ABHANDLUNGEN
DER
' . HISTORISCHEN CLASSE
DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN
AKADEMIE i.™ WISSENSCHAFTEN.
FÜNFZEHNTER BAND.
IN DER REIHE DER DENKSCHRIETEN DER UV. HAND.
M C N C H E N 1880
VERLAG DER K. AKADEMIE.
IN COMMISSION BEI G. FRANZ.
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Die VerhancUuiigeii
über die
Nachfolge Kaiser Eudolfs II.
in den Jahren 15B1 — 1Ö03.
Von
Felix Stieve.
Abb. d. Ill.a.d.k. Ak. d. Wus XV. Bd. I. Abth.
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Die Verhandlungen
Über die Naehfolge Kaiser Rudolfs II.
in den Jahren 1581 — 1602.
Voo
Felix Stieve.
I.
Der Gedanke, einen der Brüder de» unvennählten Kaisers Rudolf II bei dessen Lebzeiten zu seinem Nachfolger im Reiche und in den öster- reichischen Huusländem ernennen zu lassen, wui'do, soviel die dürftigen Nachrichten, welche uns ülxsrliefert sind'), bekunden, zueret im Anfänge des Jahres 1581 durch Erzherzog Karl von Innerosterreich in Anregung gebracht.
1) Dia Archiv Bodolfs II. iafc bia aof die BcichstagsacUD vcrmuthlich bei der Einnihmc der Kleinteite Priga durch die Schweden im Jahre 1648 — beinahe völlig viTnichtei oder ver- •ebleppt worden. Wie für die ganxe Regiernagageachiehte dea Kaiaera alnd wir daher auch f&r die Nachfolgefrage vorzogaweise auf fremde Quellen angewieaen. Von diesen würden hier die Archive der Erthenoge Matthiaa und Maximilian und dea ChurfÜraten von Köln die wich* tigaten und reichsten aeiu. Aach sie sind jedoch gröaatentbeils verloren gegangen. Eine er* aeböpfende Kenntnis der Verhandlungen iat daher nicht tu gewinnen. Meine archivalischen Forachungen beginnen entsprechend meinen Arbeiten für die Historische Commission, welchen diese Abhandlung ihre Entstehung verdankt, mit dem Jahre 1591. Wenn ich xeho Jahre weiterzu- rückgebe, geschieht es nur, um die mir gelegentlich zu Hunden gekommenen Actenstücke und Nach- richten künftiger Forschung zugänglich zu machen und dieser vorzuarbeiten. — Zur Bezeich- nung der Archive und Urkunden wende ich dieselben Abkürzungen wie bei Herausgabe der Briefe und Acten zur Qeachiebte des dreisaigjährigea Kriege« [a. Band IV ä. XVJ] an. In der Datierung folge ich stet« dem neuen Kalender.
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Des Kaisers Gesundheitszustand rief damals die Besorgnis wach, dass dereelbe plötzlich aus dem Lelren scheiden und so ein Interregnum herbeigeführt werden könne *). Dieses zn verhüten, hielt Karl für drin- gend geboten. Er war überzeugt, da-ss sein Haus sonst Gefahr laufe, der Kaiserkrone verlustig zu gehen imd der Stütze beraubt zu werden, welche ihm der Besitz jener gegenüber seinen zahlreichen offenen und geheiineu Feinden im Reiche und im Auslände gewährte. Die Behauptung Unganis und die Abwehr der Türken waren ferner durch die Hülfen bedingt, welche die deutschen Stände den Kaisern leisteten, und die Erhebung eines Erzherzogs zum römischen Könige erschien eben desshalb zugleich als Bürgschaft dafür, dass dessen Wahl in Ungarn und Böhmen erfolgen werde, üeberdiess fürchtete Karl, dass seine eigenen Lande den Angriffen der Türken, welche wiederholt grössere Einfälle in dieselben unternahmen, und der Venetianer, mit denen er in mannigfache Händel verwickelt war, rasch erliegen würden, wenn sein Haus auch nur vorübergehend jene Machtstellung verlöre, welche ihm selbst starken Rückhalt bot.
So suchte er sich denn mit seinem Bruder Ferdinand von Tirol tmd seinen Neffen Ernst und Maximilian über gemeinsame Schritte zu ver- ständigen , welche zunächst die Sicherung der Nachfolge im Reiche be- wirken sollten. Vielleicht betrieb er diese dann selbst, als er im Mai nach Prag und im Juni von dort nach Dresden reiste ®), wie vennuthlich auch er es veranla.sste , dass I'hurfiirst Daniel von ,Mainz den Kaiser durch einen Gesandten ermahnte, die Wahl eines römischen Königs zu befönlem. *)
2) Vffl. Hart«r FerJin«nd II, II, 313 fg. Chf. Daniel von Mainz »chrieb am 10. April 1.V<1 aus Lohr an di-n Chf. von Trier: Der Kaiser ist „mit ^«farlieber und sollicher qds zuvor uiibe* wDsster leibsschvraehoit noch iminerdar bibafftet onrl [hat] daiaelb zugestanden ungemach so lang verhelet, daaa ea Oberhand genommen und *o weit eingewurzelt, dass es alle medicin and vleissder erfarnen ehirargen wenig helfen, und dann durch tegtich Zufälle also maceriert und ab- gcnomin>‘n, dass J. Mt. in grosser leibsgefar gestanden und derselben noch in keinem weg ge* sichert seien.“ Trier möge daher sein Gutachten geben, wie dem grossen Unheil, welches dem Reiche durch ein Interregnum drohe, vorzubeugen sei. Wm. Suceewionswesen I, n. l Cpt.
‘D Khevenhiller Aunales Kerdinandei I,
4) Instruction des Chf. von Mainz v. 25. Juni mit Creditiven an den Reichsvlcekanzler Vieheuser, den Geheimen Rath Fn*iherrn Hans von Traotaun, den ObersthofmeUter Freiberm A<lam TOD Dietricluitein, den böhmischen Obrratkanzler Wratislaw von Bernstein und den |>apst>
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Rudolf scheint, obwohl sein Befinden sich gelx'ssort hatte, die seinem Hause durch ein Interregnum drohende Gefahr gewürdigt zu haben. Wie er jetzt die zwei. Jahre vorher hinausgeschobene Einwilligung dazu ertheilte , dass seine Mutter Älaria nach Spanien reise, um seine Ver- hcirathung mit Isabella, der Tochter Philipps II.. zu verabreden*), so bat er den Clmrfürsten August von Sachsen im October 1581 bei Ge- legenheit eines Beeuches, den ihm derselbe abstattete *), und dann wieder im Sommer 1582 auf dom Reichstage zu Augsburg, welchem beide jier- Bönlicl} anwohnten, seine Unterstützung z>ir Ordnung der Nachfolge zu leihen.
Beide Male versprach Anglist, sich mit dem Churfüi'ston von Mainz*) ins Einvernehmen zu setzen, doch unterliess er es, das erste iMal, weil sich ihm keine Gelegenheit bieten mochte, das andere Mal, weil er kurz nach dem Ansuchen «les Kaisere von Augsburg abreiste. ®)
Rudolf drang in der nilchstfolgenden Zeit auch nicht weiter in ihn, da der Uebertritt des Churfürsten Gebhard von Köln zum Protestantismus und der dadurch hervorgerufene Krieg einstweilen die Kriwligung der Angelegenheit unmöglich machte. Kaum war jedoch Gebhaixl durch den vom Domcapitel an seiner Statt erwühlten Herzog Ernst von Baiern überwunden worden, als Rudolf den Umstand, dass Churfürst August an
lieben Nantias Giovanni Francesco Donomo, Bischof von VerceUi. Wm. Succe$sionswescn I, n. 2 Cpt. VgL oheo Änm. 2. Beber die Veranlassung und den Verlauf der Gesandtschaft geben die iDckenhaften Acten keine weitere Nachricht.
5) KherenhilUr I, 116 u. m.
6) Ob Erzhz. Karl den Besuch veranlasst hatte, ist nicht ersichtlich,
7) Vielleicht war eine Anmahnung der Erxberzogc vorausgegangen. Vgl, Hurter II, :U7«
8) Den ChurfSraten Wolfgang von Haint, der am 20. April 1682 auf Daniel gefolgt war. frug Rudolf wahrend des ReichUges „privatim“, ob er wisse, was sein Vorgänger bei ihm der Nachfolge halber Tertranlich angebracht habe; Wotfgang verneinte e«i er sei erst so korxe Zeit im Amte; daranf liess der Kaiser die Sache ruhen. Protokoll einer Unterredung xwiseben den CbfT. von Mains und Sachsen, 11. Juli 1584, Wm. Success. 1, n. 8. Da nur von Pfalz und Brandenburg Schwierigkeiten so besorgen waren nnd er einmal Sachsen sur Betreibung der Angelegenheit aufgefordert hatte, mochte es Rudolf geeignet ertebeioen, jenem die Initia- tive ganslich sn Qberlassen.
9) Rudolf an Chf. August 14 Juni 1.584 Ä. a. 0. n. 4 Copie. Vgl. Harter VI, 424 fi., der diese nnd die im Folgenden zu erwähnenden ActenstQcke des angeführten mainzer Bandes mit der ihm eigenen Flüchtigkeit benutzt bat.
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den Rliein ins Bad reiste, benutzte, um ihn im Juni 1584 dringend zur Erfüllung seiner früheren Zusagen aufzufordern. ’®)
August entsprach dem Ansinnen und stattete dem Churfürsten Wolfgang von Mainz , den er sclion vorher im Vorheireisen begrüsst hatte, einen zweiten Besuch in Mainz ab, wo auch der Churfürst Johann von Trier oben anwesend war.
Die beiden Geistlichen galjen seinen Vorschlägen bereitwillig Gehör Mit der Neigung für das Haus OesteiTeich verband sich in ilmen gegen- über den Ereignissen des kölner Krieges und gegenüber der steigenden Erregung und Geschäftigkeit der protestantischen Bewegungspartei die Sorge , dass diese ein Interregnum benutzen könne , um über die des kaiserlichen Schutzes beraubten Reichsstifter herzufallen und um die kirchlich - politischen Forderungen , für welche sie seit Jahren auf den Reichstagen stritt, gewaltsam durchzusetzen. Minde-stens, glaubte man, werde sie der Wahl eines katholischen Kaisers heftigen Widerstand ent- gegenstellen und da die kaiserlichen Befugni.sse während der Erledigung des Thrones an die Reichsvicare , die Churfürsten von Sachsen und von der Pfalz, übergingen, hielt man für gewiss, dass der heidelberger Hof dieselben zu Gunsten der eigenen Partei ausbeuten werde. ") Lag doch dort die Regierungsgewalt in den Händen des unruhigen und leiden- schaftlichen Pfalzgi-afen Johann Casimir, welcher für Gebhard Truch.sess ein Heer ins Feld geführt hatte.
Die Vornahme der Reichswahl erschien indess von zwei Bedingungen abhängig. Einerseits musste zunächst „das Churfürstencollog ergänzt“, diis heisst, der neue Erzbischof von Köln von den übrigen Churfürsten
10) Durch <Uh in der vorhergehenden Aomerkun; erw&hnte Schreiben, ln einem eigenhandif^cn Briefe fügte dann der Kaiser bei: „Uochgeborner. lieber oheim und ehurfüret. Kacbdem E.L. wol erwegen kennen, wass an der successionsachim gelegen , so bab ich nit ambgehen wöUen, E. L. auch dieeer Zeit aafs neue daran tu erinnern, und bin der UDgczweifelten Zuversicht, E. L. werde derselben als einer so wichtigen sacb mit allem treuen fleiu nachzudenken vor sich selbst geneigt sein und an Ir nichts envinden lassen, so zu dern befürdening ditilich sein mag, dargegen E. L. sich gentlicb dessen tu getröatcn, das, wasa hierinnen gehandlet, in bester geheimt solle gehalten werden, wie auch das, so ich K. L. anssfOrlicher diesser Sachen halb schreib, von einer vertranten hand geetelt ist. Datnm Prag den I^wiunil ao. 1544.“ Das. Copie.
11) Vgl, die Besorgnisse, die man schon 1575 hegte, in der Relation des Venetianers Tron bei Alberi Relationi dcgli ambasciatori Veneti. I, t. VI, DH f.
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durch die Aufi&hme in den Churvorein als Mitglied des CSollegs aner- kannt werden. Anderseits hielt man für noth wendig, das.s dem zum römischen Ktinigo zu Wühlenden vorher die Nachfolge in Böhmen ge- sichert werde, weil dies seit den luxemburgischen Königen üblich war und weil die Verfassung des Reiches und des Churfürstencollegs zur Voraussetzung hatte, das.s die bömische Krone imd Chur im Besitze des Kaisers seien. In diesem Sinne änsserten sich daher die zu Mainz Ver- sammelten in einem von Sachsen entworfenen Schreiben an den Kaiser. '*)
Sofort veisjjrach darauf Rudolf, ohstens für die Ordnung der böhmischen Njtchfolge zu sorgen und forderte die Churfürsten von Mainz imd Snehstm auf, sich ihrerseits eifrig angelegen sein zu lassen, da-ss das „hochnothwendige Successionswerk“ im Reiche gefördert werde und der Churfürst von Brandenburg in die Anerkeimung des Churfürsten Ernst von Köln willige. '*)
Zu letzterer hatte sich August von Sachsen schon vorher auf An- dringen von Mainz bereit erklärt und versprochen, sich dafür bei Branden- burg zu verwenden. '*) Ende October 1584 kam er demgemüss zu
12) Protokoll <ler am ll.JaU za Mainz {^obalUncn Ikaprccbunff, Wm.a. a.0. q. 3. Zanachst rerhan dtilte Gif. Aai^azt notor Zutiebuof; aeinc« Rathea Dr. David Pfeifer mit Chf. Wolf^ang» dem sein Hofineiat«?r Hartinnt von Kronberg zar Seite war, dann Wolfgaog mit Trier; daranf fand eine getm-inaanie Berathong atait. Daa Schreiben an den Kaiser am 12. Jali, daa. n. 5 Cpt.
13) Rudolf an Mainz 28. Juli 1584, a. a. 0. n. 6. Orig. In einer eigenhändigen Nachschrift be- merkte der Kaiser: „Ich bab zu somlcm gefahlen und dank vernommen, was E. L. mit beiden ebarfoTitea Trier und Saebaen vertreulich gehandelt Zweiffle nit, E. I*. werden Jer noch
^ ferner dise Sachen treulich angelegen sein lassen. Das bin ich in aller freundsehaft und gutten zu beschulden wol geuaigt.**
14) Die Nachrichten, welche das oben erwähnte mainzer Protokoll über diese Angelegenheit gibt,
glaube ich, hier mittheilen zu sollen. Nachdem Sachaen über das kaiserliche Schreiben wegen der Wahl Bericht erstattet hatte, bemerkte Mainz durch Kronberg: Sachaen wird sich erinaem, was beide, als August anf der Hinaufreiae hier war, wegen des neuen Churfürsten von K5In und wegen des nach Rotenburg a. T. ausgeschriebenen Tages besprochen halten. August hat zu verstehen gegeben, er wolle Ernst anerkennen und Brandenburg dafUr zu gewinnen suchen, sich aber auch durch dessen Weigerung nicht beirren lassen; mithin sei er der Aufnahme Ernsta in den Churfünitenvereiii nicht entgegen und er werde seinen Gesandten nach Roten* bürg solche Befehle ertheilcii, dass dort keine „Nullität" begangen Erst vor wenigen
Tagen ist wieder ein Gesandter Emsts hier gewesen und hat die Aofnahme ,,aufs heftigste urgiert/* Mainz hoifl also, dass sieh August seiner früheren KrkUrnog gemäss den Vollzug derwlben nicht zuwider sein lassen wird. August erwiderte durch Pfeifer: Er lat nach wie
. vor begierig, die Einigkeit ira ChuifÜrstcncolleg za befördern, kann aber Brandenburg nicht
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Ck)ttbu8 mit Johiinn Georg zusaimnen. Dieser zeigte sich zur Förderung der Ueichswald geneigt, der Aufnahme Ernsts in den Churveroin dagegen verweigerte er seine Zustiunnung **), obgleich dioselljc inzw’ischen tereits durch Trier auf die Erklärungen Sachsens hin vollzogen worden war. '*)
Auf den Bericht über den cottbuser Tag crwidei-te nun Iludolf dem Churfursten von Mainz *’) lediglich mit einer Erörterung der kölner Frage: der Nachfolge geilachte er mit keinem Worte mehr und auch in den folgenden Jahren kam er nicht w'ieder auf sie zurück.
Ihrer l'\>st8etzung stellte Brandenburgs Weigerung in der Tliat ein ernstliches llindemiss in den Weg. Man konnte nicht daran denken, einen Wahltag ohne Zuziehung des kölner Erzbischofs zu halten, denn dadurch wäre die Rechtmässigkeit seiner Wahl und die Gültigkeit des geistlichen Vorbehalts in Frage gestellt woixlen. .\nderseits war es ge- wiss, dass der Administrator der Churpfalz gegen Ernsts Theilnahme entschieden Verwahrung einlegen und dass er ebenso der Wahl eines römischen Königs ülwrhaupt widerstreben wenle. Deshalb war bei den bisherigen Verhandlungen von ihm gar nicht die Ke<le gewesen. Mau hatte gehofft , durch die Flinigung der übrigen Chui-fürsten Johann Casimir zum Anschlus.se zu nöthigen. Jetzt war diese Berechnung hin-
vorgreit«D. Was Kotenbarg betrifft, so ist ihm Ton seinen Ruthen «lie Resolution des Kaisers saf^escbickt Ironien. Dieser meint es gans trenlierxig and seine Absicht gereicht xarSicberang der frankfurter Handlung, die auch auf eine „Contentation** ging. August hat also teinea Rithen befohlen, der ksl. Resolution entsprechend su stimmen. Mainz antwortete hierauf per- sönlich: Dass Sachsen mit Ürandenburg borathen will, kann er ihm nicht venlenken; aus dem ▼origen Oesprich aber hat er rersUnden, data Sachsen auch dann, wenn Brandenburg noch Bedenken habe, Ernst den chnrfQrstlicben Titel geben wolle und ihn] demzufolge dessen so- fortige Aufnahme in den Verein nicht zuwider sei. Auf diese Krkl&rung hin liat Mainz nicht nur mit dem Kaiser und mit Trier etwas daniu.<i communiciert, sondern ist auch im Werke, Emst zum Vollzog der Aufnahme zu berufen. Längerer Vertag wOrde grosse Gefahr bringen. Den rotenburger Tag betreffend, versteht er Sachsen dahin . dass dieses es durchaus bei dem Religionsfrieden lassen will. ~ Eine Erwiderung .Sachsens erwähnt Jas Protokoll nicht Nach dessen Angaben sind die hei Häberlin Neueste Teutacbe ReiclMgeschicbte Xlll, ^540 zu be- richtigen. Vgl. auch Joannis Scriptores rerum Moguntineosium J, 8dÖ und Broweruz An- nales Trevirenses II, 4'2ü.
15) Die ChurfQrstva von Sachsen und Brandenburg an den Kaiser, Cottbus 15/25 October 15»^, Wm. Sucoessionswesen 1, n. 9 Cople.
16) Haeberlin XIII, :UI.
17) 12. Januar 1.VM5 Wm. Succesa. I, n. 10 Or.
