweit nicht konsonantische Einflüsse Änderungen bewirkt haben:
a. § 9. Mnd. a < as. a bleibt a: a) af ab, ahr Acker, cm^st Angst, «73/ Angel, aj)} Apfel, asd Achse, bakn backen, bant Band, Uafn bellen, dax Tag, dak Dach, dwnp Dampf, dam Fichte, duntsan tanzen, fat Fass, jras Gras, kameb Kamille, katd Katze, kladorix kläterig, mate Metze, maxolihr Wachholder, nat nass, padd Frosch, ]Hifi9 Pfanne, rat ßad, zalvaid Salbei, zant Sand, aap Schrank, smal schmal, Swalu^ Schwalbe, taka Zacken, tayn^ plur. tamo zahm, tsa^x zage.
b) Mnd. a verkürzt aus as. a bleibt gleichfalls a: blador (as. blddara) Blatter, braxt^ brachte, daxt (ahd. täht) Docht, daxta (as. thähta) dachte, janwr (mnd. jdmer^ Jammer) Jammer, zaxt (as. scifto) sanft.
c) As. mnd. a vor W, It wird o\ vgl. § 13c. Über det^ ddt das vgl. § 10b.
6
f und umgelautetes a. ^ 10. Die Prendener Mundart lässt bei isolierten Formen er- kennen, ob der Umlaut schon in as. Zeit oder erst später eingetreten ist. Im ersten Falle wird heute oifenes e, im anderen ä gesprochen. Wenn neben umgelauteten Formen nicht umgelautete in demselben Paradigma oder einer nah verwandten Ableitung erhalten sind, tritt stets ä ein.
a) Mnd. § < as. ? wird e\ iletioivant (ahd. tentii) Scheidewand zwischen Tenne und Tass, ekä9 (as. aex, aecsa bei Gallee, Vorstudien zu einem as. Wörterbuch S. 2) Axt, fen (as. feni) n., sumpfige mit Gras oder Schilf bewachsene Niederung, fest9 (as. fest bei Gallee) fest, ler99 Lende, mets9r Messer, meni Mensch, neta Netz, penmk Pfennig, redn retten, trextar (as. trehteri bei Gallee) Trichter. Ferner das as. nicht belegte ei^kd Pfropfreis, etikn pfropfen.
b) Mnd. a bezw. e wird d : dntd Ente, bdndd (mnd. bande^ hende) Bänder, hdksl Häcksel, Mlftar Halfter, hdmdd Hemd, MndB Hände, ferjdln vergällen, jdntar Gänserich, jdsta Gäste, jrdnsn grenzen, Idnwr Lämmer, indnd^r Männer, pdn (neben pan) pfänden, Mfts Stiefelschäfte, samt Schemel, tdkhr Teller, trdpa Treppe. — Ferner ddt^ det das, der Umlaut erklärt, sich aus der häufigen Verbindung diu in.
e\ e. § 11. a) Mnd. e< as. e\ e bleibt e: bem Raufe, besn Besen, br(}}jn bringen, dresaln drechseln, fextn fechten, feit Feld, felß Felge, fei Fell, ferakl Fenchel, helpm helfen, lediy^ leer, kweln quellen, meh Melde (Pflanze), mes (as. tnesty mist) Mist, met (as. med, mid) mit, nest Nest, äelp Schilf, Smeltn schmelzen, zejd f. Seggegras, ster/ Steg. — emar Eimer, et9r Eiter. — Ausnahme: äumtar Schwester.
b) Mnd. e < as. i bleibt e: melk Milch, .Ued^ (as. slido, mnd. siede, sledde) f. Schlitten, ^^met (as. smith) Schmied, ^wem schwimmen.
c) Mnd. e, verkürzt aus as. e (germ. ai) ist mit mnd. e zusammen- gefallen: en (unbetont, sonst en) ein, erft echt, fet feist, led9r Leiter.
d) Mnd. e wird ö\ dröä'^ dreschen, rön rennen, äöp7j[t schöpfen, twölivd zwölf, wöltüQH (mnd. wehen) wölben.
e) Mnd. e wird f, ü neben ä und / in : siln (mnd. scheiden) schelten, lii^n (mnd. leschen) löschen.
f) End-ß. Im Mnd. erscheint auch nach vorangehender un- betonter Silbe mit e und Liquida ein aus älterem a oder i geschwächtes oder epithetisches e, ersteres z. B. in bovene oben, hovede Häupter, letzteres in neutralen Pluralen wie dorpei'e Dörfer, honere Hühner, kindere Kinder s. Lübben, Mnd. Gram. § 70. Im Teltow sind diese e noch heute erhalten, es heisst also hier bläderd Blätter, d^ld^ra die Taler, atars Eier, krabah Krätze, lenjüdard Lehngüter usw. (Vgl. jetzt Siewert, Nd. Jb. 33, 23). Wie bäm (mnd. bavene), küh Kugel, öna Augen u. ä. beweisen, hat auch der Barnim diese e früher gehabt. Die lebende Mundart hat sie nur nach betonter Silbe bewahrt, nach unbetonter abgeworfen. Es heisst also in Prenden einerseits hümdar
Hühner, kdlwsr Kälber, ki739r Kinder, andrerseits J9zijt9 Antlitz, heb heil, het9 heiss, hQ<*n9 Hahn, rtkd reich, rlp^ reif, §pi799 Spind, äürd Regenschauer.
L S 12. a) Mnd. i < as. i bleibt i: jlit Glied, jszkcto Antlitz j dik dick, dil Dill, ditok Ding, rfis^/ Distel, rfW/iJ Trift, fidl Fiedel, fink Fink, fi§ Fisch, fits» Gebinde Garn, flikii flicken, friä frisch, himbärd Himbeere, ik ich, kin9 f. Kinn, kint Kind, snitlöf Schnittlauch, li^m Linde, milt9 Milz, /wirf/ Mittel, pip Pips der Hühner, kmk fest (vom Fleisch), rifo Kippe, älits9 f. (mnd. s/isse) Schlitz, zvf^ sich, ^ii/ Sichel, zitii sitzen, ziltv^r Silber, ivitman Witwer, tsika Ziege. — ktimk (mnd. ktnit) Kiebitz.
b) Mnd. i verkürzt aus as. I, igi oder io bleibt i: bixts (as. Ififßhto) Beichte, rfij^fe dicht, drilv/^ Drillich, liyt (as. Höht) Licht, /*Wi^- /m«^ Leinwand, wtä9 (as. *mska) feuchte sumpfige Wiese, ivit weiss. — Ferner: rit reitet, 6t7 beisst, ^m7 schneidet u. a.
c) Mnd. t < as. ^ bleibt i in hiraest (mnd. hingest) Hengst, him Henne.
d) Mnd. * < as. e' bleibt i in : jistam (vgl. mnd. Srgisteren) gestern, (fiz9r dieser, Miim Stimme.
e) Mnd. i wird ü in folgenden Wörtern: durch Vorwegnahme der Lippenrundung des ä vor ä, t^, l^ in düs Tisch, ßedorwü^ Fleder- wisch, bätskin bischen, nüst nichts, piil39 m. Pilz ; vor m n / in p^p^r- mn*nt9 Pfeffermünz, pünzl Pinsel, riint Rind, ümdr immer, ülmk Iltis.
0,
§ 13. Mnd. 0 bleibt o. — a) Mnd. o < as. o: bodn Erdboden, (hxter Tochter, flot Angelspule, fos Fuchs, hof Hof, hokd Garben- haufen, holt Holz, klopm klopfen, hiot (as. knotto) Knoten, mofo (as. molda) Mulde, mos m. Moos, osd Ochse, pot Topf, roT^d Roggen, rotn verrotten, .^ot (eigentlich Geschoss) Schuss, Hok Stock, trox Trog, icok9 Spinnrocken.
b) Mnd. bezw. as. Formen mit o wird man, wo im Mnd. oder As. neben jenen auch t/-Formen vorhanden waren, gleichfalls für folgende Wörter anzunehmen haben: brost (mnd. borst as. bnist) Brust, kno]^ Knospe, mol m. Maulwurf, olmv/^ (mnd. olmich, ulmich) verrottet, Mkeh Schosskelle.
c) Mnd. 0 < as. oder frühmnd. a vor Id oder It: foJjdn (mnd. folden) falten, holn (mnd. holden) halten, kolt kalt, olt alt, ä7nolt Schmalz, zolt Salz — : Ausnahme: bah (as. baldo) bald. Es ist be- merkenswert, dass auch in der Prignitz, der Uckermark, im Teltow (Nd. Jahrb. 32 S. 35; 33 S. 10. 30) in Mecklenburg und zwischen Elbe und Harz bah, bal gesprochen wird, trotzdem es überall olt oder ölt usw. heisst.
0.
§ 14. Mnd. ö bleibt ö. a) ö < as. o: hölt9r Hölzer, köpe Köpfe, kropm Bäumen die Krone abhauen, köst9r Küster, pöt9 Töpfe, §töh) Stöcke u. a.
8
b) ö < as. u: föln (as. fxilin) Füllen, fös9 Füchse, höltn hölzern, möb Mühle, mölxhr Müller, §ötl (as. scutil) Schüssel.
c) 0 < as. a vor Id oder lt\ kölcbr kälter, öldar älter, cjld9rn Eltern, — köh Kälte.
d) ö verkürzt aus umgelautet as. 6: jösl (mnd. gosselen) junge Gans.
u. § 15. Mnd. u bleibt u: a) u < as. u: dumj^i dumpf, huf9 Hüfte, fifrustsni verrosten (mnd. verriistern)^ ju7jk jung, Huko Glucke, kum hölzerner Trog oder oben offener Kasten, §rumpln schrumpfen, suldar Schulter, §uU Schuld, ^ult9 Schulze, truml Trommel, tvxt Zucht, up auf, zum Sonne.
b) Mnd. bezw. as. Formen mit ti wird man auch in folgenden Wörtern vorauszusetzen haben, in denen neben jenen auch as. oder mnd. Formen mit o belegt sind: buk Bock, dul toll, dHnd9r Donner, f'ul voll, pm Kuss, tHn9 Tonne, ividi) Wolle, tndf Wolf, wulkd Wolke.
c) Mnd. u verkürzt aus as. ö bezw. uo\ btisn Busen.
ü.
§ IG. Mnd. il bleibt n: a) Mnd. ü < as. //: bn'ijd Brücke, bühi bücken, drilkn drücken, dil/tv/ tüchtig, dllmpl Tümpel, duna dünn, hillpd Hilfe, hillzo Hülse, ImiZiß Achsnagel, miijo Mücke, mül Kehricht, Staub, niit9 nützlich, püto Brunnen, rüjd Rücken, strilpo Bindfaden, stak Stück, si'qid Wurfschippe, tilfl Pantoffel, um um, wüli(\^ Wölfe.
b) Mnd. ä verkürzt aus as. iu: lir/p Leuchter, lüyfn leuchten, — Ausnahme kiyißxb (mnd. vüchte^ as. ßuhtui^ ßuhUi) P^ichte.
Mnd. tonlange Vokale.
§ 17. Nach dem zuerst von Nerger (Germania 11, 452 — 457) dargelegten und benannten Gesetze der Tondehnung sind im Mnd. kurze Vokale in betonter offener Silbe, denen eine unbetonte folgte, gedehnt worden. Mit dieser Dehnung verband sich eine Vokalsenkung, indem in der mnd. Schriftsprache altes i zu 6, xi zu ö wurde. Eine zweite, vor 1400 einsetzende, aber nur einen Teil Niederdeutschlands einschliesslich der Mark umfassende Senkung betraf nur die aus as. 0 wie u entstandenen tl. o, die von jener Zeit ab a geschrieben sind.
Die Prendener Mundart hat die überkommenen mnd. tonlangen Vokale diphthongiert.
Tl. a.
§ 18. a) Mnd. tl. a < as. a wird 9«, wofür auch q^ oder doppel- gipfliges 9 (vgl. § 3 b) eintreten kann. Vor / und n in geschlossener Silbe ist letzteres in der Regel der Fall, während im Auslaute statt $« gern 9« gesprochen wird: qn ahnen, qkdlaid Akelei, brg<^k9 Brache, dqld^r Taler, drq^^ko Drache, fq^^m (mnd. vadem) Faden, /^«/w Fahne, fq^tn fassen, J^>«, jq^^ jq ja, jrq^do gerade, j/q^^zdr Glaser, hq^ne Hahn, hg^iZi) Hase, knq^ka Knochen, kq^^n (mnd. kane) Kahn, köl kahl, kqf^t)r (ahd. kater) Kater, ßeslq^ky Salzlake für Fleisch, mq^do Made, mq^kn
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macheo, mgln malen, nQfng^t9 (eig. Nachmat) Grummet, niQan mahnen nmtw Name, nQ^kdix (vgl. mnd. nakedicheid) nackt, plq^stdr Pflaster, rj^jww raffen, auflesen, z. B. von Kartoffeln, rq^^zn Rasen, zq^^na Sahne, sw^<*d9 (plur. zu swat^ ae. s^wadhu, ndl. stvad) Reihen, in denen gemähtes Heu oder Stroh liegt, äpQ^dd f. Spaten, tq^dl Tadel, tQkdl Takel, wQ<*t9r Wasser, ivrQ<^n feuchter Dampf, w^dd (an. vadr) grosses Fischernetz, vQdika (neben voika) abgerahmte saure Milch.
b) Ausnahmen sind durch hochdeutsche Beeinflussung bewirkt: aiverst aber, kölräba Kohlrabi, räni Rahmen, zäm Samen, fädar Vater.
TL f und umgelautetes tl. a. § 19. Die Umlautung alter a in offener Silbe hat drei ver- schiedene Laute ergeben. Von diesen ist : a) §« durch die Tondehnung aus mnd. e entstanden, b) ä findet sich nur in Wörtern, in denen n durch Ausfall von Lauten lang geworden war. Die a hatten daduröh die Qualität organisch langer a erhalten und sind nach der Regel dieser umgelautet, c) p« ist ein Analogie-Umlaut neundd. Zeit für das nach § 14 aus tl. a entstandene ^^.
a) f^ < as. mnd. e: rödd be^zi'm^ bezii^a Erdbeeren, §^zl Esel, hekl Hechel, hemm heben, k^^tl Kessel, kreß (mnd. krevet) Krebs, le/jßär (ahd. leffil) Löffel, n^Hl Nessel, ^^f^cfo (ndl. altmärk. päge) Quecke, ^^p} Scheffel, utdsn ausdehnen.
b) Umgel. mnd. tl. a wird ä: änli/^ (mhd. aneltch) ähnlich, mäkd^ti (mnd. megedikin) Mädchen; vgl. auch kala (mnd. kegele) Kegel § 68.
c) Umgel. mnd. tl. a wird ^^\ b^^tuf Boden, dp^mliy^ d^Uiy dämlich, h^^na Hähne, h^^skin Häschen.
Tl. e, § 20. Mnd. aus as. e oder i entstandenes tl. e ist mit mnd. tl. e zusammengefallen und hat sich wie dieses zu e^ entwickelt, für welches auch in schnellerer Rede q mit und ohne doppelgipfligen Accent gesprochen wird,
a) tl. e < as. e: b^^dn beten, befkar Becher, h'^^kn brechen, f^^dar Feder, fem fegen, fre^tn fressen, jetmn geben, kn^Hln kneten, kquyjr Käfer, l^^ioan leben, le^iwr Leber, n^ nehmen, neivdl Nebel, ät^ln stehlen. Mi^^kn stechen, .Urq^na Strähne, Flechte, sweHn (ae. swelan) schwelen, äw^^cdn schweben, äweßwsl Schwefel, w^^tvan weben, wq^/^r Weber.
b) tl. e < as. i: deh Diele, Brett, kle^ivan (as. klibön) kleben, pe/kl Pökelbrühe, sm^^da Schmiede, .^f^7ia pl. sqtcan und sm (mhd. achiver) Flachsschebe, zeAwan sieben, z^^tva (ursprünglich Plural zu dem gleichfalls noch gebräuchlichen zef) Sieb, ^g^ptq^ka (ndl. teek) Schaf- laus, äp§l (mnd. spei) Spiel, str^^ka Streiche zum Sensenschärfen, .^tr§ml Streifen, w^^za (neben wiäa) Wiese, w^^zl Wiesel.
c) Ausnahmen (durch hd. Einfluss): -smldn (got. gasmi^on) schmieden, smqt (mnd. smit, smet gen. -edes) Schmied.
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Tl. 0 (mark. mnd. a). § 21. Mnd. tl. 0 ist aus as. o oder as. u entstanden und in beiden Fällen zu $« (9«, g) geworden.
a) Mnd. tl 0 < as. 0: g^^pm offen, bgle Bohle, bg^^dn geboten, jdbrg<^kn gebrochen, knqf^kn Knochen, jdnQ^m genommen, jdng^tn ge- nossen, J9^prg<*kn gesprochen, jsMgafn gestohlen.
b) Mnd. tl. 0 < as. w: kg^m kommen, wgn wohnen, zg^fw Sohn, ferner das Partizipium jdkgf^m gekommen.
Tl. ö (mark. mnd. a). S 22. Mnd. tl. ö wird g^ sowohl als Umlaut von as. 0 als auch von as. u,
a) Mnd. ö < as. 0: kng^kam knöchern, krg^tif (as. krota^ Gallee Vorstudien S. 185) unartiges Kind, gtmr über, stg^kern stochern, Obst mit einer Stange von den Bäumen schlagen.
b) Mnd. tl. ö < as. u\ jg^kn (mnd. Jofew^ jucken, krg^pl Krüppel, ng^tif f. die Nuss, slg^tsr Schlüssel, zg^^m Söhne, zg4n sich im Schmutze wälzen, schmierige Arbeit verrichten.
Hnd. lange Vokale.
§ 23. Die nachstehende Übersicht, in der jedoch die besonderen vokalischen, konsonantischen und anderen Einwirkungen nicht be- rücksichtigt sind, stellt die langen Vokale der mnd. Schriftsprache, der Handschrift C des Heliand und die entsprechenden Laute der Prendener Mundart neben einander, ohne dass eine Verwandtschaft der Mundart von C und des Barnim gefolgert werden soll Das Vorkommen alter ie und uo war nicht auf eine einzige Gegend be- schränkt, etwa den Niederrhein, sondern ist auch für einen Teil der Provinz Sachsen und Anhalts erweisbar.
Mnd. d <^i e^2 ^8 i^ i^ öl 02 a. Hei. C ä e S e ie io,ie uo 6 fi. Prend. $» ö e ai i^ f« fto ö ü. Wenn diese Zusammenstellung zu dem Schlüsse berechtigt, dass das Prendener Vokalsystem nicht aus dem Gemeinniederdeutschen sondern aus einem solchen, wie ihn die Mundart des Cottonianus aufweist, hervorgegangen ist, so lässt sich hieran die zweite Folgerung knüpfen, dass die alten Längen meist ohne wesentliche Änderung in Prenden fortleben. Grössere Verschiedenheiten bietet eigentlich nur die Entwicklung von ä über das gemeinndd. g zu g^ und von e über ei zu ai unter dem Einiluss eines folgenden i.
§ 24. Mnd. ä ist zu g<* geworden, das inlautend durch doppel- gipfliges $, auslautend durch $« und doppelgipfliges g vertreten werden kann, vgl. § 4: a) Mnd. d < as. ä wird $», g\ gl Aal, pl. ^fe, g^dsr Ader, öbrgf^m Augenbraue, g^nw (mnd. ä wird erwiesen durch westf. oani9 Funke, Kuhn's Ztschr. 2, 194), g^mels von brennendem Stroh
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abfliegende Teilchen, hl^a^^ Blase, brgf^dn braten, hri}<*dd Braten, dQH Tat, dQ<^z9 Viehbremse, jQ^i gehen, kwgf^cb klein, Aj^fe Haken, krgf*^m Kram, lg<*tn lassen, fngl Mahl, mgf*n Mohn, mqo,nsln Mondschein, nq^hi nahebei, nQf^t Naht, nq<»tl Nadel, 9«/w ohne, pq^^l Pfahl, kw^^^za (vgl. mnd. qtmse, ostfr. kwäse^ kwese^ dän. kvwse) eine durch Quetschung entstandene Hautblase, rQf^da Kornrade, r^^ Rat, slQj) plur. älgpa Schläfe, Ä^öfo Schale, sQ^2^9 Schafe, ^lyrQf^kd Sprache, stql Stahl, sti}n stehen, strqafd Strafe, itrq^l Strahl, strqf*t9 Strasse.
b) Mnd. auslautendes ä wird 9», 9«, Q: (/$«, f/9«, dq damals, M i?^ i? ja, w?^ nahe.
e^ und umgelautetes «. § 25. Altes (i ist a) zu geschlossenem e geworden, wenn die Umlautung schon in as. Zeit erfolgt ist; b) zu offenem §, wenn erst (las Mnd. den Umlaut eintreten liess; c) zu ä^ wenn in späterer Zeit umgelautet wurde oder d) ä sich aus as. äi entwickelt hatte; e) zu p«', wenn der Umlaut in jüngerer Zeit zur Bildung von Pluralen von diphthongiertem $<», entstanden aus mnd. ä (vgl. § 24), eingesetzt ist.
a) > ö: kez9 (as. kesi) Käse, l^'^ niedrig, sre/^ (vgl. mnd. schritt, tlekt. schruda) schräg.
b) > f : bektofm (mnd. berpteme neben hequame) bequem, anßtiem angenehm, te (mnd. tege neben td) zähe, retsf (mnd. redelse, rädelse) Rätsel, smeliy (mnd. smelik) schmählich, vöniem vornehm.
c) > a: äpäda (ahd. spati^ as. sjmh, mnd. 5/;drfe, spede) spät, -:ra/i)r selig, betrunken, äläpariy^ (mnd. slaperkh) schläfrig, sop^r Schäfer, stäbni stählern.
d) as. ai, wofür mnd. e^g, ei, d eintritt, erscheint gleichfalls als a: dran drehen, krän krähen, man mähen, nän nähen, §mdn schmähen, wän wehen, zän säen.
e) > p«: kr^enwr Krämer, kw^^ziy dumm, n^t pl. n^He Nähte, p^lf (neben pqf^b) Pfähle, ät^ln stählern.
e.
§ 26. Prenden differenziert genauer als irgend eine der bisher dargestellten ndd. Mundarten die verschiedene Herkunft der mnd. e. Es sind etymologisch folgende mnd. e zu unterscheiden:
^1, der Umlaut zu as. mnd. ä vgl. § 25.
e^, das aus germ ai entstandene und nicht durch nachfolgendes i beeinilusste e,
e^, welches aus germ. ai entstanden ist, dem ein i folgte.
e* entstanden aus germ. e^ oder germ. eu.
e^y durch Kontraktion oder Dehnung entstandenes e.
§ 27. Mnd. e^ < as. ^ < wg. ai wird ß.
a) vor altem w h und im Auslaut: Swiy^ ewig, 7ie nein, re Reh, me Schnee, swe zwei, te (plur. tefid) Zeh, we weh, ze See, zeb Seele.
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b) ß2 vor anderen Konsonanten : hen Bein, bUk bleich, brU breit, dd Teil, dey Teig, en ein, fle§ Fleisch, Mb heil, A^.^ heiser, hetsn heissen, kUt Kleid, klewdr Klee, lern (ahd. ^^>wo) Lehm, Ut leid, m^,^^ Biermaische {m^.<dn maischen), mezd Meise, rep Tau, an dem die grossen Fischnetze hängen, ä^f (an. sceifr) schief, wek weich, wen weinen, ik wet ich weiss, ziild^r Seiler, — ausserdem die Präterital- formen: bet biss, blef blieb, dref trieb, jrejy griff, kek sah, kr^y kriegte, ret ritt, ^^n schien, smet warf, änet schnitt, ärey schrie. — Als hochd. wird Sakkn (nur in siy s, iQ^tn) empfunden.
§ 28. Mnd. e^ < wg. ai 4- i wird ai: aikl Eichel, arbait Arbeit, berait bereit, bkiikn bleichen, dailn teilen, jail üppig (von Gewächsen), ranzig (vom Speck), jdtnaind Gemeinde, haidi) Wald, hailiy heilig, halt in Compositis (vgl. Holthausen, As. Elementarbuch § 306, 2) z. B. dumhait, inwaikn einweichen, klaifi klein, laün (Vieh am Stncl<) leiten, main meinen, raikn reichen, raim rein, äaida Feldscheide, .^aidl Scheitel, äpraida {flas tip dld äpraids lejn Flachs auf dem Erdboden ausbreiten), äpraidn spreiten, wainiy^ wenig, waita Weizen, wolfail (ahd. feili) wohlfeil.
e\ 3.
§ 29. Es ist das Verdienst Holthausens zuerst erkannt und in seiner „Soester Mundart" § 69 ausgesprochen zu haben, dass germ. ai sich verschieden entwickelt hat, je nachdem ursprünglich i folgte oder nicht. Die hierdurch bewirkte Differenzierung findet sich in den meisten binnenländischen Mundarten von Westfalen bis zur Oder. Überall findet sich aber auch eine Anzahl Wörter, welche zu der Regel nicht stimmen oder nicht zu stimmen scheinen. Einige Aus- nahmen erklären sich leicht durch Angleichung, wenn z. B. in Soest, weil es doli heisst, für „teilen" heute doiln statt dailn gesagt wird. Andere Ausnahmen erscheinen uns vielleicht nur als solche, weil ältere Nebenformen mit i wohl vorhanden waren, aber zufällig in den erhaltenen Denkmälern nicht belegt sind, ein Fall, der höchst- wahrscheinlich bei aik9, spaiko und wohl auch noch anderen Wörtern vorliegt. Jedenfalls bieten die nachverzeichneten Ausnahmen, welche die Prendener Mundart hat, zum Teil keine blos lokalen Verstösse gegen die Regel, wie die angemerkten Angaben aus anderen Mund- arten beweisen.
aika (ae. äk) Eiche (ebenso i^ in der Prignitz), aikhorn Eichhorn, aijdn eigen (ebenso Prignitz), hailiy (ahd. heilag as. helag) heilig, hahn9 (ahd. heimo) Heimchen, luiMyi (got. laists «--Stamm, mnd. lest leste) Leisten (ebenso Prignitz), raiza (ahd. reisa) 1. Reise, 2. Tracht von zwei Eimern am Trageholz, raizri reisen (auch mnd. stets reise, reisen), spaik9 (ahd. sjyeihha, as. speka, ndl. speek) Speiche (ebenso Prignitz; verwandt scheint die as. Ortsbezeichnung -spekia Pfahldamm), taikn (got. tailxns i-Stamm) Zeichen (ebenso Prignitz),
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fraid9 Viehweide (ebenso Münster, Prignitz; auch mnd. stets waide\ mj9tcai(b Eingeweide (auch mnd. weide).
c* (mark. mnd. i).
§ 30. a) Mnd. ^*, as. io, wird f«: hl^don bieten, hl^st Biestmilch, hl^zl Binse, bl^zs Binse, di^f Dieb, dim dienen, fordriHn verdriessen, AM Fliess, Bach, jlHn giessen, jrl^u^ Griebe, kmiv plur. kuc9n (zu as. hiuwan kauen bei Gallee, Vorst. S. 176; hd. Kiemen ist in der Gegend von Wittenberg aus dem Plural kievn < kiewen entstanden), A-«l« Knie, ll^f lieb, pri^m Pfriemen, rVm Riemen, rlH Ried, SlHn- schiessen, äprlHn spriessen, wt^dsn (as. modm) jäten, 2^«dan sieden, zi^k0 siech, dauernd krank.
b) Mnd. i\ anfr. ie < germ. S^ oder lat. ^, ist f« geworden: bi^st Untier, brl^f Brief, himfijto Kienfichte, Kiefer, rnl^d» Miete, Lohn, pri^st9r Priester, ti^kd (ahd. ziahhä) Bettzieche. Ferner ht^t hielt, liH Hess, Mfep schlief. Ausnahme: ßtwr Fieber, mita (lat. meto) Ge- treideschober oder Kartoflfelgrube.
e^ (mark. mnd. t). § 31. Durch Kontraktion sind entstanden: J9sim (< gescehan) geschehen, um (< sehan) sehen, ß (< fehu; wegen des Auslautes e statt ai) Vieh, ß^d^r (< iohwedJmr) jeder.
%,
§ 32. a) Mnd. C < as. I ist I geblieben: bliiv9n bleiben, i«/ Beil, dlk Teich, distl (as. thtsla) Deichsel, drist dreist, ßb Feile, kllstar Kleister, knipm kneifen, krlda Kreide, ktl Keil, ih Eile, is Eis, iz7i Eisen, Im leinen, li7W Leine, mir9 Ameise, r'lpe reif, ztni (fries. s-tm, mnd. sime) Angelschnur, ziporn sickern, Mu^ Scheibe, äin Schein, stein Schwein, ,^trikp^ streichen, tstzi-/^ Zeisig, tU Zeit.
b) Mnd. t > ü: ätrüml Stummel (vgl. mhd. stHmele Streifen).
öl (mark. mnd. u). § 33. Mnd. öl, welches as. 6 < urg. 6 wiedergibt, wird ü», geschwächt ü«. In Wörtern, in denen üo gesprochen werden kann, hört man oft und besonders im Wort- oder Silbenauslaute, d. h. in offener Silbe, auch ft«. In manchen Worten ist letzteres allein üblich, z. B. hört man düon und düm^ stets aber tti düetid zu tun. Für beide kann doppelgipfliges ü eintreten.
a) blüoing Blume, hlüot Blut, brüodor Bruder, büok Buch, drüesl Drossel, flü^im Fischschuppe, füH Fuss, hü^da Herde (von Gänsen), ki-ü^s irdener Krug, kü^ Kuh, pü4 Pfuhl, Pfütze, Mü^^pd Stufe, Müot9 Stute, §üo (plur. .^«) Schuh, .^ostar Schuster, üok9n (Reuter auken^ ostfr. öken) der innere Winkel, welchen das Dach mit dem Hausboden bildet.
b) Eine Ausnahme macht das Wort plöx (ahd. pflnog) Pflug und kröx mit der Nebenform knix Dorfgasthaus. Die Erklärung gibt § 68 k.
14
81.
§ 34. ßi, der Umlaut von ö^, erscheint jetzt als ««, das aus ü^ entstanden ist; vgl. § 68k: hlü^ta Blüte, hrü^fhr Brüder, hüdv Buche, fü^tQ Füsse, /wä^'cfo müde, püh (plur. zu ^^ü«"/) Pfützen, zfid-n suchen, züfto süss.
b) Ausnahme: rou^ Mohrrübe, Lehnform für das altheimische nioi-o.
§ 35. Mnd. ö2, welches aus urg. au entstanden ist, erscheint als ö: blöt bloss, hörn Baum, börie Bohne, bröt Brod, jröf gross, //ö.r hoch, lö])rn laufen, lös los, rök Rauch, 7'ökn rauchen.
82. § 36. Der Umlaut von mnd. ö2 erscheint als ö: homo Bäume, ch&in träumen, hojdr höher, ^75?/^n glauben, jr^^m kaufen, ro/z'^r Räuber, rokvni räuchern, ätröpar (vgl. mnd. stropen) Vagabund, toh (mnd. tö) Hündin.
öS Ö8.
§ 37. 63 heissen diejenigen mnd. ö, welche weder aus urg. 6 noch urg. au entstanden sind, aber die Qualität von 6^ oder 6^ an- genommen haben. Vgl. Nd. Jahrbuch Bd. 18 S. 141 if. Die Pren- dener Mundart bietet folgende Beispiele:
öS = öl wird üo oder ä«: kmnyid Krume, .^püon Spahn, ferner das Lehnwort süoh Schule.
8S = 81 wird ß«: krü^ml Krümchen, Apü^k Spuk, spüfkn spuken, spü^no Spähne.