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fällig geworden. Es konnte daher dem Kaiser geboten erscheinen, seine Bemühungen zunäclist darauf zu richten, dass der Churfürst von Köln durch Brandenburg anerkannt werde. Wir wissen nicht, ob er dieses Ziel zu verfolgen foitfuhr und es erreichte. Wahrscheinlich erfolgte die Anerkennung Emsts erst im Jahre 1586 stillschweigend, indem seine Gesjmdten zum Beichsdeputat ionstage zugela.ssen wurden und eine Ver- wahrung Gebhards '*) unbeachtet blieb. Atif demselben Tage ti-at jedoch der Zwiespalt zwischen den Parteien im Iteich so schroff hervor und in den folgenden Jahren wuclw des.sen Schäi-fe so st?hr, dass der Versuch, die Wahl eines Erzherzoges zum römischen Könige zu bewirken, von vornherein als aussichtslos erscheinen musste. Nicht einmal einen Reichs- tag wagte der Kaiser zu berufen. '*)
Diese ausseren Umstünde können genügen, um seine Zurückhaltung in der Wahlfrage zu erklären. Auffallend bleibt indess, dass er die An- gelegenheit, welche er bis Ende Juli 1584 offenbar mit Neigung be- trieben hatte, ") so ))lötzlich fallen liess, ohne auch nur eine Bemerkung darüber zu machen , und d.'isa er nicht wenigstens die in Aussicht ge- stellten Schritte zur Ordnung der Nachfolge in Böhmen unternahm. Nichts als eine Vermuthung vermag ich zur Erklärung dieser That.sachen zu bieten.
Rudolf II. hatte die Bemühungen seiner Mutter um seine Verheirath- nng mit der Infantin Isabella eifrig unterstützt, bis am 20. Jimi 1582 Philipp II. einwilligte und verlangte, da.s.s er seiner Mutter und seinem Botschafter in Madrid , dem Freiherrn Johann von Khevenhüller Voll- macht zum Abschlüsse des Ehevertrages ertheile. Da wich er zurück.
Khevenhüller schrieb das vornehmlich cler Einwirkung d»« Oberst- kämmerers Wolfgang von Rum|)f zu. Dieser, sagt er, hal>e des Kaisers
18) Haeberlin XIV, 416 ff. GeLharJ spricht dort S. 422 nor von einigen CharfursteQ, die sich zur Aufnahme Emsts in den Churverein hatten bewe^^n lassen. Vgl. die Aufzeichnungen Jo- hann Caeimirs in den Quellen nnd Rrörteruogen zur Bajer. nnd Deutschen Geschichte VIII,
m 392.
19) Vgl. Briefe und Acten t. Owh. de« drei&eigj. Krieges IV, 1 ff. und 141 ff.
20) Das zeigen seine oben mitgetheUten eigenhändigen Empfehlungen und die SchnelUgkeit, womit seine Antwort auf das mainzer Schreiben der drei ChurfQrstcn erfolgte.
Abh. d Ilf . CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. ßd. I. Abth 2
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Noiffung zur Zurückgezogenheit und zur Beiichilftigung mit allerlei „Curiositäten" benutzt, um die Leitung der Geschäfte an sich allein zu ziehen und sich zum „Factotuni“ des Kaisers zu machen und er habe gefürchtet, seine Macht nach der lleirath Rudolfs, die anderen Einflüssen Raum schaffen musste, zu verlieren, ja, weil er derselben entgegenge- wirkt hatte, durch lsul>ella vom Hofe entfernt zu werden.
Wir bisiitzen über Rudolfs Persönlichkeit und Umgebung aus dieser Zeit zu wenig Kunde, um zu ent.scheiilen , ob die Anklage des freilich sonst ti’efflich unterrichteten Botschafters begründet sei. *') Im Wesen lies Kaisers lag überhaupt Abneigung gegen entscheidende Schritte und seiner ganzen Art mnsston der Zwang und die Unruhe widerwärtig sein, welche eine Ehe und namentlich die mit der Infantin unvermeidlich nacli sich zog. Anderseits wirkte auch ein j«litischer Gedanke, den er selbst gefasst oder sich doch Ijereitwillig ungeeignet hatten , auf ihn ein. Er war ganz von der mittelalterlichen Auttiwsung der Kaiserwünle durchdrungen, welche die Herrschaft ihres Inhabers über Italien voraus- setzte. Diese Herrschaft zu bewahren und herziistellen , erschien ihm zugleich als Pflicht gegen das Reich und die Nation, deren Haupt er war, und er trug um so mehr Verlangen, ihr zu genügen, weil er ehr- geizig und von starker Begehrlichkeit nach Erweiterung seiner Macht und seines Besitzes erfüllt war. Wie er sich daher weigerte, das Reichs- vicariat in Italien an Spanien zu übertragen und wie er der Festsetzung des.selben in den dortigen Reichslehen widerstrebte, so verlangte er, dass das Herzogthum ^Mailand als Mitgift Isabellens dem Reiche zurückgegeben werde. Dieser Forderung wollte jedoch Philipp II. nicht Gehör gel>eii. •'-)
Die Mahmmgen seiner Mutter und Khovenhüllers vermochten nicht Rudolfs Bedenken zu überwinden. F'ort und fort verschob er die Aus- stellung der Vollmacht zum Abschlüsse des Ehevertrags.
Darüber wurde Philipp II. allmählich ungeduldig und wandte sich dem Gedanken zu , seine Tochter anderweitig zu vermählen. Mit ihrer Hand konnte aber , du ihr einziger Bruder noch ein Kind und sehr kränklich war, dem Gatten das Erbrecht auf das spanische Reich zu
21) Dagegen sprechen KheTenhöllers eigene Bemerbungen Ännalcs Fcrd. V, 2221 fP.
22) Kftnke. Zur dentschen (iescbichU 182 f. Vgl. KheTeobiller IV, ond unUn.
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Theil werden, und vielleicht hegte auch Philipp schon damals den Plan, die Liehlingstochter mit den Niederlanden auszustatten.
Diese Aussichten erschreckten die Kaiserin - Mutter und Klioven- hüller. Sie glaubten, das.s es das Verderiwn <ler deutschen Habsburger nach sich ziehen werde, wenn der ganze spanische Besitz oder auch nur Burgund an einen dem Hause fremden Fürsten übergehe und so jenen ein Nebenbuhler erstehe. Die Sorge, da.ss die Ueichskrone den Oe.ster- reichern verloren gehen könne , kam hinzu. Schon bald nachdem Budolf H. die Vei-zögerung seiner Heirath begiuin, hatte Khevenhüller denselben ermahnt,, die Nachfolge in Deutschland seinem ältesten Bruder, dem Erzherzoge Ernst sicheni zu lassen. 1584 forderte er nun auf Befehl der Kaiserin Maria Ernst sellwt insgeheim auf, mit .seinen Üheimen Ferdinand und Karl in den Kaiser zu dringen, damit dieser entweder <lie spanische Heirath abschliesse oder vermittle, dass Ernst die Hand der Infantin sanimt den Niederlanden erhalte und zum römi.schen Könige erwiddt werde. ®*)
Die Erzherzoge entsprachen dem Vorschläge um so willfähriger, als Budolf aufs neue erkrankt wai'. Ihre Bitten , die Ernst dem Kaiser vortrug, veranlassten jedoch diesen, obwohl er sie freundlich auf- zunehmen schien, nur zu der V\»rsicherung , dass er selbst die Infantin Ijogehre.
Khevenhüller theilt uns nicht mit, in welchem Monate des Jahres 1 584 diese Verhandlung stattfand. Fiele sie in die Zeit nach der Ant- wort des Kaisers auf diis mainzer Schreiben, so könnten wir in ihr die Urs>»che des befremdlichen Schweigens über die Wahlfrage suchen. Die
Auf die«e Pläne dürfte der Jesuit Georg Seberer, der Hofprediger dea Erzherzogs Ernst aii- spielen, wenn er 15^5 in der Widmung seines: „Bericht, ob der Papst zu Rom der Antichrist ■ei", nachdem er die Frömmigkeit Kmets, der nie eine seiner Predigten rersäumt habe, ge- rühmt hat, meint, Gott müsse denselben zu grossen Dingen bestimmt haben.
24) Kur hierher kann die Bemerkung in dem Schreiben des Erzherzogs Maximilian vom '2'£. Hai IAU9 bei Harter V, 401^ bezogen werden. AUertlings wird dort gesagt, das Atibringen der drei Erzherzoge, welches ab bis dahin letztes bezeichnet wird, sei Tor sechzehn Jahren, also
geschehen, dieser Irrthum ist jedoch wohl unerheblich, da so lange Zeit verflossen und weder Maximilian nocli der Verfasser des Schreibens [sieh unten) bei der Verhandlung betheiligt gewesen war.
25) Khevenhiller I, 2>i2 und II. *147
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1593 erfolgende Ernennung des Erzherzogs Ernst zum Statthalter von Belgien erffdlte den Kaiser mit heftigem Unwillen und mit der Furcht, dass der Bruder ..ihm seine Braut, die Infantin (welche er Niemandem ver- gönnen, doch auch selbst nicht zu der Fixecution greifen wollte I weg- nehmen und ihm mit Hülfe des Königs aus Spanien nach der römischen Krone stehen wünle.“ In der Finvartung, dass er um dieses Argwohns willen die Berufung zu verhindern oder mindestens zu verzögern suchen werde, hatte Philipp II. mit Ernst ohne Rudolfs Vonvissen abgeschlossen.*®) Der F'reihen- Leonhard von Ilarrach soll den hervon-agenden Fiinfluss und die grosse Gunst, die er bei Rudolf besass, verloren haben, als er sich für die Wahl Firnsts zum römischen Könige bemühte. *’) Wie die V'erheirathung des Firzherzogs Albrocht mit Isalxdla und die Uel«>rtragiuig der niederländischen Regierung an denselben auf Rudolf einwirkten, werden wir unten verfolgen. Fis wäre daher nicht unwalii'scheinlich, dass die oi-ste Anregung einer derartigen Massregel den Kaiser sofort mit Sorge für seine Stcllimg oi-füllt und l>ewirkt hätte, dass er von nun an der Feststellung seiner Nachfolge entgegen war. Vier Jahre später wusste bereits der ihm fernstehende Pfalzgraf Johann Casimir, dass er „voll F'urcht sei, die Krone zu verlieren und sein Dichten und Trachten dahin gehe, sie zu behaupten“,'”) das heisst '\vohl , die Wahl eines römischen Königs zu verhüten.
II.
Zehn Jahre vergingen, ohne da-ss Rudolf Schritte that, um seinem Hause die Kronen, welche er trag, zu sichern. Im Reiche gestalteten sich die Verhältnisse immer bedrohlicher für das Haus Oesterreich und für den Katholicismus. Man fürchtete, dass die Protestanten den Kamj)f zur Vernichtung beider l)eginnen würden. ”) Gerüchte von allerhand
26) KUc»enhUIer IV, 1071.
27) Hammer Khleal II. Beilagen 8. '»3.
28) BemerkoDg des Pfalz^afen in seinen )5h8 [a. anUm] verfaavten Aafzeichnnn^n: Qaeilan und Erörterungen zur bajer. und deutaclten Geitchicbte VTII, 406.
29) S. die oben Anm. 19 angetogeneo Stellen.
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Umtrieben, welche bezweckten, das Kaisorthum den Hab*l>nrgern zu ent- ziehen. liefen um. 158‘J wurde ein Vortrag verbreitet, welchen ein (ie- sandter des Herzogs Karl von Lothringen dem Paj>ste gehalten haben sollte. Die habsburgis<-hen Kaiser seit Maximilian I. wurden darin unter heftigen Schmähungen angoklagt. fort und fort die Ketzereien begünstigt zu haben, und als das einzige Mittel zur Herstellung des Katholicismus in Deutschland wurde die Alwetzung des nachlässigen, scheingläubigen. sittenlosen und den Protestanten freundlichen Rudolf II. bezeichnet. Zum Führer bei diesem heiligen Unternehmen und zum Nachfolger auf dom Throne wurden der Herzog von Lothringen, dessen Sohn, die Herzoge vonMayenne, Aumale und Mercoeur oder ein bairischer Fürst empfohlen. Sixtus V. möge durch seine geheimen Nuntien die katholischen Reichs- stande veranlassen , ein Bündniss zur Vernichtung der Heuchler und Scheingläubigen zu schlieRsen. Dann möge er dem Kai.ser befehlen, die protestantischen DomheiTii in Strassburg mit den Waffen zu vertreiben, ihn, wenn er sich dessen weigere, bannen und die Neuwahl auordnen Nach dieser werde es ihm leicht sein, die weltlichen Churen ebenfalls an Katholiken zu übertragen. *®) Wie bei Protestanten so rief diesc-s
30) Der Vortrag iit gedmekt in einer ohne Zweifol zu Straasbnrg vcrSfientlichteii KIugRchrift: Schreiben Sizti V P.P. An Graff Johann von Bfandcivcheid etc. RischofTen tu Straaaburg etc. Belangendt die Reformation deas Biatnmb« md Hohen Stiffta daaelbtt. Sampt einer Oration oder Vortrag, ao desa dorcbleuchtigen FQraten, Herfzog Carlen von Lothringen etc. abgesandter einer fbr gedachter Bipatlicher Heylig. gethan, dieaelbigo zur repurgation nit allein deoa StraaaborgiacheD Biatnrobe, sondern auch deaa gantzen H Römiachen Reichs anzntreiben, mit angehefflena Rahtachlag, wie aolchea Ina werk fOglieh mbclite gerichtet werden. Allen Hohen rnd nidrigen Standen Teutacher Nation zu nothwendigem bericht rnd trewhertaiger war* nnng in bevden Sprachen, Lateiniachrr vnd Teuf scher, an Tag gegeben. 1592. Einen Anszog nach einer Handschrift gibt Droyaen Geschichte der preniaiachen Politik !I, II, 504. Dieaer scheint das Sebriftathek trotz der von ihm angezogenen .Ableugnung Lothriogena fllr echt za halten. Ich trage kein Bedenken, mich der von Droyaen mügetheilten Anaicbt des Chf. Johann Georg von Brandenbnrg anzoachlieaaen , dass ra ein „eitel Gedieht" aei. In der Einleitung jener Flngacbrift selbst gibt aieh deotlich di» Erwartung knnd, daaa man der Veröffentlichnng keinen Glauben schenken werde. Verdacht moaa es erregen, wenn der Gesandte eines weltlichen Füraten von der „autoritaa" spricht, „qnae pridexn V*. tributa eat in omnes orbia impera- torea ac principea, quantumlibct invitia eoram adulatoribua aulieia'*; wenn von den geheimen Nuntien die Rede ist nnd wenn es am Schlüsse beisat: „Qua ratione S*"* D. Pater, S*** V.eam auri Tim, quam inaximis acertis tanta cura tantaque diligentia colligit et recondit, utiliua ezponat?** Noch schwerere Bedenken mQaavn die Schmähungen gegen die Habsburger erwecken : der mit den Spaniern verbündete Herzog von Lothringen konnte gewiss nicht wagen, so ver*
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SchriftKtrtck auch au« kaiserlichen Hofe , wo man die Unwissenheit und Urtheilslosigkeit der deutschen Fürsten jener Zeit in jwlitischen Dingen theilte , lebhafte Unruhe hervor. Dass Baiern nach der Kaiserkrone trachte, hielt man in Frag für gewiss.*') Evangelische Füisten hatten schon im Anfänge der achzigcr Jahre darüber borathen, wie die Nach- folge eines Erzherzoges zu hindern sei, da ihnen das entschiedene Ein- treten lUidülfs für die Kestam*ation die Ueberzeugung gal), dass der deutsche Zweig der Habsburger gegen den Protestantismus gleiche Pläne wie der spanische hege. Jetzt bezeichnete Johann Ca.simii’ es al.s nothwendig, dass man, um Fi'eiheit der Wahl zu erhalten, das Interregnum herbeiführen und dann einen Protestiinten auf den Thron erheben müsse; er nahm , wie es scheint , schon den König Heinrich von Navarra ffir denselben in Auasicht; ja er beschäftigte sich sogar mit dem Gedanken,
icbtUch un<] gehäMig von dfo Kai^em zu reden. Vor aDeni aber iat nicht anzunehiuen, dass Herzog Karl IM über die Verhittnisae in Dentschland and die furchterfüllte Stimmong der dortigen Katboiiken »o völlig in UnbenntniR gewesen fein sollte, um die oben enräbnteD, ge> rsulexQ wabDsinnigen UinstanvorschUgo zu machen Wie hätte er gar MayeDne, Aumale und Mercoeor zu Kaisern einpfehtea können? Auch konnte er sicher nicht glanben, dass 8ixlus auf seine Pläne eingehen werde, da deren Aosführang ihn mit Spanien entzweien and einen Krieg der Habsburger gegen die zu Lothringen haltenden Katholiken entzünden mu»te, ja ein Bünd- nis jener mit den in ihrem Besitze bedrohten evangelischen Cliurfürsteo und deren Anhängern herbeifUbren konnte, während der Papst alle Kräfte der katholischen Welt zu einigen wünschte, am Heinrich von Navarra die französische Krone vorzuentbalten. Endlich aber waren die Ge- danken und die Tbätigkeit Karls, d<w sich um das Reich überhaupt wenig kümmerte, damals ganz und |^r darauf gerichtet, die Herrschaft ln Frankreich zu erringen, und er rechnete hier- für noch fest auf die Unterstützung Spaniens. Vgl. auch Briefe u. A. IV, 21 iT Karls Plan i. J. 1590 ein katholisch-prutestaatisches Bünduia unter Zuziebung des Kaisers und der Erz- herzoge zu scbliesseu. Der fragliche Vortrag entspricht ganz und gar jenen zahlreichen prote- stantischen Flugscbrifton, wodurch um diese Zeit In Deutschland die „bluUürstigen Praktiken*' der hl- Liga „enthüllt** wurden; vgl a. a. 0. 14^1 Aiim. 8. Was übrigens den „Otto Henricos Brunsvicensis princeps catbolicus“ betrifft, den Drojsen nicht unterzubringen weisa. so ist der- selbe ohne Zweifel der älteste Sohn des Herzogs Otto II. von Braunscbweig-Harbnrg. der Reiter- oberst unter Alezander Farnese war und am 15. October 1591 zu Brüssel starb; s. Cohn Stammtafeln N. 87. Ihn und nicht, wie Häusser Quellen und Erürternngen z. B. and D. G. VIII, 411 will, den Pfalzgrafen Ottheinrich von Salzbach meint ohne Zweifel auch Johann Casimir, wenn er a a. 0. 379 sagt: „H [d. h. Herzog] Ottobeinrich Mameluck wirbt'*
31) S. Briefe und Acten IV, 221, 2U9 nnd 467.
32) Memoircs ct correspondanco de Duplessis. Momny II, 2^. Zu der dortigen Bemerkung über Chf. Wülfgang von Mainz: „qui aemble incliuer ä ce parti'* [der Protestanten] vgl. Briefe und Acten IV, 14 und die anderen dort im Register s. v. bezeiehneten Stellcir.
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da!>8 man, wenn die „Freistellung” nicht bewilligt weitle. „einen anderen Kaiser machen müsse , der uns gibt , w'as recht und billig ist. und der die Justitia den Annen wie den Reichen ergehen lässt.“'*^) Gewiss blieb diese Gesinnung der evangelischen Bewegunspartei dem kaiserlichen Hofe nicht verborgen. *■*) Besorgnis vor deren Anschlägen Iwstiinmte den ghuibenseifrigen Heraog Wilhelm von Baiem, obgleich er die Kaiser- würde in der That gern seinem eigenen Hause erworben hätte, den
Kaiser zur Ordnung der Nachfolge und zur Kntscheidiing wegen der spanischen Heirath zu drängen imd dann, als dies erfolglos blieb, eine Verständigung mit den anderen katholischen Reichsfürsten darüber zu suchen , wie dem InteiTegnum vorzubeugen sei. **) Auch die Päjiste
L. Häusaer Tagebuch <lea Pfalzgrafen Johann Casimir, in Quellen und Kr5rterungen zur Bayerischen und Deutschen Geschichte VIII, 3H0, 3><8 f. Die Schrift ist übrigens ohne Zweifel nicht ein Tagebuch, sondern ein um die Mitte des Jahres zu einem bestimmten Zwecke, wahrscheinlich zu einer Berathung mit Sacliaen, Brandenburg und Hessen rerfaaiter QedenhxHtel. Zu wünschen wäre eine Vergleichung des Druckes mit der Handschrift, denn jener ist nicht ohne schwere Verstösse. Wenn es z. B. S. 379 heisst: „Das gevefal, so die or- denahern rom gülden flQss die grossen Thier erstehen*', so heisst es in der Handschrift wohl: Das gemehl [Gctnalde], do ü. s. w. Gemeint ist die Briefe und Acten IV, 150 erwähnte Ver- öffentlichung der prager Jesuiten, auf welche die Schrift S. 391 nochmals zurUckkommt.
34) Am *30. Januar 1503 BchrtL-b der bairische Rath Ulrich Speer aus Rom an Hz Wilhelm: „wollen ir etliche darfhr balieo, es wurde noch lang kein reichstag werden, dann sich besorge der kaiser, die protestiercoden, weil» Jett sonderlich mit Siraasburg so selzam stehe, dorften den Ton Navarra zu eim lömischen KOnig haben wollen.** Ma. 311(19, «18 etgh. Or.
85) Vgl. nnten.
•36) In einem Briefe vom 30. Juni 1591 an Herzog Wilhelm von Baiem über eine auf dessen Ver- anlassung mit dem Bischof Julius von Würzburg gehaltene Boeprecbuag sagt Chf. Ernst von K61n : ..Also liaben wir auch ainer konftigen wal aines römischen kOniga halb mitS. L, [WQrz- borg] umbstendlich conveisiert; befanden, das dieselbe eben in den sorgen als E. L. und wir Stehen und derowegen nötig halten, das durch £. L. und des erzhertog Ferdinands LL., auch andere negste bluctsverwandte nochinaln merers mit zuegemuetfQhrung der wichtigen motiren eheist an die ksl. Mt gesetzt werde, das sie sich nit allain die wal aines römischen königs allergnedigst gefallen lassen, sonder auch des spanischen beurats halb aigcntlich erclern vrolten, das auch dem konigschen ambasator am kaiseriicben hof dergleichen in I. ksl. Mt zetrQogen, aoraizung geben und gleichfalls I. Mt gehaimer rat und oberster cainerer, der Rumpf, weil der vor andern bei I. Mt. alnca worts mechtig, bewegt und ime die gefar wol eingebildet weilen solle, solches auch bei I. Mt. besser befördern zehelfen. Welch I. L. gnetaebten wir uns dan unsers tails auch ganz Wohlgefallen lassen. Und haben 1. li. dabei vermeldet, da sieh mit der ksl. Mt. vor ainer wal aincs römischen königs ain fal zutragen solle, das sie vor allen unser haus ires eossersten vermugetia zu befürdem geneigt.** Md. I. Religionswesen n. 3. Or. Wann die hier erwähnte frühere Anmahnung Wilhelms erfolgt war un<l ob jetzt eine neue ge-
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Sixtus V. imil ClemcnB VHI. bemühton sich bei Rudolf um die Wald eines römischen Königs. Vor allem aber emeuerten die Kaiserin- Mutter und Khevenhüller unablässig und mit wachsendem Nachdrucke ihre früheren Vorstellungen und der Botschafter reiste sogar von Madrid nach Prag und weilte dort vom Februar bis zum Deceiid)er 1592, um Rudolf zur Ent.scheidung in der einen oder der anderen Richtung zu drängen. **) Weder diese Mahnungen noch die Gerüchte von Anschlägen zum Nachtheile seines Hauses noch die Ijedroldiche Entwicklung der Verhältnisse im Reich vermochten jedoch den Widerwillen des Kaiser gegen die Ehe und seine Furcht, das-s der Nachfolger, den er ernennen lasse, ihn der Regierungsgewalt berauben wei-de, zu ül»erwinden. *®)
scbal), weiss ich nicht. Dass Wilhelm ein ifi-meinssmes Vor^ben der katholischen Fürsten wünschte, glaobe ich,daraas schliessen zu dürfen, dass er ein solches auch in anderen Punkten, die er damals durch Kola mit Würzburg erörtern liest, anstrebte.
37) Sixtus V. an Rudolf 1.3. Sept. 158!) Archiv für Österreichische Geschichte XV, 313. Hz. Wil- helm von Baiern schrieb am 11. Dec. 1593 an den Rrzbiachof von Salzburg: Der Canlinal Madruz, der im Aufträge Clemens VIII beim Kaiser gewesen ist, [s. Briefe und Acten IV, 167 Anm. 4] hat mit demselben auch „von eim römische köuig tractirt, ob ncinlich nit ein notturft sein wolle, desselben wähl zeitlich und zwar auf vorstehendem reiehsUg zu bandeln. Darauf 1. Mt. geautwort, sie wöii der sacheu alles viciss nachgedeoken und dabei thuen, was die gebür nnd gemeinen vatterlands nur und ^olsUnd erfordern möge.“ Ma. 375/8, 1 Cpt. von Speer. Schon 1585 hob der Prager Nuntius Malaspina die bei einem Interregnum dem Katho* licismus drohende Gefahr in einem Berichte an Sixtus herror. Tempesti Storia delU vita e geste di Sisto V, 1, 115. Wir dürfen daher wohl annehmen, dass ausser den uni bekannten noch andere Schritte der Päpste zur Verhütung des Interregnums geschftbeD.
Khevenhiller II, 402 ff. III, 768 ff. 037, 939 f. 1051 ff. Vielleicbt beschäftigten sich auch die geistlichen Churfürsten bei dem „arcanitsimnm contilium“, welches sie nach Pieler Caspar von Fürstenberg 105, am 20. bis 36. August 15^ im Beisein des Kölner Nuntius Bonomo tu Coblenz hielten, mit der Wahlfrage.
39) In dem Briefe und Acten IV, 40'^ mitgethenten Berichte des spanischen Botschafters Clo mente heisst es: ,,Trevcres tourna k lujr [dem Kaist'r] dir« co qu'il luy avait desia escrit Paun^ passöc, que aiant tra tteo cet affaire de la pari de l'Kmpereur avec Pelcctenr de Bran- debourg ledit de Urandebourg Inj promit, qu'il donucroit sa voix k qui rBmpercur vondroit.“ Gegen diese Nachricht erweckt Bedenken, dass eine persönliche Besprechung des CburfÜrsten von Trier mit ßrandimburg — uod von einer solchen scheint ja hier die Rede zu sein, — weder in den Acten noch in den Zeitungen erwähnt wird und dass der Kaiser weder Madruz gegen- über (s. oben Anm. 37] noch In dem Schreiben bei Hurter V, 410 auf Schritte hiuwies, die er 1593 getban hätte. Vor allem ist eine Beauftragung Triers durch den Kaiser unwahr- scheinlich, weil dieser 1593 frischen Cowillen und lebhaftes Mistrnnen gegen Krzberzog Ernst hegte, welcher doch der nächste Caudidat für die Wahl war, und ist cs ebenso unwahrscheinlich, «lass Brandenburg damab seine Stimme unbedingt zur Verfügung gestellt hätte, weil ihm, ab-
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Je mehr nun ilio Aussicht auf Rudolfs Verlieiratliung .schwand und je weiter er ini Alter voi-scliritt, desto lebhafter wurde der Wunsch der Mitglietler und Freunde seines Hauses nach Feststellimg der Nachfolge. Als Rudolf, die geistlichen Churfürsten und der Adiiiinistrutor von (Jhur- sachseu, Herzog Friedrich Willielm von Altenbuivg iiu Jahre 1594 dem Reichstage zu Regousbui-g persönlich anwolmten, wies Philipj) 11. von Spanien seinen Botschafter Don Guillen de San demente, der den Kaiser begleitet hatte , an , die Wahl eines röinisidieu Königs zu betreiben. Verniuthlich hatte er dabei den Hiutorgedankeu , dass Erzherzog Ernst nach seiner Ernennung Isabella heirathen solle.
demente kam dem Befehle mit Eifer nach, denn er theilte die am kaiserlichen Hofe herrschende Meinung , dass Baiern und Heinrich 1V\ von Frankreich nach der Krone trachteten , und ilass die der prote- stantischen Ih'wegungspartei angehörenden Reichsstände theils jede Wahl zu verhindern, theils sie auf ein anderes Haus als di*s österreichische zu lenken gedächten. Bereitwillig unterstützten ihn, von gleichen .Sorgen bewogt , der Legat des Pajwtes , Cardinal Madruz und der pniger Nuntius SjMJciano. Ihren Bemühiuigen kamen die Wünsche der geist- lichen Churfüi-sten entgegen. Auch der Administrator von Sachsen, der dem Kaiser sehr ergeben war und den Frieden im Reiche zu sichern
gPMhcn TOD anderen Ursachen, die eine soiche Gcrüj((igkeit hiiidcni lunastca, die Wahl deit Statthalters Ton Belgien wegen der j&lieher Sache nicht willkommen »ein konnte. Man konnte nar etwa annebmen, dass Radolf wie später seinem Bnider Matthias den Erxbenog Leopold so damals dem Krskerzog Emst einen anderen Enhersog habe cotgegenstellen wollen, und dass Brandenborg sich bereit gezeigt habe, das in nntersttiUen. um Ernst aaszuschUessen oder jede Wahl zu hindern. Auch das ist jedoch sehr unwahixclteinlieh. Vielleicht liegt ein Misrer* stiLiidnis Clementes vor oder ein anderes Versehen. Der Brief war spanisch und in Chiffren (rgl. a. a. 0, 471 Z. 7 ron unten] geschrieben. Er wunle tou Gegnern .Spaniens aufgefangi n, entziffert und in franzOeischi r Uebersetzung rerbreitet. [Vgl. a. a. 0, 46« Aiim. 2]. Es wäre möglich, dass zwiKhen „que^ und „aiant traittee** eine Chiffre stand, welche man nicht zu deutet! wusste, und dass diese in der Cebersetzung oder in der schlechten uns erhaltenen Ab* Schrift weghlieb. Am nächsten liegt die Vermutliung, dass der sehr eifrige [vgl. a. a, 0. Anm. 6] CliurfQrst Johann von Trier den Kaiser aus eigenem Antriebe zur Ordnung der Nachfolge mahnte und die Aussichten eines Versuches erörterad auf die 15»4 zu Cottbus er* theilte gOnitige Erklaiung Brandenburgs bezüglich der Wahl [i. oben S. 8] hinwies, so dass zu lesen wäre, „que Telecteor Auguste de tiaxe aiant traite.“
40) Vgl. di« dies!:m vom Tapste dazu ertheilten Aufträge bei H. Laemiuer Meletematum Roma* norum inantissa :(45 Aum. 2.
Alh d lII.CI.d.k.Ak,d.Wi8R.XV.Bd.l Abih.
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wünschte, zeigte sieh duiTliaus willfährig und erhot sich, pei-sönlicli auf Brandenlmrg einzuwirken und sell»st , wenn dieses sich nicht gewinnen liisßo, seine Stiinnio mit denen der geistlichen Churfürsten zu vereinen. „Seit die 'Welt steht’S Iwrichtete demente nach Madrid, „ist es nie so leicht gewesen, die Wahl zu iHJwirken, wie jetzt; es steht in der Hand des Kaisei-s. morgen zum Könige zu machen, vven er nur will.'-
liudolf erkannte die Berechtigung der Mahnungtm. die ihm vorge- tragen wurden, vollkommen an und gab die besten Zusagen. Aber er „hielt sich stets eine Hinterthüre offen“, wozu ihm die Churfürsten selbst die Hand boten, indem sie wieder den Wunsch äiLsserten , da.ss er den zu Wählenden auch in einem seiner Hausländer zum Nachfolger er- nennen las.sen möge, damit dei-selbe die .Mittel zur Führung der Heichs- würde erhalte. Seine ])olitische Einsicht überwog der Argwohn, da.ss seine eigene Stellung durch den Nachhdger gefährdet sein werde, ^') und daneben beeinflusste ihn, da die Am-egung der Wahl von demente aits- ging, die Abneigung, welche er gtigen Spanien trug. Diese mochte her- vorgerufen sein duix-h die Ueljergi-ifte Phili]tjis 11. in Italien, diu-ch de.s.sen Wcigei-ung , Mailand als Mitgift Isabellens zurückzugoben , duixdi das Dningen zum Abschlüsse der 8])anischen Heirath und dureh die Be- schwerden und Unruhen , zu welchen das Vordringen der Spanier am Rhein im Reiche Aidas,s gab. Neue Nahrung hatte sie durch die Be- rufung des Krzheraogs Enfst nach Belgien empfangen. Jetzt machte sie sich um so stärker geltend , weil König Philipp eben wieder in Italien Reichslehon mit Reiseitesetzung der Befugnisse des Kaisers und des Reiches einzuverleiben trachtete. So vertagte denn Rudolf schliesslich seine Entscheidung bis zu einem Besuche, welchen ihm der Chui-fürst von Köln binnen kni-zeni in Prag abzustatten beabsichtigte. ■**)
41) Briefe nii«! Acten 1V> 47U. Der vcnetlaniifeche GesfintUe Tomaso ContArino Hchlo^ einen Be- richt über die Verhandlungen wegen der Nachfolge votn 1h. Augo.st 15m» welcher ihn besser als lionst unterrichtet seigt, mit der Bemerkung: ..conoKeodosai manifeataiiiente, ehe S.
nun vuole in alcun modo, che si parli ne at tratti di queata materia, come ijuella rlu* 11 pare piena di sospetto et di pericoto rispetto alla sua auttorita et alla sua grandexza.*' D. V. toU 24, Or.
42) Briefe und Acten IV’, 4ü7 und 461i ff. Herxug Maximilian von Baiem meldete meinem Vater schon am 1??. Juni, s. Aretin Maximilian 1. -Vt.’, die geistlichen ChurfQrsten wollten beim
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Cliurfttrst l''rnst wünschte, dass nun wenigstens unter seinen Amts- genossen eine Vereinbaning wegen cler Wahl get rollen wenlen möge. Auch dies unterblieb jedoch, weil er erkrankte und Pfalz und Branden- burg nur durch Gesandte verti-eten waren. "**) Gleichwohl erneuerte er seine Bemühungen, als er im November am kaiserlichen Hofe erschien.
Er war ein warmer Anhänger des habsburgischen Hauses und voll Eifer für das Wold des Beiches und die Interessen der katholischen Kirche. Uelrerdiess hatte er mit Eiv.herzog Ernst, als dieser nach Brüssel reiste, Freundschaft geschlossen.'**) Desshalb Hess er es ohne Zweifel l»ei seinen Vorstellungen nicht an Nachtlruck fehlen und da er des Kaisers Ver- trauen und Neigung in seltenem Masse gewonnen hatte, gelang es ihm, sich den Auftrag zu Verhandlungen mit den übrigen Churfüi-sten zu er- wirken. Er reiste darauf sofort **) zu Sachs(m und Brandenburg und iHSiuchte dann im Anfänge des Jahres 1595 seine rheinischen Aintsge- nossen , um ihre Mitwirkung zu sichern. Nur der Churfürst von der Pfalz verweigerte diese, ■*’) alle anderen zeigten sich geneigt, ^*) wenn auch Brandenburg eine ausdrückliche und bindende Ex’klärung ver- schob. ■*‘-*)
Als jedoch Ernst nun den Kaiser zu weiterem Vorgehen aufforderte**), zeigte sich, dass Clemente sich nicht getäuscht hatte, wenn er aus den
Kai««r amnabnen; aus dem in der vorigen Anmerkanj; erwähnten Briefe Contarinns jedoch hervor, daBa c« erst ge^en Ende de« Keiebstags gcifchah.
4^1) Bescheid des Chf. ton Köln für Casal v. 28, Januar 1601 Brs. Secret d' Allem. N. ilO.^OCop.
44) Johann Manhart an Herzog Wilhelm von Baiern, Prag 15. November 1504. Md. I, Zei- tungen I, Or.
45i S. Briefe und Acten IV, 827 Anm. 2 nnd Lämmer MantisiiA 34o Anm. 2.
4#») Am 26. November, Harter. I, 227.
47) Bescheid des Chf. von Köln für Casal v. 28. Januar 1601, Brs. SeertSt. d'Altem. N, 116, v*!)
Copte und Bericht Ca&als darüber an Enhg. Ferdinand, Wi. Succeasion. Matthias. Copie. Dass
Ernst nach Heidelberg kam. erhellt aus einem Briefe des Chf. von Mainz an Hz. Wilhelm von Baiem vom 12, April l-*»95 Ma. 64/16, HO Or.
4^) Beacheid des Chf. von Köln für Casal. Vgl. Harter V, 411, wo der Kaiser freilich nur von einem Aufträge an Sachsen und Brandenburg spricht.
40) Dies erhellt aus den gleich anzuführenden Briefen.
•i0) Durch den Freiherrn Johann von GroUbeeck hatte er über seine Verrichtung bei Sachsen und
Brandenburg dem Kaiser sogleich Bericht erstattet. Am 2. Januar 1505 reiste G. von Prag
wieder ab. Manhart an Hz. Wilhelm von Baiern, Prag 3. Januar 1595. Ma. 5<) 7, 50 Or.
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Vorhaiullungen zu Regensburg das Ergebnias zog, dass Rudolf niemals die Hand zur Feststellung der Xachfolge bieten werde. ’’) Nachdem die iminittelbare Einwirkung des Churfürsten Ernst aufgehört hatte, gewann Rudolfs frühere Stimmung wieder die Oberhand. Er erklärte jenem, (lass man die Sache nicht übereilen dürfe.
Dies lx>t dann dem Churfürsten von Brandenburg einen willkommenen Vorwand, um die Wahl zu hintertreilxjn , die er wohl überhaupt nicht auf einen Erzherzog und namentlich nicht auf den Statthalter Belgiens fallen zu sehen wünschte, da Rudolf in dem magdeburger Sessionsstreite zu Regensburg und in der atr:us.sburger Bistlumisfehde seinem Hause ent- gegengetreten war und man Spanien und dem Kaiser die Aljsicht, sich der jülicher Lande zu iKunuchtigen, zuschrieb. .lohann Georg hielt dem Churfüi'sten von Mainz vor, dass, wie ein Capitel seinem Bischöfe nur mit dessen Zustimmung einen Coadjutor setzen könne, auch die Chur- füi'sten einen römischen König nicht envahlcn dürften, wenn der Kaiser nicht darum anhaltu. Zugleich äusserte er den AVnnsch , zu erfahren, wen man zu erheben beabsichtige.