öS =z: ö2 wird ö: frO froh, rö roh, zö so, sirö Stroh, ausserdem die Lehnwörter kröm Krone, rözd Rose.
88 = 82 wird o: flo (plur. floyi) Floh.
ü. § 38. Mnd. ü ist a) aus as. ^, b) aus as. ö nach w entstanden. In beiden Fällen wird es ü.
a) ^ < as. Ä: brühn brauchen, b^üt Braut, buk Bauch, düuv Taube, fül faul, klüt Kloss, krüpm kriechen, küm kaum, lüt laut,
jnüs Maus, nü nun, rücb Räude, rükri riechen, mp9 Raupe, tun Zaun.
b) Mnd. u?ü < as. wd: ätvül (ae. swol) schwül, um (ae. hrö) wie.
ü. § 39. Mnd. ü ist ü geblieben: a) Mnd. fl, der Umlaut zu ü: brüdd Bräute, dmvokin Täubchen, forzüm versäumen, hüzor Häuser, kmtsd Kreuz, krüzl Kreisel.
b) Mnd. ü < as. iu\ düpt9 (as. diupi) neben dl^p9 Tiefe, hüln heulen, kükn Küchel, küU Keule, lüdd Leute, lüd,^ (as. lius Galice Vorstudien S. 198) Lieschgras, mz9^ Hl^zo (ahd. rtise^ *got. rusjo) Reuse, tü/^ Zeug. Ausnahmen: düstdr (as. thiuatri) düster, daihl Teufel.
c) Mnd. ü < as. A: Uüt2i schliessen.
d) Mnd. ü < as. ugi: ä^um (ahd. scugiua) Scheune.
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au, ou. S 40. Mnd. au ist aus as. a vor w diphthongiert und wechselt mit nw, mv^ ouw. In allen diesen Fällen ist es au geworden. Vgl. G2.
ei. § 4L a) Mnd. ei < as. ei bleibt ai: ai Ei, mai Mai.
b) Mnd. ei < as, agi wird ai\ zais9 (as. Hagima) Sense, umirön Majoran.
c) Mnd. ei = mnd. e^-^ vgl. § 28— § 29.
eu, oi. § 42. Mnd. eu^ der Umlaut von mnd. «?/, wird oi: hoi (as. homci) Heu (aber haihöp Heuhaufen), ätroin (mnd. stroieriy Strogen^ >ifrouwen) streuen, .Uroi Streu, toi die hölzernen Halmfanger an der Komsense, froidff (mnd. iroude, mvuwede) Freude.
Die mnd. Vokale vor r.
ar,
§ 43. a) Mnd. auslautendes ar bleibt ar nur in dem hd. Lehnwort Mar (in der alliterierenden Formel ätar im sttf) starr.
b) Mnd. auslautendes ar wird ^r, wenn a ursprünglich oder in den flektierten Formen in oifener Silbe stand: hQr jelt bar Geld, J9w^r gewahr, J^r (as. ga7ni garo) gar, ganz, klqr klar, naxhqr (hd.; mnd. nAchhür\ plöxägr (ahd. skara) Pflugschar, .^gr Schaar.
c) Mnd. ar wird Qr vor rn und aus rd entstandenem rt: bgrf Bart, f^rt (as. vard) Fahrt, jQrn (mnd. gam) Garn, jgrn (mnd. gardm) Garten, hgoznägrt (ae. luersceard) Hasenscharte, kgrt9 (mnd. karda) Karte, §pekäwQrd (mnd. swarde) Speckschwarte, wqrn (mnd. warden) warten. — Ausnahme: hart (mit hd. rt, mnd. harde),
d) Mnd. ar wird gr vor ^ in ft^ri Barsch. Ausnahme: barf^ (mnd. barsch) barsch, wohl weil hd.
e) a bleibt in allen übrigen Wörtern: arm Arm, a^y^ arg, barft barfuss, darf darf, Aarfe Rechen, jaru'9 Garbe, karnikl Kaninchen, kar9 Karre, madar (mnd. marder) Marder, marks Mark, marjt Markt, .^par9 Sparren, äivart schwarz.
§r und umgelautetes ar. § 44. a) Mnd. §r, ar wirdar: änw^r ärmer, Aarfer härter, kdi'l Kerl, Wnn (frz. alarme) Lärm.
b) Mnd. ^ wird er: ertc9 Erbe, e;/i^ Erbse, ^>'w/ Ärmel, merßl Mergel, utmertsn Schafe ausmerzen.
c) Mnd. qr wird ar: arpl Enterich, farkn Ferkel, harwest Herbst, sarliidk Schierlink, äparliTdk Sperling, tarn zanken.
er, er. § 45. a) Mnd. auslautendes f-V wird ar: Mr Bär, här^ //a (mnd. her) her, spar Speer, tär Teer.
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b) Mnd. er vor d wird är: ärd» Erde, hart Herd, härdd Herde. Ausnahme macht Mrcfo, siehe bei c.
c) Mnd er wird är\ ämst (mnd. ernesf) ernst, härda Hirt, kam Kern, ^^rn Stern, ätärt Sterz.
d) Mnd. ^r wird er: herke Birke, derwB derb, fdrdem^n verderben, her^ Hirse, kerf (plur. körwd) Kerf, Kerbe, äw^^*^ Quirl, ,«?^em Stirn, f^^'6/ Wirbel, werk Werg.
e) Mnd. er wird ar: barätn bersten, 6ar^ Berg, Aarfe Herz, jarstd Gerste, §arwd Scherbe, .^tariodn sterben. — In manchen Familien wird abweichend bärstn^ bdr^^ hart» usw. gesprochen.
f) Mnd er wird ör: börj9 (schon mnd. meshorje) Trage für Mist, for§t9 Dachfirst, km'wd (plur. zu kerf) Kerben.
fr, ur. § 46. Gemein-mnd. ir und ur gab es nicht, weil as. ir zu er^ ur zu or wurde. Das Wort J9§ir Geschirr ist hd. Herkunft.
or, § 47. a) Mnd. or < as. or wird auslautend, vor as. d und u zu ör: dOr Tor, dörnätrük Dornstrauch, jrashört Grasrain, körn Korn, i/'ör^ Wort.
b) Mnd. or < as. ur wird in denselben Fällen gleichfalls zu ör\ ,^pöm Sporn, üthörtn das Land durch Schafhürden düngen.
c) Mnd. or < as. or bleibt or\ korf Korb, morjan morgen, ,^orf Schorf, ätorm Sturm, zorjd Sorge.
d) Mnd. or < as. ur bleibt or: borät9 (as. bursta) Borste, brost Brust, dartüdn (as. thurbhan) darben, dorät Durst, horU Hürde, jort (mnd. garde, gort) Gurt, koräta Brotkruste, kort kurz, tonn Turm, worm Wurm, twrät Wurst, wortl Wurzel. — Ausnahme: karmtso f. (mnd. korbitze) Kürbis, murkl (ahd. miirhila) Morchel.
ör. § 48. a) Mnd. ör < as. or vor n oder d wird ör in Iiorn (Umlaut aus dem Plural) Hörn, wörda Worte.
b) Mnd. ör < as. ar wird ör in dörp Dorf, Äc^rAw horchen.
c) Mnd. ör < as. ur wird ör in: börMo Bürste, dör/ durch, hörf^ta (Plur. zu as. hurst) Horst, inselartige sandige Erhebung im nassen Lande, körtar kürzer, ,^örto Schürze, wör'pn würgen, irörsfo Würste.
Tl. ar. § 49. a) Mnd. tl. ar wird ör: .^r (mnd. schare) Schar, Haufen, plöxsqr (mnd, schare) Pflugschar, /?/>^>rw sparen, tvörri (mnd. waren) warten.
Tl. §r, umgelautetes tl. ar und tl. er. § 50. a) Mnd. tl. er wird är: bära (as. beri) Beere, baMrn (as. skerimi) bescheren, kärn (mnd. keren) fegen, härmk Hering, fiäri-^ (mnd. nerich) fresslustig, pärt (as. perith) Pferd, äwärn (as. swerian) schwören, tarn zehren.
1^
b) Mnd. erst in jüngerer Zeit umgelautetes tl. a wird ^: jt^^rkin Pärchen.
c) Mnd. tl. er wird är: ämär (as. smero) Schmeer, ätnärn schmieren, spar n. Speer, ätcärn (ahd. sweran) schwären, eitern.
Tl. or. § 51. Mnd. tl. or < as. ur wird ör in förd Furche.
Tl. ör. § 52. a) Mnd. tl. ör < as. or wird or in niot-d (as. moraha) Mohrrübe.
b) Mnd. tl. ör < as. nr wird 5r: l}Örn (as. burian) heben, rf5r9 Tür, for für, /wor (ahd. murutvi) mürbe, fdrtörn erzürnen, tsSr» alte Stute, Gaul.
dr.
§ 53. Mnd. är wird ö^r, Qr: bqrd Bahre, jdf(}r Gefahr, g**pmb^ offenbar, Qr9 Ähre, .Ug^r, stör Staar, äwQr schwer, w^r wahr.
Umgelautetes är: när näher. — Jüngerer Umlaut von mnd. är erscheint in ätpr9^ plur. zu ätQ^r Staar.
er. § 54. a) e^r wird in ktm wenden, vgl. as. kern Wegscheide, sinf (as. scära und scera) Schere.
b) e^r wird ßr in: er (got. air, airis) ehe, eher, ör9 (as. irä) Ehre, — wird fr in: mir mehr, ^w 2«r2> zu sehr.
c) cV wird ir in: ^wers^ zuerst, Är^w (as. lerian) lehren, lernen.
d) e^r wird fr in: 6fr Bier, dir Tier, dfrw Mädchen, f9rhrn verlieren, ßn vier, wfr^ Niere.
e) e^r wird ai(^)r in: baür (mnd. 6^'^, langob. pahir^ Nebf. zu mnd. ier, as. bier^ ber) Zuchteber, äwair-, §icaidrzQ<*n9 (as. ^swehir-^ ahd. swehur-) Schwiegersohn.
tr. § 55. Mnd. %r bleibt fr: iwfr9 Ameise, .^fr schier, Adj.
ö^r. § 56. Mnd. o^r wird ür: füre Fahrt (ahd. fuora\ fürd (mnd. rörf^, rör^; Teltow, fü^dä) Fuder, snür Schnur, iümflür (mhd. vluor) Tenne.
8ir.
§ 57. Mnd. ö^r wird «Tr; /2rw (as. fortan) fahren, rürn rühren.
Ö2r. § 58. Mnd. o2r bleibt ör: rör Rohr, ör Ohr.
82r. § 59. Mnd. 82r bleibt or: hörn hören, §torn stören, rSrd Röhre.
Ki»derd«atschei Jahrbuoh XXXIV. 2
18
ür. § 60. Mnd. ür bleibt ür: zur sauer, züramp9r Sauerampfer, trü9r Trauer, bürd Bauer. — Ausnahme : hochd. maiir Mauer, maiirdr Maurer.
Qr. § 61. Mnd. Qr bleibt ür: dür9 teuer, dürn Dauer haben, für Feuer, inzürn einsäuern, äüi'd (as. sciura) Schuppen.
Diphthongiernng von i und u.
§ 62. Mnd. t wird vor folgendem Vokal sowie im Auslaut zu ij (in den Handschriften oft ig geschrieben). Aus ij mit schleifen- dem Akzent hat sich dann später *ei und schliesslich ai entwickelt.
a) i inlautend: fraian freien, fraijq<^t9 (mhd. tmiUe, in Oschers- leben frijgt) Freite, Brautwerbung, klai9 (mnd. khe, klige) Kleie, maraidnwörnwkin Marienkäferchen, rosmarabn Rosmarin, safamistet Sophienstedt, änain (mnd. snten, snigen) schneien, ärain (mnd. scrten, scrigen) schreien.
b) t auslautend: brai (mnd. brt, hrig) Brei, frai (mnd. r^H, vrij) frei, blai (mnd. bli, blig) Blei, naiy nait (mnd. rvfy nie, ntge) neu,, neues, ärai (mnd. schrie, schrige) Schrei, .§lai (mnd. sli) Schlei. — Eine Ausnahme machen indeklinable Wörter wie mi mir, di dir, bi bei, 8i sei, doch hört man im Teltow bait (= bi et). Es ist deshalb an- zunehmen, dass ij < l zuerst inlautend unter schleifendem Akzent vor folgenden Kasusendungen gebildet wurde.
§ 63. Mnd. ü vor Vokal und im Auslaut wird über üir, ouw zu au: B.) ü inlautend: bau^n (mnd. ftw^w, büwen^ bouiven) bauen, bramn (mnd. Irrüen^ brotveti^ brütven) brauen, jati^ (mnd. jüwe) euer, ätaun (mnd. stüwen^ stouwen) stauen, f9rtrau9n (as. tnion, mnd. trüwen^ trouwen) trauen. — Ausnahme: snüumi schnauben.
b) ü auslautend: frau (mnd. früwe^ frouwe) Frau, jmt (mnd. jtf, jüiv) euch, glau (mnd. glä) fein, schmuck, äau (mnd. srhil, schmve) scheu, älau (mnd. slü) schlau. — Ausnahme machen auch hier indeklinable Wörter: du du, nü nun, unl wie.
§ 64. Mnd. üg (üj) wird au: — Das einzige Beispiel aus Prenden ist zäun saugen. Ein zweites bietet der Teltow: ram Roggen, (aber ruJ9tml Roggenmehl). In beiden Fällen muss Ausfall des ge (§ 68 n) der Diphthongierung vorangegangen sein.
§ 65. Mnd. (Jm; wird au in: blau (mnd. 6/a, W«/r, blamve) blau, (lau (mnd. dötv^ douwe^ d/nve^ dau) Tau, jrau (mnd. gräw^ grau, grawe) grau, lau (mnd. l(hi\ lauw) lau, kaun (mnd. *kawen^ ndl. kauwen) kauen, daun (mnd. dawen^ dowven) tauen. — Denselben Lautübergang zeigen die Städtenamen mit der alten Endung -awe^ für welche später 'OM)e und schliesslich oft -au eintrat, z. B. Bernawe > Beriiowe > Beriiau^ Spandawe > Spandowe > Spandau.
*
Vokalkfirzungen.
§ 66. Die bereits im Mittelniederdeutschen vollzogenen Kürzungeii as. langer Vokale und Diphthonge sind bei den einzelnen mnd. Vokalen berücksichtigt worden. Die meisten derselben sind vor Konsonanten- gruppen und namentlich solchen, deren letzter Laut t war, eingetreten. Besonders häufig ist der Fall, dass in der 3. Person Sing. Präs. und im Part. Prät. e durch Synkope in den Flexionssilben ausfiel und dadurch auslautendes t unmittelbar an den vorangehenden Konsonanten trat, also eine vokalkürzende Konsonantengruppe gebildet ward, vgl. as. Iniulit (> *biudt} > mnd. biit, as. farkopod > mnd. verkoft; as. Iwdid > mnd. hot gehütet. Durch falsche Analogie ist auch in Prenden dann die Kürzung auf Formen übertragen, welche keine Synkope erfahren hatten, vgl. wet er weiss neben wet ich weiss, ferner müt ich muss, er muss.
Die Regel, dass das schwach gebildete Part. Prät. kurzen Stamm- vokal erhält, auch wenn der Infinitiv langen Vokal oder Diphthong aufweist, hat in Prenden weiten umfang, aber doch nicht ausschliess- liche Geltung. Lehrreich in dieser Beziehung sind folgende von mir beobachtete Beispiele. Hinter einem Hofzaune, an dem ich vorüber- kam, hörte ich eine Frau zu ihren Kindern folgende Worte sprechen, zuerst: nu örntlvf anJ9fg^t! — dann kaum eine Sekunde später: an- pfot ! Eine andere Frau erzählte : ik heh nox nl J9köft9 Ihwwant jdkoft (gemeint war 'von einem Händler gekaufte und verkaufte Leinwand'). Also Doppelformen im gleichzeitigen Gebrauch in demselben Munde. Beide Fälle stimmen zu der mir von einem Prendener gegebenen Be- lehrung, dass er gewöhnlich die verkürzte Form gebrauche, die andere nur, wenn er einen dauernden Zustand bezeichnen wolle.
So begegnen noch neben einander, — es sind nur einige Bei- spiele hier aufgezeichnet, — J9mQ<*kt — jdmokt gemacht, lö^t — lot lass, prompt — J9ro2)t augelesen, jdblüH — jdhlut geblutet, J9lmH — J9hfä gehütet.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass jamokt u. a. einst aus jjmg<^ket oder jdmqket gekürzt sind. Ebenso sicher scheint aber die Tatsache, dass dieses alte J9mö<*ket nicht etwa bis heute sich erhalten hat, sondern dass aus dem Infinitiv 7ng<*ken in jüngerer Zeit eine zweite Partizipform jainq^kt neu gebildet ist.
Diese Neubildungen zeigen, dass die Prendener Mundart keine Vorliebe für Vokalkürzungen hat. Von den nachstehend verzeichneten mag manche noch in die mnd. Zeit zurückreichen.
§ 67. a) Mnd. (i > Q > o\ hrofd bratete, rot^ ich riet, lotd ich Hess u. a.
b) Mnd. t'^ > e\ wet er weiss, en (unbetont für en oder en) ein, einen.
c) Mnd. e^ > e: klmdar kleiner, rmtli/^ reinlich.
d) Mnd. i > i: kikt schaut; ferner in dem Diminutivsuffix A'iw: b&inokiyi Bäumchen, wönmkin Würmchen.
2*
e) Mnd. 6^ = üo > u: hhit blutet, M. (unbetont für tüo) zu, 2nixf^ suchte.
f) Mnd. Öl = S« > w: hüt hütet.
g) Mnd. ö2 > o: hoxtU Hochzeit, änitlof (mhd. louch) Schnittlauch, h) Mnd. 82 > ö: jröt9r grösser, äöndor schöner, Möt stösst.
i) Mnd. ü > u: .<ufl (mnd. schüfele, schuffei) Schaufel, k) Mnd. & > w: äüzl (mhd. schüsel) Scheuche, krüpt kriecht, bat bietet.
Vokaldehnniig bei gre- Schwand.
§ 68. Mnd. ge ist fortgefallen, wenn ein Vokal unmittelbar voranging. Die in Verbindung mit diesem Lautausfall entstandenen Vokaländerungen sollen hier mit den zu erschliessenden Zwischen- formen nur belegt werden. Eine genauere Darlegung und Begrün- dung folgt in § 89.
a) Mnd. age (> *g^'^9) wird ä: drän tragen, dräd Trage, Trage- holz, hal Hagel, klän klagen, niä f. Magen, mar mager, dimstmät Magd, näl (plur. näh) Nagel, .^wär Schwager, wän (plur. wäm) Wagen, zä Säge, zän sägen.
b) Mnd. e (q e) -ge ( > §«39, ä^yl) wird q oder ä : biwän bewegen, br^n Bregen, edd (as. egithu^ mnd. egede^ eide) Egge, ^/e, äwins-eb Igel, entj^m entgegen, ütfän ausfegen, dröäfld Dreschflegel, käb pl. Min Kegel, läat (zu lejdn^ prät. /f«cfo) legt, r^hi Regen, regnen, ^läa (plur. zu §lax) Schläge, wä (plur. zu wex) Wege, wän wagen, J9zut gesagt.
c) Mnd. oge > age (> *^«3a) wird ä: bän Bogen, banzB Bogensee, fal (plur. fäb) Vogel.
d) Mnd. öge (> *^«3^) wird f: fl^l (mnd. vlögel) Flügel, tre (plur. zu trox^ neben einem jüngeren Plural trojd) Tröge.
e) Mnd. oge^ age mit gleichem Umlaut (§ 22 b) über '^^^7^9 wird d: bäl (mnd. bogel) Bügel, man mögen.
f) Mnd. (^ge (> *^«39) wird a: frän fragen, kra (mhd. krage) Krähe, krä (as. krdia^ mnd. krage) Kragen, jj^te Plage, trä (mnd. träch, träge) träge, wa (plur. wa) Wage, wän wagen.
g) Mnd. ege (ndfrk. t^ge) > {*i^y) wird en: hodren betrügen, fl^ Fliege, ßen fliegen, len lügen, äpil Spiegel.
h) Mnd. ige wird t: krtn kriegen, empfangen, krif kriegt. (lU ist dagegen nicht aus mnd. ligget gebildet, sondern entspricht der mnd. Kontraktion lit).
i) Mnd. b^ge (> *ü^y) wird o: blon (mnd. bldgen^ bloien) blühen, bro (mnd. b^'oge^ broie) Brühe, zon (mnd. stSgen) säugen, kro (mnd. kr^ge^ plur. zu Prend. kröx^ krüx) Dorfkrüge, kror (mnd. kr&ger) Krüger, Gastwirt, ko (mnd. koge, plur. von Prend. küd) Kühe, />/J (mnd. pltge) Pflüge. —
k) Der Umlaut zu üo lautet jetzt ä«. Die gekürzten Formen blon usw. beweisen, dass 5« aus # entstanden ist. Diese Regel be- wirkte also in einigen Fällen, dass zu Singularformen auf üox {*hil<^ch Dorfkrug, *küo^ küe Kuh, *2^lüox Pflug) Plurale auf o entstanden, also
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mit demselben Laute, den die umgelauteten Plurale zu ö2 haben; vgl. bröt plur. brods. Diese Analogie führte weiter dazu, auch aus jenen 5 neue Nominative auf ö zu bilden, welche die älteren ver- drängten, so aus kro den Sing, kröx Dorfkrug, aus pl8 den Sing. plöx Pflug. Diese neuen Nominative Sg. drangen um so leichter ein, weil die zahlreichen Uckermärker, welche nach Prenden kamen (S. 3), lautgesetzliches Aröa?, plöx (s. Teuchert, Nd. Jb. 33, 35) sprachen.
1) Mnd. ö^ge wird ö: lö (mnd. löge) Lauge, ö, plur. öm (mnd. oge) Auge, rodö (mnd. roddöge) Rotauge, Barbe.
m) Mnd. iflge wird o: bon beugen, biegen, dro trocken, dron trocknen, uphon erhöhen.
n) Besondere Fälle: zäun saugen, kilb Kugel. — Ausnahmen: ßlj^r Jäger und Lehnworte aus dem Hochdeutschen oder An- gleichungen daran.
Vokaldehnnni; bei t;e- Seh wund.
§ 69 Nach mnd. ä und ursprünglichem, sowie dem aus o ent- standenen tonlangen a fällt in der Regel mnd. ve aus: a) an (bakan, bretidn, kaxlän) Ofen (dagegen öferi eiserner Ofen als Lehnwort), ans abends, änt Abend, band (mnd. bovene, bavene) oben, ka^ ätvtmka Schweinekoben, käb (mnd. kavele) Loosteil von Holz, Acker usw., kla^ f. (plur. kldfiy mnd. klove, klave) Holzkloben, näl^ büknäl Nabel, ra Rabe, ^lal Schnabel.
b) Der Ausfall von ve hat nicht stattgefunden, wenn ein r folgte. (Vgl. utv9nit aber, hötr<fr Hafer). Ferner nicht in Qf^ft Obst, weil der Ausfall wohl erst eingetreten war, als mnd. $»w^^ < mnd. ovet schon zu g**ß verkürzt war. — Die Ausnahme naw9 Radnabe erklärt sich, weil dieses Wort junges Lehnwort ist. Wäre es altprendensch, würde es nö<twd heissen müssen. Der ^märkische Ausdruck dafür ist buk
Ausser nach a ist ve nur ausnahmsweise in Prenden geschwunden. knel (mnd. knevel > *knPAfr<fr) Knebel, hön (mnd. hovefi, später *hüow9n) in dem alten Ortsnamen ;,dreissig Hufen*', amtlich jetzt ^ Neudörfchen ^, ^eno neben ^^ma und äetv9n (plur. zu mnd. schewe) Schebe, Flachs- abfalle.
Der Umstand, dass ve nach a fast regelmässig, nach anderen Vokalen nur ganz vereinzelt geschwunden ist, lässt folgern, dass wir es hier mit einem in seiner Entwicklung beginnenden, aber nicht bei allen Vokalen zur Durchführung gelangten Lautgesetze zu tun haben. Um so leichter konnten Fälle eintreten, wie die in dem hier folgenden Abschnitt behandelten.
Die oben verzeichneten Beispiele belegten den regelrechten Ver- lauf des Lautwecbsels. Neben diesen gibt es eine kleine Anzahl Wörter, welche denselben Vokalwandel zeigen, in denen aber -ve ent- weder erhalten oder wieder eingesetzt ist. Man wird das letztere annehmen müssen. Grund wird teils das Streben nach unzwei- deutigen Wortformen im Verkehr mit Fremden gewesen sein, teils der
22
feinfluss nördlicherer Mundarten auf die eigene. In einem und dem anderen Falle kann auch die Möglichkeit in Frage kommen, ob niclit Lehnformen aus dem Uckermärkischen vorliegen.
bäwdn (< *hQ(HD9n < mnd. baven) nicht allgemein gebräuchliche Nebenform für hClm oben; dewd (< do^wdl < mnd. dövel, mhd. tübel) Zapfen, h^u^ (< *A^«wv9 < mnd. höve) Höfe, mörr5w9n (< *rü^u^ < mnd. r^üe) Mohrrübe; n^icdl (< *n^^tvdl < mnd. nevel) Nebel; otvar (< *ü^u^r < mnd. 6cer) Ufer, prötvdu (< *pmoiv9n < mnd. jyroben) prüfen, säumi (< *^g<^iV9n < mnd. schaven) schaben.
In anderen Dörfern des Barnim findet sich re- Schwund auch nach anderen Vokalen, in Klosterfelde bei Prenden z. B. in j^l Giebel, stü Stube.
In grösserem Umfange ist i^e im Teltow ausgeschieden, z. B. h{)r neben hgm^r Hafer, hQ-dq<* (mnd. hovedaye) Hofdienst, Ap (mnd. hove) Gärten, äUim Stube, d(iv;9 Taube.
Wie die vermerkten Beispiele zeigen, ist hier der neue Vokal ein anderer als im Barnim.
Eine ähnliche durch Dehnung bewirkte aber regressive Ver- schiebung des Akzentes findet sich in der Münsterschen Mundart, in welcher u6 ii vor b g w zuweilen zu ii*o und l*e gedehnt werden. Vgl. Kaumann, Entwurf einer Lautlehre (1884), § 20.
Die Konsonanten in liistorischer Entwicklung.
§ 70. Der mnd. Vokalismus hat in den lebenden Mundarten eine sehr mannigfache und grosse Unterschiede aufweisende Entwickelung erfahren, welche vermuten lässt, dass die einzelnen mnd. Vokale in den verschiedenen Landschaften sehr verschiedene Qualität hatten.
Im Gegensatz hierzu sind die Abweichungen, welche die ver- schiedenen ndd. Dialekte in Bezug auf den Konsouantismus zeigen, im wesentlichen das Ergebnis von Lautänderungen, welche jünger als die mnd. Formen sind.
Das mnd. Auslautgesetz, welches ausser Vokalen und Liquiden keine stimmhaften Laute am Wortende duldet, sondern an ihre Stelle stimmlose treten und b hinter m (z. B. in as. criimb^ lamb) assimiliert oder ausfallen lässt, gilt auch für die Prendener Mundart. Im Aus- laut werden also auch in ihr, sofern nicht besondere Regeln eingreifen, b > p^ d > t^ '^ > X, j > 1^ V > f^ z > s, 79 > wk.
Der grammatische Wechsel zwischen inlautenden stimmhaften und stimmlosen Spiranten ist durch Ausgleichungen schon in as. und mnd. Zeit stark beeinträchtigt worden. In der lebenden Mundart ist er innerhalb des Verbalsystems fast gänzlich beseitigt. Die einzige Spur seiner einstigen Wirksamkeit in diesem bietet die Verschieden- heit der Konsonanten in wQrn waren, J9west gewesen.
Die nachfolgende Übersicht wird sich im Allgemeinen auf den Nachweis der Abweichungen der lebenden Mundart von dem mnd. Konsonantismus beschränken können.
23
6.
^71. Mnd. und prendensch b kommt nur an- und inlautend vor, letzteres aber nur, wenn (abgesehen von Kompositis) 1) es ent- weder eine hoch- oder nebentonige Silbe beginnt, 2) el folgt oder 3) es as. bh vertritt und ein kurzer Vokal vorangeht. Wo diese Bedingungen nicht zutrefiFen, tritt statt b mnd. v oder /", prendensch w oder f ein.
Anlautend: bäm oben, 6e;w Raufe, bl^zl Binse, borf^ verschnittener Eber, ftfocfor Blatter usw.
Inlautend: 1) arbait Arbeit, leb^ndi'i lebendig, (dagegen l^eu?9n leben), brumbärd Brombteere, ^rb^r ehrbar, (dagegen erwd Erbe, erfts Erbse), naxbör Nachbar, probirn probieren (dagegen prötvdn prüfen). — In kesp9r (mnd. kasbere^ kersebere) Kirsche hat vorangehendes s den Übergang zum stimmlosen Labial bewirkt. — 2) tgbl Kober, tobalitd Koberdeckel, werbl Wirbel, ätlbl Stiefel, jrübaltrn grübeln. 3) heb» habe, (dagegen heMvan heben), kriba Krippe, rib9 Rippe, ärubar Schrubber, (dagegen ,^rüu;9 Schraube), ätubd Wurzelstumpf (dagegen ätütv9 Stube, zahcah Salbei).
d.
§ 72. Anlautend ist mnd. d im Allgemeinen geblieben, doch ist dw teils zu kw geworden: kwazln (mnd. dwdsm) töricht reden, ßrdg/n (mnd. vordtvälen) verirren, f9rkwQ<^zn (mnd. vordtvdsen) ver- geuden, kw^r (mnd. dwer) quer, hverl (mnd. dwert) Quirl, — teils durch nhd. ts. ersetzt: tswern Zwirn, tswölwd zwölf.
Inlautend wird mnd. d in folgenden Fällen verändert:
a) Id wird l vor e und en (aber nicht vor er)\ bakmob Back- mulde, bah bald, holn halten, dl^ oln die Alten, (aber olt alt, öldar das Alter, ökhrn Eltern), meh Melde, siln schelten. Ferner in abwih (mnd. al de ictle) gerade jetzt. — Ausnahme jeldn gelten.
b) Während in einigen benachbarten Mundarten d regelmässig zwischen Vokalen oder zwischen Vokal und r ausfällt, bietet Prenden diesen rf-Schwund nur in folgenden Wörtern:
fqam Faden, jqrn Garten, laidn (Vieh am Zügel) leiten, mäi-ak (mnd. mert'edik) Meerrettig, grntli/^ ordentlich, äpekäwgrd Speckschwarte, wih()p9 Wiedehopf, woika {no^QnwQdikSy mnd. wadike) Molken, wQrnwsiTien.
c) Id wird Ij in folß (mnd. volde) Falte, folJ9n falten.
d) nd wird tj, wenn nicht a vorangeht: bmn (prät. btwk) binden, finn finden, hem Hände, hiijar hinter, jrüryolmk (mnd. grundelink) Gründling, kiy^r (plur. von kint) Kinder, liidd Linde, pändar (zu mnd. fanden) Feldhüter, prd79n, pretcm Prenden, rirD9 Rinde, äiTan schinden, spiw (plur. die §pint) Spinde, tuwr Zunder, uToen unten, U799rslt Unterschied, icet^d (plur. von want) Wände, wir99 Winde. — Aus- nahme: hunds Hunde, rämbr Rinder, — jamaim (schon mnd. gemeine neben gemeinde) Gemeinde.
e) Nach a ist nd zm w nur in dem Worte sa'm (Westhavelland schände^ wendisch sanda) Sensenband geworden. Es heisst stets äandd Schande, bandd Bande, tu ätanda zustande usw.