Der ängstliche und wenig eifrige Wolfgang erklärte hierauf gleich- falls , dass man die Anregung des Kaisers abwarten müsse , und rieth Köln nur , diese zu veranlassen. **) Ernst schriel) nach Frag. Rudolf erwiderte jedoch noch ungünstiger als zuvor, dass er sich einstweilen des Türkenkriegs wegen mit der Wahlsache nicht befas.sen könne, den Churfüi'sten aber, sobald es möglich sei, zu mündlicher Besprechung be- rufen werde. Die gleiche Antwort scheint er einem Gesandten ertheilt zu haben, welchen .lohann Georg — vemuithlich nm den für die Krone in Aussicht Genommenen zu erkunden — nach Prag abordnete, worauf dieser Mainz gegenüber weiteres .Inhalten für imzulässig erklärte. Cliur- fürst Ernst selbst fand , dass ihm des Kaisers Bescheid die Möglichkeit zu weiteren Schritten benehme, und der Mainzer wusste keinen anderen Rath, als dass man neuer Gelegenheit harren solle. **)
51) Briefe aml Acten IV, 470.
r»2) Brftndenburf; an Köln, Kdstr'm 3. JqU nod Köln an Maint 2’>. JuU 1*>95. Wm. Successions- wesen I» n. 21 (^pie und 11 Or*
^:>) Mainz an K{>tn [nicht an Sp«ier, wie Harter VI, 42<> an^ibt] Aachaffenbarg 26. Auguat 159.'», a. a. 0. n. 13 Cpt.
•54) Köln an Mainz, Ldttich 12. Januar und 22. Febroar, Mainz an Köln, AsehafTenbarg 20. Fe-
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III.
Inzwisolien -war Erzherzog Ernst, aufgeriehen durch die Sorgen der belgischen Statthaltei'schaft , am 20. Februar 1595 gestorben. An seine Stelle ernannte Philipp II. nicht den nilchstältesten Bruder, Matthias, welchem er abgeneigt war , weil dersellje sich einst mit den sich em- pörenden Niederländern eingelassen hatte, sondern den jüngsten, Albrecht, welcher bis dahin in Spanien gelebt hatte. Von vornherein hegte er dabei wohl für diesen wie früher für Firzherzog Emst den Plan , ihn, wenn sich Itudolf nicht endlich zur Heirath entschliessc, mit Isabella zu vermählen, **) und ihm zur römischen Krone zu verhelfen.
Gewiss war auf letztem die Absicht Albrechts gerichtet , wenn er eich schon im Jahre 1596 bemühte, dem Administrator von Sachsen ein ihm früher angebotenes spanisches Jahrgehalt zu verschaffen, und wenn er den Churfürston von Köln, .,auf den allein das Haus fast seine ganze Hoffnung bezüglich der Wald setzte“, wiederholt angiug, den Kaiser zur Ordnung der Nachfolge zu drängen. ^®) Wir wissen nicht, ob
brvar aod an Brand«Dbur^ 13. April, Brandenbarg an Maioi, Köln a. <1. Spree 38. Uarz lo96. Ä. a. 0. D. IC u. 18 Orr. 17 und 20 Cpte, 14 Ür. Vgl. Harter VI. 425 dessen Angaben bis aof die Daten herab anrichtig sind.
55) Khcvcnhiller IV, 1470. Vgl. Reidanas Annalei Belgamm 292.
56) Kberenhiller IV, 14TB.
57) Ritter Union 1. 246 l&ast Spanien schon 15m fQr Albrecht, den Statthalter der Niederlande, wirken. Er Übersieht, dass damals noch Ernst lebte.
58) Hinacci an Speer. Taseulani 14. Oetober 1505 Ma 102/4. 120 Cri.
59) Albrecht an den Chf. eon Köln, Brüssel 17. Deoember 1506; Wir hören, daas E.L. demnächst eine Reise ins Reich hinaaf and eieUoiclit gar nach Prag machen wird. Schon früher haben wir E. L. durch Ihren Qelieimrath Dille „unsere Intention and msioang über das »accessioDS'- werk und wie weit, auch mit was praeteit, condition and gelegenhait and fneg wir solches durch K. L. bei I. ksl. Mt. gerne angebmeht und befördert sahen*, mittheilen lassen. Deshalb bitten wir jetst nur, daas E. L. sich diese Sache und das auf dem leisten Reichstage einstimmig be* achlossene PaciBcationswork [mit Holland] eifrig angelegen sein lasse. Wegen des letzUrco haben wir dem Kaiser lingst geschrieben and ihn durch Clemente drängen lassen. E. L. wer* den auch wissen, dass zu Ijebzeiten unseres Bruders Emst dem Administrator Ton Churaaebten „als ainem unserm löblichen bauss sonderbar zugethanen und woblgenaigten försten* auf lie* fehl König Philipps „in aller gehaimb und vertrauen eine jährliche pension, bonorarium oder dankbare erkanntnuss, wie man es nennen möchte, nitro angebotten* worden ist [Vgl. Briefe und Aetcn IV, 471]. Die Sache ist aber dann bis zu unserer Ankunft in diesen Landen ver* schoben. Wir verhandeln jetst mit Clemente, um aie zum Abschlüsse za bringen. Träfe nan E. L. auf der Reise mit dem Administrator zusammen und könnte Sie füglich von der „erkannt*
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i's zu Abmachungen mit Sai'hsen kam. Churtui'st Krnst, der auel» mit Albrecht persönliche Freimdschaft geschlossen hatte, ents])rach dessen Ansinnen. Auf alle seine Mahnungen emjifing er jislnch nur ausweichende Antworten. *')
Wegen der Ilcirath suclite Philip]) II. eine entscheidende Antwort Uudolfs herbeizuführen, indem er mit demselben im Deceniber 15!)6 und im folgenden Frühling durch den Admiral von Aragon, Francisco de Mendoza, mündlich verhandeln Hess. *-) Der Kaisi'r gab aber auch jetzt nur hinhaltenden Bescheid. Da erkläi'te ihm Philij)]> , dass er seine Tochter mit Albreeht vermählen werde, wenn Iludolf nicht seineraeits binnen sechs Monaten zur Heirath schreite, und als die gesetzte Frist veratrichcn war, kündigte er ihm an, dass er nun den bezeichncten Schritt vollziehen werde. Aufs neue suchte der Kaistu’ Aufstdmb zu er- langen. Philij)}) II. Hess sich indes nicht mehr täuschen und hinhulten, da er selbst in hohem .\lter stand und seine Tochter beraits das zwei- unddi'ei.s.sigste .Jahr erreicht hatte. Am (>. Mai lö98 wurtlo der Vertrag abgeschlossen , durch welchen er dem Erzherzoge Albreeht die Hand Isabcllas gewährte und beiden die Herrschaft der Niederlande übertrug.
Hudolf war schon durch die erste Nachricht von der Absicht des Königs mit heftigem Zorne erfüllt woiilen. *■*) Als tlann sein Bnuler zur Hochzeit nach .''j>anien reiste und ihm unterwegs einen Besuch ab-
reden, no bitten wir «nlle guete officift tae tbuen, Jumit er also in guetter dcTotion an* sers löblichen hanses and in denen temiinis, wie er birabero ganz rüemblirben tmd löblicben scheinen laBs«tt, erhalten wenle.* Bra. äeeretairerie d'Allemague, M. ’iiMb Cpt.
60) Briefe und Acten IV, ^27 Anni.
61) Bescheid de« Cbf. von K>~*)n für CasaI 28. Januar 1601 Urs. Secrct. d'Allem. N. 116, mO Copio.
02) Thnaous 721 (f. Vgl. Mich. Ejrzinger. Bclatio historicA l<V.i7 I, UM and 11, 2-1 and Seb.
Brenner Continoator temporis quinqucnoalis .108 und 370.
68) K heTcnhiller IV, l.ViJ, 1S47», f. V, B)ö2 fT. Alle die bisber angeführten Nachrichten des in dieser Sache bestunterrichtetun Kbi-venbillcr sind wie von aufllandischen Schriftstellern so noch jüngst von H. Sebmolke: PhUippe II. Alwebied von den Niederlanden, vdllig unbeachtet ge* lassen. Sebmolke sagt S. 4: «Kaiser Rudolf, Erzheizog Emst und der Herzog vonGaise hatten nach einander auf Isabellas Hand sieb Hoffnung gemacht: aber, sagt Grotios, der Vater behielt sie bei sieb, um desto mehre dareb diellüffnuog auf ein solches Ehebündnii anzulockeii* q. s w.
64) Ara l.\ Sept. 15ü7 schrieb Ulrich Speer an Hz. Maximilian von Uaiern aus Prag: er wolle mündlich berichten, «was man albie de matiimonio Oaesaris et quam hoc sit incertum, item de matrimooio arcbiducis Alberti cardinalia et quam id certam sit cum offensa summa Caesaris, disemrirt." Me Act n. 610, II, 84 eigh. Or.
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stattoii wollte, leimte er denselben unter leeren Vorwiiiulen ab'’*) und als jener gieh dennoch einstellte, empfing er „schlechten Bescheid'“, so dass er schon nach drei Tagen weiter zog. *’’®)
Sechzehn Jahre lang hatte sich Hudolf mit dem Gedanken an die spanische Heirath beschäftigt. Weimgleich er sich nie zu derselben ent- schlicssen koraite, hatte er doch auch nie verzichten wollen und im Zwiespalt eines unentschiedenen Geinflthes hatte er vielleicht ebensoviel Neigung wie Widerwillen für die Verbindung gehegt. Ks mochte ihm daher schmerzlich sein, dass ihm die Infantin nun ondgftltig verloren war. Seinen stolzen und eigenwilligen Sinn verletzte es ferner tief, dass l’hilij)]) und Albrecht ihre Abi’ede getroffen hatten, ohne seine endgültige Krklänmg zu erwarten und ohne ihn als Hau])t des österi-eichischen Hauses vorher um seine Zustimmung anzugehen. Er konnte sich vor ganz Europa beschimpft fühlen, da Jedermann wusste, dass er die Prin- cessin begehrt hatte und nicht von ihm die Verhandlungen abgeln-ochen worden waren. Noch schwerer empfand er es, das,s ihm die Gelegenheit entgangen war, die Niederlande oder Mailand dem Ueicho wieder zu ver- einigen. Er ermass, wie sehr seine Macht dadurch vergrössert worden wäre und wie viel Ansehen und Ruhm es ilim erworben haben würde, wenn er sich so mit der That als ,.Mehrer des Reiches" erwiesen hätte. Dazu kam die Aussicht, dass der gesanimto Besitz Philij)ps II. auf die Infantin übergehen könne. Er meinte, dann werde die ganze Welt ihn tadeln, dass er einem Anderen solchen Gewinn und die VorhoiTschaft in der Christenheit, die ihm als Kaiser gebührte, habe zufallen lassen.
Co) Der lelffi»che Ge*chSftstr»jrer , ArnaUo ran der Hoye an Enhz Älbreclit, JJ. October lö98. Br*. Swet. d’AIleniapnc N. 79, 7 Or.
C6) Vcndrainin an den Dogen 17. October D. V. vol. 2S/244 Qr. Albrecht kam am Ul. nacii Podiebrad, wo der Kaiser eben weilte. Vgl KheTeobiller V, 10C6. Boje ichrieb am 9. Norember an Eraha Albrecht: ,£l personaje que V. A^cono«ce, ha rnelto i hszermc inBtancia, paraque jo acnerde a V. A**, qoe sca servido de advertir de quando en quando al Ktnperador de] sucesM desta jomada j de laa demas occmrenciaa qae fgeren de algtina imporlancia, porqoe dice, qa« V. ae puede assegnrar, qne S. M ^ C. reetbira cn cllo inocbo giuto y contento j tambien aerrira para quitar tauto mas presto aqaella nnve qae paresec ay por loqae eesaTe, entre dirha S. y V. A*S y aasi entrara cada dia en mayor corr<npoRdencia y conhdencia qae qnanto importa por lo que ae pretende, ae dexa de conaiderar a V. A‘^* Bn. Sccr^^t. d'Allciii. K. 79, *21 Or.
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Vor allein aber glaubte er sich nun die (iefalir, dn»s ihm die Regierung entwunden werde, unmittelbar nahe geruckt.
Durch den Besuch Albrechts mussten jene Erwägungen und diese Furcht in der Seele des Kaiser lebhafter denn je erregt werden, zumal der Erzherzog darauf drang, dass die Churfürsten ehstons zur römischen Wahl aufgefordert werden möchten. Nicht lange zuvor aber hatte sich Rudolf, weil in Prag die Pest um sich griff, nach Brandeis und dann nach Podiebrad begeben , wo er aus Fuivlit vor der Ansteckung nur Wenige vor sich Hess, und seine Minister, die Reichshofräthe und die Kanzleibeamten hatten sich, da die genannten .Schlösser nicht hinlänglich Raum boten, nach verschiedenen Oertern zerstreut. Am 18. .Januar 1599 kehrte er dann zwar nach Prag zurück, aber das, wenngleich vermindert, andauernde Sterben Hess ihn noch längere Zeit in seiner Abgeschlossen- heit verharren und erst Anfang April waren die Reichshofräthe wieder ziemlich vollzählig um ihn versammelt. Monate lang war durch diese Umstände die Erledigung der Geschäfte unmöglich gemacht und so hatte der Kaiser denn volle Müsse, sich seinen trüben Gedanken hinzu- geben. **)
67) Khevanhillär !V% 1845 und V, lfi66. Vgl. den Schloss der in Beil&go I mitgetbeiUen
Stelle aoR dem Briefe Yendramios vom 3. Mai and die Relation dee G. Soranzo vom
Jahre 16H in den Fontea rerum Austriacaram II, XVI, 2, wo die Heiratb Albrechta ala Ur- BJiche der Melancliolie des Kallers bexeichnct wird, was offenbar die am ksl. Hofe herrscbeotle Ansiebt war.
68) Kberenhiller V, H>66.
66) Vendramin an den Dogen, Prag 7. September 1598 ; Nachdem die Pest in einigen kleinen Städten des Kbnigreichs aasgrbrochen war, sind vorige Woche auch hier zehn I^ute an ihr gestorben, drei davon im HauR« Trantson« nnd einer im Scliloia Als der Kaiser dies erfuhr, reiste er am ö. mit geringem Gefolge nach Brandeis; seit sieben Jahren hatte er abgesehen von der Reise nach ßegensburg (1594] die Stadt nicht verla-Rsen. In den letzten zwei Tagen ist von den mehr als 160, 0(H) Einwohnern Prags keiner mehr gestorben. D. V. 28, 198 Or Derselbe an dens- Prag 21. Sept. 1.598: Am 1.5. kam der Kaiser mit sehr wenigen Leuten hierher zurück nnd ging nach vier Tagen auf ein vier Meilen von hier liegendes Landhaus. Die geheim gehaltene Ursache der Abreise von Brandeis war, dass dort eine Magd des Platz- hau]itroanns an der Pest starb und eine andere Person ira selben Hause erkrankte. Prag ver- Itess er wieder, weil ,il sospeüo va girando intomo dei suoi palazzt et della casa del signor Traueen, suo principal miniatro, ehe sc ne i andato egU ancora ultimamente in altra parte fnori della cittä." A. a 0. 213 Or. Am 27. September ging der Kaiser nach Podiebrad. Ale- xander Präntl an Hz. Maxiroitian von Baiern 5.0ctober 1598 Ma. 50/9, 10 Or. Wo die Krank- heit in ein Haus komme, meldet er, setze sie nicht leicht mehr aus, doch sei der Schrecken
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Kr brflteto darüber , wie er sich an Spanien und Albi-echt rächen und in seiner Stellung behaupten könne. Schon iin Jahre 1594 hatte
verlautet , dass er in seiner Abneigung gegen Sjjanien beabsichtige,
.Maria von Medici zu heirathen, deren Oheim, der regierende Grossherzog von Toscana, zu Philipp II. in gespanntem Verhältnkse stan<l. Drei
Jahre später soll — vermuthlich in Folge der Drohung Pliilipjjs, seine Tochter mit Erzherzog Albrecht zu vermählen — der Vertrag mit
Florenz beinahe zmn Abschlüsse gediehen sein. ”) Jetzt waiwltc der
Kaiser aufs neue seine Gedanken dieser Verbindung zu und trat, wie berichtet wird, noclimals in ernstliche Verhandlungen über sie mit dem Grossherzoge ein. ’*) Zugleich liess er in den Archiven nach Urkunden
noch nicht Mlir gross und hoflfi' mnn anf die Kalte. Weitere Bericht«' des$ielh«'ii v. 9. Not.
25. Januar. 1. Febr. unil 5, April 1599 (laa. 25, 30. 31. 40 Orr. Koje berichtete am 0. Not. 1598: Die Pest greife Biets mehr um sich tmd Terlaufe stet» bldlicb. Gott gebe, dass bald Frost komme. Bra. Secret. d'Allero. N. 79, 21 Or. .4m 20. liecember schrieb V'codramin dem Dogen: .Col ritorno dei giudici et dei ministri eivili, venuti per obedientia del cotnman' daroento di S. C. a resieder in quesU citta, s'incominciano aridur i magistrati ct a teuer i soliti coosegli i>cr servitio della ginstida et di questi popnü. parendo. che la peate ancora dia segDO di molto migiioraiDento. poicb^ ta settimaoa pa:itsata ne sono morti intomu a ceoto manco delle settimane antecedeutl di tutte le sorte di malattie .... Tengoao pero ariai dt Poglibena [Podiebrad]. ehe 8. C. stia molto nsoluta, quando la cHtä non si Hberi a certo »egno. altncDO secoodo Paso di Alcmagna, sin a1 giomo della Epifania prossima, di rolcr trasferirsi per ogni modo overo in qualche terra nell' Austria overo in altra terra situata sopra li confioi dl qaesto regno, con fine di riduni appresso tutti li ministri del conaiglio anlico et del consiglio secreto, perche si possa attender accuratSmente all! negotij quasi del tntto intcr* mesai, m«'ntre quetta dlTisione et questa lontananza oltre il rispetto della pest«* ritardano non solaroente le espcdiiiooi. ma caasano negl’ animi di qnelli che negotiano ct che si trorano in inolta Dcconita di (.-sser espoditi. una grandissima confosione.'' D. V. toI. 2H. 290 Or. Am 25. Januar berichtete Vendramin die unerwartete Rückkehr des Kaisers, der befohlen habe, ,che Del 800 proprio palazzo non enirtno altri per hora che alcuni cavallieri del «uo serritio eon un solo aerritnr per cadaano. Del reato st entra nel caatello a trattar con li ministri con- forine all' ordinario.” A. a. 0. 319 Or. Boje meld«'tc dem Eizhx. Albreclit am 25. Januar, der Kaiser lasse Niomanden ror, Dasselbe Vriebtete er am 1.5. Februar; nur den wallachiscben Oraandten Imbe er empfangen ; die IVst habe »eit dem Eintritt der Kalte »ehr nachgelassen. Br», wie oben 59 und Orr.
70) S. Briefe und Acten IV, 470 f.
71) S. den Brief Vendramins r. 8. März 1599 in Beilage I.
72) Khevenhiller IV, 1846. Boje schrieb am 4. Januar I.599 an Erzhz. Albrecht: ,Äj de nuero en esta corte gran rujdo de que el Einperador estä reauelto de casarse con la princesa de Florencia j dizen, que serä mas presto de lo que se piensa. Todo esto ha nacido, sin que se puede affirmar cosa cicria dello. de un correo qne ba Tcnido poco« dias ha ä este embaiador de Toscana j qne el despocs haja sido dos rezes llamado por el Emp«*rador que agora se halla
Abh.d.lII.CI,d.k.Ak.d Wiss. XV ßd. I. Abth 4
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Buchen, welche zur Abwehr etwaiger Ansjirflche Albrechts auf die Haus- landur dienen konnten.