24
f) Analog dem Übergang sb > sp (§ 7lb) ist sd > st > ät in dundar^Uix Donnerstag geworden. Dieselbe Lautänderung zu .s^ lag in zahlreichen mnd. Dorfnamen vor, wie z. B. Borgerstorp Borgsdorf, Egbrechtstorp Eggersdorf, Kavelstorp Kanlsdorf, Riikvestoty Ruhlsdorf, Smetstorp Schmetzdorf, Utstorp Ützdorf usw. — Heute werden diese Ortsnamen sämtlich mit d geschrieben und gesprochen.
g) Mnd. unde ist un geworden, doch ist das d in der Formel ümundüm 'ganz und gar' erhalten.
h) Hochdeutsches t ist schon mnd. eingetreten in hüta heute.
i) Entlehnung aus einer der Mundarten, welche r vokalisieren, verbunden mit falscher Umsetzung, liegt vor^'in dt« m(}^d^ (mnd. märe^ meckl. mi^^ mq^t) die Mahr, Alp.
9'
§ 73. Anlautendes g ist in allen Fällen zu j^ inlautendes, so- fern es nicht nach § 68 ausfiel, nach Konsonanten oder palatalen Vokalen zu j, nach a und o zu ; geworden.
Anlautend: anjlüpm anglotzen, jllyi^ sofort, jam ganz, Gans, jantar Gänserich, jnvh» am Boden angefrorenes Stück Erde.
Inlautend: börjd (mnd. niesbar ge) Mistbahre, bräja Brücke, jäj<fr Jäger, franj9 (frz. frange) Franse, inuj9 Mücke, rüjd Rücken.
Inlautend 3: d4>7^n taugen, ho-zj» hohe, inäi^dr mager, ro7^9 Roggen, äwayr (Nbf. äwar) Schwager.
Ausfall und Ersatz durch Nasalieruug des vorangehenden Vokals tritt ein in: r^n Regen, regnen.
ig wird ai, vgl. § 62.
sg ist i geworden in naislny^ (= mnd. nigesgirig) neugierig.
eh.
§ 74. Mnd. ch erscheint nach palatalen Vokalen und nach Liquiden als X) T^SLch gutturalen Vokalen als x.
X: ^te)(^ Steg, we-/^ Weg, tü-/^ Zeug, nij^ nicht, zi/^ sich. — ar/^ arg, balx Balg, bar^ Berg.
x: dax Tag, höx hoch, jüX9n jauchzen.
In gleicher Weise scheiden die meisten nd. Dialekte beide Laute, jedoch nicht alle. In mecklenburgischen Dörfern z. B. kann man sehr oft nixt^ rext u. ä. sprechen hören.
In dem Imperativ diuc (mnl. doch) *tu' ist x aus einer mnd. nicht belegten, aus duon erweiterten Form *duojen zu erklären, vgl. Franck, Mnl. Gram. § 116, Weinhold, Mhd. Gr. § 362. Gleichfalls als alte Formen erweisen sich die Imperative zi^ (as. sih^ mnd. mnl. sich) siehe, skuv (as. slah^ mnd. mnl. slach) schlag, jox (mnl. jach, jaghe) jage. Nach Analogie sind dann die Neubildungen jox (neben i?*) 8^\ ^^^^ (neben ätg») steh entstanden.
A.
§ 75. Im Teltow hört man mancherorts ein anlautendes h sprechen und umgekehrt ein solches fortlassen; z. B. eute habend
25
statt heute abend. Es zeigt sich hierin alter nachwirkender Einfluss der wendischen Mundart. In Prenden und den ihm benachbarten Dörfern hört man derartiges nicht.
j-
§ 76. Unorganisches j ist vorgetreten nur in jaU*hunt^ Allee- hund (Schimpfwort).
j ist entwickelt in ßjdlim Violine, Itfiajdl Lineal.
hülij9nkiw9r Geschwisterkinder ist nicht aus gleichbedeutendem rand. bölekenkinder entwickelt, sondern mit dem Diminutivsufl5x -jen gebildet, wie in hölipn (vgl. mnd anebolt Amboß) kleiner Ambos, auf dem die Sense geklopft wird.
k,
% 11. a) Mnd. k bleibt in der Regel: duk Dach, fak Fach, {er?kl Fenchel, hed^rik Hederich, hörkn horchen, ik iks ich, jok (plur. jdh^) Joch, kikn gucken, klü^k klug, kükn Küchlein, marak Meerrettig, murkl Morchel, tverk Werg, zark (as. mnd. sark) Sarg, zikl Sichel.
b) k wird jj x m der Endung -lieh z. B. Qrntlij^ ordentlich, in ziy sich, lüx9 Luke, mai'yt Markt.
Dagegen ist blintälaifd Blindschleiche nicht aus blintschllke ent- standen, sondern Lehnwort aus dem Md., vgl. mhd. sliefen schlüpfen.
/. § 78. a) Die Endung -ler wird Iddr: rf^/efor. Taler, hekbr^ hd. Heller, urspr. Fischbehälter, jetzt Gehöftname, keldsr Keller, z^ldar Seiler, koldifr Koller, wq^tsrmöhbr Müller, taldar Teller.
b) Die Endung -el in mehrsilbigen Wörtern wird /: truml Trommel, dümpl Tümpel, aikl Eichel, neHl Nessel usw.
c) Mnd. l wird r in kristlr Klystier, wiidsr Windel; — durch Dissimilation: A'/p^^T^r Glockenklöpfel, l^^pär (mnd. lepel) Löffel, Mp^t^r (mnd. slotel) Schlüssel; — dagegen klöflök (mnd. knuflök, mhd. knobe- loHc/i, klobelouch) Knoblauch. .
d) Mnd. l wird n in kneprwr (zu mnd. kleperen klappern) Storch.
m,
§ 79. Auslautendes mnd. m in betonter Silbe ist in fg^^m (mnd.
vüdem) erhalten, in unbetonter ist es zu n geworden: besn (mnd. bessern)
Besen, bod^ (mnd. boddenie, bodden) Erdboden, btis7i (mnd. busein^
bossein) Busen, ^«flbw (mnd. adetn) Atem, tvrg<*z9n (mnd. wasem) Brodem.
— torm (mnd. tom) Turm verdankt sein m wohl dem Hochdeutschen.
— Ausgefallen ist tn in äandäi^d Gensdarm.
§ 80. a) Inlautendes n vor 5, z ist im Gegensatz zu manchen anderen Mundarten erhalten in: jam Gans, uns uns, wiz» unser, Eq fehlt wie schon mnd. in jösl junge Gans.
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b) Mnd. n vor unbetontem auslautendem er wird nd: diindsr Donner, end^r einer, ßriytsmdmbr Schöffen, hü^pidar Hühner, ketubr keiner, mdnd^r Männer.
c) Mnd. nd wird td siehe § 72 d.
d) Mnd. n wird m vor Labialen : ßmf fünf, hämp (mnd. hennep) Hanf, jumf9r Jungfer, zemp Senf; ferner in brmi (veraltete Nbf. zu bren^ bre^gdn) Gehirn, vielleicht übernommen aus einem anderen ndd. Dialekt und in diesem unter dem Einfluss von bremworät (Röstwurst
' aus Schweinsgehirn, Semmel und Rosinen) gebildet, öbrQ^m (mnd. dgenbräne) Augenbraue.
e) Mnd. n wird l in: kloil Knäuel, kliipl (mnd. kluppel^ knuppel) Knüppel. — Dagegen ist postl „Pfosten* wohl Diminutiv zu mnd. post Pfosten.
f) Auslautendes mnd. -en wird in zusammenhängender Rede nach b oder p zu m, -men wird w, nen wird w, -len wird In. In allen übrigen Fällen wird -en zu an oder w. Wird ein Wort einzeln vor- gesprochen, so hört man die Endung meist -rin sprechen.
ben > bm: hebm haben, kribm Krippen, ribyn Rippen. — Nur der Heller-Gläser spricht hebn (neben kribm usw.).
pen > iJm: drüpm tropfen, grlpn greifen, hupm hüpfen, kopm kaufen, krüpm kriechen, löpm laufen, rq^^pm aufrafi'en, slipm schleifen.
men > m: blü(*m Blumen, dum Daumen, hqf^m (mnd. harnen) Nachgeburt der Kuh, ju^m Gaumen, Fischkieme, Ao«w kommen, ßkg^m gekommen, rif^m Riemen.
nen > n: bren brennen, dini dienen, dun Daunen, mairi meinen, min (accus, zu tnin mein) den meinigen, rön rennen, !^in scheinen, utden ausdehnen, J9tve7i gewöhnen.
fen > In: airsqf^ln Eierschalen, boln Zwiebeln, />rö7n brüllen, faln fallen, heln heilen, holn halten, fortein erzählen, foln Füllen, nihi wollen.
g) Nach w, 5, j wird en zu <m: alkowan Alkowen, bluv9n bleiben, enVfOU soeben, 9rlöu^i^ erlauben, lecwan leben, malwr^n Schwalben. — döT^dn taugen, miij9n Mücken, pre.dijdn predigen. — Neben ki^u^^n, plur. zu klfW9 Fischkieme hört man den wohl durch hd. Einfluss be- wirkten Plural ki^m,
h) Nach d, f, r, s, t wird -en zu n: jQrn Garten, bidn bitten, brq^dn braten, lidn leiden, redn retten, blafn bellen, börn heben, bibdrn beben, födarn fordern, hhidrn hindern, besvt. Besen, utmertm ausmerzen, fr^Hn fressen, mütn müssen, hf^tn lassen, ivait^ Weizen.
i) Zu allen übrigen Fällen hört man, wenn ein kurzer Vokal vorangeht, w, bei langem Vokal n oder m: lain, Jahn leihen, trekn ziehen, nidkn^ mäk^n Mädchen, raikn^ raik^n reichen, takn Zweige, lil^n löschen, kwdtsn quetschen, am mi^Hn^ mirMan am meisten, rüsifn rauschen, jyrüäan niesen, fneäm maischen, h^^zn, hö^zdn Hosen, Hasen. — Regen, regnen heisst r&n.
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ng (f9),
§ 81. Mnd. auslautendes ng(k) erscheint als 7jk: etak eng, läwk lang, lie zitt?k er sang und er sank.
Im Gegensatz zu anderen Mundarten ist es als t^ erhalten in jmuok (neben J9nux) genug, penirak Pfennig.
P-
§ 82. a) Mnd. p ist fast immer erhalten : ziirampdr Sauerampfer,
'%> Taufe, damp Dampf, dump dumpf, stü^pd Stufe, p^^pdv Pfeffer,
jmnt Pfand, pQ^l Pfahl, plantd Pflanze, prvm Pfriemen, tapd Zapfen,
pot Topf, zarp sehr sauer usw. — Ausgefallen ist p in krania Krampe.
b) Hd. p findet sich in pr^Mf Bräzel, jmkl Buckel. — Dagegen ist das auch in Westfalen bekannte piujl Bündel Diminutiv von mnd. [ftniffe 'kleiner Sack' (vgl. got. puggs Beutel).
c) 2^^ ist kein ndd. Anlaut und für manche Dorfschüler noch heute unaussprechbar; psalm ist deshalb zu salm, zahn geworden. Davon zalm langdauernd reden.
d) Mnd. ft, fst (< pt, pst) in köfty köfst ist im Präs. durch die Neubildung köpt, köpst verdrängt, im Prät. köft^ dagegen erhalten.
e) Neuentstanden scheint p zwischen m und n in le}np9 (lat. (amna, lamina) Messerklinge.
r. § 83. a) Inlautendes r ist geschwunden in föd^rn fordern, mad9r Marder, gfsaüb Ortscheid, atolrt Artillerie, ekairn exerzieren, also vor Dentalen.
b) Vokalisiert ist r in fe^zd Färse, junge Kuh, i^std der erste, (loch wird von anderen ferzd, irstd gesprochen.
c) Neubildung eines r findet sich in kannkl Kaninchen, äwart n., (plur. .^iv^^ds) Schwade, tär (ahd. zähi) zähe. Letzteres wird von anderen tä gesprochen. Vereinzelt hört man auch da' der, ha' er, hdUhok Semmel, eigentlich Hellersemmel, gewöhnlich aber d^, Äf; helwk.
d) r wird l in balblrn barbieren.
s.
§ 84. Anlautend ist mnd. s vor Vokal stets zu Zj sc stets zu ä, > vor l, m, H, ir, t, p stets zu s geworden: zant Sand, zupm saufen, — snwifH schreiben, sqr Schaar, — slq^n schlagen, ämär Schmeer, ^nal Schnabel, iw-i/w^/// ohnmächtig, strump Strumpf, ^piwd Spind.
Auf Grund der Tatsache, dass in gewissen Gegenden §1, am usw. aus sl, SM usw. nachweislich erst in der jüngsten Zeit geworden ist, in anderen erst in der Gegenwart sich verbreitet und sogar auf grossen Gebieten unbekannt ist, hat man mehrfach ausgesprochen, dass auf nd. Gebiete .^ in diesen Fällen das Ergebnis eines recht jungen Lautwandels sei. Hiergegen ist bezüglich der Mundart des Barnim auf die Angaben zu verweisen, welche Christian Pudor, Pre- diger zu Straussberg (Oberbarnim) in seinem Buche ;,Der teutschen Sprache Grundrichtigkeit*' (Köln a, d. Spree 1672) S. 6 über die
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Aussprache des s macht: ;, selbiges wird vor dem p und t mit einem sibilo Gezische [also s-p, s-t] ausgesprochen. E. gr. sprechen, straffen, sparen, stehen, spotten. Etliche wollen, dass auch das s vor /; m, n, iv ohne ch cum sibilo soll ausgesprochen werden: slagen, smecken, snelt, sireigen. Nach dem Exerapel der Lateiner, welche sagen smilax, Sleidamis etc. Aber wir lassen uns von den Lateinern hierin nichts vorschreiben. Zudem würden wir durch Auslassung des ch in ob- berührten Worten in die Pommerische und Westfälische Mundart fallen, welche saget, Smertz, Swerd, Smecken.^
Da auch heute noch die provinzielle hochdeutsche Aussprache beim sp, st usw. die mundartliche gleicher Gegend wiederspiegelt, so dürfen wir, was Pudor von dem hochdeutschen s sagt, ohne Anstoss auch auf die Mundart des Barnims übertragen. Es ergibt sich dann, dass hier zu seiner Zeit zwar noch sj) st, aber schon M, sm, sn, sw gesprochen wurde. Diese unterschiedliche Entwicklung beider Laut- gruppen kommt in der Prendner Mundart übrigens heute noch in der Verschiedenheit der Artikulation zum Ausdruck, vgl. S. 5.
Ohne weiteres ist vorauszusetzen, dass damals auch .v für mnd. sc gesprochen wurde. (Vgl. Nd. Jahrb. 29, 34 § 71). Das für sc ein- getretene ä ist vermutlich der Ausgangspunkt der Entwicklung der übrigen s gewesen.
b) In- und auslaut. s — Mnd. ss oder neben Konsonanten stehendes s wird s, intervokalisches s zu z, auslautendes postvokales s zu s.
SS > s: hesn (mnd. bessern, beseni) Besen, busn (mnd. busme, bossen) Busen, dresln drechseln, drü^sl (mnd. drösle) Drossel, fösd Füchse, haslno^t^ Haselnüsse, os9 Ochse, zais9 (mnd. sessen, sesne) Sense.
s > s m pet9rsilJ9 Petersilie.
s > z nach kurzem Vokal: bizn durch Bremsenstich wild werden (von Kühen), bi(^ Wiege, diz9r dieser, druzln schlummern, dm/n (mnd. dusen) gedankenlos sein, kuzl Kiefernbusch, kwazln quasseln, niizln nusseln. — Nach langem Vokal: blq^29 Blase, drü^zd Drüse, k&zd Käse, wrQ^n Brodem usw.
Auslautend s > s: 9«s Aas, flas Flachs, fos Fuchs, hüs Haus, ris Reis usw.
c) Mnd. st bleibt nach Vokal stets st: amst Angst, bi^st Biest- milch, brost Brust, dest9 desto, distl Distel, distl Deichsel, drtstd dreist, dustar düster, festa fest, füsta Faust, harwest Herbst, mst Rost, swäst^r Schwester.
d) rst wird zu r§t in: awerät aber, borst9 Borste, borstd Bersten des Eises, Schrunde, börätd Bürste, dorH Durst, dund^rHax Donners- tag, för§t9 Dachfirst, jarite Gerste, hörät9 Horst, körät9 Brotkruste, worät Wurst
e) TS vor Vokal wird zu rz in herh Hirse; rz in: ferz9 Färse, sonst stets rä: bqr^ Barsche, far§d Verse, mörsdr Mörser. — Aus- lautend r§ in bors Bars (Fisch), kars aufrecht, stolz sich bewegend. Lehnwort ist hör§ Hirsch.
f) Mnd. ns wird nz in kränzd Kränze, breinza Bremse, jrunzn grunzen, hälzd Hälse, jänzd Gänse.
g) Es bleibt Is, ns in hals Hals, gränsa Grenze, äimns Schwanz, Mmns9 Schwänze, dafisn tanzen usw. und wird lä in dem Lohnwort jnVs9 Pilze.
h) Postkonsonantisches s wird gleichfalls zu ä in hüUkin bischen, fH) Axt, jöpsd Handvoll, nuM nichts (mnd. nichtes), — Sonst bleibt s: häksl Hecksei.
i) Mnd. seh erscheint stets als ,^: bruä9 (mhd. brüsche) durch Schlag entstandene kleine Anschwellung, ßs Fisch, ßän fischen, flüä Flausch, man rauschen.
k) s ist angetreten in marks, m., Mark (as. marg), wohl gen. partit.
t. § 85. a) Mnd. t ist in allen Stellungen mit wenigen Ausnahmen erhalten, auch in dlstl Deichsel, jäntor Gänserich, jaläntar (mnd. lante) Geländer, milta Milz, w^«^/ Nadel.
b) t ist geschwunden in handüok Handtuch, hinbä)'d Himbeere, tiiy nicht, dünv/Jüt Taugenichts.
c) Neues t ist entwickelt in p^star Äser, plur. von ö«5, Schimpf- wort, strütsa Strauss, qnvont soeben, rentlr/i^ reinlich, kitfdrt Koffer.
d) t wird k in klvik (mnd. ktuit) Kibitz.
e) Eine Besonderheit ist, dass ein Teil der Prendner mildn ^müssen ^ sagt, andere sprechen mütn.
ts (nhd. 2).
§ 86. Als Wort- oder Silbenanlaut erscheint die Affrikata ^.s* nur in Wörtern, welche dem Hochdeutschen oder fremden Sprachen entlehnt sind. Der nd. Mundart ist sie ursprünglich fremd, und sie wird noch heute vielfach in Mecklenburg und der Mark nicht korrekt wiedergegeben, sondern es erscheint statt ihrer ein stimmloses s,
tsän zehn, tsax zage, tsedl Zettel, tsikd weibliche Ziege, tsipl Zipfel, tsoi'd^ sord alte Stutfe, Mähre im verächtlichen Sinne, tswern Zwirn, — sw^ zwei, swöhvB zwölf, — tzib9, siba weibliches Schaf oder Ziege.
Inlautend ist ts nd. Ursprungs durch Zusammentritt von t und ••f in metHdr (ae. meteseax) Messer.
Hochdeutscher oder anderer Herkunft ist es in etsit^k (mhd. f^ch, mnd. ettik) Essig; fülenfsan faulenzen, kamtsa (mnd. karufse, karuss9) Karausche, karwitsa f. Kürbis, kratsn kratzen, kräts9 Kreuz, ütmertsan ausmerzen, swetson (mhd. schivetzeu) schwatzen. Auslautend: .v/nY.s Seh weiss.
§ 87. a) Die mnd. stimmlose Spirans /*, welche in den mnd. Handschriften im Anlaut meist r geschrieben wird, erscheint durch- weg als /", und umgekehrt scheint jedes Prendener f aus mnd. f her- vorgegangen zu sein. Das ist wohl auch der Fall in hufd Hüfte, vgl mnd. huf (mnd. Wtch. s. v. hufhalt). Ferner bei ivefd^ Striemen
auf der Haut nach einem Peitschenhiebe, vgl. mnd. wefe, weve Ein- schlag in Geweben ; schliesslich bei stlfvgd9r (mnd. stefrader), HtlfzQ<^m usw. mit mnd. aber aus dem Hochdeutschen entlehntem f. Lehnform aus dem Hochdeutschen ist dlpHQl Diebstahl.
b) Anlautendes mnd. v erscheint als f: fak Fach, fih viele, fluk flach, flu Fleiss, fraidax Freitag, frän fragen, ful voll, fül faul.
c) Inlautend ist v^ wenn nicht t oder st folgt, nach langen Vokalen sowie hinter / oder r zu lo geworden: blttven bleiben, bn^we Briefe, fit€9r Fieber, hüwl Hobel, n§^wl Nebel, swP^wl Schwefel, slir^ Scheibe, z§«tv9 Siebe. — halw9 tnate halbe Metze, kälw9r Kälber, zalipd Salbe, — harto9st Herbst, $arv?9 Scherbe, ärütm Schraube, ätartvan sterben.
d) Nach kurzen Vokalen, ferner vor t oder st^ sowie im Auslaut wird, wie schon im Mnd. und zum Teil As. v (as. b) durch f vertreten : blafn bellen, gafl Gabel, barft barfuss, drift Trift, jeft gibt, hoftlant (mnd. hovet'y hoft-) Kopfende des Pfluglandes, krPft (mnd. krevet^ kreft) Krebs, Q<*ft (mnd. ovet) Obst, — derfst darfst, jafnt gabst, — jraf Grab, half halb, halfter Halfter, kalf Kalb, Hoi-f starb, zef Sieb.
e) Über Schwund von v hinter a vgl. § 69.
w,
§ 88. a) Anlautend ist mnd. ivr erhalten in icraron ringen, wrmM Wränge, torüj Rügegericht (veraltet), tcrö^zm Brodem, trrük^ Futterrübe, wrat9 Warze. — Ausnahmen: rliran (sclion mnd. urheu und r%ve}i) reiben, rQ^^zn (hd., mnd. wrase) Rasen.
b) Mnd. wl wird / in lü^nwrv/^ (zu mnd. ulöm^ osnabr. tvlom) trübe vom Wasser
c) Mnd. w wird m in majcoUbr Wachholder.
d) Inlautend ist w aus u vor Vokal entwickelt in feifvrwQr Februar.
e) Über vokalisiertes w vgl. § 63.
f) Inlautend steht w nur nach langem Vokal, sowie nach / oder r: ewif^ haui/t Habicht (auch häirala)^ Iowd Löwe, — uiUwi) Milbe, .^iralfr<) Schwalbe — jerwon gerben, konvitm) Kürbis.
Anhang.^)
Monophtho]igierang8vorg&nf>;e.
§ 89. Mnd. d und tl. o, a sind in Freuden zu $» geworden, es heisst also §q<^p Schaf, hq<^n9 Hahn, zq<^m Sohn (§S 18, 19, 21, 23).
Diese Regel erleidet eine scheinbare Ausnahme, wenn nach jenen mnd. Vokalen ge oder ve durch Kontraktion ausgefallen ist. Aus mnd. vagel^ vogel ist /il/, aus bavme^ borene ist bäw geworden. Vgl. §§ 68, 69.
1) Die Ausführungen, welche der Anhang bietet, sollen teils Einzelheiten der Prendener Mundart erläutern, teils dieselbe für ausserhalb dieser Mundart liegende Fragen verwerten.
£& erhebt sich also die Frage, ob hier das mnd. lange a sich erhalten hat, oder ob es das Ergebnis eines besonderen lautlichen Vorganges ist.
Nach der Regel, dass altes ä zu 9^ wird, müsste aus fdl Vogel, hdn9 oben fg^b bq^n9 geworden sein, wenn der Ausfall des ve und ge älter wäre als das Lautgesetz, welches ä zu ö^ werden Hess. Es muss also die Diphthongierung zu Q^ älter als der Schwund von ge und ve sein. Nach dieser Feststellung wird man den Vorgang, welcher die Monophthongierung von ^o zu ä bewirkt hat, ermitteln können.
Aus mnd. age^ ave entstand zunächst $«3«, Q^wd\ als in diesen Lautverbindnugen die mit starkem Stimmton aber schwachem Geräusch gebildeten Spiranten unterdrückt wurden, geschah dies, indem man die zur Geräuschbildung nötige Hebung der Hinterzunge unterliess und annähernd so lange Zeit, als jene Artikulation erfordert hätte, den unmittelbar vorangehenden Schlusslaut des Diphthongs ^^ anhielt und ihm die ganze Kraft des Stimmtones, den 3 oder v erforderten, zukommen Hess. Die Tatsache, dass in den so entstandenen Lauten tf der erste Vokal ausfiel, rechtfertigt die Annahme, dass mit der Dehnung und Tonverstärkung des a eine Verschiebung des Silben- akzentes von 9 zu ö verbunden war.
Die vorstehende Darlegung, dass es sich bei dem besprochenen Vorgänge um eine Monophthongierung handelt, findet ihre Bestätigung dadurch, dass ganz analoge ErscLeinungen in allen übrigen Fällen, wo ge, oder ve nach einem Diphthong ausgefallen sind, sich ergeben haben. Zahlreiche Belege hierfür bieten die § 64. 65 zu^mmen.^e- stellten Wortformen. Es mag genügen, wenn hier nur noch an einigen Beispielen die Wandlung diphthongischer Laute zu einfachen dar- gelegt wird.
Mnd. tl. e ist e/ geworden, z. B. lever Leber zu l^^iwr. Eine Ausnahme bewirkt auch hier der Ausfall eines ge oder ve. Es ist geworden: knevel Knebel über H-ne/wdl zu kml^ flegel Dreschflegel über ß^;},3l zu /g/.
Ferner wird mnd. tl. ö zu ^^, also söne Söhne zu z^^m (§ 22). Dagegen ist (§ 68 d) tröge Tröge über Hv^^t^q zu Ire geworden.
Mnd. e^ hat sich sonst zu i^ entwickelt (§ 30). Dagegen ist mnd. rlegeii fliegen nicht *ßi^yn sondern flen geworden.
Mnd 6^ erscheint sonst als ü^ (§ 33). Dagefjen ist geworden mnd. hoven Hufen nicht hüoiren sondern hön. Mnd. 8^ erscheint sonst als ?/«. Letzteres muss aus ü^ entstanden sein; dafür spricht nicht nur die Theorie des Umlautes, sondern auch folgender Lautwechsel: Ks ist mnd. A^^gen säugen über "^zü^yn zu zon geworden.
Einen literarischen Beleg für alten Ausfall von ge und ve bietet das im Nd. Korr.-Bl. 11 S. 66 gedruckte Kremmener Hochzeitsgedicht von 1698, in welchem sich grüel statt grihvely schräen statt schregen findet (Vers 2 und 52).
Zorn Vokalismas der Nenmark.
§ 90. Die in dem yorangegangenen Abschnitte gewonnenen Ergebnisse dürften grundlegend für die richtige Auffassung der Ent- wicklung einer ganzen Reihe Vokale der neumärkischen Mundart sein. Eine Laut- und Flexionslehre dieser märkischen Mundart, die dem Barnimer Dialekt benachbart ist, hat H. Teuchert in der Zeitschrift f. dtsche. Mundarten 2, 103 ff. gegeben. Er bietet als heutige Ent- sprechungen mnd. tonlanger und mancher mnd. organisch langer Vokale durchweg Monophthonge, wo im echten Prendener Platt Di- phthonge oder doppelgipflige Laute gesprochen werden, und sieht in ihnen unmittelbare Fortsetzungen älterer Monophthonge.
Es ist nun bemerkenswert, dass in seiner Mundart, welche gleichfalls den Schwund des ge und ve aufweist, gewisse Vokale sich yerschieden entwickelt haben, je nachdem ge ve ausgefallen ist oder nicht, z. B.
mnd. tl. a > 9 (Prenden 9» $), aber age > ä r> n oK^ > g { „ „ „), „ oge > a
Es heisst also neumärkisch wie in Prenden: ämt (Pr. änt) Abend, an Ofen, J9flan geflogen, lidl Hagel, ma(9) Magen, näl Nagel, plä(9) Plage, ivän Wagen usw. Man wird für diese ä dieselbe Entstehung annehmen müssen, wie für die Prendener, also alte 9« vorauszusetzen haben.
Wenn Teuchert § 30 zur Erklärung bemerkt „Im Nmk. bleibt bei a 0 {\7) vor 3, j und v die ursprüngliche Qualität erhalten **, so muss ihm seine eigene Annahme, § 30, dass tl. a sich schon mnd. zu einem verdumpften. also weit offenen ö oder Q entwickelt habe, Schwierigkeit machen. Das heutige reine a müsste dank dem Ein- flüsse des Spiranten 3 oder v seine Qualität aus der älteren mnd. Zeit bewahrt haben. Dazu steht aber im Widerspruch, dass auch das erst in späterer Zeit aus 0 entstandene, schon bei seiner Ent- stehung (vgl. Mackel, Nd. Jahrbuch 32 s. 6, § 189,4) dumpfe a heute in reines a verwandelt wäre; vgl. mnd. vogel, vagel^ heute fal.
Vergleicht man die Lautentwicklung des Neumärkischen mit der im Barnim, so trifft man auch sonst auf Übereinstimmungen, welche überraschen müssten, wenn die benachbarten Mundarten nicht von oft gleichen alten Formen ausgegangen und in älterer Zeit gleiche Wege gewandelt wären. Der Unterschied ist öfter nur der, dass Prenden einen älteren Lautstand bewahrt, die Neumark mit oft hoch- deutscher Lauteinsetzung diphthongische oder doppelgipflige Laute in einfache gewandelt hat. Verwertet man diese Beobachtung, so wird man auch andere heute einfache Vokale der Neumark auf alte Diphthonge zurückfuhren.
Teuchert führt z. B. l in brtf Brief, dmst Dienst, „unter hd. Einfluss* auf mnd. e zurück. Einfacher erklärt sich l als entstanden aus f«, was Prenden neben « noch heute bietet und worauf viele
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Schreibungen in mnd. märkisclien Urkunden deuten. Ähnlich verhält es sich mit nmk. ü in blürm usw. Auch hier bietet Prenden die Vorstufe üo^ ü.
Die Entsteliniig des Berliner a.
§ 91. Das lange a hat schon im Mittelalter in fast allen deutschen Mundarten begonnen sich im Klange dem ö zu nähern, und ist heute, wenn man von dem westlichen Ostfriesland absieht, in allen Mundarten Norddeutschlands zu g oder einem $- ahn liehen Laute geworden. Eine Ausnahme macht ein Landstrich Braunschweigs, wo statt ^ ein dem f ähnlicher Laut begegnet. Mit dem sich nach g bezw. § bewegenden langen a ist das ndd. tonlange a zusammen- gefallen ; nur in Westfalen und am Niederrhein hat es sich als reines ä erhalten, und so sind die hier gesprochenen Mundarten die einzigen, welche altes ä bewahrt haben. Ein besonderer Fall liegt in der Mundart des alten ,, Landes Berlin^ oder des Barnim vor, wo zwar gleichfalls die langen und tonlangen a zu 9 geworden sind, sich aber durch die oben § 68 dargelegten Vorgänge ein neues reines ä in einer Anzahl von Wörtern entwickelt hat.