. Diese letztere Massregel rief die Meinung hervor, das.s er die Nach- folge ordnen wolle, und veraiüasste den Erzhei'zog Matthias, sich mit der Frage zu Ixjschäftigen. Da er nunmehr der älteste unter den Brüdern Hudolfs war, glaulrte er zur Nachfolge lierechtigt zu sein und er war nicht gesonnen , auf diesoltx> zu verzichten , denn er war von Ehrgeiz und imruhigem Verlangen, eine hervorragende Rolle zu s|)ielen. erfüllt. Nicht minder misstrauisch als der Kaiser -hatte er diesen liereits
en Lima cIdoo lei^aa« villa. adondc todariA sc moerv, pero algo menos qne los <Hss )ias- sados i>or Io« frios quo haie." ür». ßecret. d'Allcm. N. TU, 5.T Or. Vendramin an den
Febraar lo99 : ,Dei negotij del Granduca sone parla ancora da quaicheduno dei medeaimi ministri di 8. C.« dieendo eui, cbe le ofTi'rte di S. per 1e nozze e per il titolo (eine«
K5nig«j siano dl tre ifiilHoni d’oro, il cbe difTlcilmente riene ennlato. Ka spana uoa voce la settimaoa ^taasata. che ü sr. ambasciatore di Fiorenia havesse bavuto aadlentia secretU da S.
• ma csseudo egit stato dal sr. Traucen i tempo di notte et per aventura ä quinto fine, s'intcsc dapoi, cb>gll se nc era riioraato senz' c«ser atato admesao in altra parte. Favorisce tuttavia questi iiegotij, per quantu s'lntende. ü detto ar. Traucen ioaieme con an medico di S. C., nel quäle al presente clla at coofida molto. Mcntrc ginlrnHc. ch’iJ nr. I{onfo pro* cura di dtrertir la ho da huom'xnima bnnda, ehr e^li dahita, ehr nrl cor.to de
altri an’ mrsi dritlittati dal Gra» Dura jMMga rmdrerifi di prroder nio^lie, affrrmandn eff/i jterd che pan»alo il drtto irmfut et dmidoni alla prhtcipenAa, alln (fmd wtMtra S. C. fii*
clinntione f altro prrticiyic, ai posMti poi teuer jter cerio, che uou haldtin piit n uutritarsi.*^ D. V. Or. Vendramin* Berichte vom 8. März, 5. und lU. April a, Beilage I. Wie
vreit die Angaben Vendramin« im Kintcliicn begrändet sind, wage ich nicht zu CDtachelden. Boy« achrieb am 5. April an Enbz. Albrecht: ,Se habla todavia <\A caaamiento de S. Md. C. coD la de Florencia, pero por llevar este platica maj secretamente, no ae poede haata agora afHrmar cosa cierta. Con todo eato no podrä tanlar mucho, que no a« aepa en que parari, porque de but-na parte be entendldo, que dicha Md. C. haac determinado de qaererae declarar presto aaai en lo de au caaamiento como tambien en Io de la elecUon del rey de RomAUoa.^ Brs. wie oben 137 Or. Vgl. Harter IV, d-M und dfid.
73) Am 20. Januar 159U schrieb Krahne. Matthias an Strein: Wir hören, dass der Kaiser .anjezu gleichsainb proprio motn io tracUtione de futura sacecssione bei der cron Bebaim umbgiDgen " Zu dem Ende hat man Kaiser Ferdinands TesUiiieniscodicill nnd die Erbcinigang zwischen Oesterreich und Böhmen von 1364 aufgnuebi. Auch criim«rt der Kaiser sich eines Reverses, dass Böhmen nicht auf Töchter vererben solU-, n. a. w. Wi Succcssion Matthias I Copie, ge- druckt bei Luttig Staatsconsilia 327. Vielleicht gab Rudolf vor, <Uas er an die Ordnung der Nachfolge denke. Dass es wirklich der Fall war. ist bei seiner Stimmung nicht anzunebmen. und dass gerade die von .Matthias bezeichnoteD Urkunden, insbeeondere aber der die Töchter aujschlieaaendc Revers aufgesucht wurden, leitet mich zn der oben ausgesprochenen Angabe. Rudolf mochte f&rchten, daas AIbr<?cht die Hauslacde für laabella als Enkelin Karls V. in An- Spruch nehmen könne. Behauptete doch später auch l'bilipp III. wegen seiner graden Abstain* niung von Karl ein besseres KcHiht auf jene zu besitzen als Ferdinand II.
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früher auf das Gerücht hin, dass ))«i demselben für einen Anderen um die Xaclifolge geworben werde, durch seinen 01)ersthofmeister Reichard von Strein an sein Recht erinnert und um dessen Berücksichtigung ge- Ijeten. Jetzt Hess er sofort den das Recht seines Hauses auf Böhmen betreffenden Urkunden nachforschen, und forderte zugleich Sti’ein, der als bester Kenner der Geschichte der östen*eichischen Länder galt, zu einem Gutachten über jene Frage auf, „damit er die Feststellung der Nachfolge bei Gelegenheit fönlem könne.“ ’*)
Bald glaubte er jedoch eine solche Gelegenheit nicht mehr abwarten zn dürfen. Aua dem Reiche kamen Nachrichten, dass die Protestanten, ei’bittert durch den gegen Endo 1598 erfolgten Einbruch dos belgischen Heeres auf deutschen Boden, mit der Absicht umgingen, einen Angriff auf die katholischen Reichsstifter im Norden und auf Belgien zu unter- nehmen und Heinrich IV. von Frankreich oder den König von Däne- mark mit Gewalt zum Kaiser zu machen. Einer derartigen Erhebung schien das Haus Oesterreich nicht wioderstelien zu können, da seine Mittel durch den Türkenkrieg eiswliöpft waren und es auf die Prote- stanten in seinen Ländern alsdann nicht zählen durfte. Unter diesen hatte ohnehin in Folge der durch den Türkenkrieg verursachten Steuerlast und Bedrückungen , der alwolutistischen und germani- sierenden Bestrebungen der kaiserlichen Regierimg und ihrer Versuche zur Einschränkung des Protestantismus bedroldiche Aufregimg und feind- selige Stimmung gegen das HeiTschorhaus Platz gegriffen. Die Ungarn,
74) Sieh den Bescheid Rudolfs für Strein bei Harter V, 410 f. Harter setrt das SchriftstQck
ins Jfthr 160S. Da jedoch Rudolf sagt, es sei seit 1‘>D4 nicht das Min<ieste wegen der Nach- folge verhandelt worden, kann der Bescheid nicht nach dem oben erwähnten Anbringen Al- brechts bei dessen Besnehe, geaebweige denn nach den im Folgenden za erzählenden Verhand- lungen mit Matthias ertheilt sein, ich mOchte ihn in <ias Jahr Io% setzen, denn damals war auch b«i den Protestanten das Gerücht verbreitet, dass Kriherzog Albrecbt sich am die Nach- folge bewerbe; s. J. Bongarsi epiatola« ad J Camerariam p. 2i^0 und Im folgenden
Jahre dürften schon die neuen Mahnungen des Ctif. von Köln [s. oben 8. *22] erfolgt sein, die der Kaiser aber freilich auch unerwähnt lassen konnte, weil er sie answetchend Ixiantwortete.
75) Durch das in der vorletzten Anraerkong angefübrb' Schreiben. Die Antwort Streins mit einer von ihm verfassten .Infoniiation* über das böhmische Wahlrecht finden sich abschriftlich Wi. a. a. 0.. gedrnckt bet Lünig Staatsconsilia I, 527 ff Das dort 541 ff. gMruekte Gutachten Schlicks gehört ins Jahr Idlfi Mer 1Ö17.
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Böhmen, Mähren und Schlesier sprachen gegenüber den Gerüchten, dass Rudolf seinen Nachfolger eritennen lassen wolle, die Absicht aus, auf voller Freiheit der Wahl zu bestehen und die Kronen, wenn sie durch des Kaisers Tod erledigt seien, den Erzherzogen vorzuenthalten. Ja
76) Vgl. die in der folgenden Annivrkong angcftlhrten 8chreib«n and Beilage III und X. Ueb«r die Anschläge der erangeliscbcn Reicksatändo berichtete Adelf Wolf gen. Metternich am 29. März 1599 ähnlich wie oben an Hz. Maximilian ron Baiern. Ma. 3. RIO eigh. Or. Schon am 18. Januar 1699 schrieb der belgische Geschäftsträger za Trag an Enhi. Albrecbt: .Dizete, qae el atlministrador de Saxonia j el eteetor de Brandembureh j los duques de Meklenburcb y de Pomorania han pedido a 8. Md. Ces. licencia de poder venir a vUiUrla para presencial* mente consuUar con el algunas cosas de mucha importanza. Soipecbase, qoe querräo tratar entre otras coaas de la election de au rey de Komanos y acerca lo del&religion y del remedio contra los dancts qae el imperiu resclTe continuamente de la gaerra de los Paises Baxoe y tarn- bien de la continaation de la gaprra contra e) Tarco.* Brt. Secretairerie d'etat Alemande N. 79, 57 Or. Am 24. Mai berichtete derselbe: Der Tag der Proteatanten za Magdobarg [s. Ritter Union I, 1H7 f. Moser Krt'isabschiede III, ;181 llaeborlin XXI, 540] ist ohne Beschlüsse von Bedeatang aus einander gegangen. Es soll nar vereinbart sein, dem Katsar durch eine Gesandtschaft za berichten, dass über Sicherang des Reiches gegen spanische Einflllle be* ratben sei. Einstweilen entlassen sie ihr Kriegsvolk. Die Hauptursachen, dass sie sich nicht Ober Aasführung ihrer Pläne einigen konnten, sind folgende drei: 1) Der Zwiespalt zwischen Lutheranern und Calvinisten. 2) ,1a competencia que tienen por ei cargo de general, paes no ban savido ncertar eo hazer an rej de Komanos. como prellenden, y sin duda le bixieran esta vex, 81 el administrador de Saxonia concurria, cumo no ha qoerido hazer, y es quien inejur se ha Hevzuio en estos movimientoe y alborotos contra el dicho exercito d. V. A“ , porque aiempre lia hcMiho por divorsas vias y diligeucias todo lo qae pudo, para aquictarlos“, 3) der Mangel an Geld zur Bildung und Unterhaltung eines Heeres, denn Wenige bsbon welches und diese wollen nicht zuerst den Beutel ziehen, noch das Ihre für Ungewlises wagen und sich für Andere zu Grunde richten. «Deste exito y suoeseo quetia 8. Md. Cos. y toda esta corte muy alegrada y coDsolada por haversele quitado el caydado que so tenia de alguna sullevacion general en Ale* maua con entroduxir por fuerza un rey de Romanos herqc y factioso.* A. a. 0. 153 Or. Vendramin berichtete am 8. Mai dem Dogen: «Meiitre questi pritteipi protesUnÜ vaiino trat- tando di unir le volontä et gli suimi degP altri principi et dolle Terre franebe per il loro cuQgTcsso destinato iti Magdeburg, haiino determinato ultimamente li principi cattoHci et gPecclesiastici di ridurre loru ancoia in nn altro convento affine di far una lega defensiva op< posita ai detti principi Protestant! cosi per prepararsi io ogni eveoto alla loro defeea come per dimoetrarsi iutti uniti insiome, aftiachv i dotti principi heretici vadano piii risorrati nelle loro deliberationi. Dicono, che |M:r questa lega dei cattolici sia stata ricercata aucora la persona dcl Ser«o arciduca Massimiliano et che S. A** faablia ilato intentione d'cntrarvi per la di> fesa della religione. Ma am d*e quf$ia maUria di e per ne nte^sa tanio i/eiwia et
ptrehe ei raffiona de eleUiotie de re di Homani, menire chi la emnlatU»ne. traifli arcidHchi c a cadaHHo »lollo ben uota, ai dabita tuttueia dt qmlche imfiortaHte traratflh della Germtwia et partii'tdarmente drlla permtha di S. ('ca. alla qHale i principi proteataatif per qnanto ui ititende, vogiionn mandarle ambanciatnri per eignificarle la c«Nsn dtdla quäl nouo mwiHi ä eoler für queata diela et ti pentar di armarni f con cke dicono, ehe mranno congionte altre querelle poiiate dalle nne antiche jtretcuuiont ettlorir per arentura am altri pretesti la interna lom mala diajiotitione rernn la religione cattedica** D. V. vjI. 29. 127 (*r.
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C8 ging das Gerücht, dass der Churfürst von der Pfalz sich bereits mit Hülfe mährischer Adclicher um die böhmische Krone bemühe, und dass er sieh den Anschein gebe, als wolle er katholisch werden, um so bei dei' künftigen Kaiserwahl die Stimme eines der geistlichen Chnrfürsten und damit das Mehr für sich zu gewinnen.
Deshalb und zugleich wohl aus Sorge vor seines Bruders Albrecht Nelienbuhlerschaft beschloss Matthias, pei-sönlich in den Kai.ser zu dringen, dass er ihm und dem Hause seine Kronen sichern möge. Um seinen Vorstellungen grosseres Gewicht zu verleihen und in der Furcht , das Misstrauen und den Unwillen Itudolfs gegen sich selbst waclvzurufen. bewog er seinen Bruder Maximilian, ihm nach Prag, wo er am lf>. Mai 1599 eintraf, ’*) ein Schreiben zu senden, welches ihn zu dem beab- sichtigten Anbringen aufforderte. Dieses mittheilend mahnte er dann
77) Sieh Beilage II
7S) Pränt) an Hz Maximilian von Baiem 15. Mai 159D Ma. 50/9, 55 Or. Boye meldet in seinem Bericbt vom 24. Mai, Matthias Itabe am 17. Audienz gehabt, Vendramin in einem Briefe vom 13. Mai Maitliias „havendp trattato secretamente per leltere con S. C. ha ottenuto licenda
di venir in eorte senxa particlpatione di qaelli del consiglio.** D. V. Vol. 29, 140 Or.
79) Bei Hurter t, 407 ff. Wh. Rekhsregiatratur, Matthias Wahl- und Kronangaacten K. 27 liegt ein Entwurf tu eiutfin Schreiben Matthias an Rrrhz. Maximilian vor, welche« mit dem bei Harter wm^ntlicb gleichlautend ist. K« beginnt mit der Stelle bei Kurier S‘ 406 Zeile U von oben: „E. L> werden on zweifei aus den*' n. a. w. S. 409 Zeile 12 von unten heisst es:
„Wir bezeugen mit Gott, das wir hierin nit uff unser person oder aigen intercssc, sonder allain auf den grossen schaden, der unsenn ganzen hausa uff discr gcfarlichen saeh steet, ge- denken, and weil wir iro der eltiste und lehentragcr »ein, so vennainen wir, schuldig sein, gwistsen und Verantwortung halber vor Oolt, J. und den landen, uit weniger zu thnn# alss mit getreuem brüderlichem rath , hilf und beiitand E und erzherzog Ferdinanden LL. bei iK'Cbatgedachter B. ksl. Mt auf das glimpfliclüst alss immer muglieb , anbringen tu thon, und weren entschlossen, inner wenig tagen, zwar anderer Sachen halben, das hero»ige kriegs- nnd guhernamentsweaen antreffend , zu J. Mt zu verraisen nnd nach craehender gelegenhait“ n.
«. w. wie 8. 409 Zeile 4 ff Dann heisst es S. 410 Zeile 8 von oben nach „besorgen habe": nDsmit aber solch werk sovü fruchtparlicher stathnl nnd von J. ksl. M» im peslen , wie e«,
Gott weis», anderst nit gi-meint> aufgenommen werde, so halten wir firas dienstlich sein, dass £. L. auch proprio motu und aus« der lieb, affection und treu, so 8i zu J. ksl. Mt, dero getreuen landen und leuten und ganzer christenhait, znnial auch tu wolstand und crhaltung der catholischen religion haben, auch aussfihrlich schreiben, li der im reich firiber laoffenden
practlcen und discurs hrwemeteo und doneben petben, si wollen als ein vatter des vatterlands, I
dieweil unser ganz hanss ainiger t<?iilicher wolstand an J. ksl. M* haftet, gnedigst bedacht
sein, sich »elost vor angezogenen aoschlegen and practicen nnd un.ser hanss vor entlichem |i
Untergang, auf mass J. R ksl 5D selhrt am pesten wissen, tu versichern und darinnen lenger j
nit za feiern. Darbei E L. sich erpietten mechten, das Sie wollen auf alle anschleg gutte I
(
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<len Kaiser, entwoiler selbst zur Heirath zu schreiten oder die Nachfolge festzustellen. *®) ,
Rudolf nahm da.s Anbringen unerwartet günstig auf. Ei' Hess seine vornehmsten Minister, Ruiujif, Trautson und Hornstein mit dem Kanzler seines Bruders, Wolf von Unverzagt, in Berathung treten und als diese dringend empfalilen , Matthiius so bald wie möglich zum Nachfolger in Böhmen, dann im Reiche und schlie&slich in Ungarn emeimen zu lassen, *') erklärte er sich dazu bereit. **) Es wurde sogar schon eine Urkunde
achtung geben, J. ksl. derselben avisieren und sieb in alle miiglich« wog aU «nn gobor- samor, getreuer broedor erzeigen, piltent, disc erindernng von £. L. irn pesten anfzanemen. So hoffen wir es solle unser anbrigen nit one fnicbt abgeen. K. L. wolb n sich aber weder mund> noch schriftlich nit merken lassen, das wir etwa« dafon wissen oler bei K. L. nrglert betten**. Der Schlnaa S. 410 Zelte 9 von oben „Darüber dan anch G. L *' n. • w. fehlt in diesem Entwürfe. Auf dessen Rückseite steht: „fn stmili ist erz Perdinan«! zu Qratz enocht Alles beratschlagt mit hern Reicharten Strein, 4. Mai Dass FtTdinand dein Kaiser ge>
schrieben habe, ist nicht überliefert. 3dazimUian schrieb am *22. Mai aus Mergentheim an Ciiverzagt: Wir haben Deine Briefe vom 1., 4. and 8. mit dem geheimen Schreiben Matthias* erhalten. Letzteres betreffend hatten wir Bedenken, cs an den Kaiser zu richten, „weil Dir selbst uflTcrborgen, wie leicht und viel ehr man ein argwöhn auf uns als auf andere wtirft*^ Wir haben deshalb das Schreiben an Matthias gelichtet, damit er es dem Kaiser bei Qelegcn- heit voneigen könne, and wir haben es mit eigener Hand gesebrioben, damit ea desto weniger Uflension veranlasse uni geltotm bleibe. Ib. Auagangene Schriften 1599 Cpt. Vor das Schreiben des Matthias gehören, wie ihre in jenem wie>ierklingendc Einleitung zdgt , die beiden von Khlesl gefertigten Entwürfe bei Hammer Khlesls Leben I. n. 132 und die dort vom Jahre datiert sind, und zwar sollte die zweite Namraer vor der ersten stehen, wie der dieser angehaugte und Silschlich bei der zweiten wiederholte Vermerk ausweist Aus dieses Schriftstücken erhellt, dass Matthias zunächst daran dachte, den Kaiser schriftlich an* zugehen. Dies mochte dann unterbleiben, weil man fürchtete, keine Antwort zu erhalten. Das Schreiben, welches Harter v, 71 durch Khlest an den Kaiser richten lässt, und welches er frühstens in den Anfang des Jalires 1600 setzen will, ist nach der von ihm mitgetheilten Stelle olTenbar einer der von Hammer mitgctheiUcri Entwürfe.
80) Vgl. Hammer I, n. 137.
(*I) S. Ildlage III.
s*>) Am 31. Juli 1599 schrieb Erzbz. Maximilian aus Mergentheim an Unverzagt: Aus Deinem erat heute cingelanfonen Selireibcu vom 3 habe ich vernommen, .dass I. Mt. die bewußte geheime aach, die bishero so faaia und kizlich gewesen, dermassen gnedigst aufgenommen, das sie ea dermaleins zu gemuth gefast and nunmehr mit denen gedaoken umbgehen Der almechtig verleihe, das sie cs ihro der Wichtigkeit and nothweudigkeit nach recht mit ernst lassen ange« legen sein So thetten auch 1. Mt. mit mir gar recht, wan sie nit allein die alten Österreich» iseben kleinotter, kaiserliche cron, habito und was dergleichen, sondern auch das Und ver» sicherten, dan wie ihrer vielen leider gar zu sehr die zunge nach der rerenderung (des Herrscher* hauscs] liengt and bei diesen practizierischen, unsers thails aber säumigen loufen zu befahren, wurden habit , cron und kleinötter wenig helfen, wan das land vcrlohren wehre Drumb weil
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entworfen, durch welche Matthias, falls er erwählt würde, versprechen sollte , wenn Rudolf noch einen ehelichen Sohn erhielte , diesen statt seiner eigenen Kinder zuin Nachfolger zu befördern.
Am Hofe erzählte man sich bald danach, dass Rudolf seinem Bruder an seiner SUitt die Hand der florentinischen Prinzessin zu vei’schaflfen suche, und dass er eutschlos-sen sei, demselben in nächster Zeit die Nachfolge in den Hau.sländern und im Reiche zu sichern, und als Erzherzog Maxi- milian eine Reise durchs Reich unteniahm, auf der er den Herzog von Wirtemberg, die Churfürsten von der Pfalz und von Mainz und den Ad- ministrator von Sachsen besuchte , wollte man wissen , dass sein Zweck sei , im Aufträge des Kaisers den Practikcn des Königs von Frankreich um die römische Krone ontgegenzuwirken. Wir sind nicht im Stande, den Werth dieser Gerüchte festzustellen.*“) Thatsache ist jedoch, das,s Rudolf im .August die seit lange erledigten grossen Iröhmischon Krön-
Jbr dieser Zfii eia ohr b«ror btU, so helft d&s beste rathen uml hottet Euch nur ror dem (refehrlichen siebeDburgischon c&rdinale, (Aodreaa Bathory] dan: ex Transylrania omne malum, hatt der tod Teuffenbach alweg pfleget xu prognoettcieren.“ Ib. AosgaDgene Schriften 151*0 Cpt- — Am 25. daoi rfiste Hatthia« von Prag ab» nachdem der Kalter ihn xuin Qcneralfeld- obertt für Ungarn ernannt iiatte. PrftntI an Hx Maximilian Ton Baiern 3. Juli 1-VJ9. Ma. 50/», 02 Or.
S3) Nur hierher kann ich die Stelle bei Hammer Khlesl 111. Beilagen S. iS7 bexieheo, da der Bevera nach ihr von Unreraagt entworfen wurde. Wenn Harter VII, 31 Anni. 73 bemerkt, .das Original des Rereraes besage, dass es durch Rudolfs Oberstkammerer Leonhard Helfericb Ton Meggan rerfaast worden sei*', so ist dagegen zu bemerken, dass M. nie Radolfs Oberstkäm* merer war Lag Harter ein Rerera ron Meggaas Hand Tor, so kann derselbe nnr 1600 ent* standen sein. Vgl. Kberenhiller Conterfot II, 29. Es wären dann zwei Reverse aozu* nehmen, da das Zeagnia der Stelle bei Hammer, die Harter nicht kannte, unanfechtbar ist.
84l Sieh Vendramtns Boricbto ln Beilage IV.
S5) Woher Vendramin seine Nachrichten hat, ist nicht ersichtlich. Die einzige rollig sichere, aber kochst dürftige Mittbeilong über Maximilians Reise verdanken wir einem Briefe desselben an Rudolf 11. vom 17. September 1599 aus Frankfurt a. M. Dario meldet der Erzherzog: Ich bin am 29. Augast zu Kirchbeim unter Teck beim Herzog von Wirtemberg gewesen. Dieser hat mir unter Anderem gesagt. £. Mt. möge nicht länger die vonlerösterreicbischen Lande ohne ein anwesend regierendes Haupt lassen und den Rätben besser auf die Finger sehen, denn das jetzige Wesen könne nicht Bestand haben. Am 5. September reiste ich weiter and kam am 7. zom Churfürsten von der Pfalz nacli Qeiroersheim, der mir ausserordentliche Ehren erwies. .Hag E. Mt. woll Tcrgwissen, das ehr ein feiner, verstendiger , treubeniger, offener herr ist aber der zeit noch fast sehr von seinen rätben dependirt. Hat sich eotscholdigt, das er nit gern an die izige teutsche Kriegsausrüstung kommen, sondern vom marggraffen [von Ansbach] darzn beredt sei worden.* Er scheint sehr geneigt, E. Mt. za besacben und tbut es vielleicht bald von der Oberpfalz aus. wozu ich ihm sehr gerathen habe. Am II. begleitete er mich eine
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ämter mit, Katlioliken l)es»!tzt«?, **) eino Matwrogel , welche ihm seine Mi- nister in ilirem oben erwähnten Gutachten als erste Vorbereitmig der bölunischen Wahl empfohlen hatten.
Weiter aber ging er nicht. Ks mochte ihm ganz genehm gewesen I
sein, Matthia.s als Nachfolger in .\ussicht zu nehmen, um dadurch Al- brechts Wünschen entgegenzuwirken. Wie er je<loch die spanische Hei- inth und dann die florentinische immer und immer wieder verschob, so konnte er auch in der Wahlfrage nicht zum Ent.schlu.H.se kommen uml schon regten .sich FuiTht mul Argwohn in ihm auch gegenül>er .Matthias. *’)
Im Septeml)er 1599 kam dieser aufs neue nach Prag. ***) Ohne Zweifel drang er auf die Ordnung der Nachfolge. Er erreichte jedoch nichts und empfing übei'haupt auf keinen seiner .Vnti'äge gewähi'enden Bescheid. •
ganz>> Ta^reise weit bis nach Frankenth&I. Am 1:1 war ich zu Mainz beim CburfOrsten. Am PI kam ich nach Knnkfurt, Ton wo ich nach Fabla ziehe, om dort einige Irrungen bei* zulegen. Ib. Ausgnngene Schriften. Cpt. Am 22. October schrieb Mniinülian dem Kaiser aus Eisenach, am 26. nua Weimar, ohne jedoch nach da den eigentlichen Zweck seiner Reise anza> denten. Ohne Zweifel gesebnb dieselbe mit Vorwif^sen des Kaisers, dessen Argwohn sonst zu Rirchten war, und das Aufsochen der Churfürsten lasst rermutben, dass es sich um die WahN frage handelte. Am 4. September berichtete Vendramin, Matthias habe gegen Vertraute Arg- wohn über Mszimilinns Reise zu den Churfürsten genusseri, „dubitando, cb<& sia stato usafo doppio artificio per opera fors« di interessati, aftinc di gtnerar qualche dirisione sco|teita sopra la elettione de re de Romani tra essi fratclli." D. V. 29, :K>1 Or.
Bericht Vendramios v. 2'^. August l.‘>!)9 in Beilage IV.
X?) V^gl. Hammer Kblrsl I, Beilagen 3. 629.
Er war dort vom 2. bis znin 10. Berichte Vendramins D. V 2t^, :46 und 654 und Print! an Hz. Maximilian Ton Bayern 11. September l>^i99. Mn. MO Or.
x9) Der venezianische Gesandte Pkro Duodo [er kam, um Vendramin abtulösen am 4. September nach Wien, wo er wegen der Pest blkb; am 10. November kam er nach Rockezan. D. V. 29. :W-'> u. 46H| berichtete unter dem IS. September aus Wien: ,8. A** tornato da Praga, per quanto ho inteso da qualche suo domestico, h moffo mal mdutfatto per non haver potuto otte- nere ninna delle cose che ba ricercate. Si doigono i sooi. ehi l'arcidaca non bsbbia bavnto antorita da 8. M*i, onde narco, clA non sü obbedito ci stimnto, et da questo hanno scoperto il poco gnato che vive tra TA** S. et tl contc di Squaitcmbcrg, odiatiseimo da iutti li soldati si per commandare con poca humanita come per acoompagnarlo con troppo avidita, la quäle so non c lodaU in un soldato, si deve perb granderoente biasimavp in un cajdtano et molto [piu] in un generale." D. V. 29, 676 Or.
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IV.
Inzwischen gelangte eine krankhafte Anlage , die in des Kaisers Natur vorhanden war, mehr imd mehr zur Entwickelung. WahrBcheinlich hatte er diese Anlage von seiner Mutter ererbt. Im ältesten seiner unehelichen Söhne, in dem Markgrafen Juliu.s, w'uchs sie bis zur Tob- sucht. ”) Bei ihm selbst gab sie sich früh in dem Widerwillen gegen Verkehr mit Menschen kund und sie mochte hinwieder durch seine Ab- geschlossenheit, durch seine nächtlichen Studien, durch sein Verweilen in dunsterfüllten laiboratorien , durch seine geschlechtlichen Ausschweif- ungen und neileicht auch durch ein von Zeit zu Zeit wiederkehrendes äusserliches Leiden**) verstärkt und ausgebildet werden. Wurden seine Nerven durch Verkehr mit Fremden , durch unerfreuliche Nachrichten oder Verhandlungen, ditfch Widerstand gegen seine Alwichtcn oder dm'ch Anderes wie etw'a den Tod eines Vertrauten erregt, so bemächtigte sich seiner ein Trübsinn, der ihn unzugänglich und zur Erledigung der Oa- schäfte unlustig machte.
Seit dem ersten Jahre seiner Regierum; hatten sich derartige An- fälle von Schwefmuth mehr oder minder heftig und länger oder kürzer dauernd von Zeit zu Zeit eingestellt. **) Dem Besuche, den ihm Erz-
90) Kb^Tenbilter III, H62 and V, 22*26 Qb«r die Schwermath der Kaiierio.
911 Qindely Rudoir n und seine Zeit II, ff.
92l In dem Anm. 79 erwähnten Briefe Tom 22. Uei 1599 bei Harter V, 409 mgt Enhz. M&ximilien, daee der Kauer «lu Zeiten ihre Leibsindiapoiitionen* [eo ist zu leeen] habe. Nach dem Anm. 2 roit^etheilten Briefe i»t wohl nur an eine aoaserliche Krankheit fii denken. Vgl. aoch Anm. 24.
93) Schon in einem [mir von Herrn Dr. von Bezold raitgetheilten] Schreiben eines pfäher Beamten Toro 10, October 1.577 an Chf. Ludwig heisst cs. da« in Folge der durch verschiedene Ge- sandtschaften benrorgerufenen Unruhe am kaiserlichen Hofe •die kal. Mt. fast meUnelK>lisch sich erzaig.* Zum Jahre I.VS1 Tgl. Hurter II, 313 Anm 17H und oben} su 1582 s. Hae- berlin XIV, 352; zu l-'i88: Quellen and Erörterungen VllI, 392, 406 und 409; zul590fg. I. Briefe und Acten IV, Register s. t. Am 9. April 1.591 schrieb Graf Wilhelm von Zim- mern an Rrzhz. Ferdinand von Tirol: Audieni ist .schwer zu oriialten, „weil I. ksl. Mt. umb
weilend hern Claudten vonTrivuU (welchen I. Mt. etlicher derselben hochwichtigen obgelegenen Sachen und handlangen halben gehn Rom verschicken wollen, tötlieben ableben, so erst ain tag vor meiner hieherkonft [4. April] besebeben, sich etwas traneng und unmuetig ersaigen sollen.'* Ib. Ferdinanileum n. 105 Or. [Trivulz war Obcrststallmeister des Kaisers, Kbeven*- hiller I, 7U7, vorher vielleicht der Kaiserin, das. 1. 190; E^iinger Rel. hist. 1591, II, 53, der seinen Toi! auf den 1, April setzt, sagt, er «ei sehr betrauert worden, .»dan er nit allein
Abb. d. Ul. a. d. k. Ak. d. Wisi. XV. Bd. 1 Abth. 5
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Herzog Albreclit auf seiner Brautfahrt abstatteto, folgte ein neuer An- fall. Derselbe mochte von vornherein um so heftiger sein, je schwerer Rudolf durch die Heirath seines Bruders gekränkt und beunruhigt war und je strenger er sich gerade damals aus Furcht vor der Best abschloas. Gesteigert wurde seine Kraft durch den Zorn und die Sorge, in vrelche der Kaiser durch den gegen Ende des Jahres 1598 erfolgenden Einfall des spanischen Heeres in Norddeutschland versetzt wurde. Diese Ein- lagerung erschien als die schimj)flicliste Antastung des Reiches und der kaiserlichen Hoheit und erbitterte Rudolf um so mehr , je feindseliger er ohnehin gegen Spanien gesinnt war. Er erfuhr zugleich, dass ihn die evangelischen Stände im Einverständnisse mit den Spaniern glaubten, er hörte von den Plänen derselben, ihn abzusetzen, und die gleiche Absicht zu Gunsten Albrechts argwöhnte er vermuthlich als Ursache des spanischen Einfalls.
I. ksl. Mk. sehr Heb und werth gewest, »onder euch lonak Ton jedertninoiglich geliebt, um dses er sich so freuodlich and holdselig ohne einige HofTshrt gegen jedermenn gehalten, dase ihm mernnnd [Anderes] dAnn Alles Oats hat nAchsagen mögen.*^ Als ksl OesAndten erw&hnt ihn Theiner Annslee eccles. II, 2o schon 1575. Vgl. auch Chlumecky Karl ron Zierotin 118]. Am 7. Hai meldete Zimmern, der Kaiser sei noch immer schwer tugänglich; ihn habe derselbe jedoch eehr gnftdig empfangen , ihm nnterstutxt tod dem Kammerdiener Popp Trink- geschirro aus böhmischen Edelsteinen gezeigt and sieh ,^o ganz gnedigist und domostieo** er- wiesen, wie er es seit lange nie mehr gethan haben soll, ansser gegen Strein, der aus Polen gute Nachricht brachte. A. a. 0. Am 18. Fehnuir 150H schrieb BarTitios an Hz. Wilhelm TOD Batern : Wenn Hz. Maximilian nach Prag [s. Briefe und Acten IV, 128 flt.] soviel Gefolge, wie heabtiebtigt, mitbringt, ist zu fhrebten. „ne tantus strepitns Caesarem vehementer offondat, qtti jam principem enm exiguo comitatu Inbens ac desiderans expectat, ab bominum eonspeetn usqoe adeo in dies magU abborrens, nt suos vix ferre cubicularios poRsit, ut bodie per mediaro horam dobitaverit, nutans, an ad saernm prodiret priratnm perordinariornm ministrorum seriero, qoae astare solet . . . . Si praeter baronem Polweiler tres vel nt snmmnm quatnor enbieuUrii ant cubiculariornm loco sint, sufßcerc [videbatnr.] . . . Patres ant eomm mentio cum alias in* grata tum hoc maxime tempore, hae occasione; quos plane relinqoendos putant, cum nostri ad manmn sint Poeros nobiles nuUos neque inferiores cubienii ministros niultos archtdnees fra- tres addneere consuoverant. Ut nno verbo omnia comploctar: quo minore comitato ac strepitu Tcnerit quo Caesari acceptior futurus priuceps. eul in solitodine consueta et in silentio singu- lärem alias amorem ostendet ..... Quod roagnum comitatum ac strepitum Caesar usque adeo fugit, sola cansa est, cur ad congressaro Brandenburgici et Saxoniae adroinistratoris non venia- tnr, qui id jam diu qoam maitme desiderant atque Optant.** Ma. 417/8, 9, eigb. Or. Am 20. Februar bemerkte derselbe; „Itomesticis, qui ex roodesto Monaebiensi quasi monasterio veoiant facile erit seae noitro eremitorio accommodaro." A. a. 0. 13. dosgl. Vgl. Beilage XI.
94) HierQber im fünften Bande der Briefe nnd Acten Näheres.
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Unter diesen Kinwirkungen ging der Trübsinn des Kaisers in angst- volle und gereizte Erregung über, die ilui so übellaunig und verstimmt machte , dass lieinahe keiner seiner Käthe mehr mit ihm verhandeln, keiner seiner Kämmerer und Diener mehr ihm aufwarten konnte.
Als er nach Prag zurückgekehrt war und die Pest nachliess, trat Besserung ein. Er gab wieder Audienzen , die er seit sechs Monaten verweigert hatte, widmete sich — sogar mehr als früher — den Ge- schäften und nahm gegen seine Gewohnheit an Sitzungen Theil, zu welchen sämmtliche anwesende Käthe erschienen. **) Kiusch sank er jedoch in den alten Zustand zurück , da immer heftigere Klagen über das Hausen der eingefallenen Spanier und immer beunruhigendere Nach- richten aus dem Keiche einliefen. Seine Gereiztheit wandte sich nun auch gegen den ersten seiner Minister, Wolfgang von Kumpf zum Wuel- ross, Freiherrn auf Weitra«
Rumpf, welcher Rudolf schon während jener Jahre, die derselbe als Jüngling in Spanien verbrachte, zur Seite gewesen war, hatte all- mählich die vornehmsten und wichtigsten Aemter an sich gebracht. **)
9o) Boj« AD Sao Gement« 21 December Brg Secret d'AlI. N. 79, 49 Copie. [Diesen Brief werde ich im fünften Bande der Br. n. A. mlttheilen.] Am 4. Jnnoar 1599 schrieb derselbe an Ertbt. Albreeht: Der Kaiser „esta mny roelaDConico y mohino de manera qne caai nin^n ca* marero o ajmda de camara pnedo mas esUr con eV* Das. 55 Or.
96) Vendramin an den Dogen 15. Febroar und 8. MArz 1599, D. V. :M5 and 29, 8 Or.
97) Id einem Schreiben aas Prag v. 3. Mai 1599 heisst es : „I. Mt. alteriren and enüroen sich ob diesem anwesen [dem spanischen Einfall und der Zerschlagung des Depatationstages] so oft und heftig, das lestUch nichts gnets daraus kommen möchte.** Ma. 292 3, 211 Copie.
98) Vgl. KhevenhilUr Conterfet II, 66 Anm. d. and Annalet III, 770, Harter 111, 32 ff. und Briefe n. Acten IV, Register s. t. Am 2. Januar 1590 schrieb der bairische Agent Haber* stock an Ht. Wilhelm ; Es heisst, der Kaiser wolle den alten Leonhard ron Harracb als ge- heimen Rath bemfen: „das halten etliche für ein sebwera ding, dann lu dem er tU starker begeren thnen, wQrde er etliche Ding ln dem stand si jezo seind, nit bleiben lassen.*' Ma.