Als man in den Städten Niederdeutschlands begann hochdeutsch zu reden, nahm man nicht die Aussprache Ober- oder Mitteldeutsch- lands, wo übrigens gleichfalls altes ä fast durchweg 9 oder ö geworden war, zur Richtschnur, sondern man sprach in den zunächst aus Hand- schriften oder gedruckten Büchern erlernten hochdeutschen Wort- formen die einzelnen Buchstaben so aus, wie man es bei mnd. Schrift- stücken gewöhnt war. Beispiel solcher durch die Schrift veranlassten Vertretung hochdeutscher durch niederdeutsche Laute ist z. B. der Verschlusslaut b statt der von den Mittel- und Süddeutschen ge- sprochenen stimmlosen Lenis in Worten wie ;,bin*, »BeiP, oder statt der Spirans v in Worten wie „aber, eben^. In gleicher Art verfuhr man mit dem hd. langen a; dort, wo die nd. Mundarten ein reines a kannten, wurde es als solches, sonst überall anfangs als Q^)y später als dumpfes ä gesprochen. Die Aussprache des a mit o-Klang als sogenanntes offenes oder dumpfes a, welche noch heute in vielen Städten trotz der Anweisung der Schule und des Vorbildes der Bühnen- sprache weite Ausdehnung hat, war noch vor sechzig Jahren auch unter Gebildeten sehr verbreitet, und ältere Herren wissen von den Mühen der Lehrer zu erzählen, ihren kleinen Schülern die Aussprache ff}for, tqt Vater, Tat, abzugewöhnen. Nur an der holländischen Grenze, in Westfalen und in Berlin hörte man allgemein reines ä sprechen. In jenen westlichsten Teilen Deutschlands erklärte sich die Anwendung des reinen a aus seiner Erhaltung in den dortigen Mundarten. Für Berlin, aus dessen näherer Nachbarschaft noch keine Mundart dar- gestellt war, folgerte man dasselbe. Auch seine alte Mundart müsste es bewahrt gehabt haben. Die vermutete Herkunft der alten Besiedler
1) Vgl. Georg UoUeDhagens Angaben, Nd. Jahrbuch 18, 120.
Ni6d«Tdeatsc1ieB Jahrbnoh XXXIV. S
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der Mark vom Niederrhein stimmte gut zu der Annahme. Diese schien jener Vermutung eine neue Stütze zu geben. Die in der vor- liegenden Arbeit gewonnenen Ergebnisse nehmen zwar diesen historischen Annahmen den Boden, bestätigen aber, dass in der Tat Berlins alte Mundart ein reines a gekannt hat.
Die Herkunft des Berliner a hat besonderes Interesse, weil es, wenn Trautmann u. a. recht haben, von der Schul- und Bühnensprache (vgl. Trautmann, Die Sprachlaute, Halle 1884 §§ 339, 915) über- nommen ist. Für die hier behandelten Fragen ist es vielleicht von Bedeutung als ein Mittel das Alter der § 68 untersuchten Laut- wandelung bestimmen zu helfen. Diese muss mindestens früher be- gonnen haben, als das Berliner reine a alt ist.
Die hier vorgetragene Annahme hat zur Voraussetzung, dass das a nicht etwa dem Einflüsse der seit 1682 in Berlin bestehenden französischen Kolonie auf die Berliner Schulen und die Berliner Bühne seine Entstehung verdankt. Es wird sich nachweisen lassen, dass das reine a der Mark Brandenburg schon gesprochen wurde, ehe ein solcher Einfluss gewirkt haben kann.
Dass 1715 das reine a schon eine Eigentümlichkeit der mär- kischen Aussprache des Hochdeutschen war, bezeugt der Bautzener Longolius in seiner in jenem Jahre erschienenen ;,Einleitung zu gründ- licher Erkäntniss einer jeden Sprache^. Seite 10 unterscheidet er nämlich „das Männer a mit langem Munde wie bey den Schlesiern^ und „das Weiber a mit breitem Munde wie bei den Märekern''.
Night ganz so eindeutig ist ein noch älteres Zeugnis. „Deutsches Lesebüchlein'' (Berlin 1639) Bl. 3b heisst es: „Merket, es wird nicht undienstlich seyn, den Kindern die Veränderungen des Schalles in den Vokalen anzuzeigen. Alss: haUj haar, ha ein hell ä als im Wort Bart, hä ein dumpfig ä als im Wort hold etc. Bie, Bier, bi (helle) Bisem, bi (dumpfig) bin. Bö, Böge, bö, Boltz*' usw. Es wird also der offene I^aut der kurzen Vokale dem geschlossenen der langen entgegengestellt und dem langen a die Qualität der geschlossenen Vokale beigelegt. — Es ist zu Anfang dieses Abschnittes darauf hin- gewiesen, dass in den Landstrichen, in denen sonst reines a im Hd. gesprochen wurde, auch die Mundart ein solches a kannte. Man wird dieselbe Erklärung auch auf das Berliner a übertragen und weiter annehmen müssen, dass die nach § 68 entwickelten a schon in der Mundart vorhanden waren, als das Hochdeutsche in Berlin Schul- und Volkssprache wurde.
Die Entstehung der Tondehnnng.
§ 92. Der Niederbarnim ist von den Deutschen erst nach 1220 (S. 1) besiedelt worden. Dass damals die Tondehnung schon im linkselbischen Stammlande vorhanden war und die durch sie aus i und u entstandenen tonlangen e und o für die Entstehungszeit der niederbarnimschen Mundart vorausgesetzt werden dürfen, wird sich erweisen lassen. Bisher ist die Zeit, in welcher die Tondehnung be- gann oder ihren Abschluss fand, noch nicht festgestellt worden. Bei
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ihrer Ermittlung ist man wegen des Mangels datierter deutscher Schriften aus der Zeit vor 1227 auf die mnd. Eigennamen in lateinischen Urkunden angewiesen. Die Durchsicht einer Anzahl Urkunden bücher ndd. Städte ergibt, dass die alten Namensformen mit i und u im 13. Jahrb. von den Schreibern noch lange festgehalten wurden, und tonlange e und o nur vereinzelt zwischen und neben jenen begegnen. Derselbe Schreibergebrauch tritt uns noch in dem ältesten datierbaren mnd. Prosadenkmal, dem Braunschweiger Stadtrecht von 1227 (Ur- kundenbuch der Stadt Braunschweig 1, S. 3 ff.) entgegen. Wie in den gleichzeitigen Urkunden überwiegt noch die alte Schreibung mit i, H, nur vereinzelt finden sich die neuen e und o z. B. enie ihm § 9. 12. 21. 31; me ihn 25. 32; erm ihren 38; hegrepmi ergriffen 24; heneden unter 48; h'eket bricht 8; speletnan Spielleute 21 ; vrede Friede 32. 57. 64 ö.; wete wisse 23. 26 ; schotelen Schüsseln 21. Die frühesten Belege der Tondehnung, welche ich gefunden habe, bieten die in A. U. ab Erath's Codex diplomaticus Qmdlinhurgensis (Fraticofurti ad M. 1764) abgedruckten Originalurkunden in den Namensformen der Stadt Quedlinburg, as. Quidelingaburg, ahd. Quitilincahurc, Die älteste Ur- kunde mit einem tonlangen «, S. 101, n. 28 ist von 1180, die Aus- stellerin nennt sich Athelheidis Qiiedelingehirgensis abbatissa. Die nächst ältesten Belege finden sich in den nicht datierten Urkunden bei Erath S. 111 f nr. 43. 44. Da die Ausstellerin Agnes Qtiede- lingilnirgetisis abbatissa dieses von 1184 — 1203 (s. Fritsch, Geschichte der Stadt Quedlinburg 1, 118 ff.) war, müssen die Urkunden in dieser Zeit geschrieben sein. Fernere Belege mit Q^iedelingheburg enthalten die Urkunden auf S. 127 nr. 10 von 1208, S. 137 nr. 23 von c. 1219 und S. 139 n. 29 von 1222. Tonlanges e findet man ferner S. 124 nr. 7 V. j. 1206 in dem Ortsnamen Wenethmeti (heute Wendhausen), dessen ältere Form Winathehtisiün, Winethusen war. Fast genau ebenso alt wie der früheste Beleg der Namensform Quedelingeburg mit e statt altem i ist die älteste mir bekannte Urkunde, welche das aus altem u entstandene tonlange o aufweist. Sie findet sich in den von v. Schmidt- Phiseldeck bearbeiteten „Urkunden des Klosters Stötterlingeburg^ f Halle 1874) als Nr. 4, ist v. J. 1182 und enthält dreimal die Form Stoterlinge, während die älteren Urkunden und auch die wenigen uns aus der Zeit zwischen 1182 bis 1272 erhaltenen die Form Stuterlinge- bürg bieten.
Wenn die tonlängen e und o schon um 1180 in der Schrift er- scheinen, darf ohne Weiteres angenommen werden, dass sie selbst oder doch die sie erzeugende besondere Aussprache der alten i und u in betonten offenen Silben schon früher im Volksmunde vorhanden waren und von den alten Kolonisten der Mark aus dem linkselbischen Stammlande in die neue rechtselbische Heimat mitgebracht wurden, und zwar nicht allein von den Besiedlern des erst nach 1220 deutsch gewordenen Barnim, sondern schon von den unter Albrecht dem Bären (1134 — 1170) die alte Nordmark besiedelnden Deutschen.
Schwieriger ist die Feststellung des phonetischen Wertes, welchen die durch die Tondehnung sich entwickelnden Laute anfänglich hatten.
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Die nahe liegende Annahme, dass sich aus i und u zunächst Zwischen- laute, dann geschlossene e und o entwickelt haben, scheint freilich durch die heutige Mundart eines Teiles der Provinz Sachsen unter- stützt zu werden. In Quedlinburg, Oschersleben usw. ist tonl. e später mit dem mnd. Umlaut e zusammengefallen, und es haben die tl. e und 0 heute genau die geschlossene Aussprache der alten Längen e und ö. Nur wo später Vokalkürzung eingetreten ist, erscheinen offene e und o, es also ik nerm ich nehme, f6h viele, j6m geben, aber d§rem geschrieben und kwedlnbory^ Quedlinburg, böbm oben, dhrökn gebrochen, aber dnom genommen heisst.
Ganz anders stellt sich jedoch die Entwicklung ausserhalb dieses Gebietes, wie die nachstehende Tabelle erkennen lässt, in der, um eine Vergleichung möglich zu machen, auch das mnd. Ümlauts-e und das aus westgerm. au entstandene o berücksichtigt sind.
|
Mnd. tl. |
a |
e |
e |
0 |
0 |
n |
6 Uli ö 0 |
|
As. |
a |
e |
i |
0 |
u |
e |
|
|
Münster |
a |
'V, /« |
{% l^ |
«0; ÜO |
u^, ü^ |
Gl |
|
|
Oschersleben |
Q |
5 |
e |
ö Q |
ö |
e e |
|
|
Mecklenburg |
9 |
? |
? |
Q |
|||
|
Prenden |
qa |
r |
ee |
qa |
ga |
e |
ö |
Geht man von der Voraussetzung aus, dass die Entwicklung der verschiedenen Bezirksmundarten von wesentlich gleichen Anfängen ausgegangen ist, so erscheint die Annahme, dass die tl. mnd. e und o anfangs monophthongische Vokale waren, angesichts der heutigen Entsprechungen in Münster usw. nicht haltbar. In diesem Falle hätten sie z. B. in Mecklenburg wie in Prenden irgendwann mit mnd. (t^ und 6^ zusammenfallen müssen. Wird aber ausgeschlossen, dass die tl. e und 0 allmählich sich dehnende Monophthonge waren, so bleibt nur übrig in ihnen ursprünglich kurze Vokale zu sehen, welche in- folge der Schwächung des Endsilbenaccentes zu dem eigenen einen schwächeren zweiten Accent erhielten, d. h. zu Vokalen mit schleifendem Accent wurden, unter dem sich zunächst ein überkurzer Vokal hinter dem ursprünglichen i oder w, also zunächst i^ und m« bildete. Die weitere Entwicklung führte dann, je nach den Sondergesetzen der einzelnen Bezirksmundarten, allmählich zu einfachen Längen oder Diphthongen. Wenn Ghytraeus 1582 und andere Mecklenburger vor ihm (Nerger, Grammatik des meklenb. Dialektes § 26) das tonl. e durch ein übergesetztes kleines « bezeichnen, welches sie bei dem ursprünglich langen e nicht verwenden, so kann man hieraus schliessen, dass dieses übergesetzte « nicht Zeichen der Länge ist, sondern den
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damals noch hörbaren nachschlagenden Vokal bezeichnet. Für das Mittelniederdeutsche ergibt sich aber, dass die tl. e und o auf einem grossen Teil seines Gebietes noch diphthongische Laute waren. Wenn sie trotzdem in den mnd. Handschriften als einfache Vokale erscheinen, so erklärt sich diese Tatsache aus der mnd. Regel, dass Diphthonge durch einen einzigen ihrer vokalischen Komponenten bezeichnet werden konnten.
Zu Laarembergs Seherzgedicht I. v. 18 n. 21.
§ 93. Nachdem Lauremberg die Lehre von der Seelenwanderung kurz dargelegt hat, fahrt er fort:
17, Ein Kriegsman und Soldat, wenn em de Seel entführ, Keem se tooll in ein Peer dt, edr in eine olde Sör.
21. Ein riker Wanst, de sich stattlich tracteren plecht, De würde woll ein Svoyn, und eet, mit Gunst gesecht.
In diesen Versen ist das Wort Sör bisher von allen Übersetzern und Erklärern als *Sau' aufgefasst worden. Schon die dänische Übersetzung von 1652 (Neue Ausgabe von Paludan, Kjöbenhavn 1889), von der man gern vermuten möchte, dass sie unter einiger Mitwirkung Laurembergs veranstaltet sei, hat das Wort so verstanden.
En Krigs Mand oc Soldat naar som hans Sial udfoer, Kom den udi en Seat, eller i Svine Hiord.
Der allgemeinen Annahme folgt auch Braune, wenn er S. 112 seiner Ausgabe sagt: „Sör f. Sau. Aus dem Dänischen so, plur. söer. Sonst braucht L. stets das ndd. Söge.^
Da Lauremberg lange Jahre Professor an der dänischen Akademie in Soroe war, ist die Annahme von Danismen in seinen Scherzgedichten zulässig. Trotzdem ist es nicht verständlich, dass Lauremberg eine Sör gesagt haben soll, wenn im Dänischen eine Sau en So heisst und Söer stets Plural ist. Auch lässt sich gegen diese Erklärung anführen, dass einige Verse später, V. 22, das Schwein als die geeignete Stätte für die Seele reicher Dickwanste genannt wird.
Die künstliche Deutung von Sör als Sau, mnd. söge, dänisch so, verdankt ihre Entstehung dem Umstände, dass bisher kein gleiches ndd. Wort nachgewiesen ist, welches hier in den Zusammenhang passt. In § 86 dieser Arbeit ist ein solches W'ort gefunden. Das hier ver- zeichnete tsor9 ^schlechte Stute" kann, wie nachgewiesen werden soll, zu Laurembergs Sör stimmen, und man wird, da mnd. pert (mnd. Wtbch. 3, 322) im besonderen ^Hengst* bedeuten kann, Vers 18 übersetzen dürfen: ;,kam die Seele eines Soldaten in einen Hengst oder je nachdem in eine alte Stute." Das Beiwort ^alte" wird noch heute gern mit tsore verbunden, da dieses Wort genau wie mhd. gurre, gorre zur herabsetzenden Bezeichnung alter schlechter Stuten dient.
Zur Stütze der neuen Erklärung bedarf es noch zweier Nach- weise, erstens des Vorkommens des Wortes in äjterer Zeit und in Mecklenburg, zweitens der Möglichkeit, dass s statt z in tsore ge- schrieben werden konnte.
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Dass das Wort auch in Mecklenburg und Vorpommern bekannt ist, beweist der Beleg bei Gilow, De Diere (Anklam 1871) S. 769. j^Zür^ Züre, Zöi% Zurre, ein altes schlechtes Pferd^. Einen Beleg V. J. 1675 bietet das ndd. Lied im Ndd. Jhb. 31, 43 vgl. Anm. 1, in der meine Erklärung bereits angedeutet ist.^)
Die Möglichkeit, dass im Anlaut das schriftsprachlich richtige z (= lautspr. ts) mit s wiedergegeben werden könnte, folgt gleichfalls aus der § 86 bereits mitgeteilfen Tatsache, dass von Niederdeutschen im Anlaut statt des hd. z {ts) oft einfaches stimmloses 5 gesprochen wird. Auch in Mecklenburg ist das der Fall, wie Nerger § 67, vgl. auch Mackel Nd. Jhb. 31 S. 156 §7, ausdrücklich bezeugt. Zahl- reiche Belege für die Verwechslung von hd. s und hd. z bietet auch das mnd. Wtb. vgl. z. B. sahel, zahil; sage, z(ige; sedele, tzedule; seder, ceder; sedner, czedewar^ zedetvort; sege tzege; sirät, tzirot; siren tziren usw. Um so eher konnte Lauremberg sich für s entscheiden, da er in Dänemark lebte. Die dänische Aussprache setzt s^ets stimmloses 8 für anlautendes hd. z ein.
Ein kleines Erlebnis in Dänemark, wo ich so oft deutsch redende Dänen ,,ßeit^ statt „zeit" aussprechen hörte, ermöglicht mir die richtige Deutung einer zweiten bislang gleichfalls nicht verstandenen Stelle der oben angeführten Verse. Ein älterer Herr fragte eine Dame: „Haben Frau Doktor schon Erdbeeren gefressen?^ Als die deutsche Dame tat, als wenn sie die Frage nicht gehört habe, wiedei'holte er sie mit erhobener Stimme so laut, dass die ganze Tischgesellschaft sie vernahm und eine der anwesenden dänischen Damen den unbe- absichtigten Missgriflf des alten Herren erklärte und entschuldigte. — Das lautlich dem ndd. eten^ hd. e^sen entsprechende dänische Wort cede wird nur vom Vieh gebraucht. Jenem dänischen Herren wollte deshalb das Wort „essen** nicht über die Zunge. Er geriet auf das Wort „fressen" und kam so zu dem Missgriflf, den er gerade hatte vermeiden wollen.
Aus demselben Gefühl, dass eten eigentlich kein schickliches Wort sei, wenn von einem Menschen die Rede ist, fügte Lauremberg den Worten und eet die Formel mit gunst gesecht bei. Die Stelle
^) Herrn Proiessor Dr. Siebs verdanke ich den Hinweis auf folgende aus einem mhd. Arzneibuche des 14/15. Jahrh. in den Mitteüungen der Schles. Gesell- schaft für Volkskunde Heft 13 (Breslau 1905) S. 23 abgedruckte Stelle: wer verrc riten sal, der sal verbenam unde arthemisiam dem pherde under den scopph binden, es erliget numtner unde wert ouch ummer (lies nummer) czüre. Ein anderes Arzneibuch^ hrg. von F. Pfeiffer in den Wiener Sitzungsberichten, hist-phil. Classe, Bd. 42 (1863) S. 150 bietet dieselbe Stelle mit dem Wortlaut Swer verre riten sol, der binde verbenam unde artimisiam dem ross umbe den schoph, zwar, es erlit nimmer, es entoirt ouch nimmer ze rceche. Die sinngleiche Wiedergabe der ge- meinsamen Quelle beider Arzneibücher vorausgesetzt, muss züre = ze rieche, also ^steif bedeuten. Das Wort züre fehlt bei Lexer, mnd würde ihm t^re entsprechen, und es würde dann mit dem mnd. Verbum tären verwandt sein, welches sich bei Pseudo-Gerhard von Minden, Fab. 59, 65 findet. £in Esel sagt hier zu einem Pferde : Nu ju des tomes is vorduret, nu ju de lamen lede turet, nu is der stolt- heit ju gesturet.
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wird man also sinngemäss zu übersetzen haben : ^Ein reicher Dick- wanst würde wohl ein Schwein und frässe, mit Respekt gesagt.* Dass mnd. eten auch ^fressen*' bedeutet, belegt das mnd. Wörterbuch.
Spracbprobe.
§ 94. Die Sätze, deren Übertragungen Wenkers Sprachatlas zugrunde liegen, lauten in der Mundart von Prenden:
1. in tvint9r flen dt« dron blädar döry^ die luft rämhär. — 2. et hört jlly up tü^ änami, den wart ddt ice^ddr wecbr besar. — 3. diix kö^ln in den kaxl'än, dat di« melk bah an tu« koxon fant. — 4. d^ jü^d^ oh man is met ddt pärt dörf^ ddt zs jdbrqf^kii un in ddt koh tvö^tdr jdfaln. — 5. he is för ßr öd^r zeks woxn JBätortmn. — 6. ddt für icgr tü^ heta, dif kü^kn zint jQ umn jans äwart jdbrdnt, — 7. he et die dir ümar g<^n9 zolt un p^^p^r, — 8. dl^ füeto dün ml zlrd iv^, ik jloico, ik hebd zi^ döiyjdlöpm. — 9. ik bin bl di» frau ßwest un heb9 et ^r jdzast, un zl^ zexh, zi^ tvolt ök pvdr doxter zejen (^auch zän), — 10. ik tril et ök niy weckr düon. — 11. ik älg« d% jliy^ met den koxl^^pdr um dd örn, du Q^psl — 12. wo jaistü hen, zöh m met dl j(}^n? — 13. et zint äleyta tldn, — 14. min llnvdt kint, bltf hie uwri Hq^n, die hozd jdnzo bltn dl döt. — 15. du hest hüto am mlrstn jdllrt im bist grtiy ßtvest, du derfst fro9r na hüza jq<^n as die amrn, — 16. du bist nox niy jröt jdnnx um end flasd wln üt tu dritjkn, du mütst trst nox en em wasn un jroter wern, — 17. zl zö jüet un zejd dim §tcdst9r, zie zal die kled^r för jatw mutr fertig nän un met die bör§t9 raim mQ^kn, — 18. hetst du etn jdkent, den w^rdt änderet p- kq^m, un et d^do bes9r met em stq^i, — 19. w^ het ml min korf met jle^ JQätgf'ln ? — 20. h§ het zö jadö^^n, as hedn zte em tum drö§n bd- stelt; zie hebm et äuvr alend jddgn, — 21. wen het h§ die naid jaäiyp f^rtelt? — 22. man milt lüt ärain, ziis farätait he uns niy . — 23. wi zint müedd un hebm dorät. — 24. as wi jist9rn änt turiijd kern, dq<* län die andam äön tue hedd un wgrn festa inj9älg^pm. — 25. dq änB is diz9 naxt bi uns lijn jdbl^etc^n, äu^r hüte morjdn is he J9ämoltn. —
26. hitc^r unzd hüs stg^n drai Sono djylbomdkins met röds dp/kins. —
27. km jl niy nox Sn önblik up uns wgrri, den jg^n wi 7net jau. —
28. jl denvon niy zona kiT^araion drUv9n. — 29. unz9 bdrjd zint niy^ zird höx, die jaun zint fib hojor. — 30. wo fib punt wor§t un wo fib bröt wiln jl hebm? — 31. ik fdrstg jau niy^ ji müdn en bütskin lübr fipr^ekn, — 32. hebe ji kdn stükjdn unt9 zepe för ml up min düä jd- fu79n? — 33. zin brüedor wil ziy twe sono naie hüzsr in jaion jq^rn bann. — 34. ddt wört kam etn fönt hdrte. — 35. ddt wQr re-yt fon em. — 36. wat zitn dgf^ för fäbkins band up die maiier. — 37. die bätv hadn fümf osn un noin ko un_ tswölf sg<^p9 för ddt dörp jdbraxt, die wühl zie fgrkopm. — 38. die lüde zint hüte ab bütn up ddt feit un man. — 39. jox man, de brüne hunt düet di nilSt. — 40. ik bin met die ISde dö<* hip owdr die weeze in ddt kgrn jdfürt.
CHARLOTTENBURG. Erich Seelmann.
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Die KoDjanktioD 'und' in der Mandart Yon Gattenstedt (bei Blankenburg a. Harz).
I. Formen, a. Die bei weitem häufigste Form der Koujunktioii 'und' in der Cattenstedter Mundart ist un.
b. Abschwächung zu en und n findet statt in den aus Einer und Zehner zusammengesetzten Zahlwörtern^ z. B. einenfufzich, zwein- fufzich, dreinfufzich, ftrenfufzich, ßnewenfufzich, sexenfufzich, achtefi- fufzich, neunenfufzich. In der Zusammensetzung mit sehen und meist in hd. Form siben wird das en oder n nicht mehr gehört, z. B. sehen-, sthenfufzich. Zu en ist *und' ferner geworden in folgenden feststehenden Verbindungen: körten klein, got loben dank, got eren dank, jären dach; vielleicht auch in ßtzen fei, wofür in Helmstedt ßx un fei gesagt werden soll. Der Ausdruck wird gern von Kindern und jüngeren Leuten gebraucht, die noch ohne Erfahrung sind und furchtlos und unvorsichtig, ohne Gefahr zu ahnen, etwas tun, das ihnen Schaden bringt. Man sagt dann zu ihnen: st nich imme^' sau fitzenfei oder wurumme biste sau fitzenfei, du 7nost Srscht dorch schaden klauk wh*en.
c. Als end und nd erscheint 'und' in den Verdoppelungen ütendüt, ummendum, ewwerndewwer, und zwar wird beim Sprechen das d zur folgenden Silbe gezogen.
II. Gebrauch. 'Und' verbindet koordinierte Sätze und Satz- teile und ist ursprünglich lediglich aneinander reihend oder aufzählend, aber je nach der Beschaffenheit des durch 'und' verknüpften Satzteiles erhalten diese Verbindungen oft eine eigenartige Bedeutung.
A. Verbindung von Satzteilen.
1. 'Und' verbindet beliebige Satzteile. Dieser Fall ist der häufigste und bedarf nicht vieler Beispiele: pSivt un esel. gröt un rasch.
2. 'Und' verbindet denselben Satzteil.
a. Ist dieser ein Verb, so wird dadurch eine längere Dauer der durch das Verb bezeichneten Tätigkeit ausgedrückt, die allerdings auf Momente unterbrochen sein kann. Diese Ausdrucksweise ist beliebt, z. B. hei kukke un kukke; ek junk im junk (ging); ek laus un laus (las); et rhte un r&ne,
b. Wird derselbe Komparativ durch 'und' verbunden, so wird dadurch eine Verstärkung des ersten Komparativs ausgedrückt, z. B. necher im necher kommen, näher und (noch) näher kommen; et rhie immer didder un dulder; hei leip immer rascher un rascher,
c. Ein hoher Grad, ein Superlativ wird bezeichnet durch die Wiederholung desselben Adverbs, z. B. dorch un dorch nät sin, ganz durchnässt sein; rfä appel is dorch un dorch fül, der Apfel ist voll-
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ständig faul; eunoerndew^wer scheif stn^ völlig schief sein; ütendüt riten, vollständig zerreißsen; ummendum schmUen, ganz übereinander werfen; nd nn nä^ ganz allmählich. Diese Ausdrucksweise beschränkt sich jedoch auf diese wenigen Fälle
d. Rein aufzählend dagegen ist 'und' in den Verbindungen fia un dft, der und der; dat un dat\ sau un sau^ in denen dasselbe Wort an zweiter Stelle eine andere Beziehung hat als an erster.
3. 'Und' verbindet Zusammengehörendes. Stehende Wendungen dieser Art sind wägen un p&rt, sölt un hrot, dat is sin plausch un ejje] ferner folgende Benennungen beliebter Gerichte: appel un bSren, khinz un beren, klunz tm schwetschen, schtvarts^tir un klmiz.
4. Die Verbindung zweier Satzteile durch 'und' dient zum Ausdruck eines einzigen Begriffs; sie hat etwas Anschauliches und Natürliches und lässt sich etwa folgendermassen gruppieren.
a. Verbindung von Gegensätzen, dat schunn is under nischt ni koj) un ärsch = ist sehr kurz, op leben tm döt (/an, op un nedder. rop un runder, rüt un rin. üt un in gdn. gröt un klein, freu un schp^de. nich rikwarts un nich fonvarts kennen, wt hunt un katte leben, heit un költ wiiren. einen för kort un lank üt^chiln, jemand tüchtig ausschimpfen, arge Schimpfworte gegen jemand gebrauchen. gut wn kr-üt. links un rechts wekke umme de oren hin. undne un oben, op un df gdn. op tm nedder gdn. hen un Mr. hen un der wedder, bisweilen, hir un dd, vereinzelt datm tm Idten: me wet mch, wat me daun un loten salj man ist unentschlossen. u^i% me geit tm schteit, überall sau un me geit un schteit, so wie man gerade gekleidet ist, sofort.
b. Verbindung von Synonymen, putz tm schtdt mdken. krtmi un Idm stn. eilten döf tm blint schldn. krik tm obenschtel, Krücke und Ofenstiel, d h. Kreti und Pleti. hak tm mak. sek dul tm ful süpen. dp m'rt tm dötschläch ütgdn. schtein un bein klän. tdder nischt ivi küt un knöken stn. schnei tm is. sek schinnen un hvSilen. fr^Aten un süpen, schwelgen, lopen tm schtarzen. sein un heren. dik tm fet. schttf tm feste, dum un ahvern w^ren, nervös, verrückt werden. met ach un krach üfnander gdn, sich unter Zank trennen, kein hint un kein kint hebben, ganz allein sein, niemand zu versorgen haben; hint = Hund? luch un druch. sek met hennen un feuten weren. sek heun un wären, sich sehr hüten, sek drein un wennen. met sak un pak. met frü tm kint. döt un taufal. leben un schtveben, wimmeln. lank un breit, ausführlich, alles lin tm $chtän Idten, unverzüglich. mal tm nise opschparn, ganz verwundert sein, schtr un blank, sehr rein, sehr sauber, kr um un scheif. krank un schwach stn. et sat tm dikke hebben, einer Sache überdrüssig sein, tvt dach tm nacht stn, himmelweit voneinander verschieden sein, tmime (for) nischt tm lange- teile drbein^ umsonst arbeiten.
c. Verbindung alliterierender Satzteile, die oft zugleich synonym sind. Das Wesen dieser Alliteration ist, einen Begriff durch zwei Worte auszudrücken, drin un drop jeben, reichlich geben, schobben
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un schtreHj gründlich scheuern, körten klein schldn, ganz entzwei schlagen, buk un bdk ful, ganz voll, ganz be])ackt. kint un kkjel. etvwer schtok un schtein. met hüt un hären. ItAs un hof, krimmen un kratzefi. klip un klär, blitzen un blenkern, äusserst blank geputzt sein, for dau un ddge, in aller Frühe, fri un frank, bi nacht un neunvel, in völliger Dunkelheit, met schtrunk un schiel utriten, voll- ständig ausreissen. (de) kriz un kwsir. yreun un Ja/ schlän, gehörig verhauen, nich half un nich heile stn, nichts Ordentliches, Rechtes sein, meu un marode, ganz ermattet sein, dum un dhnlich, ganz dumm. schimp un schanne. tvint un wMer. samt un sondersch. sek nich rippeln un rin, sich garnicht bewegen, jift un gäben, jift (venenum) un galle. gät un j&rn. nischt te btten un te bräken hebben. fon ktks un kaks nischt wetten, et is mek noch kutschen fei un fleisch, ich bin noch unschlüssig ein ei un ein eierkauken sin, die dicksten Freunde sein, ru un rast, nich emäl for jelt un gude were kämme wat krtn.
B. Verbindung von Sätzen.
1. 'Und' verbindet beliebige koordinierte Sätze. Beispiele sind nicht nötig.
2. Ein Satz mit *und' statt eines Infinitivs mit *um zu' oder 'ohne zu' steht nach einigen Verben, besonders nach den Verben der Bewegung: kum mek jö nich wedder un uit wat hebben. dd kirnst mek tnan wedder un uit wat hebben. hei kam un sä atje oder umme atje te sein, hei junk (ging) und sä nich emdl atje oder one atje te sein. hei schikke en boden un leit sein, löp un häle melk, hei is nä Reuwelant efären un Mit brMer oder umme brMer te hälen. hei is ndW mele un hält schret. ek mofn gayizen dach schtän un waschen, hei schtunt wn Iure,
3. Ein Satz mit 'und' statt eines Infinitivs oder bisweilen statt eines dass-Satzes steht nach ergänzungsbedürftigen Ausdrücken. Dieser Sprachgebrauch ist für das Hochdeutsche von Behaghel in der Zsch. f. d. Wortforschung VI, 366 — 368 ausführlich behandelt und mit Beispielen aus den verschiedensten Gegenden und Schriften belegt. Hier handelt es sich um die Ausdehnung dieses Sprachgebrauchs in der Mundart eines einzigen Dorfes.
a. Nach Substantiven ohne oder mit einem auf das Folgende hinweisenden Pronomen. lust hebben: wenne lust hest un medde schpvlen wit oder medde te schpclen. Aber nur heste lust medde te schpclen?
koräge hebben (spr. g wie franz. g): wenne koräge harre un hen jinge.
iti schtanne shi: rfä is in schtanne un secht dat. Aber: hei is nich in schtanne dat te dran.
(/an je fallen dann: dauch mek dhi jef allen un gäch hen (nie: hen te gän). hei deut mek c/äw jefallen nich un geit hen oder dafe hen geit. wenne mek dan jefallen de un hen jinge oder hen te gän. deuste mek wol dän jefallen un geist hen ?
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oj) dkn jedanlcen {da ide) kommen: mi kimmeste man op d^n jedanken an geist da hen? oder da hen te gdn? ek warre nich op rfan jedanken ekommen un warre dd hen egän oder da hen te gdn. teil sal ek wol op dän jedanken kommen un da hen gdn oder da hen te gdn oder dat ek da hen gd. Ebenso häufig wie der Infinitiv mit zu ist 'und' nach einem Infinitiv des Ausrufs oder der Verwunderung: nich op d&n jedanken te kommen un dat te sein, rfä kordge te hehhen un dd hen te gdn.
da kordge hebten: ek harre d& kordge nich ehat an harre dat esecht oder dat te sein. Aber hei het nich rfä kordge, dat'e dat secht oder dat te setn. Ebenso nur: hei het nich de lust, dafe sek bikt oder sek te bikken.
In derselben Weise wie in den angeführten Beisi)ielen steht *und' nach rfä drtstichkeit hebben, rfa insicht hebben, op dan infal kommen, t/an forschtant hebben, sinen tüillen hebben (dorchsetten), stnen kop op- oder dorchsetten, sinen schus (Anfall, Einfall, Laune) krtn, in der läge sin: ich' in rf&r läge is un dat kan; wenn ek in dSir läge warre un dat kenne. Aber nur: ek bin nich in rfSr läge, dat ek dat kan oder dat te kennen.
b. Nach Substantiven mit vorhergehendem sein, saun'^) (so ein, solch) oder saufei, ja, denke mal hen, saune dumheit mdke ek noch un gä da hen. mäkste 6k noch saune dumheit un geist du hen? wenn ek seine dumheit mäkte un da hen jinge, denn schien mek min fdder dot. w\\r wart wol seine dumheit mdken un da hen gdn. saune dumheit mäk man un gdch dd hen. saune dumheit te mdken un dd hen te gdn!
saufei forschtant mot doch wol en minsche hebben un dat seift (sehen) oder dafe dat sU. wenne saufei forschtant harre un dat inse oder dat in te sein oder dafe dat inse. nich saufei forschtant te hebben un dat te sein, du sostest doch wol saufei insicht hebben un dat täten. In negativen und Fragesätzen dagegen scheint un nach saufei wenig oder gar nicht üblich zu sein.
In der angegebenen Weise steht 'und' nach den W^endungen saune kordge, dristichkeit hebben; op seine jedanken, op seinen infal kommefi; seine jeschichten, schtreiche, galeppe (Torheiten) nuiken; saun natre, trop, jakop, dumbatz, duseldir, scMpskop sin; saufei ndjedanken, tust, ewtcerleiunk hebben.
c. Nach Adjektiven mit vorausgehendem sau. Statt eines Satzes mit 'und' kann auch ausnahmslos ein dass-Satz, aber nie ein Infinitiv mit 'zu' folgen, rfä is sau dum un secht dat. is hei wol sau driste un geit da hen? wenn hei sau arme is un dat nich betdien kan. st sau gut un hdle mek dat mal Aar. 2) si nich sau dum un sech jd.
1) Ebenso im Mnd., z. ß. du schalt komen in sodan not unde mit swete eten dat brot. Statwechs gereimte Weltchronik, herausg. von Artur Korldn, Vers 79/80.
') Ähnlich im Schwedischen: vill ni vara god och säga mig. var god och kom ihäg det.
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wSir is wol sau alwern un deiU aau wat! ek kan nich sau schlecht sin nn einen beiein (belügen), sau hitzig te sin un gliks te schMn. rfä is sau dum nich un secht dat. du bist sau dum un weist dat nich 'i Aber nur hei is sau arme nich, dafe dat nich betdien kan (kenne). Andere Adjektiva, nach denen gern ein Satz mit *und' folgt, sind: klauk, schlü, forrikt, gut, trüharzich, tränpettich, hinderlistich, forsch- tennich, jescheit, kumpdwel (fähig), forwart, forsiehtich, ordinSir, op- dringlich, diknSiSich.
d. Nach einem Adjektiv mit nachgesetztem e^iauch, nauch (genug). dSi is dum etiauch un deut sauwat (dat). Diese Ausdrucks- weise ist jedoch seltener, meist steht dafür ein dassrSatz.
e. Nach Verben mit einem auf das Folgende hinweisenden Pronomen wie sauwat, dat, dutau, et, auch sist wat oder sonst wat. um kanste man sauwat mdken un dhi akker kepen. um biste man dätau kommen un hest dhi akker ekoft. wenn hei sek dat forenommen het oder wenn hei et sek in'n kop eset het un dat hüs kepen unl, denn d£ut hei d<it 6k. In diesen Fällen kann auch ein dass-Satz folgen, aber niemals nach sist wat, z. B. ek unl ne sist (sonst) wat duun un for ene da hen gän.
f. Nach einigen Verben ohne einen auf das Folgende hin- weisenden Zusatz, um den Inhalt dieser Verben auszudrücken, h^i trotzt un wil nich kommen, hei schüt sek un unl nich hen gän. wenn'e sek äwer weijert un nich betdlt. wenn'e dwer nei secht un nich kirnt, wenn'e dwer nich unl un dat mSiken sitten let? wenn'e äwer tau (ja) secht un kirnt?
Schlussbemerkung. Bei dieser kleinen Untersuchung über den Gebrauch von 'und' in der Cattenstedter Mundart mag mir manches entgangen sein; wer aber weiss, wie schwierig es ist, den Sprachgebrauch in einer lebenden Mundart in seinem ganzen Umfange festzustellen, der wird gern Nachsicht üben. Hinsichtlich des Wertes des e in den Endsilben bemerke ich, dass dasselbe vor einfachem Konsonanten stumm ist, vor Doppelkonsonanten nicht immer. Letzterer Fall bedarf noch näherer Untersuchung.
BLANKENBURG a. H. Ed. Damköhler.
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Idiotikon von Eilsdorf
(bei Halberstadt).
Harz, Bode, Bruchgraben und Oker/Ilse begrenzen ein Viereck, in dem sich als beherrschender Höhenzug der Huy (spr. hü) erhebt. Die Mundart dieses Gebietes möchte ich Huymundart nennen. Sie zeigt nur geringe örtliche Verschiedenheiten, sodass sie von den uDgelehrten Landbewohnern als einheitlich empfunden wird. Die sprachliche (irenze bildet im Westen die Diphthongierungslinie i\ei^ die Damköhler 1) genau festgestellt hat; im Norden die tA;- Linie; im Osten die Bodemundart mit der Endung -en (-n) im plur. praes. und im Süden die Mundart des Harzes, deren Eigenheiten Damköhler 2) dargelegt hat.
Dieser Huymundart gehört die Mundart von Eilsdorf an, deren Wortschatz hier dargeboten ist. Eilsdorf ist ein Dörfchen 12 km nördlich von Halberstadt. Trotz der Nähe der Stadt ist seine Mundart rein niederdeutsch. Die geringe Beeinflussung durch das Hochdeutsche mag ihren Orund darin haben, dass Plattdeutsch wohl von allen Kreisen der Stadt verstanden und von einigen auch — wenn auch nicht rein — gesprochen wird.
Die Mundart ist noch für alle Dorfeingesessenen die Umgangs- sprache. Erst in jüngster Zeit beginnen einige Familien mit ihren Kindern hochdeutsch zu sprechen. Ob eine hochdeutsche Beeinflussung der Mundart darin zu sehen ist, dass in der Aussprache des an- lautenden s vor Kons, bei manchen Wörtern ein Schwanken zwischen s und seh zu bemerken ist, bleibe dahingestellt. Unzweifelhaft aber liegt sie vor im häufigen Gebrauch der hochdeutschen Zahlwortformen.
Den Stichwörtern ist die lautschriftliche Angabe der Aussprache in Klammern beigefügt, wo ein Zweifel möglich erschien. Die gewählte Lautschrift ist dieselbe wie die S. 3 fl". in Anwendung gebrachte, nur ist hiervon abweichend durch cl das hintere a bezeichnet.
Meinen lieben Eltern, deren Sammeleifer ich manches seltene Wort verdanke, fühle ich mich zu besonderem Danke verpflichtet.
a (a) ach, in a wat, ach was.
Aa (ad) in der Kindersprache Kot, 't
Kint hat Aa maket. ä (ä) pfui! ä, smit wech. Abend (äbmt) Abend. acht«, acht. Et sleit achte. Vor dem
Subst. acht. Hei hatt acht Peere in
Stalle, achteckich, eigensinnig und dabei etwas
heimtückisch. Dat is en achteckigen, achteine, achtzehn. Ackerhoff, Bauernhof.
*) Damkuhler, Die Eis- und Weinlinie von Bettingerode bis Neindorf usw. Niederd. Jahrbuch XXII.
*) Danikuhler, Zur Charakteristik des niederdeutschen Harzes. Halle 1886.
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ackerat (aJc9rä't)f sauber, ordentlich; ebenso, ^n ackeraten Burssen ; ackerat saa grot.
ackerickera't, ganz genau ebenso.
Aekermann, Landwirt.
AckermenneckeD, Bachstelze. Kinder- reim : Ackermennocken, pleu meck wat, sast'n gluhn Dahlder hebben. Vgl, Grimms Wb. s. cnke.
afbnn (äfbün), scherzhaft für abreisen, ausrücken. De Besuch is war awebut.
ackern, den Äcker bestellen ; durch tiefen Schmutz mühsam gehen.
Adler (ädlfr), Adler. (Die Endsilben -ler und -ner ?iaben stets langes f, dagegen heisst es naustsr, dis^r).
af (äf), in Pausa awe (äw9) ab. Doch gung de Sache noch sau af : af un tau, ab und zu ; hei hat 'n Telaer awe, er hat seinen Teller völlig leer gegessen, 't Bein is awe, das Bein ist abge- brochen, ek bin awe (beim Abzähl- spiel.)
afbacken, abbacken, 't Broet is awe- backet, so gebacken, dass zwischen Kruste und Krume eine luftgefüllte Höhlung ist, man sagt auch wohl da is de becker dorchekropen
af binnen (äfbin) abbinden, de Bock is awebunnen, d. h. kastriert, de Zement hat gut awebunnen, ist sehr fest ge- worden.
afdempen (äfdemim), erdrosseln.
afdösenen {äfdösn), eilend ablaufen. Ilei hat 't ganze Dörp awedöschet
afeschern (äf-es?rn), abhetzen durch Laufen.
affenrn, abfahren.
affin en, die Haut abschinden. Hei hatt seck sin Scheenbein awefilt.
affattern, den Pferden zur Nacht Heu in die Raufe tun, Hast'n all awe- futtert?
afglipen (äfgllpin), abgleiten, \ Mest is aweglipet.
af^narpen, abnagen^ z. B Obst, Gemüse.
afnannen, abhanden.
afhelen {äf-h^lrj), deti obern Teil einer Flüssigkeit vorsichtig abgiessen, wenn z. B. der Bodensatz oder feste Stoffe im Gefässe zurückbleiben sollen.
afhenn, abhüten, abweiden.
afhilpen (äfhüj)7p), behilflich sein beim Absetzen einer Traglast.
afhöweln, abhobeln,
afholen (äf-hö'in), abhalten, 't Kint af- holen, das Kind seine Notdurft ver- richten lassen.
af hacken, eine Last vom Bücken absetzen.
afkaddeln, etwas so abschneiden^ dass die Schnittflächen uneben oder zer- rissen erscheinen.
afkarten, afkartgen (äfkärtn), abkarten.
Afkate (afka'tsi), Advokat.
afkenln, abkühlen.
afklmen, von Kartoffeln, die im Keller Keime gelrieben haben, diese entfernen.
afklein, abkratzen.
afkleppern, afklappern, das Dorf oder eine Anzahl Häuser zu irgend einem Zwecke ablaufen.
afklnben, abklauben.
afkramen, abräumen, z. B. den Tisch.
afkrin (äfkrln), abkriegen ; Obst pflücken.
afkiinnejen, von der Kanzel verkündigen.
aflan (äf-län), abladen.
Aflar (äf-lär), Abiader (des Heus usw.),
aflen nf-lfn), ablegen^ entfernt,
af lachten, in der Luft trocknen; lat de Wech erst afluchten.
aflaksen, heimlich absehen.
aflasen, die letzten Früchte absuchen,
af Ol essen, ausmisten.
afniean, abmühen.
afmarksen, umbringen, schlachten.
afmaseln, schnell und oberflächlich waschen.
afnemels nont (äf-n^me1s mcfnt), ab- nehmender Mond, bi a. m. dört'n nich cn Middel gegen de Wörme innemen.
afran (äf-rän), abraten.
afrapen, das Getreide hinter dem Mäher zusammenraffen, um es in Garben zu binden oder als Frösche niederzulegen,
afraapen (äf-raupm), 1. (mit betonter erster Silbe) abrufen, abholen. 2. (mit bei. zweiter Silbe) vernehmlich zurufen, se wonen (wohnten) sau nahe dat se seck afraupen können.
afrekcn (äf-rfkji) abrechnen.
äfrecken, die Getreidegarben vom Wagen abladen, mit der Forke in die Scheunen- oder Bodenluke reichen.
afr<^cken, erreichen. Wenn jemand von seinem Platze einen andern mit der Hand noch erreichen kann, so sagt er wohl ek kan^n'e grade noch afrecken.
afremen {äf-rfm), abrahmen.
Afrnm, Abraum; die in Sandgruben, Steinbrüchen usw. abgeräumte Erde.
afrümen, abräumen.
afscharben {äf-.s'arbm\ in dünnen Schei- ben u. kleinen Stückchen abschneiden.
afschelln, abschälen.
afschobben (äf-,Hobm), abschaben.
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af seh rammen, sterben, von hinnen gehn ; derber Ausdruck.
afschrapen, abputzen, abkratzen.
afslan, abschlagen.
afümeekig, üblen Beigeschmack habend.
afspeuln, absjmlen, reinigen.
afstaekeln, mit einer Stange herunter- stossen, z. B. Obst von den Bäumen.
afhtöaben, abstäuben.
af^itrean, abschreiten, mit Schritten messen. Siehe stredn.
afstrepeln, Blüten, Blätter usw. ab- streifen, indem man sie durch die Hände zieht.
afstrenfen, eine Gegend absuchen, spähend durchstreifen.
afsopen (äfzüp^n), 1. abtrinken, leer trinken. 2. 'n Lampen afsupen. In manchen dörflichen Spinn Stubenver- einigungen (Klup), in denen heute allerdings der Spinnrocken nicht mehr surrt, herrscht die bitte, die letzte Winterzusammenkunft, bei der zum letzten Male die Lampe brennt, bei einem Glas Bole zu feiern : de Lampm wart awesoopen. Im Sommer finden die Zusammenkünfte nach alter Sitte im Freien statt.
af tappen (äftapin), abzapfen.
aftellei, abzählen, auszählen. Abzähl- reime: eno, dena, wippen, wap, du bist ab. — eins, zwei, drei; Puter lecht'n Ei, Puter lecht'n fules Ei; eins, zwei, drei.
altem (äft^rn), abzehren.
aftömen (äftö'm), abzäumen.
af trecken, abziehen.
aftren (äf-trfn), abtreten.
Afwarange, Abwartung, Pflege.
afwenen (Vi/t?e«;), abgewöhnen, entwöhnen.
afwennen, abwenden.
afwen, abwiegen,
all, alle, aüe, alles; dat is feal all^ das ist aber Erwarten viel; all min dag, mein Lebtag; alle maken, alle krin, sein Vermögen verschwenden; alle weam, alle sin, zu Ende gehn; zu Ende sein.
all, schon, bereits, hei is all da.
allart, flink, frz. alerte. Wird auch auffordernd geltraucht.
Alldt^ (aldäx), Alltag, Werktag. Genitiv aldas. aldas gak nicb in^n kraug.
aldaseh (aldä.s), alltäglich, Alltags-, trecke diu aldasche (aldäsa) Tuch an.
AUdastiieh, Werktagsgtwand.
alldefedl (ald^f^l), allzuviel, viel zu viel.
ai Iderar (ald9rär), gar zu schön, zu gut.
allderwechen, allerweehen, allerwegen,
überall. Ek bewwe alderwechen
esocht allheile, ganz und gar, überall. allebot, immer, jedesmal, immerzu. allehodpa, alle zusammen, aus alle de
Hoape. allen» (aWn») allein. alles, alles. alle-nnderlat (-lät), fortwährend, oft.
hei kummet alle-underlat. allewile (abwlb und abvtb), jetzt, zur
Zeit.
allnajera (alnäj9rä), nachgerade, all- mählich.
alls, als, wie; nie temporal
allsan, also.
allwern, l. albern, kindisch. 2. sich albern benehmen, rumalwern.
Amacht (äma^rt), Ohnmacht. Se is in amacht efalln.
Amman, Amtmann, hei sit da wi 'n Amman, er tut gross, brüstet sich.
ammaun sin, zumuten. Ek kon 'ne dat ok nich ammaun sin.
amerhtich, ohnmächtig.
Ammensche, Amtmännin. Bezeichnung beleibter, grosstuender Frauen.
ampeln, mit Händen und Beinen An- strengungen machen, etwas zu er- reichen; bes. von Kindern gesagt.
Amnishoif, Amtshof, Domäne.
Amt, Amt, Tätigkeit, Auftrag, Domäne, staatliches Gut.
Amsswin, Gutsschwein, fett wi ^n ams- swin.
an, ane (an, än9\ an; unbetont klingt es meistens on ; ane wird meistens mit Zustandsbeeeichnungen verbunden. Ek set er (9r) mek an, ich setze mich neben ihn, aber ek sit or ane, ich sitze neben ihm. Gern wird es mit dr (aus dor dar) zus. gesetzt du bist drane, du musst jetzt spielen ; et moter doch nist drane sin, er muss doch nichts wert sein.
anbacken, 1. ankleben. 2. einen wat anbacken, jenvand die Wahrheit sagen.
an b ein, anbieten.
anbeutn, anzünden, hastn schon Für anebot?
an binnen (änbin), anbinden, 't Geburts- dagskint anbinnen, dem Geburtstags- kinde einen Strauss an den Arm binden.
anbläken, anschreien. De hat mek awer anebläket.
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anblarren, anschreien.
andaaOf antun, zufügen (Böses, Leid).
andermann, man, ich selber, d. i. für den, von dem man redet, der andere, 'n andermann lett sek alles jefallen, man lässt sich alles gefallen, andere dagegen sind nicht so.
Andreis, Andreas, Drea«, Andreas. Drees, Dreas, Drat, Hatten läddern Bart, Hatt'n läddern Slipstein, Kann nich in de Siinne sein. (Siehe Nd. Kbl. 28, 74)
andrepen (ändrfim), antreffen.
andriben (ändrllm), antreiben,
andrüan, antrocknen, festtrocknen.
andndclD, einen andudeln, betrinken.
andün, androhen, wörtl. andeuten, ek hewwene ne Dracht Sie anedüt, wenne wer sau spät no hus kummet, ich habe ihm eine Tracht Schläge verheissen, tcenn er wieder so spät nach hause kommt.
anebehoaln, anbehalten, nicht ausziehen.
Anewendel, der Teil des Ackers, auf dem Zugtiere und I^lug umwenden und der zum Schluss in der Quer- richtung gepflügt wird, westf. anwand. altm. aonweud.
Aneworp, ein zum Türverschluss die- nendes Eisenblech, dessen Schlitz über eine Krampe geführt wird (an Gar- ten- und Kcllertüren usio). Bei Sprenger anworf.
anfengeu, anfangen. Die abhängige Nennform wird ntit mit de gebildet. Wei wilt morgen anfengen mit de pleun.
anfcttln, anfühlen, betagten.
Anvorwante (änforvantd), Anverwandte.
anfnln, anfaulen, anfangen faul zu werden,
anfiirn, anführen, täuschen, zum Narren haben.
angan, 1. angehen, de Schaule geit an; wat geit dek dat an. J2. anfangen zu faulen oder zu kränkeln, de Appel is anegan.
Angest, Angst.
angestf angst.
Angesthase, Angestboase, Angestkötl, Bezeichnungen ängstlicher Menschen.
ängestlicb, ängstlich.
Anjewene, Gewöhnung.
anglupschen (ftnglup.s9n), anstieren, starr anblicken.
angnarpen (ängnarpin), an Früchten herumkauen.
anhaeken, an die Kartoffelbüsche Erde häufeln.
anhichen (änhiyßn), anhauchen; beson- ders in der Bedeutung jemand die Wahrheit sagen, ek hewwe ne omt- lich anehichet.
Anholt, Anhalt.
anhodsen, anziehen, ankleiden.
anbuppen (-hupin), anspringen.
anhupen, anhäufen.
anhnrken, anlehnen, kauernd anlegen, wie Küken sich unter die Henne kauern.
anken, ächzen, stöhnen.
ankleon, ankleiden; seltener gebraucht als an trecken
ankrakeiln (änkrakailn), Streit anfan- gen; scherzhaft: anrufen, auf .der Strasse um etwas angehen.
ankrin (änkrin), anziehen können, ek kri de schau nich an.
anlannen (-lan), anlanden, ankommen, hei is wer anelant.
anlejjen, anlegen, mit Goldgrund ver- sehen, ohrfeigen.
anlenen (-li^n)] anlehnen.
Anlijjen, Anliegen, Bitte.
anloben (-U/lnn), geloben, hei hat mek anelowet.
Anloop, Anlauf,
anlntjen (änWjan), anlehnen, anschmie- gen, wie kleine Kinder tun.
anmischen, verhauen.
anmellen, anmelden.
anmüln, schaden tun. hei hat sek wat anemült.
anrooken, anrauchen 1. Zigarre, Pfeife. 2 betrinken, hei hat sek einen anc- rodket.
anröokern, anräuchern, leicht räuchern,
anrÜan, anrühren, in Bewegung setzen.
Anschin, Anschein.
anschirren, anschirren, den Zugtieren das Geschirr anlegen.
anschiten, betrügen, anputzen.
anschünnen, heissen, aufhetzen, wer hat ne denn dat aneschüntV wer hat ihn den Streich geheissen, dazu aufgeheizt ?
ansein, anesem, ansehen.
Ansein, Ansehen, Berühmtheit.
anslan, anschlagen. Slache mal an, wat dat hus kost.
anslänern, 'n anslänern kop hcbben, leicht auffassen, begabt sein, kluge Gedanken äussernd
ansnallen, anschnalleti.
anstellich, anstellig, geschickt.
anstennich, anständig.
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aD8t09t]i, anstossen.
anstriken, anstreichen.
ansapen (amüpm). Es ist Sitte, dass die eben konfirmierten Knaben den äwas altern Burschen Bier zum besten gehen, damit sie von diesen im Trinken unterwiesen werden; eine Art feier* licher Aufnahme unter die jungen Burschen, Die SfUe heisst ansupen.
ÄBte (änt9), Ente.
antellen, aneahlen.
antrecken, anziehen, ankleiden.
aotwllani, antworten.
Antwoert, Antu}ort.
antnsehen {äntuü9n), tuschen, anmalen; jemand etwas auswischen, schlagen.
antsant (antsant), indessen, derweüe. ek ga antzant hen.
anwennen, anwenden.
anwenen (-wfQ), angewöhnen.
aDzettern, hei kämmet anjezettert, er kommt zitternd an. üeberhaupt wer- den gern alle Ztw., die den Betriff des Herbeikommens haben oder an- nehmen können, mit an verbunden. hei kummet aigegan, ai\jelopen, anje- slendert, aDJeschetn, anjesprungen, ankarjodlt, anjedanzet, anjelatscht usw.
Ape, /. Affe. Bezeichnung einfältiger Mädchen und Frauen. Daher loohl der Gebrauch des weibl. Geschlechtes. Das Tier selbst wird mit Aflfe m. be- zeichnet. Bist 'ne ape.
Äppel, Apfel
Appelsehelle, Apfehchale.
Appelspleate, Apfelschnitte.
Apteike, Apotheke.
arbeiD, arbeiten.
Arbcir, Arbeiter.
Arbeitslii, Arbeitsleute, Arbeiter.
arben (arbm), erben.
Arbentins, Arbenzins, Erbzins, Abgabe für die in Erbpacht befindlichen Grundstücke.
areb, arg, schUmm. mak et nich de arch, hüte dich.
Areh, Arg, Argwohn, hei har dor nist Arjes drut, er dachte sich nichts Schlimmes dabei, er erwartete nichts Arges davon.
Apf, Aehre.
Arfdeil, Erbteil.
Arfsehop, Erbschaft.
Apfte (arft9), Erbse.
Arftkratf Erbsenkraut, Stengel und Blatter der Erbsenpflanze t'iw frischen Zustande.
Arft8tr09, trockenes Erbsenkraut.
Ni«derdttaUohes Jahrbuch XXXIY.
Apije, Arie, Lied.
Äpjep, Aerger.
ärjern, ärgern.
Arkner (arknfr), Erkner.
am (ärn), gut in die Art schlagen, ge- deihen, dat Swin art sek.
Appaal, stinkende Pfütze, Jauchenlache.
Äppel, Appel (erpl, arpl), Enterich.
Ars (ärs), Hintere.
Apslock, After; auch Schimpfwort.
Art, Art. Art lett nich von Art, gleich und gleich gßsellt sich gern.
Apz9Di, Arznei.
As (äs), Aas ; besonders als Schimpfwort gebräuchlich.
Asehenloel^ Aschengrube.
Ansfattep, die Holzbekleidung der eiser- nen Wagenachse.
Asse, Achse. Man ruft Vorbeifahrenden scherzhaft zu: de Asse sitt in Ra.
asten, schwer tragen, schleppen, auch mühsam einen Berg erklettern.
atche, atehegs, 'tche, adieu.
Atlpl, Artillerie.
Atlpiste, Artillerist.
ätsch (fW, das Wort dient zum Be- schämen, ätsch, du most man de hus hüben.
ätschen (fA^^n), atätsehen, Ztw. zum vorigen.
Atn, NatD, Atem. Natn haln, Atem schöpfen, ut'n Natn sin, ausser Atem sein.
atn, atmen.
attepieh, eigensinnig, leicht gereizt, mnd. aderich, altm. adderig. Das Grund- wort atter, Natter, ist in E. nicht ge- bräuchlich.
Atterkop, eigensinniges Kind.
Aukenwatep, nur in der Eda. hei is dumm wi Aukenwater.
Antep, Urheber, Anstifter, Autor.
äwel, übel, unioohl. ek bin äwel un selzen eworn, mir ist schlecht geworden.
awep, aber.
Awepgloewe, Aberglaube, Glaube an übernatürliche Dinge ; falsche Ansicht. dat is ja Awergloawe.
awepglöowisch, abergläubisch; leicht- gläubig. Düt is en awergluawischen, dem kann man leicht etwas vormachen.
Baba (bäbä), Wiege, Beuchen in der Kindersprache.
babba, Ausdruck der Missbilligung wie ä
Back, m., die Gesamtheit der Kuchen, der Brote usw.^ die mit einem Male gebacken werden, der Gang, ek koemd
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eerst in tweitn Back, sagt eine Frau zur andern.
Backe, Bücken, * Rückenstück. In dieser Form nicH alleinstehend gebraucht , sondern nur in den Zusammensetzun- gen Hinderbacke, Huckoback.
Backe, Wange.
backen, 1. backen. Kinderreim: Backe, backe Kauken I De Becker batt eraupen, Wei solin knen; Het de Tit vorlen. Scbuf in, scbuf inl de Kauken is
all gar. dabei schlagen die Kinder die Hände zusammen ; bei schuf in reiben sie die Handflächen aneinander. 2. kleben, ballen, de Blädder sunt desamme backet. — de Snei backet all, der Schnee lässt sich schoti ballen.
Baekenbearn, geringe Habe, wertloser Besitz, hei packet sin Baekenbearn desamme. Sprenger nimmt zur Er- läuterung die Bedeutung gebackene Birnen an. Könnte man nicht auch an back, Rücken, und böarn, ahd. bei'an, tragen, denken? Also das, was man auf dem Rücken tragen kann?
Baekhus, Backhaus, Bäckerei, wu'n Bruhus steit, kan kein Baekhus stan, wer viel getrunken hat, kann nicMs essen,
Backtrog C6a/iemr;, deichtrog, Backtrog.
Bädde, Bett, de Bädde, zu Bett, mit 'n Heundern de Bädde gan, früh zu Bett gehen.
Bäddelaken, BetÜaken, BetUuch.
Bäddespunnije, Bettstelle.
Bake (baka), Gausebake, Lendenrücken- stück der Gans.
balle, bald. Kum balle mal wer! stän- dige Formel der Einladung zum Wiederbesuch. — Tanzlied: balle Wille düt nicb, balle wille dat nich, balle wille Klump und Beom nich.
Ballech, Balg, ungezogenes Kind.
ballejeiij balgen.
Ballejen, Balgerei, Ringen.
Balten, Palten, Erdballen.
Bammali, Gehänge, Gebammel, baumelnde (Quasten.
bammeln, baumeln.
han, baden.
Bane , l. Bahn, Eisenbahn. 2. Ruf beim Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen : Bahn frei!
Bange /. Angst, Bange. Hast wol bange ?
bange, angst, bange, ek bin angest un bange worn.
Banne, de Banne krin, in Ordnung bringen, fertig machen, ek kan nich de Banne wearn, ich kann nicfU fertig werden.
bannich, in hohem Grade, sehr.
Bant, Bent, m., Band, Bindfaden. Beut hört man nur ganz selten und nur von alten Leuten.
Bantlock, im Fachwerk eines Gebäudes der Raum zwischen einem senkrechten Balken, einem schrägstehenden und einem Querriegel. Fig. Atisrede, Ausflucht, hei hat sek an Bantlock oapm alatn.
Banse, /., ein von der Tetme durch eine niedrige Wand getrennter Raum, der das Getreide oder Stroh aufnimmt.
bansen, Stroh, Heu und dgl. in die Scheune, auf den Boden usw packen.
barbarscb, sehr, in hohem Grade, hei kan barbarsch eten.
Barch, Berg.
barcbraf, barchrafer, bergab.
barchrop, bergauf
barchr'nn, barehr ander, bergab.
Bare, kurzstielige Axt.
Bare, Bahre, Leichentrage.
Bare, Bär.
Barhns, Bahrhaus, Schuppen für die Bahre. Der Aufbahrungsraum heisst Likhus.
barmen (bann), klagen, jammern, er- bärmlich tun, hei hat mek wer de Oam fullebarmet.
Barmstein, Bernstein, Backstein.
bärnmässig, in hohem Grade.
Bärnschite, Bärendreck, Lakritze.
barsch, hart, rauh, steif, grob, 't Lenne- want is barsch. In Hibertragener Be- deutung vom Charakter.