147/11, 34 Or. Eyxlnger ReL hist. 1590, I, 76 sagt, dass als Nachfolger des 1589 Terstor- beneo Obersthofmeisters Adam too Dietriebstein Rumpf, der Botschafter Khereohüller und Leonhard ron Harrach in Frage seien. Harracb verlange, dass er vorher xum Präsidenten des geheimen Käthes ernannt und der ganze Hof seinem Befehle unterstellt werde. Lettierem Be- gehren stehe entgegen, dass dem Hofkainmerprisidcnten [Hofmann] sein Amt mit dem Vorbe- halt übertragen sei, dass er Niemandem in gehorchen und Rechenscliaft zu geben habe als dem
Kaiser. A a. O. 1592, I, 48 meldet dann Eyxinger, nach Dietrlchsteins Tode sei an Harrach J
and Hans von Trautson gedacht worden; weil diese abgelebnt, sei das Oberstbofmeisteramt
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Als Oberstkänimerer beaufsiolitigt« er den Dienst für die Person des Kaisers, besorgte dessen Privatangelegenheiten, vermittelte alle Audienzen imd hatte selbst unangemeldet Zutritt; als V'erwaltor des Oljersthof- meisteramtes war er an Hang der erste und dem gesammten Hofweson vorgesützt und als Phi-sidtmt de.s geheimen Käthes stand er an der Spitze der ganzen Hegierung und Verwaltung. Je schwerer zugänglich Rudolf war, desto gi-ös.sere Bedeutung verlieh es Kumpf, dass er demselben jeclerzeit nahen , misliebige Einwirkungen fernhalten und über alle An- gelegenheiten seine Meinung vortragen konnte. Nur der Keiclisvice- kanzler Jakob Kurz von Senftenau machte ihm eine Zeit lang den mass- gebenden Einfluss streitig. Dessen Nachfolger Rudolf von (,’oraduz ver- mochte es nicht und der Obersthofmarschall und lleichshofrathspräsi- dent Graf Paul Sixt von Trautson sowie die Geheimräthe Hans
zuerst von Kampf und d«nn Ton Paul Siit Trautson rerwaltet worden. Letzteres kann nur vorQberj?«bend der Fall gewesen sein. Vgl. KheTenhiller Ännalcs IV, 1210. [Ceber Har- rach t. Harter I, 5, 240; Hammer Khlesl I, Beilagen n. 4d; Khevenhiller Annalea I, 190. II, :M7. ;t49, W2, III. «12. 770.]
99) Am 18. November l.VJ.'i [?] schrieb der bairische Agent zu Rom Richard Stravius an Hz. Ma- ximilian: Der Kaiser soll sich um die Ernennung des Franz von Dietrichstein zum Cardinal bemQben. „Corradutio audto consilia et officia illa non pUcere. Sunt, qui putant, hule digni- tati inbiare ipsuimnet Romanamquo fortunam reputare mnito »olidiorem quam rragensem, ubi se inridiae jaculis et aulae fluctibus cemit esse obnoiium nullaque firma amicitia adTcrsas ejusmodi jacnla iimixom. Romfinm inprimis videtur metuorc, qui ejtu liberUtem facilemqu« apud Caesarem accessum et proclivem gratiam non facilo patHur; timet enim, ne nimis paulo poet audeat, quemadmodum nuper Curtius; ho« ctiain veterfs dient««, qui in urbe sunt, ne- glectoa a Coradutio conqueritur ** Ma. ^48/^18, 14 Or. Ueber Kurz vgl. Briefe und Acten IV, im Register s. ▼. Als Reichshufrath erw&bnt ihn Khevenhiller I, 2^0 schon 15H2. Am 28. Januar 1598 berichtet Joliann Manhart an Hz. Wilhelm von Baiernr „Herr Kurz soll kQnlich als rechter reichshofviceVaniler publicirt werden.” Md. I. Zeitungen n. 1. Or. Als Verwalt« des Amtes fand ich ihn »chon auf einem Actenstöcke vom 10. Juli Als Vertrauten de«
Kaiser» erwähnt ihn auch Erzhtin Maria in einem Brief an ihren Bruder Hz. Wilhelm vom 27. Juli 1591, Ma. ^10/6, 404 eigli. Or Vgl. auch A- Wolf Lukas Üeizkofler 57, 5K, und Burmann Sylloge epp. 1,427. Coraduz sUmmte aus Krain. Harter III, 478 Anm. tiS und IV, 8C6; 1590 erwähnt ihn Khevenhiller Hl, 780 als Regimen tarath zu Orai ; in einem Berichte v. 21. April 1598 erwähnt ihn Manhart als Rcichshofrath, .Ma, 50/7, 12 Or. am 12 Mart 1594 wurde er geheimer Rath, Eyiinger Re! hist 1594, I. 60; als Roichsvicekanzler finde ich ihn zuerst am 10. August 1.598. VgL Briefe und Aclco IV, Register s. t. und Stieve Ursprung des dreissigjäbrigen Krieges I. 84 f.
100) Vgl. über ihn Kherenhiller Contrefet Kupfferetich li, 6.5, Harter III, 36 ff. und Briefe «nd Acten IV, Register s. t. .
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Christof von Hornstein und Johann Hildel>rand Mcckor von Halg- heini sclieinen ihm willig den Vorrang gelassen zu haben.
Des Kaisers Gunst, die ihn zu so hervoiTagender Macht erhob, hatte Rumpf indess schon seit Jahren verloren. '“) Wahrscheinlich em- pfand Rudolf, obgleich er seine Dienste nicht entbehren mochte, auch ihjii gegenüber jene mistrauische Eifersucht, mit welcher er über seinem Ansehen und seiner Herrschei'gewalt wachte. Jetzt erregte ^ seinen Unwillen, dns.s Rumpf im Gegensätze zu den übrigen Ministern und Ver- trauten und namentlich zu Trautson von der florentinischen Heirath ent- schieden abrieth , weil Maria von Medici nicht als vollkommen eljen- burtig erschien und weil er voraussah, dass die Verbindung zum Zer- würfnisse mit Spanien führen und die Verleihung des Königstitels an den Grossherzog, welche dieser zur Bedingung machte, anderen Fürsten grosses Missfallen erregen werde. Der Kaiser vermochte nicht, sich dem altgewohnten Einflüsse des Ministers zu verschliessen, aber gerade deshalb reizte ihn dessen Widerstand gegen den Ileirathsplan, welchen er in seiner
101) lieber ihn i. raeinen Artikel in der All^meiien dentsehen Biographie and anteo. Am 25. Au* gust npDot der bairische Kaniler Gailkircher Rumpf» Kun and Uorastein als „cardioen aecreti consilii.'* Ma. 415/16, 1, Or.
10*2) Vgl über ihn Harter III, 228. Am 80. Januar 1595 schrieb Hz. Wilhelm von Baiern seinem Oheritkanzler Hervrart: Die Kanzlersiclle tu Graz nmse mit einem tüchtigen und eifrig katbo* lischen Manne besetzt werden. Uns ist ein Doctor und gewesener Kanzler tu Eichstätt einge* fallen, der früher uns Dienste angeboteo hat und jetzt zu Innsbruck sein soll. „Der soll ernst- lich genueg und dapfer sein» das er ime vielleicht cit rill wurde nemmen lassen; weil es aber mit disem allein nicht ausgericht» so wierdest dn der notturft nachztulenken wissen, mit was qoaliteten und requisiten [ehr sunst begabbi and sonderlich ob ehr ein eölhen eifer in der reli- gion habe, wie es diss ortts die notturft erfhodert,*'] Ma. 80/9, 69 Or. die Stelle in Klammern eigh. Uerwart erwiderte am 6. Februar» er finde den von Wilhelm bezeiebneten Mecker um so mehr tanglicb, sls der Kaiser in Graz gern einen Oesterreicher sehen werde, das. 7.5 eigh. Als gebeimeo Rath finde ich Mecker zuerst 1599 erwähnt. Während Cora- doz 1599 in Italien war» versah Mecker das Heichsvicekanzleramt. Präntl an Hz. Maxi- milian von Baiern l. Mai und 13. September 1599, Ma. 50,9, 53 und 72 Orr. Vgl, Briefe und Acten IV, 896 Anm. 1. Am 1. Januar 1600 meldete Manhart nach München» dass Corap duz zurOckgekebrt sei und sein Amt wieder übernommen habe. Ma. 50/10» 1 Or. Am 24. Sep- tember 1601 berichtet der venotiaoisclte Gesandte Duodo, dass Mecker gestorben sei. D. V. 8], 172 Or. Erstand, soviel ersicbtlicb» an Einfluss den anderen Ministern weit nach. Uober seine Persönlichkeit vgl, Rub. Turneri Kpistolae 276 H. In dem Beriebte bei Ranke Zur dentacbcD Geschichte 287 wird er als Convertit und „Schalfncbs“ bezelchner.
103) S. Alberl Relaiioni I, VI, 248.
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Erbitterung gegen Sjianien mit krankhaftem Verlangen verfolgte. Schon im März 1539 sprach man am Hofe und in Rumpfs eigenem Hau.se da- von, dass er unzweifelhaft seinen Abschied erhalten werde, wenn die florentinische Heirath zu Stande komme
Rudolfs Verstimmung wurde von Gegnern'“) Rumpfs ausgebeutet. Sie stellten dem Kaiser vor, dass der Jlinister die Entscheidung in allen Dingen an sich ziehe und ihn so „beiseitesetze''; dass er früher die Hei- rath mit Isabella hintertrieben habe und jetzt der florentinischen eut- gogonwirke, um seinen Einfluss uneingeschränkt zu behaui>ten; dass er die den kaiserlichen und österreichischen Intere.ssen nachtheilige Aufliobung der habsburgischon Lehenshohcit über Wirtemberg vermittelt habe, und dass er dem Herzoge Caesar von Este die Belehnung mit Modena und Reggio erwirkt habe'“), während der Kaiser diese Landschaften ebenso wie der Paj>st Ferrara hätte cinziehen oder doch um einen weit höheren Preis, als er erhielt, hätte verkaufen können'“'). Ja sie beschuldigten Rum]jf, dass er im Einverständnisse mit dem spanischen Hofe stehe, dass vornehmlich er die Verhoiratlumg Isabelions mit Albrecht veranlasst hal)e und dass er jetzt auf Spaniens Wuasch der florentinischen Heirath entgegenwirke, um dem Erzherzoge zur Nachfolge zu verhelfen. Eine Commende, die ihm durch Philipp II. verliehen worden war'“), wurde als Preis, um den er erkauft sei, bezeichnet.
Wie weit diese Vorwürfe sachlich begründet waren, vennögen wir nicht mit voller Sicherheit festzustellen , da die Acten der kahserlichen Regierung und Berichte eingeweihter Zeitgenossen fehlen. Zu Eigen- mächtigkeiten wurde Rumj)f durch Rudolfs Wesen gera<lezu gedrängt, wenn er die Geschäfte nicht völlig ins Stocken gerathen lassen wollte. Grösseres Verschulden bei ihm vorauszusetzen, liegt kein Anlass vor. lieber die .spanische Heirath sprachen wir bereits. Die Gründe, welche Rumi)f gegen die florentinische geltend machte, waren unläugbar triftig.
104) ». B«iUge 1. 1.
lo.'i) Nach Daode» Bericht in Beilage VII, 1 bitte Barriiin» znerjt gegen Rnmpf iiitrigoiert.
106) Sie erfolgte am 17. Januar 159^ Haeberlin XXI. 6S.
107) S. Beilage VII, 1 und 2.
lOt^) Kherenliiller Annales III, 770 und Conterfet II, 66 Änm. d.
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so
Wtis die Lehensfragen angeht, so wurde durch die Aufhebung der wir- teinhergischen Afterlehonsdiaft weder dein Kaiser noch seinem Hause ein Nutaen bringendes Hecht entzogen, sie war geeignet, jenem die Er- gelienlieit des Herzogs von Wirteinberg zu gewinnen, und sie führte den ei"schö})ften Kassen desselljen eine bedeutende Summe zu’**); die Verwei- gerung der Anerkennung des Heivxigs von Kste aber würde erfolglos geblieben sein oder höclistens Spanien einen Vorwand geboten halben, sich der streitigen Gebiete zu bemächtigen. Die Vermählung Albrechts mit Isaljclla ferner konnte Huinpf, da es gewiss war, dass Rudolf sich nicht mit dieser verlieirathcn werde, in der Hoffnung, da.ss sie den auch für das Reich so wünschenswerthen Frieden in den Niederlanden erleich- tern werde, und aus allen jenen Gründen befürworten, aus welchen früher Khevenhüller die Verbindung der Infantin mit Erzherzog Ernst empfoh- len hatte "*). Dass er dagegen Albrechts Wahl zum nimischen Könige begünstigt habe, ist nicht anzunehmen, weil er im .Juli 1509 Matthias unterstützte'"). Durchaus unliegründet ist endlich ohne Zweifel der Vor- wurf, er sei ein Werkzeug des madrider Hofes gewesen. Die Verleihung jener Coininende erfolgte schon 1589 und zwar mit Vorwissen Rudolfs "*) und sie war eine bei Rumpfs Stellung sehr erklärliche und auch gegen- über weniger eintlus,si-eichen Männern gewöhnliche Aufmerksamkeit, die zu keinerlei Folgerungen berechtigt. Hätte Rumpf wirklich der Heirath des Kaisers mit Isabella entgegengewirkt, so wäre das sicherlich ein schlagender Beweis, dass er nicht ein w'illfahriger Diener Spaniens war. Ueberhaupt aber findet sich keine Thatsache, welche darlegte, dass wäh- regil der Amtsführung Rumpfs Spanien mehr begünstigt worden sei, als es den eigenen Interessen und der eigenen Politik des Kaisers entsprach. Die gegentheilige Behaujitung ist damals von deutschen Prob-stanten und von andern Feinden Jlabsburgs, welche beide Zweige dos Hauses zur Er- richtung der katholischen Weltmonarchie verbündet glaubten, aufgestellt worden und neuere Geschichtschreiber haben sie gläubig nachgesprochen,
109) S. Sattler Geeehicbte der Herzoge von WQrtenbcrg V, 219 ff. und Senkenberg XXI, 620 ff. HO) S. oben S. 11.
111) S. oben S. 30.
112) Das hebt Khcvenbiller aoadrucklich hervor.
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wie sie sich aucli sonst ihre Anschauungen über die Politik der Kaiser und der katholischen Partei aus den eher bekannt gewordenen Acten der Protestanten bildeten. Aber ein wahrheitsgetreues Bild einer Regierung lässt sich doch nie aus den Vemiuthungen der Gegner gewinnen und namentlich nicht in jener Zeit, wo man in Deutschland so wenig in die Geheimnisse fremder Höfe einzudinngen veratand und ebenso arm an politiscliein Verständnisse wie reich an Einbildungskraft und Leichtgläu- bigkeit wai'"’). Wir erwähnten bereits, wie wenig willfährig sich der Kaiser den Wünschen der Sjianicr in Italien zeigte"*); die Festsetzung deraelben am Rhein misbilligte er stets"*) und der Einlagerung Mendozas trat er von vornherein aufs entschietlenste entgegen. Der berufenste Zeuge, der Botschafter San demente, klagte im .fahre 1 .594 bitter, da.sa er am kai- serlichen Hofe in allen Beziehungen einer Spanien sehr abgeneigten Ge- sinnung begegne"*). All dies aber fällt in die Zeit, in welcher die Lei- tung der Geschäfte noch ganz und gar in den Händen Rumpfs lag. Wir dürfen daher aunehmen , dass ihm durch die Beschuldigungen seiner Neider und Nebenbuhler Unrecht geschah.
Die Einflüsterungen derselben verfehlten jedoch bei dem mistran- ischen und gegen Spanien erbitterten Kaiser, der sich ebensowenig durch Rumpf wie durch einen seiner Bruder der Regierungsgewalt berauben lassen wollte, die beabsichtigte Wirkung nicht. Sie mochten dazu bei- tragen, da.ss im Jlärz 1599 seine krankhafte EiTegung zurückkehrte"'), und durch diese wurde wiederum sein Argwohn gesteigert. Er begann in Rumpf einen Verrather und Nebenbuhler zu sehen und frug seine Üm- gebung bisweilen, ob sie es mit ihm oder mit jenem hielten. Rumpf selbst aber gab er zugleich seinen Unwillen in einer Weise kund, dass dieser
113) Welches Zerrbild der protesUntischen Politik würde x. E. aas den io dieser Ablioodlun^ er* wähnten Gerüchten, die den kaiserlichen Hot, die Krxberzog« and diü kstholischeo ReichssUnde Leunrabigten. entstehen.
114) S. oben S. 10.
115) Vgl. llsssel in der Zeitschrift fkr preusstsebo Getcbichtc V, 510if. Auch in den Epistolae Itudolpbi II, 129 ff. findet »ich eine Mthnang de» Kaisern vom 12. i>«|)teraber 15H9 an den König von Spanien, sein Volk vom Heichsbodeu abxaf^hren and feruzahalten.
116) Briefe nnd Acten IV, 471.
117) Präntl an Hx. Maximilian von Baiern 29. Marx 1599: Obwohl man bestimmt erwartet hatte, dass der Kaiser den böhmUeben Landtag pi*raoolicb eröffnen werde, ist die PropfMition doch
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seinen Abschied erbat. Der Kaiser versprach ihm deiwelhen und wenn er sich dann auch nicht cntscliliessen konnte, den Minister, an welchen er gewöhnt war und welcher bis dahin alle Geschäfte geleitet hatte, wirklich zu entlassen, zumal sich die Verhältnisse iin Reiche sehr drohend und verwickelt gestalteten, so gewährte er ihm doch nur mehr selten Zutritt"*).
Mitte April zeigte sich Rudolf ihm dann wieder günstiger gesinnt, was vielleicht daher rührte, da.ss er selbst um diese Zeit seine Gedanken von der florentini.schen Heirath ab wandte "’).
Bald darauf nahm je<loch seine Krankheit in Folge der schlimmen Nachrichten, die aus dem Reiche einliefen'“), zu. Kr wurde so erregt, da.ss er oft gegen seine nächste Umgehung in Zorn auflirauste, bald diesen, bald jenen für einige. Tage aus seinen Gemächern verbannte, und mehrere Kammerherren veranlasste, ohne seine Einwilligimg von Dienst und Ilof zu scheiden Verstärkt lebte nun sein Unwille gegen Rumpf auf und auch mit anderen Ministern begann er zu hadeni '**). Er mochte es ihnen verübeln, dass sie ihm nicht Ruhe vor den Regierungssorgen,
nnr lebriftlicb fibergeben worden. Mn. ^0/U, 41 Or. Dcmelb« an denselben, 19. April ir>9'J: Obgleich man von der Po«t sicht« mehr hört, bat sieb der Kaiser doch «eit «einer Rückkehr [s. oben 8. 24] nnr dreimal, am Gründonnerstage, Charfreitage and Osterfeste [8., 9. nnd 11. April] üffcntlich sehen lassen, auch da aber ist er nur mit den Kammerberren und den ge* heimen Rätbea darch den verdeckten Gang in die Dotnkirche gekommen; dem übrigen Hof* Staate ist nicht angesagt worden, damit nicht zu viel Volk loaammenkomme, „und wie man von vilen orten vernimbt, erzeigen «ich 1. Mt. etlicb woeben bero sehr melancholiscli/ Das 51 Or.
1IH) S. Beilage V, 1. und Khevenhiller V, 2221.