Bart, 1. Bart, an Bare, am Barte. 2. Kinn.
barwet, barfuss. Zuweilen auch von andern Körjierteilen.
baselig (baz^lix), vergesslich, unauf- merksam.
basein (baz9ln), unaufmerksam und zer- streut sein.
battern, gehen, die ersten Gehversuche machen.
Bank, plur. Beuker, Buch.
Bank, Frucht der Buche, Buchecker. Stoffname, meist ohne Artikel. Wei senket unsch Bank.
Bankeckern, BucJieckern.
Bankfinke, Buchfink.
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Bawanne (bävand), Badewanne,
Bawel, Gerumpel f wertlose Geräte.
Bäwer, Gaüerte, eig, Bibber.
bäwern, beben, zittern, hei bäwert wi 'n Loafblat.
Iiats, wird angewandt, wenn ein Schall dünner und heller ist als bei bauts.
batsen, KnaU verursaclken. de Döar taubatsen, die Tür mit lautem Knall zuschlagen,
beeben (be^bm), über einem mit kochen- dem Wasser oder kochenden Kartoffeln gefüllten Kessel ein Schwitzbad neh- men. Der Kranke setzt sich über den Toi)f und hängt über Kopf und Körper einen Mantel,
Becker, Bäcker.
Beekeri, Bäckerei.
bedöndert, verstört, verblüfft, verwirrt. hei is ganz bedöndert.
bedrein, beirügen, Abwandlung: ek be- drei, du bedrüchst, hei bedrücht, wei bedreit, ji bedreit, sei, verkürzt so bedreit; ek bedroech; bedroen.
bedrenwet, betrübt, niedergeschlagen.
Bedrng (b^drux), Betrug Dat is lauter Luff un Bedrug.
bedadeln, bedaddeln, betrinken.
bedün, bedeuten, wat sal 'n dat bedün ? zur Vernunft bringen, zufrieden sprechen, ek hewwene wer bedüt.
bedaro, bedauern.
bef rannen (b^frün), befreunden.
befonneln, untersuchen, eigentlich t€istend befühlen, wei weort de Sache schon befummeln.
begnanlfn, in gehässiger Weise über etwas schwatzen, bereden.
begnawwelln, bereden, über etwas schwatzen.
begnengen, begnügen. Nur noch selten Gebraucht.
beholdern, 'n behöldem Eop hebbcn, ein gutes Gedächtnis haben, leicht be- halten.
behoeln, behalten, behoalo, behölst, beb ölt, behoolt; beheilt; behoaln.
Beiderwant, ein Stoff aus Leinen tmd Wolle.
bein, J. bieten, anbieten, beie, büttst, butt, beit; boot; oboon. 2. gebieten, anordnen, hei bütt Ran.
bfinieh, gut auf den Beinen, rüstig. bi sinen ölder isse noch höllisch bei- nich.
Beur, Bier.
Beisenro^r (baiz9nrc^r), Binsenrohr.
BeiHentttanl, Binsenstuhl.
Beist, Tier, Schimpfname.
Beek, Bach: in Ortsnamen der Um- gegend -heck: Anderbeck, Swanebeck.
belemmert, Ausdruck der Missachtung. dat is belemmert, da bist belem- mert.
Beljentrer (beljdntrfr), Bälgentrcter beim Orgelspiel.
belÜD, beläuten, einen Verstorbenen ein- läuten; sobald jemand gestorben ist, werden die Glocken geläutet. Hüte morgen iso belüt.
bemengen, sich mit etwas abgeben, be- menge dek doch nich mit dene.
bemean, bemühen.
bemin (l)dmin), mit Urin beschmutzen.
behn (b^n), beten.
bennijen, bändigen.
Bent, Band, s. bant.
beranpen (bdrawpm), berufen, ein Un- glück herbeirufen. beraupet man nich, warnt man wohl jemand, der sich rühmt, nie krank gewesen zu sein.
Beere, 1. Beere, Stickbeore, Jehanse- beore usw. 2. Birne.
ßeernmaas, Birnenmus.
besein, 1. besehen, betrachten. 2. besäen.
beHeten, besessen, dat Ei is al besetn, das Ei ist schon bebrütet. — du bist wol fon Dullworm besetn, du bist wohl närrisch, toll.
besetten, besetzen.
beseaken, besuchen.
beninneii (bdzin), besinnen, besinne, besin8t,besint,be8iat;besunt;besunnen.
besitten, besitzen (i, a, e).
Bessen, Besen. Die hd. Form wird als Schimpfwort gebraucht: saun Besen.
Bessensteel, Besenstiel,
Beet (bf^Of «• Gebiss, Eisenknebel am
Zaume des Pferdes. bet (bet)f bis. betain, bitaln, bezdMcn. betjen, betten, bischen, wertig. kumm
Nommedag en (nomadCuv^n) betten
wer, komm nachmittag wieder, jif ene
(jif9n9) en beljen fon, gib ihm ein
bischen ab, bet09nen, betonen. betren (bHrfn), betreten. Beuke, Buche. Die Früchte heisken
Bauknöete, Baukeckern oder kurz Bank. benken, buchen, aus Buchenholz, beuken
Holt, 'n beuken Kuppel, beune, dicht, \ Fat is beune, das Fass
ist nicht spack. beuten, in Brand setzen, ajizünden.
beute, bottst, bott, beut ; imperj. unge-
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hräuchlich; pari, ebott Se het Füor cbott.
bewäcblieh (hovf^ix), rührend, beküm- mert, voll innerer Bewegung, dat Kint sach einen sau bewäcblieh ane.
Bewep (bdv^r), Beschäftigung; selten. Siehe das folgende.
bewern (b9V^rn)f beschäftigen, abgeben. Nur gebräuchlich im Sprichwort: wer sek mit Hunnen un Jungens bewesrt, den is nist Gus bescheart.
bewisen, beweisen.
bi, bei. hier keim nist Gnes bie rut. kum bi mek, komm zu mir.
bi-ane, neben, nebenan. hei woant bi-ane.
Bibestant, Beistand,
Eicht, /. Beichte.
bichten, beichten.
Biehtstaul, Beichtstuhl.
Bicke, Spitzhacke.
bicken, hacken, stossen. de Küken hett ebicket, die Küchlein haben ein Loch in die Eischale gehackt.
bidden, bitten.
Bifall, Beifall, Zustimmung.
bifallen, beifallen, zustimmen, ek mott ne bifaln.
Bigraft, /. Begräbnis.
Bigraftskaaken, Begräbniskuchen, der nach dörflicher Sitte sehr dick sein muss; jeder Kranzspender erhält davon ein Stück.
Bil (bil)y Fleischerbeil
Blla (Wä), f., langer schmaler Kasten, der in der Lade (Truhe, Koffer) an- gebracht ist.
bimmeln, bammeln, mit der kleinen Glocke läuten, z, B. zum Feierabend, zur Taufe usw.
bina, beinahe, fast.
Binne, Binde, Halsbinde, einen binder de Binne kippen, trinken.
Binneke, schmales Band, z. B. Schür- zenband.
binnen (bi^), binden, binne, binst, bint; bunt; ebunnen.
Binneplok, Bindepflock, ein unterarm- langer Stab, der beim Binden der Getreidegarben verwandt wird.
Bintfamat, Bintfamt, Bimfamt, Bind- faden.
bisammen (blzdm), beisammen,
bisluten, wegschliessen, einschliessen. ek hewet Jelt bisloatn.
bispnnnen, einsperren, ins Gefängnis setzen.
Bist, Bestie, Tier; besonders unange-
nehme Tiere, gleichviel welcher Grösse, werden im Unwillen so genannt.
bistan, beistehen, unterstützen, helfen.
Bistant, Bibestant, Beistand, Unter- stützung, hei kricht keinen Bibestant.
bisteken, verstecken, einstecken. Haste jelt bistoaken?
bistern, irren, unbeirren, im Dunkeln gehen, hei is dorcht Holt ebistert. Siehe forbistem, twinbistem.
bitan, nebenbei, daneben; wörtL beizu, wie auch Leute, die das Hochdeutsche nicht beherrschen, statt daneben sagen. Se hat de Melk bitau joatn ; unbeachtet : hei Sit bitau.
bitin (biiln), beizeiten, früh, ek bin bitin wer derüjje.
biten, beissen. bite, bittst, bitt, bit; l)eit; ebetten.
Bla, siehe blau.
blackern, laut mit hellem Tone lachen.
bladdern, siehe afbladdern.
blaffen, bellen, husten.
blaken, blaken, de Lampe blakat.
bläken, blöken.
blan (blän), abblättern ; von Futter- und ZuckenTÜben knickt man einzelne Blätter ab, um sie als Viehfutter zu benutzen. Dazu das Hptw. Bla, das Abgeblätterte, wei futtert jetzt Bla.
blarren, l. das schreiende Meckern der Ziege. Neckender Zuruf: Edewart, de Zicke blarrt. — 2. das weinende Schreien der Kinder, dat Kint blarrt ut füllen Halse.
Blesse, m. u. f., 1. Bezeichnung für Kühe und Pferde mit einem weissen Fleck vor der Stirn, ek neame 'n Blessen tan pleun. — 2. der Fleck selbst.
blasen, blasen. Schwaches Ztw.
Blat, Blatt, Zeitung, ek hewwet in Bla leset. Mz. Blädder.
Blanmdiscb, Blumentisch.
Blanme, Blume, Blüte.
Blan, Waschblau.
blann, die Wäsche blau färben.
bleckern, am Blech.
bleik, bleich.
Bleike, Bleiche.^ 't Lennewant is op de Bleike.
bleiken, bleichen. Siehe afbleiken.
Bleikeplock, Mz. Bleikeplöcke, kurze den Zeltpflöcken äJmliche Hölzer, die auf der Bleiche in die Erde geschkigen wer den j damit die Jjcinewand daran geknüpft wird.
Bleikestea, Platz zum Bleichen.
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Bleikewedder, Wetter zum Bleichen.
Ble*k, Fleck, Stelle, Platz, hei hat 'n kal Bleak opm Koppe. Eine Dienst- stelle ist ein Bledk. Ida hatt'n gut Bleak — Ausgehstelle, wu geistn hüte Abeot hen; hast wol kein Bledk?
blennen (bleu), blenden.
Blenke, 1. Gestell für Geschirr und Geräte. 2. hölzernes Staket.
blenj, blutig.
Bleaiueken, Blümchen.
bleoD, bluten, hei bleut wi 'ü Swin. — jif diue Swester wat fou, süs bleut se't Harte, gib deiner Schwester etwas ab, sonst blutet ihr Herz.
Bii, Blei.
bliben (blibm), bleiben, bliwe, bliifst, blifft, bliwet; bleif; eblebben.
blidrn, bleiern.
Blikale (bllküh), Bleikugel.
Blime98eke, Blaumeise.
Biinne, Blinder, du kannst doch kein 'n Blin^D wat lüchtn, du kannst mir nichts weis machen.
Blinnekau, Blindekuh.
blint, blind, ue bliune Fru.
bliwerant, verwirrt; frz. bleu-mourant.
Bliwitf, Bleiweiss.
blÖ9, blöde, schüchtern.
blÖekern, j)oltemd gehen, bes. wenn man durch schlechten Weg dazu gezwungen ist. hei is al for Dau un Dag loase- blöckert.
Blofksbareb, Brocken.
Blockshorenbareh (bloksho9rnbarx), ein Hügel dicht bei Eilsdorf. Man er- zählt sich, Wendenfrauen hätten ihn in ihren Schürzen zusammengetragen. Wahrscheinlich eine alte Begräbnis^ Stätte. Dieser Hügelname kommt in der Umgegend noch einige Mal vor. Vgl. auch in Sp^rengers Idiotikon Boxhörenschanze.
blodt, bloss, nackt.
Bio^te, m. der nackte Hintere, et jift wat for'n Bloatn.
blastern, flattern, mit den Flügeln schlagen.
Boa, Bote; meistens nur in der Ver- bindung, Postbod.
boabeo (b^hn), oben.
böekeD, begatten und begatten lassen. de Zicke hat eböcket
böekHCb, von brünstigen Ziegen gebraucht; nach dem Bock verlangend, de Zicke is böcksch.
Boddo, Boden,
Boddnbedeckels, Bodenbedeckung, das was gerade den Bodeii eines Gefässes bedeckt.
Boggel, Böjjel, Bügel, Bogen. Flitz- boggel.
boldern, poltern, rollendes Getöse ver- ursachen, an de Döar boldern, an die Tür klopfen und schlageti. et junk holder de bolder, es ging schnell, pol- ternd, alles durcheinander werfend.
Bolder wan, nicht federnder Wagen.
Boole, Bohle, starkes Brett.
bÖlken, schreiend weinen, dat kint bölket 'n ganzen Dag.
Boltchen, Bonbon,
Boltn, Bolzen.
Boltnkop, Boltsenkop, Dickkopf y Schelt- wort.
Bollwark, Bollwerk, altes, baufälliges Haus. Gerumpel.
bollwarken, jwltemd herumwirtschaften. hei bolwarket ^n ganzen Dag opm Bodden rum.
BodDi, Baum; Mz, Böomo. de kann Böama utritn, der ist sehr stark.
böen, biegen, bö9, böest, bödt; booch; ebödt. hei lücht, dat sek de Balken böot.
hödVLe>u^ glätten, bohnen (Wäsche, Flachs),
Boond, Bohne, nich de Boana, nicht das geringste, dat sunt dine Boanen nich, das geht dich nichts an,
Böanaböttel, rundes Holz zum Glätten des Flachses u. d. Wäsche.
Böanastein, Steiniüatte, auf der der Flachs geglättet wird.
Boor, »., Bohrer.
Borjeniester, Bürgermeister.
Borch, Borg ; op Borch neamen, borgen.
Borke, Rinde, einen de Borke lüften, jemand verhauen.
Borm, Brunnen, Mz. Börme.
Boriuniaker, Brunnenmacher.
Bormslink, Steinfassung eines Brunnens, aus dem das Wasser heraufgeiounden wird. Auf zwei Gegenseiten vom Slink liegt die Winde.
Bormwinne, Brunnenwinde,
boarn, bohren.
böarn, heben, tragen.
Böart, Wandbrett, in alten Bauernstuben in Reichhöhe rings an der Wand hinlaufend.
Boertoern, Bohrturm.
böese, böse, schlimm. Kinderreim : biste böase, krup in 'n Kease, biste wer gut, krup wer rut.
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boseln (hoz^ln)^ im Sande imihlen. de Ileunder boselt Locker in 'n Sant.
BoHSen, m., Busen, Raum zwischen Brust und Kleidung bei Mann und Frau, stick dat Bauk in 'n Bossen.
Bost, 1. Brust, for de Bost hebm, einen Luftröhrenkatarrh haben. 3. weib- liche Brustf Brüste.
Bost, Bürste.
Bostdaak, Brusttuch, ein ärmelloses Wams.
Böste, /., Bürste.
Bostkint, Brustkind,
hosten, bürsten, afböstn, utböstn.
Bostn, Mz., 1. Borsten. Swinebostn 2 die Rauhigkeiten der Haut, bes. der Hände, wenn sie durch Kälte oder Nässe aufgezwungen ist.
Bott, Gebot, Gehorsam; nur in der Rsa. kein Bott kennen, nicht gehorchen,
bötgen, (boHJ9n), den gereppelten Flachs in Mengen von zwei Hände voll zu- sammenbinden. Eine solche Menge heisst Bötge (bo'tJQ). Zehn Bötgen »ind ein Bund.
Böetel, der obere Teil des Schweinebeines.
Botter. Butter.
Botterolaume, Butterblume, gelber Hah- nenfuss.
Botterfat, Butterfass.
Botterfoggel, Schmetterling.
bottern, buttern, Butter machen, in Drecke bottern, im Schmutz herum- gehen.
Botterstttcke, Butterbrot.
Bottertelder, Butterteller.
böwwepst, Oberst, hei is de böwwerste, er hat den ersten Platz in der Schule.
bpp! halt! Zuruf an Pferde.
Bra, /., Bratest.
Brabender, Brabanter Pferd; allg, jedes starke Pferd.
Brabeern, Bratjebeorn, gebackene Birnen. Siehe Bratchen.
Brädejam, Bräutigam.
brak, brach, unbebaut, de Acker lit brak.
Brake, Flachsbrache.
brakeii, Flachs mit der Brake bearbeiten,
Bräm, Brägen, Gehirn.
brammeD {bram), weinen.
Brämpanne, Schädeldecke, Schädel.
bran, braten, lat dek wat bran, ab- weisender Ausdruck.
Bransmalt, Bratenschmalz, beim Braten gewonnenes Fett.
Bran stücke, ein Stück Fleisch, das gut zum Braten taugt.
Brapanne, Bratpfanne.
braselicb, faselig, vergesslich.
Bratche (brät-^fid), gebackene Birne.
Brathärich, Brathering.
bratsch, hei is bratsch hennefallen, klatschend auf die Breitseite. Man bildet auch wohl das Ztw. henbratschen.
Bratwostfleiseb, gehacktes Schweine- fleisch.
Brauk, n., Bruch, die weiten, zum Teil moorigen Wiesen, die nördlich vom Eilsdorf am grossen Bruchgraben zwischen Bode und Ilse entlang ziehen.
Brankhen, Heu aus dem Bruche.
Branr, Bruder. Mz. Breure.
Braarndoebter, Nichte.
Branrnsoene, Neffe.
Brei, /., l. Breite (Ausdehnung). 3. Ackerplan von grosser Ausdehnung. Reuwebrei, Amsbrei.
Breif, Brief. Mz. Breiwe.
brein, breiten, ausbreiten, henbrein. utbrein.
breit, breit, flektiert brei. de breie Strate.
breken (brfkn), brechen, zerbrechen, übergeben, breke, brickst, brickt, bre- ket; broek ; ebroöken.)
Brender, Brenner, Kaffeeröster, Lam- penbrenner.
Brenderi, Brennerei.
brenderich, nach Brand, brandartig. et rucket sau brenderich, es riecht, als sei etwas verbrannt.
brennen (breii)^ brennen. Imperf, brenne, Partie, ebrent.
Brennewin, Brantwein.
Brennewinskoscbale, Brantwein, in den Brot oder Honigkuchen gebrockt ist.
Bret (brft), Brett. Mz. Bredder, dativ Bre. de Kauken is hart wi 'n Bret.
Breu, Brühe, Sosse. da wart de Breu dürder wi de Bra, das verlohnt sich nicht.
brenn, brühen.
Bri, Brei. Kartuflfelbri, is de Woche forbi.
bringn, bringen, bringe, bringest, bringet, brochte, ebrocht.
Briten (brltn), heisser Wasserdampf.
britnich, schwül.
Bröddel, Gerumpel, wertloses Zeug, Durch- einander, westf. bruddel.
Brönswik, Brenswik (brönswik, brens- wlk)y Braunschweig. Himmelsrichtung Nordwesten, de Wint kummet fon Brönswik.
brönswiksch, braunschweigisch. de
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bröDSwiksche Ecke, Nordwesten, in der brönswikschen Ecke etat de Je- wittcrköppe.
Broel (brfft}, Brot. Mz. Broe, dativ Broe. et wart alderwechen Broet ebacket, man findet überall sein Aus- kommen,
Bro^tko^m, Boggen.
Brueber, Steinbrucharbeiter.
Brahas, Brauerei.
Briijje, Brücke.
Bruk, Brauch.
braken, gebrauchen, nötig haben, an- wenden, lläufig ellipt. in der Be- deutung: ein Heilmittel gebrauchen, wat haste deniie bruket?
BrummkilKe], Kreisel.
brummeo {brum), brummen; im Ge- fängnis sitzen.
Brummer, grosse Fliege.
Brummes e, Hummel.
brun, braun, 'n brun'n Rock. — se bat ne brun un blau slan.
braen (brü*n), brauen.
Braer^ Brauer.
Braeri, Brauerei.
Bruse (brüZ9), f., 1, Brause an der Giesskanne, der Badeeinrichtung. 2. Anschwellung am Kopfe nach einem Stosse oder Sturze.
Brut, Braut. Mz. Brü.
Brutlii, Brautleute.
Ba, 1. m, Bau. 2. n. Vorwerk, das von einem Nachbargute angelegte Wirt- schaftswerk.
Bueht, /., durch Bretter oder Latten von einem Baume abgetrenntei' Teil.
Bttdde, Harnblase.
Buddeker, Böttcher. Kindervers: Büddeker, Büddeker, bum bum bum! Sleit sine Fru in Huse rum, Jift sen Stücke Keasebroat, Sleit se mit der Küle doat.
Bnddel, kleine, bauchige Schnapsfiasche. Daneil stelU es zu huit, kurzes, dickes Ende.
buddeln, trinken, bes. Schnaps.
Bnir, m., Stoss. de Zickenbock bat mek 'n düchtigen Buff ejedbm.
bufTen, stossen, puffen.
Bnflieli, Stoss. bei hat 'n orntlichen Baftich awekräjjen.
Buk, Bauch, hei hat Buk un Bak (Bücken) füll.
buckeru, unruhig sein, unzufrieden, nicht still sitzen können.
Bufkseu, Hosen. Verschwindet aümiiMich.
bucksen, stehlen, mausen.
Bukweida, Leibschmerzen.
Bii], Beutel, ahd, butil,
Bulderlok, Grab in der Kindersprache.
buldern, bibuldern, 1. begraben, Erde auf etwas werfen, 2. buldern, Be- zeichnung des Geräusches, das bei Durchfall entsteht.
Buldersoelt, Bullrichs-Salz, doppelt- kohlensaures Natron. Volksetymolo- gische Umbildung aus Buürichs-Salz, weil das Mittel durcJischlagend wirkt. Siehe buldern 2.
Bule (tüb), Beule.
Biilnmel (bühmfl), ein geringwertiges Mehl, das" beim Mahlen nach dem guten Weizenmehl und vor der Kleie abgeschieden wird.
bun, bauen.
Bunke, Schlingel. Vgl. Nd. Kbl. 24.
Bur, n., Vogelbauer.
Bure, m., Bauer, Landmann, wat de Bure nich kent, dat f ritte nich.
Bure, Bettüberzug.
Burjemester, Bürgermeister.
Burliase, Bauernhase, das Bauchstück vom Schwein,
Burhoff, Bauerhof, Gut.
Burjunge, Burmejen, ein Weihnachts- gebäck in Fuppenform.
Burr^, Poree, AUium porrum. L.
Burschinken, der zwischen Schinken und Botel befindliche Teil des Schweine- beins.
Bnrsse, Bursche. Ab und zu hört man auch schon Bursche.
Buschboom, Buchsbaum.
Buschen, die Leute vom Vorwerk, be- sonders die polnischen Arbeiter. Siehe Bu.
Busse, Büchse.
Bfite, Mehlkiste.
buttewennicb, auswendig, aussen, an der Aussenseite.
butten, dr aussen,
bttttenut, draussen. hei woant buttnute, draussen vor dem Dorfe.
Butse, kleines Zimmer.
da, da, dort ; bestimmt Ort, Zeit, Grund. — In unbetonter Stellung tritt für älteres dar häufig dar oder r ein. Dieses r wird mit dem vorhergehenden Worte verbunden. — ek fra nist derna (ddrnä'). ek hewwer doch nist von.
Dacht, Docht.
davor (da'for), davor, dafür. Ellipse: hm, davor, d. h deshalb ist mir nicht bange.
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Dag (d(ix)f Tag. — düsse Da, in diesen Tagen ; dat hewwek min Dag nich esein, das habe ich mein Lebtag nicht ge- sehen ; on hcllerlichten Da, am hellen Tage.
Daglohn (däxh'/n), Tagelohn.
Daglöhner (Wnor), Tagelöhner.
Dagsack; ein Kind, das den Tag über sich spielend ausserhalb des Hauses umhertreibt, wird bei seiner Heimkunft wohl so angeredet.
Dak (däk), Dach.
Dakdeeker, Dachdecker.
Dak-ease, der untere Rand des Daches. de Dakeuse drüppet.
Dal (dal), Ted.
dal (däl), nieder, sett dek dal.
Dalder (däldjr), Taler. Kinderreim mit entsprechenden Handbewegungen : hier haste ^n Dalder, geiste non Marchte, kofst dek ne Kau, 'n Kälweken krisle tau, Kälweken hat 'n Swänseken, makt didldidldänseken.
Daleke (dahkd), Dohle.
dalli, schnell, antreibender Zuruf.
damank, dermank, dermanke, da- zwischen, dazugehörig.
Dämelack, dämliger Mensch.
Damp, Dampf.
dam pich, 1. dampfig, voller Dampf, in de Küche isset sau dampich. 2. eng- brüstig, kurzatmig, 't Perd is dampich.
dampen (dampvj), dampfen.
dana, darna, derna (ddrmV), danach. et is ok derna, es ist nicht viel wert.
Dannappel, Tannenzapfen.
Daone, Tanne, Fichte.
dannen (dan), tannen, von Tannenholz.
Dänseken (demdkon), Tänzchen.
Danz, Tanz.
darren (dar ), erzittern, federn, et darrt, wenn man z. B. in ein Brett, das keine feste Unterlage hat, einen Nagel schlügt.
darop, darauf.
Darfseil, Dardesheim, sw. von Eilsdorf.
daramme, darum. Wenn Kinder nicht auf die Frage: warum? antworten wollen oder können, so erwidern sie gern: weil därumme.
darwe, derb.
dat, das, dass. In unbetonter Stellung verkürzt zu et (9t) oder 't.
Dat (dät). Tat. op frischer Dat, sogleich.
datau, dertan, dazu.
Däts (däts), Schädel.
Dan, Tau, Feuchtigkeit, vor Dau un Dag, sehr frühe.
Dank m., Tuch.
dann, tauen.
dann, tun; ek dau, du deist, hei deit, wei daut; ek dat, wei doiu; edan. In der abhängigen Nennform sagt man daunen (dau^). hei hat nist de daunen. — Die Bedingungsform dient zur Bildung des Konditionalis bei allen Zeitwörtern, ek deu no IIus gähn, went nich sau renen deu.
Dans, As im Kartenspiel.
dansend, tausend.
de (da und de), der, die; die unbetonte Form ist Geschlechtswort, die betonte Fürwort. Der 2. Fall fehlt; das Besitzverhältnis wird durch von oder durch ein pron, poss. ausgedrückt. Dat. u. Äkkits. lauten gleich^ nämlich den, verkürzt männl. 'n, loeibl. de (da). In selbständiger Stellung lautet 3, und 4. Fall dene (denj). — Der Akkus. 'n steht auch vor den Namen der Wochentage, 'n Mandag vorreise ek
de (do), zu vor abhäng. Nennformen statt des betonten tau.
deffen, schlagen, stossen.
foT&eieüiliieren,verteidigen,verantworten.
defren (cbfre'n), zufrieden, lat ne midde- freu, lass ihn in Ruhe.
Deig (daiyO, Teig. — Sprichwort: hei grient 'wieli Esel, de Deig efreten hatt.
Deigaffe, Spottname für den Bäcker.
Dell, Teil, Menge, 'n ganz Deil, ziemlich viel.
deilen, teilen.
deinen (dai^), dienen, irgendwo als Knecht oder Magd sein, wat makt denn Dres? ~ de deint. — Soldat sein wird dagegen mit der hd. Form ausgedrückt: hei dient.
Deinst, Dienst.
deip, tief.
Deirt, Deir, Scheltwort mit der Bedeu- tung: albernes Mädcheyi.
de Jare, vergangenes Jahr.
dek (dek), dir, dich. Einige wenige Zu- gezogene sagen dik.
Dele (de'h), Diele, Fussboden.
dellejen (debjdn), schwer heben ^ mühsam etwas tragen, delleje dek doch nich mit den swahren Korwe rum.
delen (d^ln), dielen, mit Dielen belegen.
dempen (dempm), dämpfen; afdempen, erwürgen, die Kehle zuschnüren.
denn, dann.
dengeln, die Sense schärfen, indem man die Schneide mit einem Hammer klojjft.
derngge (ddrü'ja), zurück.
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derwedder, dewedder (d9ve'd9r), da- wider, dagegen, ek hewwe nist der- wedder.
des«Iat (d9Z9lä't), matt, ermüdet, zer- schlagen.
Defsen (d^s^n)^ Deersheim, Ortsname.
deireddern (dsxejddm), zuwider, über- drüssig, ek liewwe mek Hmalt de- weddern ejettn.
dichte, dicht.
diehtebie, nalie, dicht dabei, da wird in der verkürzten Form vorweggestellt : ek bin der diehtebie; hei isser dieh- tebie.
didlditchen, in der Kindersprache Nach- ahmung der Tanzmusik,
Diese], Tiegel.
Diel, Teich.
Die kde, Dicke, twei Faut in de Dickde.
dieken, tilgen, hei hat siene Schuldn edieket.
diekfellig, gleichgültig.
Diiune f., Diemen, Feimen, 't Korn is inne Dimme feurt.
din, dein. Dat. Acc. dienen (din).
DiBJ^elken, kleines Ding. Nach aus- lautendem Gaumenlaut tritt vor -ken -el.
Dineelste (-st^), Dingelstedt, südlich v. Eilsdorf,
Diisda^, Dinsedag (dinzedax), Dienstag.
Diereks, Dietrich, Nachschlüssel.
Di«cb, Tisch.
Discher, Tischler, Schreiner.
disfhern, tischlern, schreinern.
Diefse (dtS9), der am Spinnrocken auf- gesteckte Flaclis.
Diefsel, Distel.
Diefnenblad, bunt bedruckte Pappe, die um den Flachs am Spinnrocken ge- tcickelt wird, um ihn zusammen- zuhalten.
diwweni, lebhaft beraten, unterhalten.
Doehter. Tochter.
Döehterken (d&nprksn), Töchterchen.
dof (diff), taub; ohne Frucht. — op doben (dtTbin) Dunst, aufs Geratewohl.
doj (diTyJ, tot.
Doie (dÖ'JQ), Tote, da ligget de Dojen.
doli, toll, et is tan doli weren.
dolmern, hastig arbeiten mit der Neigung zur Oberflächlichkeit. hei dulmert wat drop los.
dornen (do'm), blaken, rauchen, de Lampe dornet.
dön (do'n), taugen (dö9, doxst, doxt, dißat; doxt»; adaet).
Don (dö'n), Tonerde.
Dönder, Donner.
Dönderbohne, Donnerbohne, grosse Fett- henne, Sedum telephium. — Junge Mädchen legen ein Blatt dieser Pflanze in den Schuh und meinen, der Bursche, der ihnen zuerst begegnet, werde ihr Bräutigam
Dönderda^f Donnerstag.
döndern, donnern.
den, done (dö^no), da, darauf.
dönen (do^n), dröhnen, et dönt dorch de Knoken.
Donfra (difnfrü), Leichenwäscherin.
Donsränrer, Totengräber.
Donkopp, Totenkop, Schädel.
Donknnle, Ton^M^e.
dÖDSch (dö*n.H), beschränkt, dumm.
Dop ; nur in den beiden Bedeutungen Obertasse (Tassendop) und Eischale (Eidop) gebräuchlich.
Dope (dü^p»), Taufe.
Döpewater, Taufwasser, dat hatt'e mit 'n Döpewater ekreggcn, das hat er von Anfang an.
dopen (do^pm)y taufen (döl'p?, dofst, dö*p9t; dof 19; ddoft und 9do'p9t).
döppen (döinn), afdöppeo, u)ie eine Ei- schale abheben ; z. B. wird der Schorf von einer eitrigen Wunde awedöppet.
Dor (dö'r), Trespe, Bromus secalinus, ein Unkraut im Flachs.
Dop, Tor, Hoftor.
DÖr, Tür. Kinderreim: Witkop (od. Jakob), fritt de Kese op, mak de Dur tau, meck frürt sau.
doreb, durch.
Dorehfall, Durchfall.
dorehsien, durchseihen.
Dorchsla^, Durchschlag.
Dorn (diTrn), Dorn, Stachel.
&ÖTn(dd'rn), dürfen (doy9, dö'rst, dö'rt; dorst9, dorstn; 9dorst).
Dörp, Dorf. Die älteste Strasse des Dorfes, an der ursprünglich die An- siedlungen entstanden, heisst kurz \ Dörp. hei wohnt in Dörpe {in der Dorfhauptstrasse), wei gaht dorchet Dörp.
Dortehen (d<yrtx9n), Dorothee.
Dorweg (dffrwfxh n., Tor, sowohl die Toröffnung, die Durchfahrt, als auch das Tor aus Holz oder Eisen, in'n Dorwe (difrve) stahn. 't Dorweg opmaken.
Döschefläre, Döscbfläre, Dreschflegel.
döschen, dreschen.
DÖHcher, Drescher, de fritt wie'n Schep- peldöscher.
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Döst^ Durst.
döstig (döstix), durstig,
Dot (dö't)y Tod,
dote (d(ftd)f tot, siehe doj.
dotstarbenskrank (d&'tstarbimkraisik), todkrank.
dtfwe Nette], Taubnessel, Lamium,
Döwwer, Täuberich. Worts2)i€l: de dicke Düwwer draug de dicke Duwe dorch den deipen Dreck; da dank de dicke Duwe den dicken Duwwer, dat de dicke Döwwer de dicke Duwe dorch den deipen Dreck draug.
Dra, Trage, Gestell zum Tragen. Mefs- dra, Kaukendra, Reuwedra.
drabeii (dräbm), traben.
Dracht, Tracit. ne Dracht Water, eine Traglast Wasser; ne Dracht krien, Prügel bekommen.
Dragkorf, Tragekorb (auf dem Racken zu tragen)
Dragstrick, Strick, Tragband am Trage- korb.
Drake, /., Drachen, scherzhaftes Schelt- wort für Mädchen,
dralle, schnell, flink, ek mot dralle maken.
drammarsen (dram-ärz9n), peinigen, quälen: Wenn ein Kind die Mutter an der Schürze zieht, damit sie mit ihm gehe, so sagt sie wohl no, saun drammarsen.
dran, (drän), tragen (ek drä, d. drerfßt, h. dr^, wai drät; ek draux, wai droin; odrän).
drane, dran, daran; in Zusammen- setzungen dran.
Drap, Trab, op en (opm) Drap bringen, wegjagen, auszanken, make drap, be- eile dich.
dräpen (drfpin), treffen (drfpe, drüpdst, drüpdt, drfpdt; drö'p, dr(fpin; ddrö^pm),
Drär, Drajer, Träger, Leichenträger.
Drär^chörte, Schürze mit Tragbändern.
Dräsen, Ladentisch.
drann, drohen
Draus, Pferdekrankheit,
Drewet (dr^wH), Dreifuss.
dreharig, widersprechend, trotzig.
dreiD, sw., drehen.
drein, trügen, täuschen, (drai, drüxst, drüxt, drait; drö^x, drÖ'n ; sdri^n). dat drücht höllisch.
drecklich, dreckig^ schmutzig.
Dreien (dr^ln), n, Drell, Drillich.
dreien, aus Drillich, twei dreien Ilandeuker.
Dres (dr^s), Andreas. Dresler (dresl^r), Drechsler. dresHeln, drechseln.
dreweseh (dr^v9s), dreist, keck, unver- froren. driben (dribin), treiben (drlva, drifst,
drift, driv9t; draif drebm; ddrebm). Dribenkiel, frecher Junae. ' Dridde, Dritte, 'n Dridden afslan, den
Dritten abschlagen, Spiel. driddehalf, drittehalb. Dridderat, Gewebe, Stoff, dridderatscb, aus Dridderat, Drifft, Trift, schmaler Grasweg zwischen
Äckern, drillen, mit der Maschine säen, drinken, trinken (driakd; drujdk;
ddruidkBn), Drier, Dreier. drierlei, dreierlei. driscbakeln, quälen. Drischar, dreischäriger Pflug. driste (drist9), dreist. drifteine, dreizehn. drittieb, dreissig. driwweliern, ungeduldig und anhaltend
etwas fordern. Driwer, Treiber. dröe (dro*), trocken, de Kau steit dröe,
die Kuh hat keine Milch. droben (dröbin), drüben. droj (droW trocken. Dröjnis, Trockenheit. Drom (drö'm), Traum. Drömeker, Träumer. drÖmekich, träumerisch, schläfrig, drömmen (dr&iii), träumen. dröen (dro^n)^" trocknen. dröhnen (dro^i^), dröhnen. dröwwer, drüber. Dräfel, Traube. Draft, Trieb, Antrieb, Druck, ek mot
emal Druft derhinder bringen. Drümpel, m., Häufchen, bes. Kot. drnnder, drunter, dröwwer un drunder. Drnnk, Trunk, Trank. drüppeln, tröpfeln. Drappen (druptn), Tropfen, drttppen (drüpm), tropfen. Driippe, /., Tropfen, drnsseln (druzaln), im Zulande des
Einschlafens sein, hindämmern, ek
war inedrusselt. Drofsen (drüs9n); hei is in Drufsen, er
ist ohne Bewusstsein. ek hewwene in
Drufsen oslan. Druwe, Traube, Wie mir scheint, nicht
so häufig gebraucM wie Drüfel.
59
dttf pers. Fürtüort ; abgeschwächt dd, das nach auslautendem Zahnlaut mit die- sem zusammengezogeti wird, haste, hast du; bringeste, bringst du.
dächti/i;, tüchtig^ sehr, in hohem blasse. den hat hei düchtig anoführt.
Daddel; io 'n Duddl sin, betrunken sein.
dadeln, missfäüige Bezeichnung des Drehorgelspielens, des Bingens u. ä
Dtdelsaek, Dudelsack.
doffen, stossen, knuffen.
docken, 1. tauchen, hei hat ohne ducket — 2. niederkauern, bücken. de Hase ducket sek.
ducknackieh, gebeugt^ mit vorgeneigtem Kopf.
Dskser (duk-s9r), Sperling. Vgl. Nd, Kbl. 27 f,
dall, 1. toll 'n duln Hand. — 2. ärger- lich, ek bin sau dull. Siehe doli.
dalder, toller.
Dallworn ; hei is wie von DuUworm besetn (bdzfiii), er ist närrisch.
Oiihme, kleiner Eisenzapfen, der das seitliche Abgleiten der Wagenhort verhindert.
Damen (dum), Daumefi,
Dttuling, Däumling im Handschuh. Vgl. Fautliog.
dumm un alwern, Verstärkung von dumm. hier hindern Oben wart 'n dumm un alwern.
Dnmmbiihl, Dummbeutel, hei hat wat mit 'n Dummbühl ekreggen, er ist be- schränkt.
dämme komen (kö*m), dumm kommen, frech antworten, patzig widersprechen.
Dummerjan, Dummkopf
damp, dumpf.
dobn, betrunken.
doon, da, dann.
dahi, deuten,
DoDderkiel, Donnerkeil, Ausruf des Erstaunens.
Donderwäder, -wedder, J. Ausruf des Erstaunens, 2. Fluch, Ausdruck des Unwillens.
Dihne. Daune.
Dinneje, Schläfe.
Djhp, Dauer.
diihp, teuer. — dühre Tit, Teuerung, gebräuchlich in der Redensart wie de dühre Tit trecken, langsam gehen.
duhrn, dauern, wahren,
diihrn, dauern, betrüben.
dfise (düz9), dieser, diese.
dügflig (düz9lix), schwankend, schwind- Ug, taumelig.
Diiseldier, Schimpfwort: dummer Mensch,
Dunelkop (duz9tkop), unaufmerksamer Mensch.
dii bsein, drehen^ kreisen.
dahseln, dusseln (duzdlh), träumerisch sein.
dusend (düz?nt), tausend.
düster, dunkel, finster.
dät, dieses
Dutten, m., kleiner Knäuel Haare, Fäden u. dgl. in dutten sien, entzwei sein. de Tasse is in dutten.
Dnts, Dutzend.
diitHch (düts), deutsch.
Diitscbe, Deutscher, 'n ölen Dütschen, ein Mensch, der nicht viel Formen macht, der geradeaus sagt und tut, wie ers meint,
Diitsehland, Deutschland.
Dawe. Taube.
Däwel, Teufel, — Von einer zank- süchtigen Frau sagt man: de hat 'n Düwel barwet lopeu sein. Leute, die abends ausgelassen sind, werden ge- warnt: wer et abends piepet, den danzt de Düwel op en Dake.
dnwwelt, doppelt.
eben (ebm), eben, flach, gerade; jetzt. ek bin eben ekomcn; dat mein ek eben.
ebensau, ebenso.
£ido», halbleere Eierschale.
Eierkanken, Eierkuchen.
Eiiei m., liebkosendes Backenstreicheln.
eyein, die Backen streicheln.
Elke, Eiche.
Elken, kleines Ei.
eiken, eichen, aus Eichenholz,
eiken, eichen, abmessen.
einder, jemand, man, irgend jemand. da kann einder nist bie wem; — da kummet einder.
eine, Zahlw. eins; adjektivisch ein.
eins, einig, in Freundschaft, se sunt war eins.
eifj eher.
eisich, schaurig, in Holte wart sau eisich.
ek (ek), ich. Das e fällt nach vokalisch auslautenden Wörtern meistens aus. dat dau^k nich. Dat. u. Akkus, mek. — Eilsdorf liegt an der Nordgrenze des ek- Gebietes.
Ecker, Eckere, 'Eichel, hei mot Eckern bekennen, er muss Farbe bekennen. Vom Kartenspiel.
eck»; öwwer ecks, von Ecke zu Ecke, in Diagonalrichtung.
Eckse, Axt.
Eider u. Eitern.
60
Ellenboe {elnhff), Kllenhogen.
Emme /"., der Uolzteily der im Wagen- gesiell auf dem Assfutter den Vorder- Wagens unte^ dem Weschemel hegt.
Emmer, Eimer.
en (9n), ein ; oft verkiirzt zu 'n. Weibl. ne. 'n Mann, 'ne Fru.
enaag (enaux), naug, genug.
Enke m , Kleinknecfit, Iferjiejunge.
Enkel, Fussknöchel.
Enne, Ende, Ausgang, et geit de Enue. — Stück, Teil, 'n Enne Wost.
entelii (enteln), einzeln.
entwei, entzwei. Nicht so häufig wie kaput.
ehr (e^r), eher.
Ere (^r9), Erde, 1. Erdboden. 3. Erd- kugel. S. der Fussboden. 't Mest is ane Ere falln.
erfinnen (erfifj), erfinden,
ehrgistern (^rjistdrn), vorgestern.
erkunnijeD, erkundigen.
ehrn (^m), irden. *n ehrn Pot.
Ehp^ (^rn) /*., Ernte.
ehrn, ernten (ek ^rnd, ek hewa e'rnt).
Ehrn8t, Ernst, hei ma]|:e Ehrnst.
ehrnst, ernst.
erstan (^rst-än), anfangs, in de erst, anfänglich, nächste Woche de ersten Da, Anfang nächster Woche.
Ertnot ((TrtnÖ'tJy Erdnuss,
eMchern, af-eschern, abquälen, durch Laufen abmatten,
Esel (ez9l), Esel.
Esige (f'zijd), grosse Menge.
et (9t), es.
Ete waren, Esswaren,
eten (Hn). essen (ek el9, du itst; vat et; ek ät, vai ailii; 9Jetn),
Etter, Eiter,
etterig, eiterig, siehe unferig.
eaben (qibm), üben, ut-euben, verüben.
Euse, Öse/ siehe Neuseke.
Euwer, Ufer,
Ewer, Eber,
ewig (ewix), cmig. dat duhrt ewig nn drei Da, d. h. sehr lange.
fackeln, zögern, scherzen, erdichten, hei fackelt nich lange, sondern macht Ernst,
Vader, Vater, siehe Var.
Vaddcr, 1, Gevatter, Pate. Vadder stahn, Vate sein. — 2. scherzhafte tadelnde Bezeichnung, du bist mek en schönen Vadder. — Veraltet ist Yaddersmann.
Fäddere, Fede^;
Vaddernbreif, Vateneinladungskarte.
Vaddersche, Gevatterin,
fafteine, fünfzehn.
Päjer, ungeschlachtery starker Mensch. Fat (fäk), Fach; im besondern der von
der Tenne durch eine brusthohe Wand
getrennte Raum, der zum Aufbewahren
des Strohes dient, smiet dat Stroe int
Fak. — Desgleichen der Raum zwischen
den Balken einer Wand (Fachtoerk).
Daher die Redensart under Dak un
Fak sien. Fakstein, Sandsteinplatie, womit ein
„Fak" ausgefi'dü wird. Fakwand, Hauswand mit Fachwerk. fämen (ffm), fädeln. Famt (fänlt), Faden. Var (fdr), Vater. Veraltete Zusammen-
Ziehung aus Vader. var- (far), Vorsilbe ver in wenigen
Wörtern, z. B. vardammt, varflucht. färben (farbin), färben. Farken, Ferkel. Färnits, Firnis. Farwe, Farbe, Färberei. faseln, gedankenlos sein, träumen. Fasselabend (fas9lahmt), Fastnacht. Fat (fät), Fass; itf-f/Fäte. Fatbinder, Fassbinder, Böttcher, de löpt
wie 'n Fatbinder. Fatbotter, Fassbutter, Margarine. faten (fäln), fassen. — sek faten, mit
jemand ringen, die Kräfte messen.
hei hat sek mit mek efat. Fats; nich en Fats, nich das Geringste. Fäts (ffts), Getue, Gerede. Faalenzia, Influenza, Faure, Fuhre. Faarlfi, Fuhrleute. Fanrmann, Fuhrmann. Fant, Fuss, Körperteil und Mass. öwwer
'n Faut mit einen spannen, sich mit
jemand erzürnen. Fautling, Fentling, der TeildesStrximiyfes,
der den Fuss bedeckt. fei, schüchtern, verzagt, as. fegi. Fei, Vieh. veire, vier, vel (f^l), viel. Felje, Radfelge. velmals, viele Male, oft, ji solln ok
velmals bedanket sien. Feld, Feld, in Felle, im Felde. ~
öwwer Feld sien, verreist sein, Veltn, Veitheim. fengen, fangen (ek feng»; ek fonk, vai
foB9n; 9f€B9t statt älterem dfo^9n). vere (ff^re) ; sülf vcre, selb viert. verteine (f<frtain9), vierzehn. vertel (fcrtl), viertel. Fese (fez9),^ Faser.
61
feste, ftit, slag feste.
Vetter, Yeiief; die gewöhnliche Anrede für Herr. *n Dag, Vetter I — da kummet Vetter Kruse. — Anverwandter, Onkel. ek will usen Vetter beseuken. Vgl. Wesche.
feuln, fühlen.
Fenre, Furche.
fearn, fahren.
Featliog; siehe Fautling.
Fewerwar (fe/w9rvär)y Februar.
Ficke, Tasche. Fickenfeulders kriet Ohr- fien.
fiekfaekeo, necken, unnütze Dinge treiben.
Fickfaekerie, Neckerei, Getändel.
fidipse, besonders in der Verbindung hunneiidipse als Antwort auf Bitten, die man nicht erfüllen toill oder auf neugierige Fragen. Hauptsächlich in der Kindersprache.
Fiddel (fidl), Fiedel
fiddelD, fiedeln.
Fidler (fid^lfr), meist in der Verbindung UoDnefldler, Hundekäufer; eigentlich Schinder, zu filln, das Fell abziehen.
fif, fünf, veraltet.
Vijaule, Veilchen, Viola.
Vijjeline, Geige, Violine.
Vijjelinenstriker, eigentl. Geigenspieler; bezeichnet einen Menschen, der sich durch listige 'Täuschungen um die
. Arbeit su drücken sucht.
Fiken, Sophie.
Filderkuhle, die Grube, in der toten Tieren das Fell abgezogen wurde.
File, Feile.
ftlen, feilen.
fillD, affilln, das Fell, die Haut ver- letzen, abschaben, ek hewwe mek et Knie awefillt.
IId, fein.
Finne, Geschwür am Augenlide, sogen, Gerstenkorn.
finnen (fifj), finden (ek fin9, du finst, hai fint, vai fint ; ek funt, vai fuii ; dfuy.).
Fint (fint), Feind, selten.
Fir, Feier.
firen, feiern.
Fisematenten, Faxen, nicJUige Dinge.
Figeln, Faser chen.
Fittehen, Ftügel, Fittich, 'n Fittchen hebben (heljp), nicht gescheit sein,
fittehen, mit einem VogelfiUich fegen.
fit-fit (fit), Lockruf für Enten. In der Kindersprache Bezeichnung der Enten.
Fiteken, Fitjeken, Entchen.
Vizebohne (flts^bffn?), Stangenbohne, Vietsbohne, Phaseolus vulgaris L.
Fitsken n., wenig, ein bisschen.
Fiwer, Fieber.
Flädderfittchen, Fädderiittehen, Fädder- flitchen, Vogelfittich, der zum Fegen benutzt wird, Flederwisch.
Fläddermns, Fledermaus.
fladdrieh, flattrig, lappig.
Fläre, /., Dreschflegel.
Flarn, m., grosses, dickes und unge- schickt geschnittenes Stück Brot.
Flass, m., Flachs.
Flasskan, Vorrichtung zum Zerkauen der Flachsstengel. Sie hat eiserne Kauleisten, die Brake dagegen hölzerne.
Fiats, arober, ungeschliffener Mensch.
Flat'tscnen, breite, formlose Masse.
flätsen, sich räkeln, wie ein Fiats be- nehmen, hei fiätset sek oppet Sofa.
Flaamen (fiaum), Bauchfett,
Flei, Fliege.
flein, fliegen (ekflai, duflü^st, vaiflait; ek fllfx, vai flifn ; 9fl(fn).
Fleinnnepper, Fliegenschnäpper, Mus- cicapa grisola,
Fleit; nur in der Redensart. • dat Mest snitt wie 'n Fleit, d. h. es ist sehr scharf.
Fleitje, Flöte ; nur in dem Kinderverse : Kumpel, rumpel, reitje, Schaper hat ne Kleitje, Schaper hat ^n Dudolsack, Dudelt usen Kinne wat. — Vgl. Fleutje.
fleitn, fliessen (et flüt; fliTt; 9fl(ft{i). — de Snnte fleitn hebben, vorlaut sein, zwischenreden, prahlen, sich mit Wor- ten vermessen.
flennen, (flen), weinen,
Fleutje, Pfeife (zum Pfeifen).
flentjen, mit dem Munde pfeifen.
fliestern, flüstern.
flieticli, fUissig; vom Hd.fast verdrängt.
flitchen, mit den Flügeln schlagen.
Flitsbog^el, Bogen zum Schiessen, frz. fleche.
flitsen, eilen, laufen.
Flöe Cflö'), f. u. m., Floh.
¥ 1 «ggel , Mühlenflügel.
flöen, Flöhe fangen.
Flöenkrnt, Flohknöterich, Polygonum persicaria. Bote Flecke auf den Blättern 'dieser Pflanze deutet man als Spuren dtr Jungfrau Maria.
Flöte, (flöU^), Flöte. Bdsa. flöten gähn.
Flöte, Botterflöte, eine hölzerne flache Schaufel, mit der die Butter aus dem Butterfass genommen wid in die But- terform (pundsnap) gedrückt wird.
62
Flüebter, Feldtauben -, Tauben, die den
Bof verlassen und umherschweifen. Utiebten, fliehen. Flüctatchen, der aus einer Zwecke und
einem Läppchen hergestellte Schiess-
bolsen für das Blasrohr (Pusterohr). fluschen, schnell von statten gehn. da
fluschet de Arbeit. foddern, föddern, fordern. MU (foft9)y fünfte, selten. fofteine, fünfzehn, häufiger ist fafteine. Foeken, m., grosses Stück Brot, hast
dek en schöuen Pocken awesuedn
(äwQsnedn). Synon. Flarn, Kniewel. Fole (f(fl9), Falte; meistens beschränkt
auf die Bedeutung Stirnfalte, während
sonst die hd. Form gebraucht wird;
z. B. Faltnstäwwel. folgen, folgen. — hei hat efolget, er ist
dem Sarge als Leidtragender gefolgt. folen (fö'ln), falten, de Hanne folen,
die Hände falten. Füllen (föln), Fohlen. Fomilich, Familie. fon-eer, fon-eir, wann. foppen (fopm), foppen, necken. fop (mit kurzem o), 1. für. 2. vor.
3. Vorsilbe ver-, vorbellen, verstauchen vorbi, vorbei.
vorbimmesen, verhauen, durchprügeln. vorbomjacken, verprügeln. forcht- (foryj), vorig-, forchtn Mandag,
am vorigen Montag. vordarben (fordarbm), verderben. Vordarf, Verderb, 'dat is sien Vordarf, vordeinen (-deiri), verdienen. Vordeinst, Verdienst. vordeawelt, verteufelt. Vordrag, Vertragen, Einvernehmen,
Friede, et is kein Vordrag zwischen
den beiden. vordran, vertragen. vordreitn, verdriessen (dt fordrüt; for-
drift; fordrÖ'lfi). Vorein, Verein. vorändern, verändern; sek vorändern,
lieiraten. yorfehrn, ei'schrecken. vorfreirn, erfrieren. vorführen, 1. verführen. 2. vollführen,
ausführen, se het 'n höllischen Lärm
forführt. Vorgang (forjdiak), m.. Vergehen, Ver- minderung, on düsen Tue is kein
Vorgang, vorjetn, vergessen. vorjettern, vergesslich.
Vorgliek, Vergleich.
vorglieken, vergleichen.
vorgröttern, vergrösser n.
vorhalen, erholen, ausruhen.
Vorhimme, Vorhemd.
vorholen (forhif'ln), aushalten, ertragen. hei kann wat vorholen.
vorholen, vorhalten, z. B. die Leine vor die Brautkutsche, um ein Geschenk zu erhalten.
Vorkarre, Vorkarre, Karren vor dem Pfluge. Siehe Vortuch.
Forke, Gabel zum Heu- und Stroh- aufladen.
vorketteln, an der Brennessel verbrennen.
vorknnsen, jem. leiden können, ek kan ne nich vorknusen.
vorklahn, verklagen, scherzhaft: einen Torklahn, die Notdurft verrichten.
vorklomen (forklifm), erstarren, 't Küken is in de Külle ganz vorklomet.
Vorko», Vorderschädel, Stirn.
vorkiillen (-küln), erkälten.
Vorlat, m., Verlass. et is kein Vorlat op 'ne, er ist nicht verlässlich.
forleif, fürlieb.
vorleirn, verlieren (ai, ü; ö, ö ; ö).
verloben (-lö'bin), Erlaubnis holen, ek hewwe mek ut de Schaute vorlöwet.
vormann Nien, vermuten, erwarten, ek bin mek wat vormaun.
formest (-mifst), famos, spassig.
vormiinderu, ermuntern, munter werden.
vorprnsten, verschnaufen.
vorqnasen, vergeuden, verschwenden.
vor q atmen (forkwlm), verrieclien, den Geruch verlieren.
Vorak (f(frak), m., der bei der Flachs- zurichtung vor der Hede entstehende Abfall.
vorrnngenieren, ruinieren.
voröwweln, verübeln.
vorrnken, verriechen; verdrängt jetzt das äUere vorquimen.
forsch, stark, kräftig.
verschalen, mit Schalhölzen bedecken.
Forsche, Kraft.
vorschÜDnen, (-^ün), verhetzen, verfüh- ren, veranlassen, etwas unrechtes zu tun.
vorschiitten, (förmin), aussperren durch verriegeln der Tür.
Forst, First.
vorstabn^ verstellen.
vorstännig, verständig.
vorstöhrt, verstört.
Forstweg, Firstweg; der Weg, der auf dem Kamme des Huys entlang geht.
Forswint, Hautausschlag.
fohrt (/ö*ry, fort
forteilen, erzählen,
Tortehren, verzehren.
Vortl. Vorteil, Nutzen.
vortobftfken, verhauen.
vortreeken, verziehen. Reuwe vor- trecken, unter den jungen Buben- pflanzen die schwachen wegnehmen, sodass die kräftigen noch besser ge- deihen können.
Vortiig (förtüx), Gestell mit zwei Bädern vor dem Pfluge.
vorammesiis, umsonst.
vorat, voraus, in vörut, im voraus.
vor weit, umgewandt. Meist nur in der Bdsa.: krist wat mit de Vorwente, du bekommst was mit dem Handrucken.
vorwogen (-vo'yn), übermütig, keck.
Fortz, Bauchwind.
Fos8, Fuchs; Verräter.
losrli (f(f^), unpass, unlustig, faul, ek bin sau fosch — et Holt is all fosch, etwas angefault.
fossen, angeben, verraten.
fossig, fuchsig.
Fossswanz, Angeber.
Fotze, Vulva.
Fra, Frage.
Frähmte, 1. Wermut, Ärtemisia absin- thium. 2. Wertnutschnaps.
fr ahn, fragen.
fransen, ringen, balgen.
Franjen, Fransen.
Fre (frf^), Friede. Fre holen.
freirn, frieren.
Frese (fr^zd), HalRfrene, Halsschmuck nus Bändern.
frete (fre't»), hübsch herangewachsen.
freien (Jrfltj), fressen.
Fretsaek (frft-), Vielesser.
fren, früh.
Frenjahr, Frühling.
frentietlieh, frühzeitig.
fri, frei.
Priedag (frldäx), Freitag, stillen Frie- dag, Karfreitag.
Friejat (frtjäi), Heirat.
fritkeln (frik9ln), hin und her be- wegen, ftich durch Enges und Ver- zwicktes, z. B. Gassen, hindurch- finden ; mit einem schlecht passenden Schlüssel ein Schloss zu öffnen suchen usw.
frielich, freilich.
frieneaen (frlmoix), freimütig.
frien, freien, heiraten.
fringen, ntfringen, die Wäsche aus- wringen.
Frinffmaschine, Wringmaschine.
frisch (frw) heiratslustig.
Priwarwer (frwarw9r)^ Freiwerber.
friwarwern, den Freiwerber spielen. taufriwarwern, einen Gatten ver- schaffen.
Priseheiten, Schützenfest.
Fromme, m., Fremde.
frömt, fremd.
FrOHch ; die zu Garbenstärke zusammen- gelegten Schwaden der Gerste und des Hafers bleiben zum Trocknen auf der Erde liegen, man nennt sie Frösche ; die des Boggens und Weizens werden dagegen gleich gebunden in Mandeln aufgestellt.
fröflterig, leicht frierend,
Frösterköttel (-kötl), ein Mensch, den leicht friert.
Fru, Frau. — Dienstboten nennen die Dienstherrin use Fru.
Prfinne. Verwandte.
Franslu, Frauen.
Fransminschen, Frnminschon, n., Frauenzimmer, Weib, (nicht im schlechten Sinne).
FrUnt, Freund.
frfint, verwandt.
Frfint8chop, Freundschaft, Verwandt- schaft.
fräntlieb, freundlich.
Frunzen (frünts^n), n., Frau, Weib.
fachtidi (fuxiiyQ, ärgerlich, gereizt.
fuchteln, mit einem Gegenstande vor dem Gesichte eines andern heftige Be- wegungen machen.
fackeln, tasten, fühlen, hei fackelt in
Qeldbühle rum — et war sau düster,
ek moste mek no Hus fuckeln. fal, faul.
Falbohmj Faulbaum. fnle öreite, faule Grete, Lerchensporn,
Fumaria bulbosa. fall, 1. voll, gefüllt. 2. schmutzig.
make dek dien Klet nich füll, fullkomcu (fulk(ftn)f vollkommen, gross,
weit, sien Anzug is en betchen full-
komeu. Fällekelle, grosser Schöpflöffel. fallich, 7. weit, gross; 2. völlig. fUhln, einen Bauchwind lassen. fallop, vollauf. fal Ins, vollens, ganz und gar. Falpelz, Faulpelz. fammeln, tastend berühren; ungetoisse
bewegungen machen. fUnewe, fünf.
64
fankelnagelniet, fankelhagelniet, fun- kelnagelneu.
FuBzel, schlecht brennendes Licht.
Püer (fü'r)y Feuer.
fiirieh, feurig; glänzend; heiss; ~ auch eine durch Entzündung stark gerötete Wunde bezeichnet man als färich.
fiirken, scfuiukeln. Vgl. furkeln in Grimms Wb.
Furteiken. Vor der Bildung der Fflichtfeuerwehr xourden Blechschilder, die mit einem Riemen versehen und mit fortlaufenden Nummern bezeichnet waren, wechselweise an eine Anzahl Männer ausgegeben, die dadurch ver- pflichtet wurden, bei Feuersbrünsten die Spritze zu bedienen. Die Schilder hiessen Furteiken.
Füsel (ftizdl), Fäserchen.
Fusel (füz9l), geringwertiger Schnaps.
Fast. Faust.
Fastnanschen, Fausthandschuh.
fatseh, fort, verschwunden.
Futterswenge, Futterschwinge, flache Korbschale, mit der Pferden und Kühen das Futter en die Krippe ge- bracht wird.
gackern; die Henne gackert.
I^aldern, mit der Peitsche knallen.
Oal;!;en (galjan), Galgen.
gamfeii, sek, sich verhauen.
gähn, gehen (ek gä, du gaist; junk, juwn ; dgän).
gang (jaBk); et is jang un jewe, es ist so üblich. — hei is war jang, er ist wieder auf den Beinen.
tians (jank), Gang, Flur, Vorsaal in Obergeschossen.
Uanter, Gänserich.
garhen (garbm), gerben, prügeln.
fiare, Garten^
(larn (gärn), n., Garn,
garni§t, gamichts.
garrn, herumtreiben.
Uarrnlock, Schallloch am Kirchturme.
(iärtner (jertnfr), Gärtner.
gärtnern (jertnfm), unbefugt den Gärt- ner spielen, d. h. Obst stehlen.
tiarwe, Garbe von Getreide im Gegen- satz zu Bund, das aus gedroschenem Stroh besteht.
<iaste, tiastn, m., Gerste.
tiastenkaf, Gerstenkaff, Grannen der ausgedroschenen Ähren.
tiastengriitte, Gerstengrütze.
gastricil, garstig, ungezogen.
Satt, Loch, Öffnung.
Gatter, Eiss im Kleide.
gätlieh (jf^lix), bequem, passend. gatschen (gätsdn), heftig platschend
regnen. Gatze, Gasse, sehr schmale Strasse. In
Eilsdorf gibt es eine Pinnengatse
(pirjgatS9). ganndern, spotten. Gans, Gans. Gansehnt; die durch Kälte oder Sehreck
erzeugte Körnelung der Haut. Gansetrappe, Gänsefingerkraut, Poten-
tilla anserina. Gebet (j^bai), Gebäude. geben (j^bm), geben (e, ä, ä, e). Gebind QMnt), n., Gebinde, Gebrnk (jdbrük), Gebrauch. gebriiklich, gebräuchlich. Gedanne, Unrat. gediillieh, geduldig.
gednlligen (ßduUjan), gedUlln, gedulden. geffeln, heftig regnen. gegen (jej9n), gegen. Ge^enpart, Gegner. gelten (jaitn), giessen (ai ü, ö, ö, ö). Gejnche, Jauchzen, Gejodel. gel O'el u. jfl), gelb. gelieh, gelblich. gelriepe, beinahe reif. Gemachte {J9merftd), Unterleibsteil, hei
trat ne vor 't Gemachte. gemeinlieb, gewöhnlich. geneitn (J9naiin), gemessen. geran (jorän), geraten. (9t J9ret.) gern (j/rn), gern. gerttmich, geräumig. gerühn, 1. gereuen, leid sein, et is
mek ger&hn, ich bereue es. gescheut, gescheit. Gesehirre, Geschirr. Gest (jest), Hefe. — mek geit de
Gest von liiewe run, mich schwitzt
stark. Gewarwe, Gewerbe, Grund, Ausrede,
Vor wand. gewinnen (J9vin), gewinnen (i, u, u, u). Gewinne, Gewinde. Gewinst, Gewinn. Gewwel (jew9l), Giebel. giddeln (jidln), geigen. gilln (jün),' gelten, (i, m, u). Gilte (jilt))y kleine Holz wanne, ahd.
gellita. Gier Q^r), Gier. giern, gierig sein auf etwas. gi Stern, (jist9rn), gestern. Giez (Jus), m., 1. Geiz. 2 der Saft- trieb, bes. bei der Weinrebe. giezen, die Safttriehe der Weinrebe
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ausbrechen, damit der Saft in die
Trauben geht. »las (glas), Glas.
^lätteheo, glätten, de Katte glättchet sek. (jlattis, Glatteis.
elaam, getrübt, de Oen seit sau glaum ut. (ilaot, Glut.
^lantniet, glänzend neu. <jlanwersolt (•zd'lt), Glaubersah. gleimeken, falsch, hinterlistig lächeln. gienmieh, getrübt. Siehe glaum. glik, gliks, gleich. Meist zeitlich (vgl.
like.; gliken, gleichen. ^limnen (gliin), glimmen. glimnern, glänzen. gliprich (glipriyj, glatt, schlüpfrich. glippen (gliprn), gleiten, glitschen. (ilitt Glied. Ohne Plural, ek könne
kein Glitt röen. glittüchen, gleiten.
gliwrieh, glitschig, glatte schlüpfrig. i;;löben (glö'bm), glauben. glösen (glol'zyl), glimmen. tilowe, Glaube. gla, 1. glühend, glu sien, glühen, 't Isen
is glu. 2. glänzend, blank. Acker-
männeken, pleu mek wat, säst 'n gluhn
Dalder hebben (Kinderlied). Glfimer, Engerling. glamich, dämmerig. tilDmige /m Dämmerung, wei het noch
en Schur in de G lumige setn (zetn). glapen, glappen, kucken, spähen. j^lapsch, falsch blickend. {^lästern, (glüst^rn), beobachten, heimlich
zusehen. Es bezeichnet das für den
Gesichtssinn was horchen für den
Gehörssinn bedeutet. gDahn, unreifes Obst essen. ^narpen (gnarprn); mit knirschendem
iMut kauen, wenn man z. B. einen
Apfel isst. parrD, weinen. Siehe brammen, gnatsen,
paun, gnauln. (inats, Geiz. patsieb, geizig. gnatsen, weinen, 't £ind hat'n ganzen
Dag egnatset. ^anln, /. weinen. — 2 reden, schwatzen. ^Dawweln, mit schneller Mundbewegung
an harten Sachen kauen. iiDawwelring, Hörn- oder Beinring, auf
dem die Kinder die Zähne durch-
heissen sollen. gaawwern, knabbern. ^neirig, neirig, bettlig, von allem ver- langend.
Niederdeutsches Jahrbach XX XIV.
gneim, neirn, betteln, verlangen ; bes.
von Kindern gebraucht, die nach
Leckerbissen verlangen. Onitten, kleine Mücken. gniwwieh, hager, verhungert; patzij,
schnippisch, bissig. gnöseln, näseln. gn äffen, knuffen, stossen, gnarreiif knurren. gonneii (jbi^), gönnen. Göpel (jö*p9l), Göpel Gorgel (gorjdl), Gurgel, Kehle. fforgeln, gurgeln. Gorts, GoUfried. Gösseln n., junge Gans. Gote (jö^t9), Gosse. graben (gräbrn) sw., graben. grade, gerade Graf (gräf), Grab. Graft /. Grab, flache Chrube. Gramme, Grummet. Grand, Kies.
Grane tchen, Beinette, Apfelart. grannich, sandig, kiesig. grapschen (grapädn), schnell fassen und
an sich reissen, packen. Gras (gras). Gras. Grasedrifft, Grasweg, Trift zwischen den
Äckern. Grasehttpper, Heuschreck. Grasetorf, Basen. Grawe, Graben, Graben. grawweln, kitzeln, tasten, krabbeln. Greite, Grete. Veraltet. Grewe, Griebe, Bückstand beim Auslasseti
des Speckes. ^renneken, grinsen. Grepe (gr^p»), Mistgabel crenn, grün. Grennejum, Geranium. grienen (grln), grinsen, lächeln. grienich, grinsend. griepen, greifen (grlpo, gripst; graip,
greprn, dgrepm). gries, greis, grau. Gripps, Verstand. grisselich (grizalii), graulich, mit feinen
Punkten. Griwwel, schmaler Spaten zum Buben-
roden. groff, grob,
grölen (gro'ln), lärmend schreien. Groschen, Groschen. grot, gross. Gröte, Grösse. Grotefaer, Grossvater. {iT0Unute^Grossmaul,grosss2)recherischer
Mensch.
Orotspänder, Grossspänner, der erste
Knecht. Gpü. Grude. Grnnl, Grauen, Abscheu, ek hewwe 'n
Gruhl dervor. (iriihl, Lärm, Zank, maket nich saun
Grühl. grahlen, fürchten, Grauen haben. grnhlich, 1. furchtsam, ek bin in Düstern
grublich. — 2. Furcht erregend, hei
sach gruhlich ut. ^ählich, greulich, schwer zufrieden zu
stellen. grummeln, brummen, summen; leise
donnern. Grund, Grund. Dai. Grunne ; Plur. Granne. Grapen (grüprn), Graupen. Orütte, Grütze. Gttffel (jüf9l), Gttflfele (ßlfh), lange Gabel
au^ HolZy die z. B. zum Stützen der
Wäscheleine dient. gut, gut. nist gus, nichts gutes; 'n gun
Hinsehen; gu Kinder. Habak, Habicht. haffen, beissen (Kindersprache). Hagelstreich, dummer Streich. Hacke /. Hacken m., Ferse am Fuss
und im Strumpf, Stiefelabsatz. Uäkedör, die quer geteilte Haustür in
älteren Häusern. häkeln, sich zanken, streiten. haken, zurückgehen, den Wagen zurück-
stossen, hake dock gliks op'n (opm)
Hoff. half, halb. Halfpnndsnap, Holzform für ein halbes
Pfund BuUer. Halfslag, Hälbschlag, Bastard, nicht
rassereines Tier. Halfspänder, Halbspänner, Besitzer eines
kleinen Bauerngutes. Halfstäwwel, Halbstiefel. halen (häln), holen. Halshimme, bis an den Hals schliessendes
Frauenhemd. Halwe, Seite. haiweh, halwegs, ungefähr, ein wenig,
irgendwie, wennt halwegs geit, beseak
ek dek. — mak et man haiweh, zähme
dich. • hamm holen, schwer halten, schwierig
sein, Hamel (ham^l), 1. Hammel, Schafbock.
— 2. Nachgeburt der Ziegen und
Schafe. — 3. schleppender Dreckrand
am Kleide. Hamer (häm^r), Hammer. hamern, hämmern, hämmern.
Uandank, Handtuch.
Hahnp, Hahn; Mhrz. Hahns. Wenn Leute den Hof betreten, lässt ihn der Volksmund rufen : lauter grote Lüüü . . ., den Enterich darauf: Pack, Pack. — Auf den Hahnenruf reimt man: Kückerückeküh, De Botter is dühr, De Kese sünd wolfeiie, Miene Mutter hat doch keine.
flahnebalken, der oberste Querbalken im Dachstuhl, wie auch der dreieckige Raum, der durch Hahnebalken und Dachbalken gebildet wird. Leg de Latten in'n Hahnebalken.
hahnebenken, hahnebüchen.
hahnefeutsch, hahnefentsehen, stapfend, hinkend gehen.
Hanep, Hanf.
Uahnepateheo, Hapntehen, Hagebutte.
Hänferling. manchmal für Hänfling.
sek hängen, begatten (von Hunden).
Hängeholt, ein krummes Holz zum Auf- hängen des gescMacfUeten Schweines.
Hankorf, Handkorb.
Uanschen, Handschuh.
Hansper, Hamster. — sure Hausper, Sauerampfer, Rumex acetosa.
Hand, Hand, Plur. Hanne. — um de Hand de nehmen hebben, zu tun haben ; handgrieplich, handgreiflich; af bannen, abhanden; tar Hand gähn, 1. helfen, unterstützen — 2. rechts gehen (vom Pferde gesagt. Vgl. Handperd).
handlieh; maket man bandlich, werde nicht zu dreist, geh nicht zu weit.
Handperd, dcLS rechter Hand gehende Pferd.
Handslag, Handgriff, 'n Handslag dann, etwas arbeiten.
Handwieser, Wegweiser.
Handwarkslü, Handwerker.
hapern, gehindert sein, nicht von statten gehn.
Happen (hapm), Bissen; auch wenig, bisschen.
happich, recJU anspruchsvoll beim fordern.
Harke, Rechen.
harre, hart. — harre holen, schwer halten.
Harre Christes, Herr Christus, Ausruf des Erstaunens oder Erschreckens.
harsch, rissig, barsch, rauh.
hartmülsch, hartmäulschy wenig empfind- lich am Maul (z. B. Pferde).
Harte, Herz. — et Harte bleut 'ne, es tut ihm weh im Herzen.
Hahrnle, wörtl. Haar -Eule, d. h. eine Frau, deren Haar unordentlich oder gar nicht gekämmt ist.
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harwe, herb, bitter,
harwest, Herbst.
JisseDbrot, Hasenwost, Beste des Vesper- brotes, die der Vater den Kindern mitbringt und die er angeblich den Hasen abgejagt hat.
Haspel m.y Winde, auf die das Garn der Spule gewickelt wird.
flaspelstieken^ kurzer, dünner Eisenstab mit Handgriff, auf den die gefüllte Spule gesteckt wurde, um das Garn (Aeuha^eln.
Hasselblanme, Leberblume, Hepatica.
Hasselbnseli, Haselstrauch.
Hasseln m., Haselstock, Mute.
Hasselnot, Haselnuss.
Hattf, Huf
Haan, Huhn; Plur. Heunder.
Haanderhns, Hühnerhaus.
HauBderswarwe, Sternmiere, Stellaria media.
Haust, Haasteil, m., Husten.
haasten, husten, ek will dek wat haustn, ich will deinen Wunsch nicht erfüllen.
Haut, Hut; Plur. Heu.
flaawe, Hufe.
Uawere, Hawern, Hafer.
Uee (h^), Hede.
hebben (hebrn), haben (ek hqw9, du hcist, vai het ; ek hard ; 9hat).
beeken, begatten (von kleinen Vögeln ^ Mäusen).
Heekele, Hechel.
Heekelnstaol, Hechelstuhl. Das Sitzen auf dem Heckeinstaul ist eine der höllischen Qualen.
Heekerling, Häcksel.
Ueddreck, Hederich.
Hegge (hejj9), Hecke.
bei, er. Mit vorhergehendem Zeitworte als a zusammengezogen Wat salle denne? Was soll er denn? — Datio u. Akk. ohne.
Hei /., Heide,
beil. 1. geheilt; 2. ganz, 'n heilen lieben Dag.
beilbeinig, ganzbeinig.
Heilebart, Storch, Heilebart, du Lang- bein, Fonehr wut du utfiein ? — Wenn de Rogge riepet, Wenn de Muse piepet.
Heilebartablaame, Storchschnabel,
Heilebeem, Heidelbeeren,
heillos, schlimm,
Heineke, Heimchen, Grille.
^nme\LenViu^tT^Heimlichtuer,Schleicher, jemand, der seine eigenen Wege geht.
beisch, heiser,
beit. heiss.
Heitrok (haitr^k), Höhenrauch, der von den Torfmooren Nordwestdeutschlands nach dem Binnenlande getrieben wird.
helle, hell,
hellhörig, den Schall schnell fortpflan- zend de Luft is hüte hellhörig.
hellerlieht, vollständig hell, hei hat on hellerlichten Da stöhlen.
helen (h^ln), den Flüssigkeitsrest eines Gefässes vorsichtig ausgiessen^ dass der Bodensatz zurückbleibt.
help Gott, veraltete Grussformel,
Heister, Halfter.
hen, hin.
Hengest, Hengst,
Heengünele (h^njüfdh), grosse Holzgabel, die bei der Flachszurichtung gebraucht wird.
Henk n., Henkel, Zeug- oder Bandöse zum Aufhängen der Kleider, ebenso Henkel an Töpfen und Tassen,
Henkhimme, Achselhemd, ärmellosesHemd.
Henkpot, Topf mit einem Traghenkd,
H6per, Hedeper, Ortsname.
Uere (h^r9), Herr; nur noch für Brot- herr, niemals Anrede, use Here (vgl. use Fru).
hervorn (herfifm), vorhin.
Herig (hfrix), Hering.
Herrschop, Herrschaft.
Herd (h^rt), Herd.
Hesse /., Hechse, Kniebug des Pferdes,
Hespe, Haspe, Türangel.
hessich, gehässig, missgünstig,
heten (h^in), heissen (h^ld, hetst, het, htt; halt; dh^tn). hei hett Otto. — de Bäcker hat knen eheten, der Bäcker hat zum Kneten aufgefordert, indem er herumgeht im Dorfe und bei den Frauen, die Brot backen wollen, klopft.
Hetze/., Menge, et sünd ne ganze Hetzei
he an, hüten, sek heun un wahrn, sich in acht nehmen, um seine Sicherheit besorgt sein.
Hentnslewwe, Hötensleben.
hieehen, hauchen; im übertragenen Sinne: eine Absicht merken lassen, ek bruke blofs de hieehen, denn springete schon.
Uiechebild, Hiecheblat, Gelatineblatt, das sich beim Draufhauchen krümmt,
Hickerken, Hickers, Zähnchen.
Hickhack, Zank, Streit.
hickhaeken, zanken.
Hille, Baufe,
hille, eilig,
hillig, heilig, — de hillige Christ, der heilige Christ, das Christkind; meist in der Bedeutung Weihnachtsgeschenk,
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Patengeschenk, ek hewwe mek en billigen Christ ehalt. — wat wünschest 'n dek taun hilligen Christ?
hilpen (Mpin), helfen (i, m, u, u).
Himme, Hemd.
hinder, hinter, de Hinderste, der Hintere^ Steiss. set dek oppen Uindersten.
HiHderyertel, Hinterteil.
Uinderkiile, Lende, Keule.
hinnen (hiii), hinten.
hinnen-nah (hiijtä), hintennach.
hier; du bist wol nich von hier, ich versiehe dich nicht , du bist so seltsam.
bissen, hetzen, hei let sek nich hissen un nich locken, er folgt toeder Er- mahnungen noch Drohungen.
Hitte, Hitze.
bitten (hitn), heizen.
Hoebkant, Schmalseite, set dat Bret op Hochkant.
Höcbte ßä/p), Höhe.
Hochtiet, Hochzeit.
Hoff, 1. Hof. op en (opm) Howwe, auf dem Hofe. — 2. Gehöft, Gut. hei hat'n schönen Hoff.
ho^anen (hifjän), gähnen.
Iiöjjer, höher.
hökern, klettern mit der Nebenvorstellung des Hockens. hei hökert op en Sofa rum.
bolderdebolder, polternd, eilig, et gung holderdebolder de Treppe run.
Holdem, Holunder, Sambucus nigra.
Uöldernplecke, Sommersprosseti.
holeken, böleken, aushöhlen.
holich (h(^iiyOt hohl.
Holkarre, Schubkarre.
höllisch, höllseb, höllisch, stark, sehr. Dient zur Superlativbildung, hei war höllisch ärgerlich.
holen (h(/ln), halten (höl'b, holst; haiü, haihj.; dho^ln).
Holander, spanischer JFlieder, Syringa vulg.
bolstern, holpern, geräuschvoll gehen,
Holster, Bezeichnung eines Menschen, der geräuschvoll polternd geht.
Holt, Wald, Gehölz; Holz (Stoffname).
HolKcben, Holzpantoffel, Holzschuh.
Holthacker, Holzhacker.
holten, hölzern.
Holtsla, Holzschlage. Grosser Holz- hammer, mit dem beim Holzspalten der Keil ins Holz getrieben wird. — 'n Kopp wie ne Holtsla hebben, einen dicken, feurigen Kopf haben, schwitzen; dafür sagt man auch *n Kopp wie 'n Leggebaun hebben.
Homester, Hofmeister, Aufseher der Knechte.
homestern, beaufsichtigen, sich aitf spielen.
Hop (hö^p), kleiner Kerl; verstärkt Schietbop.
hopen (h(fpm), hoffen, warten.
Hoppen, Hopfen.
Hopner, Polka.
Höer (ho'r), Hüter, Hirte.
borken, horchen.
Horn (h^rn), Hörn als Stoff.
Hörn (hö'rn), Horn, Gehörn, Blashorn, Anschwellung.
hörn, hören, gehören.
Uörnzicke, Ziege mit Hörnern.
Hort (h^rt) f , Seitenbretter des Acker- wagens. Siehe auch Kesehort.
hotte, rechts; Leitruf für Pferde.
Hottehü, Pferd.
Hotteperd, Hottopferd.
Höwwel, Hobel.
hii, links.
Hnfke, bestimmte Menge Flachs, eine Hucke hat zehn Riste.
hnckebaek maken, auf dem Rücken reiten lassen.
hncken, ophncken, etwas auf den Rücken nehmen.
hnddern, vor Frost schauern; dazu Eigenschaftswort hudderich.
Hoffe, Hüfte.
Hake (huka), Hakije, Kniebeuge, hei Sit in de Huke.
hnken, kauern, ducken, in Kniebeuge sitzen, se hat seck närehuket.
hnllijen, dulden, nichts dagegen haben. bullije doch dat nich.
hnlen (hüin), heulen.
Haipe, Hufe.
humpeln, hinken.
Hannig, Honig.
Hand, Hund; Mehre. Hunne. hei is bekannt wie 'n bunt Hund. — Hanne- bra, Hunnefidipse, Hunneschiete sind derbe Ausdrücke der Abweisung irgend eines Verlangens. — Starker Stab, dessen Spitzen in die Erde stemmen und ein Rückrollen des Wagens ver- hüten.
Hnndsfott, Mensch von niedriger Ge- sinnung.
Hnnnegeblaffe, Hundegebell.
hiipie (hüpix), mit Haufen, de Matte is hüpig Yull Korn, so voll dass ein Haufen drauf ist.
Hape, Hapen (hüpm), Haufe.
hiipen, häufen.
happen (hupm), httppon, hüpfen, springen.
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Harke, Gurke.
harken, kauern^ besonders von der Henne
gebrauchij die sich über die Küken
kauert, de Klucke hurket. Hos, Haus.
ha»ba(*ke]i, su Hause gebackenes (Brot). hasfh; op en husch komen, auf einen
Augenblick kommen. Hasfhe (hun^). Weiter schauer. HäsekeD, Abort. Moshöldersche, Haushälterin. Hat. Haut.
hüte, heute; verstärkt hütigen Dags. Hotsche, Fussbank. hatsehen, auf den Knieen rutschen. fluwe. Haut auf der Ölfarbe. iehtens (ijti^^)> irgendwie, wenn 't ichtens
geit, denn komek ilder-, ganz und gar, Ausdruck der Ver- stärkung, ilderbest, ilderletzt. ile, eitel, rein, ile Brot, trockenes Brot;
ile Water, nichts als Wasser Ile/., Egel. Blautile. Ile. Eile. iiiS ßl^)f eilig. llk, Iltis. — £ier-Ilk ist scherzhafte
Bezeichnung eines Menschen, der die
Eier aus den Nestern nimmt, um sie
auszutrinken. iln, eilen. Inme, Biene. ja-, Vorsilbe ein-. inaenander (inand^r), ineinander. inbenten, einheizen. inbillen, einbilden. ifidaav, einfüllen, du most noch Korn
indaun. lofall, Einfall. — hei hat Infälle wie 'n
olt Hus, er hat lächerliche Einfälle. infamen, einfädeln. infreirn, eingefrieren. iBgedeame (injodoim^), die ganze Wirt- schaft, alle Wirtschaftsgegenstnnde. iahenn, das Haus hüten, allein zu Hause
bleiben. in kalken, Weizen in Kalkmilch einquellen. inklappen (inklapm), durch Handgeben
begrüssen. lalet (inl^t), Inlaid. laaahMe, Einnahme; Zollhaus. iaae, elliptisch: im Hause, im Zimmer.
gah man rin, de Yader is inne. inaebolen, einhalten. iaoehmer, Steuereinnehmer. ianeaseln, einnisten. iaaeweiDig, inwendig. iistippen, Kuchen oder Semmel in das
Getränk tauchen.
is, ist.
Is (Is), Eis.
Isegrintm, unfreundlicher Mensch.
IseD, Eisen.
isen. Eis vom Teiche wegholen.
Irienbahne, Eisenbahn.
Iserappel, Eiserapfel, eine sehr haltbare Apfelart
isern, eisern.
Isernot, eiserner Topf.
iskolt, eiskalt.
Istacken, Eiszacken.
Iwep, Eifer.
iwrig, eifrig.
jachtern, herumjagen.
Jacke, Frauentaille, einen de Jacke vullbauen, jemand verhauen. Hose wie Jacke sien, ganz gleich sein.
jackeln, Trab reiten; auch nur die Auf- und Abbewegung des Trabreiters aus- führen.
Jackenfett, Hiebe, et gifft Jtfckenfett.
Raffen, blaffen, bellen.
Jahn, jagen (ek ja, du je^st, vaijät; ek jaux, vaijoin; djät).
jappen (japrn), nach Luft schnappen.
jappig, Eigenschaftswort zum vorigen.
japsen, jappen.
Jahr; de Jahre, im vorigen Jahre.
Jaake, Jauche.
Jankeborm, Jauchepumpe.
Jankelock, die Grube, in die die Stall- jauche fliesst.
Jaakel, Scherz, Spass.
jankeln, scherzen.
jaaln, heulen, schreien, de Hund jault.
Jehannich, Johannistag.
Jehansebeere, Johannisbeere.
jentsiet, jenseit.
jenne, jene, op jenner Siete.
Jerksen, Jerxheim.
Jenes, Ausruf. Jeses nä, dat is doch Dich slimm.
ji, ihr. Dat. Akk. jiech. ji ist auch Anredewort, macht allerdings immer mehr der 3. pers. plur. sei Platz.
j lernen (jim), schwer und geräuschvoll atmen.
jiemich, engbrüstig, kurzatmig.
Jipp m., Verlangen, Appetit, ek hewwe 'n Jipp op Bratwost.
jiepern, heftig nach einer Speise verlangen.
jitterich, aufgeregt im Verlangen nach etwas. Hindern Fate mot ne Mus Sitten, de Hund is ganz jitterich.
Jochen, Joachim.
jöe, Zuruf an Pferde, um sie zum An- ziehen zu veranlassen.
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Jökelie, schlechtes Fahren.
jökeln, auf schlechtem Wege fahren, sodass der Wagen hin- und herschlägt.
Joppe, Jaket.
ja, euer, ju Hus; in jun Huse.
jachen (jüxdn)^ jauchzen, jodeln.
Juchhei; nah Jachhei kumt Nackenklei, nach übermütiger Freude kommt der Schmers.
jackeln ; die Bedeutung von 'jackeln' ins Gemeine übertragen.
Jumfer, Jungfer.
Jamfernsppel, Apfelart.
Jank, jungy junk wehrn, geboren werden, vgl. Zs f. d. ü., 21. Jahrg. 10. H.
Janke, Junger, Unverheirateter, hüte het de Janken Danz, heute haben die Unverheirateten Tanz. Daher die Zusammensetzungen Junkendanz, Jan- kenbodn (Tanzboden für die Jugend).
Jiingelken, Kosename für Junge.
Rabache, Hütte^ baufälliges Haus.
kabolzen, kobolzen, poltern, lärmen.
Kabolz scheiten, Purzelbaum schiessen. Nd. Kbl. 26, 21.
kaddeln, mit stumpfem Messer schneiden. Dazu Kaddelie.
Kaf, Koffy Spreu, die beim Dreschen abgeschlagen en Getreidegran n en .
Kaffeebrot, Zwieback.
kakelich, mit blossem Halse, nüchtern aussehend.
kakeln, vor sich hinpapeln der Kinder.
kakeln, taumeln.
Kackstaal, Nachtstuhl
kalben (kaUmi), kalben.
Kaleb, Närrchen.
Kalf, Kalb; Mhrz. Kälwer. Bezeich- nung alberner Personen.
Kaidane, Kaidaune, Darm.
kalmttsern, siehe utkalmüsern.
Kamaschen, Gamaschen; Furcht.
Kamer, Kammer, op de Kamer, in der Kammer.
Kannenkrat (kaiikrül), Schachtelhalm.
Kante ; op de hoe Kante leggen, sparen, weglegen.
Kanthaken; einen bi^n Kanthaken krien.
Kanter, Kantor, vor *n Kanter her sien, vorlaut sein.
Kannenbret, an der Küchenwand hin- laufendes Brett, auf das Geschirr gestellt wird.
Kannrick, Gestell für Kannen.
kapeniern, entzwei machen.
kapitteln, zanken.
Kaptal, Kapital.
karben (karbin), kerben, Einschnitte
machen. Karf, n, Kerbe, EinschniU. karjolen (karji^l^), im leichten Wagen
schnell dahinfabren. Kärke, Kirche; veraltet. Karpen (karprn), Karpfen. Karre, Karren. Karreite, klappriger Wagen. Karrenseil, Seil, das der Karrenschieber
über die Schultern hängt. Kärsche, Kirsche. Karte (kärtB), Karte. kartjen, Karte fielen. Kartaffele, Kartoffel. Kartaffelnkaaken, Puffer. Kartan, Kattun. kartanen (kartüjj^), aus Kattun. karwatschen, peitschen. Karweil, Kümmel. kaschen, ertappen, erwischen. kaseln (käzdln), irre reden, im Schlafe
reden. Kaspergarn (-gärn), das von der Hede,
den minderwertigen Flachsabfällen,
gesponnene Garn. Kastit, Staekit, Lattenzaun, Staket. Kasten, n., Kasten, m. Kastenkehrl, Hausierer, der seine Ware
im Kasten auf dem Bücken trägt. katolsch (katö'ls), katholisch, 'n Mai;
käwer katolsch maken, dem Maikäfer
den Kopf eindrücken. Katrei, Unruhe, Hin- uad Herrennen, Katte, Katze. kattewitt. schnell, flüchtig, laufend, hei
make katte wit, datte no Hus kam. Kan, Kuh; Mhrz. Keu. man ward sau
olt wie ne Kau un lehrt ümmer noch
wat tau. — Wenn eine Kau schitt,
bohrt de andere 'n Swanz hoch. Kan, Flass-Kaa, ein Werkzeug zur
Flachsbearbeitung, der* Brake' ähnlich.
Während die Brake ganz aus Holz
besteht, hat die' Kau' eiserne Kauleisten. Kaublanme, Löwenzahn, Leontodon. Kauhöer, Kuhhirt. Kaaken, Kuchen. kaale, kühl. kaan, kauen, et is als wenne Lüse kaut,
er kaut langsam. Kanpe, Kufe, grosses, langgestrecktes
Wasser- oder Jauchefass. Kaar, Chor, Gallerie in der Kirche
op en Kaure. Kants, Haarschopf, der aus den Haar- flechten zusammengesteckte Knäuel. Kawer, Küfer.
71
kawweln, zanken, streiten.
Kedde, Kette.
Kefter, kleines Zimmer.
Keiseken, schwarzer Flieder ^ Sambucus nigra.
Keisekentee, Fliedertee.
keiln, schlagen, prügeln.
Kelle, Schöpfkelle, Maurerkelle.
Kenpe, m., männliches Schwein, Zucht- eber. Gebräuchlicher ist Kem-Swin.
-ken, Verkleinerungssilbe -chen. Mit dem konsonantisch auslautenden Haupt- worte wird sie durch e verbunden; z, B, Steuleken, Hüseken. Nach Gaumenlaut steht die Bindesilbe el; z. B. Beukelken, Büchlein, Jüngelken, kl. Junge. — Beliebt ist die Endung in der Sprache der Mütter, die sie an alle möglichen Wortarten hängen; z. B. komekeo, schöneken; 't Kinne- ken is hennefalleken.
kendera, platzen, reissen. Risse be- kommen.
kennen (ke^), kennen; ohne Rückumlaut.
Kehr, Richtung, ut de Kehr sien, aus der Richtung sein,
kehren (k^r^), fegen. Kehrbessen, Kehrbesen.
Kern, (kfm), Kerne, Obstkerne.
KernhuB, Grieps.
Kere (kfrd), Gummihut auf Flaschen, Nutsch.
Kehrl (k^rl), Kerl, Mann, Ehemann. mien Kehrl is nich de Uns.
Kese, (k^s9)y Käse.
Kesehort (-hf/rt), Gestell zum Käse- trocknen.
Kesekrnt, Malve.
kesig, käsig.
Kesewark, Quark.
Kettf^l (ketl), Kessel.
ketteln (ketln), reizen, zanken. Siehe au<ih vorketieln.
ken In, kühlen.
Kijack, Luftröhre der Gänse.
kijaeken, Zeitw. zum vorigen, bezeichnet das Schreien der Gänse.
Kieker; op en Kieker hebben, im Auge haben, aufjemd. etwas zu sagen haben.
Kieks nn Kahks; de wet von K. un K. nist, der weiss gar nichts.
Kiel, Keä.
Kiel, Nasenschleim,
kieln, festekieln, festkeilen, durch einen Keil befestigen.
Kiem, Keim.
kiemen, keimen. — afkiemen^ die Keime von den Kartoffeln entfernen.
Kienbndde, Kienrussfässchen.
Kiepe, Tragkorb; geflochtene Tasche, in der die Feldarbeiter Frühstück und Vesperbrot mitnehmen. Siehe Tower- kiepe.
Kiewit, Kiebitz.
killn, Kältegefühl verursachen, en kolt Himme killt.
Kimmije, Kerbe, bes. zwischen den Gesässhälften.
Kind, Kind; Dativ Kina^. — Braurnkind, Neffe; Swesterkind, Nichte; Sohnen- kind, Dochterkind, Enkel; Swester- dochterkind usw.
Kindermntter, Hebeamme.
Kinkerlitzchen, Spielereien, wertlose Kleinigkeiten.
Kinnkedde, Kette am Gebiss der Pferde.
Kinneken, Kindchen.
Kipp, der aus den Flechten auf dem Kopfe zusammengesteckte Haarknäuel. Vgl. westf. Kipp, Spitze
Kippkarre, zweirädriger Wagen, der wie die Kipploren zum Kippen ein- gerichtet ist und zum Transport von Kies, Sand u. dgl. dient.
kippeln, wackeln, Neigung zum Um- schlagen zeigen.
kippen, umschlagen.
Kirchenhant, Zylinder.
kisselich, kitzelig.
kisseln, kitzeln.
Kisserlinff, Kieselstein; bes. werden die erratischen Blöcke so genannt.
Kittel, blauleinenes hemdartiges Ober- gewand der Männer.
Kiwweke, f., Ausschlag in den Mund- winkeln; die gelbe Haut in den Schnabelwinkeln junger Vögel.
Kla, Klage, hei kummet mit der Vorkla, er beklagt sich, ehe man ihn gefragt hat, um einer Klage gegen sich zuvor- zukommen.
klabastern, polternd bewegen, klettern.
Klack, m., Klecks, etwas Hingekleckstes, Hingeklitschtes.
K lacke, unaezogenes Mädchen.
klacken, klackern, klickern, etwas hin- klitschen.
Klacksnei, loser, grossflockiger Schnee, auch Heilebartsnei genannt.
Kladde, Konzept, Entwurf; Buch für Konzepte.
kladdern,
hinklitschen,
beschmutzen,
unordentlich
hinwerfen
(z.