119) S. Beilage V« 1 am Ende und l, ‘k
120) Vgl. oben Anm. 76 und Beilage VI, 1.
121) S. Pfäntls Bericht in Beilage V, 2. Was die«er über den Oniiid der „Abschaffungen*' angibt, möchte ich dahin verstehen, dass d^ Kaiser« Zorn erregt wurde, wenn man ihm von Geechifleit sprach, nnd dass sein Befahl den Zweck hatte, sich jene femtuhalten, da die Käthe erst Audi* enz erbitten oder dazu berufen werden mutsten.
122) Vgl. Beilage II, und Hammer Khleal I, Beil, n. 1H7. Am S. Mai 1.599 berichtete Ven. dramin „Si accresce In tanto ogni giomo eridentemente la afflittiono deir animo di S. C. Mtl, mcotre da tutte le parti compariscono aviai che le apj>ortano grandisaima moleatia et etla seno rieeote assai, qucrelandoai non «ob col Konfo, ma con altri ancora del soo cooseglio et oon )i Buoi piü Intimi servitori. Onde «I vedono gli animi de tutti qnelli del suo serritio nniversal- mente arsai perturbati et le co«e di quetto governo par, ebi ogni giorno vadano sempre ptü deteriorando.*' D. V. 29, 128. Dechiffrierung.
Abb. d 111. a. d. k. Ak. d. Wisa. XV. Bd. I. Abth. G
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die ihn ängstigten, zu verschaflPen iiu Stande waren. Schon in früheren Jahren liatte er sie mitunter aus solchem Anlässe mit Vorwürfen über- häuft
Rumpf fand sich bewogen, aufs neue seinen Abschied zu fordern, und ebenso hielt Trautson um denselben an. Rudolf ernannte darauf wirklich am 1. Mai 1599 Peter von Mollart.”*) zum Verwalter dos Oberst- kämmereramte.s, was man wohl nicht mit Unrecht von iler Absicht her- leitete, dass er Rumpf den freien Zutritt in sein Gemach nehmen und dessen Ansehen herabsetzen wollte'“). Bald gedachte er, wie es scheint, noch weiter zu gehen. Er berief den Grafen Karl von Hohenzollem und den Freiherrn Rudolf von Polweil ”*) schleunigst u!u-h Prag und forderte
12«)} Vgl. Alberi Kelazioui 1, t. VI, 24o.
124) Vgl. &b«r ibn J. llcrgmunii Medail^u «iif börQhmt« unJ ausgoutichad« Minatir des ßster* rekhUchen K&iscrBtaates I, il70, und Kerschbxumor Khlesl Im J. 15UM war er noch in Dienden det Erzberzugs Kerdiaand. Harter IV» 410. Vgl. Beilage V. 2. MotUrt .><cheint aeinen Dieiiit bbrigeni vor Humpfs Start nicht wirklich angi treten za haben, denn Monhart berichtet am 6. Kovember IdOO: „Molart »oll Uglich alhcr komtnen und baido dienet des obersten cammorers und obersten stallmeisteni verwalten.** Mc. DrciMigjahr. Krieg&acten fase. 49i?. 1, Or.
125) 8. Beilage I, 4. Am 10, Mai 15i»9 berichtete Vendramin; i,Per la partenia de alcnni gentil’- hoouiini della cantera diS. C. licentiatisi in poco iempo da s«> itessi con qaalche disgasto, soRo statt fatti novamenb' altri tre camericri. AU' ano de qoali nominato il baron di Molar e statG dato il titolo di locotenente del cameriero maggior, che i il s** Konfo. havendo voluto 8. C. levar la oceasione di qoesta maniera al detto s** Honfo di entrar nidU saa camera et havendo volnto Icvarle insieme qaalche poco dl repatattone nel cospetto dclla carte.'* D. V. 20, l.'td Or. in Chiflern Auf diese Vorgänge bezieht cs sich wohl, wenn Erzbzg, Mazimitian am 01. Jnli 15o0 an Unverzagt schrieb: „Sonsten weil ohne das nnverboffte mntationes za Prag forgelaufen, wolte ichs gleich far ein gnt Zeichen achten, wann die flutte den schedlichen und verhindvrilchen Hoffenanu auch zugleich mit hinwegraffte, nur das ein beaterer wider in die stelle** [kiine]. Ib. Aasgangene Schriften 1509 Cpt. Der Freiherr Ferdinand von Hofmann. [ein Protestant s. Beilage Vll| wird bei Kbevcnhiller I, *J.*h) schon l*>i42 als Hofkammer- Präsident genannt. Vgl. Qber ihn Harter I, 514 and J. Rergniaiin Medaillen I. 2l>H, wo er fälschlich als 1507 verstorben bezeichnet wird. Sollte er ein Gegner Rnmpfs gewi^en sein? Der von ihm in Btaug auf seine Stellung geruaebte Vorbehalt, s. oIhd Anni. 98 konnte zu Streitigkeiten zwischen beiden Anlass gegeben haben. Gegen liumpf war Maximilian schwerlich ungünstig gesinnt, da derselbe fhr die Oidnnng der Nachfolge cintrat; s. Beil. III.
120) Vgl. über Beide Briefe und Acten IV, Uegister s. v. Ueber Zollom schrieb Barvitius am IH. Februar 159U, als derselbe mit Hz. Maximilian von Baiern nach Prag kommen sollte, an Hl. Wilhelm: „De comite Zollern inirom videbntar, qui controversias ac Utes aliaque negotia lutricAta babeat; non iis jam locum cssu, non illum V. domestieum.** Am 20. schrieb er
dann: „Is si abeit, reliqui non ita nosiris in ocutis orunt. De eo superciliosutn erat unius [d. b. ohne Zweifel des Kaisers] Judiciatn.** Ma. 417/x, 9 und M eigh. Orr.
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sie zum Eintritt in seine Dienste auf'-'). Wie man sich erzählt«, sollte der erste Obersthofmeister, der zweite Obersthofmarschall imd Reichs- hofrathsprüsident werden'*"). Es geschah jedoch nicht. Die Gesundheit des Kaisers besserte sich und damit sowie durch seine schon erwähnten Verhandlungen mit Matthias, welche ihm in diesem einen Bimdesgenossen gegen die Pläne Spaniens und Erzherzog Albrechte zeigten, mochte sich seine Stimmimg heben und sein Unwille gegen seine Minister, die Mat- thias unterstützten, beschwichtigt werden.
Während der näch.sten Monate hören wir nichts von Zwistigkeiten mit jenen oder von Regungen seines Leidens. Ob ein neuer Krankheits- anfall die Ursache der ungünstigen Aufnahme war, die Erzhei-zog Mat- thias, wie berichtet, im September 1599 fand, wissen wir nicht. Un- mittelbar nach seines Bruders Abreise verlioss Rudolf Prag, wo die Pest im Juli wiederum ausgebrochen war und immer weiter und heftiger
127) Polwciler an Hz. Maximilian von Raiern Ingolstadt 12. Jnni x\nz«ig« Ton der Bemfang.
Ma. 50/x, 47 eigh. Or. Schon am 10. December IÄ97 hatte Rudolf I!. den Freiherm nach Pra^ berufen. Dieser meldete es am 29. dem Hz. WUbolm von Haiem mit dem Bemerken, dass er schon wiederholt kaiserliche Dienstaoerbietungen abgelehot habe and auch jetzt keine Lust liabe, sie anzonehroen. Das. f. 17 cigh. Or. Dazn bemerkte GaUkircher: Er spüre, dass P. geneigt sei, anzanehmen, theils aas Ehrgeiz, theils weil er dann seine Angelegenheiten and die seines Bruders Constantin, der am Hofe Processe anhängig habe, fördern kdnne. Aoaser- dem scheine er, darch Andere veranlasst oder ans sich selbst, zu hoITen, dass er bald in den geheimen Katb kommen werde „atqne ita faeile fieri poase, nt altcmtro cz üs, qai jam nunc secandl sant a Caesare. deficiente ipse unus e daohas fiat. V'ertim quam haec omiiia , quae sibi ridetur imaginari, sint incerta, quam plona fastidiorum negotia auliea hisce terDporibnt apud Caesarero et in aula caesarea, quam omnia ibi ilü libertati, quam ipse ailfectat, enntraria. qaoties ille Ser^ü V. minisieria, maximc ut illa nunc snnt, pracuptabit*' , das habe ich ihm ernstlich TorgestelU. Das. 19 eigh. Or. Am 2:^. Februar 1*)9S meldete P. dem Hx. Maximilian, er sei aus Prag zurhekgekehrt; der Kaiser habe ibm „zu einem Anfang'* das Rnichshofraths* Präsidium angeboten und starke Vertröstnng grosser Gnade nnd weiteren Vorschubs getban ; zweimal sei vom Kaiser selbst und ausserdem von Rumpf und Traotson mit ihm Terhandelt nnd ihm mit Drohungen und Versprechujigcn zugesetzt worden. Da seine meisten Güter kai- serliche oder österreichische I^hen und Pfandschaften seien, wisse er sich nicht zu weigern, doch Irnbe er Frist bis Ende Marz. Das. 22 eigh. Or. Am 9- Marx bat er den Kaiser um Auf- schub Ton vier bis fünf Jahren, weil or die durch seines Bruders Oonstantin Tod auf ihn ge* fallenen Schulden ordnen müsse, u, s. w. Das. :ti) Copie. Am April gab der Kaiser ihm
Tier bis fünf Monate, .‘U Copie. Am 2». willigte Hz. MaxImtUan in seinen Uebertritt in ksl. Dienste; Ji5 Cpt. von GewoM. Am 10. August bat P. den Kaiser nochmals dohentlicb, wegen seines Hauswesens von der Berufung abxustehen, H7 Copie. Arn 24- Octoher 159X befahl ihm jedoch der Kaiser, sich eiaxustellen. (4 Copie. Was ihn dann noch xarüekbielt, ist nicht er- sichtlich.
128) S. Beilage V, 2.
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uni sich gegriffen hiitte'"), und begab sich nach Pilsea Dort schloss er sich dann in der krankhaften Todesfurcht^ die ihm eigen war'**), völlig
ab‘>')-
Schon dies musste die Wiederkehr seines Trilbsinns begünstigen. Dazu kamen mannigfache Sorgen. Matthias hatte bei seiner Anwesenheit den Zustand des Kriegswesens und die ganze Lage in Ungarn und Sieben- bürgen sehr ungünstig geschildert untl dringend um kräftige Hülfe ge- beten. Er fuhr damit nachdrücklich fort Die kaiserlichen Kassen aber waren leer. Im lleiche zeigten sich die evangelischen Stände über den Einfall der Spanier und das Missglücken ihres gegen diese gerichteten
129) A. Präntl an Hz. Maximilian von Baiern» Prag 26. Juli 1599: Dia Infectioa greift nicht imr
in der ümgegend. sondern such in Prag aelbat stets mf>hr um eicli, und man erwartet, dass I
der Kaiser sein Hoflager verlegt. Ma. 50/U, fl'J Or. Ders, an den«. 2. August: Die Pest niromt
za. Die Verzeichnisse weisen wacbentlicb 70 bis ^0 Tote auf und man vennathet, vielleicht
mit Grand, dass noch Viele XachU heimlich begraben werden. Für den Kaiser werden ln i
Linx Gebäude aus Holz zogerichtet. In ganz Böhmen soll n ziemlich schlimm stehen. Da die
Infection so frQh iro Jahre aasgebrochen ist. fQrchtet man, dius sie um so heftiger werden
wirl. Das. 71 Or. Desgl. 21. August: Die Pest wächst noch immer, namentlich unter dem Hof*
geainde. Auf der Kleinseite, wo dieses meistentheils wohnt, sind an einem Tage 40 Leute ge*
storben. Kin Kammerfaricr ist am 18. nach Linz vorausgcBchiekt . da man jedoch dort mit
dem Gclmude noch nicht fertig ist, heute aber sogar des Kaisers KapeUendiener jählings ge*
storben ist, so wird der Hof wohl einstwoUen nach Budweis gehen, f. 79 Or. Desgl. U. Sep*
tember: Gestern Kaclimitlag ist der Kaiser mit seiner Kammer nach Pilsen aufgebrocheo. Da
die Stadt sehr eng ist uml der Kaiser dort keinen Garten u. dcrgl. bat, so wiixl er wohl bald
nach Linz oder Pasniu geben. Die Reirhshofräthe sollen binnen 8 bis 10 Tagen in Pilsen sein.
Da unterwegs Jagden stattßnden. wird der Kaiser wohl erst ln vier Tagen nach Pilsen kommen, f. 80 Or. Desgl. 12. September: Am 10. bat der Kaiser nur Rumpf. Mollart, der wegen Er* kranknng des Grafen Albrccht von Fürstenberg das OberstetaUmeisteramt versah, und Barvitiiu mitgenouimen. Trautsou ist am 12., Hornstein heute gefolgt. Fürstciibcrg Ist heute an einem Fieber gestorben, f. 82 Or.
It^) Veudramin an den Dogen 1. Februar 1599: Der Kaiser wird wohl nur einige Tage um Phi*
Hpp II. Trauer tragen, „come qoella che naiuralmcnte lo abhorrisce.** 0. V. 28, 2:t0 Or. Vgl. .
Beilage VI, 2, I
121) Vendramin an den Dogen 8. November 1599: „Vire bora intanto S. C. molto retirata et sotto pretesto della peste di Prags ha probibito ringresso nella terra di Pilzen ä tutti 11 pre* tendeiiti et litiganti et alire persona affiittc, dalle quall anchora cbe le siano uiaudati diversi memuriali ogni giorno con bumitisaime instantic, non suno peru lasciati pervenir alle sue raani, per il che ai sentono molte quereile et molte lamentationi degne di grandiasinia compassione.“
D. V. 2P, 4ü3 Or. in ChifTern. Von den Reichshofräthen waren nur der Refereut Ehern und Zait in Pilsen, ßarritius und Haanewald kamen „wegen vUe der gescheiten und der gebairoben Sachen selten in den ratb". Präntl an Hz. Maximilian von Baiern 25. October 1599. Ma. 50/9, fH> Or.
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Kriegszuges erbittert. Man höi-te von iliren Bemühungen, ein Bündnis zu errichten, und von Iwsen Anschlägen gegen den Kaiser tmd die Katho- liken. Der nach Sjieier berufene Keichsdeputationstag war bereits zweimal durch ihren Wideretand am Beginn seiner Berathungen gehindert worden. Bei seiner Wiedereröffnung standen schwere Streitigkeiten, wenn nicht völliger Bruch der Parteien zu fürchten, und es war kaum zu hoffen, dass die Kreise oder ein Ileichstag neue Türkenhülfon gewähren würden, da die protratantische Opjxisition bereits trotz allen Mahnungen und Drohungen die 1598 bewilligten Steuern zurückliielt Anderseits war Erzherzog Albrecht mit der Infantin nach Belgien zurückgekehrt und es hiess, diu« er sich um die Wahl zum i-ömischcn Könige bewerbe, wodureh Iludolfs Furcht vor Ab.setzung neu erweckt und er zu sofortigen Gegeubemühungen veranlasst wurde '“).
.So stellte sich demi die Aufregung, welche den Kaiser im Anfänge des Jahres heimgesucht hatte, in verstärktem Masse wie<ler ein. Sie steigerte sich, da er von Natur zum Jälusorn geneigt war '**), mitunter zu jdötzlichen Wuthausbrüchen, in welchen er seine Kammerherren und Diener wegjagte oder mishandelte. Auch seine Käthe hatten darunter zu leiden, vor allem Kumpf und Traut.son. Wieder dachte er dar.in, sich mit anderen Ministem zu umgeben. Zollern und l’olweil sollen nach Hofe berufen worden sein. Im Mai 1600 wurde der Freiherr K.arl von Liechtenstein zum Geheiiiirath bestellt”*). Wohl traten auch jetzt noch
1^2) Ka<]oIf schrieb an den Chf. too der ja im Verdacht stand» Albrechte Wünsche tu be-
günstigen: .»Krwardiger. freoodUcher, lieber retter und charfürit. WeUn ein zeit hero allerlei Zeitungen wegen heimlicher practicken, di« succession im reich bet refft-nd, eich verlauten lassen, und mir sonders daran gelegen, das ich solcites eigentlich wiuen müehte, so ist mein freund- lich begern an £ L , Sie wollen mich in ^ndenu vertrauen, tla Sie etwas dergleichen vemeb- men oder in erfahrung gebracht haben, damit ich mich desto besser und gewisser darnach richten rosige, verstendigt'n. Das reicht mir zu sonderin angenehmen gefallen und noch vill grösserem, da ich desshalben bald aelbstcn mit £. L. davon reden möchte. Benebens bin ich E. L. mit vetterlichen trenen und allem gaeten jedereoit ganz weil zugethau. Datum Pilsen den b. deeembris ao. VU. Eur Lieb gnetwilliger vetter RudoliT.*' Brs. Sccret. d'AIleui. N. 307. 144 Copie. Das Original war wohl eigenhändig geschrieben.
Alb^ri Relaziont I. t VI, 240.
134) Piero Duodo an den Dogen 29. Mai 1600: „Ha S. introdotto di novo oel suo consiglio sccreto il s^ Carlo di Liectistain signore dl 00 o forse 70000 taleri d'entrata et che ä questo ottobre
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nihigere Woclien ein, aber ein kör{)erliches Leiden, welches dein Kaiser Athemnoth schuf, und die politischen Ereignisse boten der Krankheit neue Nahrung.
Insbesondere erregte den Kaiser die V'erlobung Marias von Medici mit Heinrich IV von Frankreich, wodurch er nochmals seine Heiraths- plilne und zw.ar wiederum zu Gunsten eines Fürsten, den er als Nebon- Ijtihler um die Kaiserkrone betrachtete, vereitelt sah. Er gerieth darüber in solchen Zorn, dass er nach Madrid schrieb, Spanien solle dem Könige bei der Heiinfülmmg der Braut ..einen Possen reissen*^ und nun um jeden Preis heirathen wollte. Er sprach davon, eine seiner Basen in Graz, für welche er Mailand als Mitgift zu fordern gedachte, oder eine Tochter des verstorbenen Erzherzogs Ferdinand von Tirol oder eine Lothringerin, ja sogar eine Moskowiterin oder eine Wallachin zu freien ’*^). Das waren freilich nur flüchtige Gedanken. Sogar die von .seiner Mutter ihm em- jifohlene Verbindung mit einer Grazerin suchte er nicht weiter, da jene ihm vorstellte, da.ss die Firwerbung von Mailand nicht zu hoffen sei'“).
I>stsat«, nacnilo io a Vi«niia, »i fece di heretico cattolko. k giorino di 2.'> io SO anni la-in- tomo, muUo disereto et molto hoDor&to ct per quaato ho conouiuto in domcstica convcrtiatlone» degno certo di Qaaato alla nobilita deila sua natura vi aggloogc resperieota,
)a quäle e roadre delli buoni goremi. atato giä ammeR&o alle eonsulto et ha giorato la fedelta Mcoodo il solito, et ai dice, che preatoS. »ia per introdurri anco dclli altri. k roc«, ehe il s'' Tranten disHegni di ritirarsi et gia anco rharrebb« fatto, le Io coae deil' Oogaria fostero torminate. Ma gli paroi non poterlo far con suo honore, horeiido seguitato il padrono oella proüperitÄ, abbnndonarlo poi iiellc miacrie. 11 simile ai aflrrma del af Konfo. Ma questo 80D0 coee ehe si erederanno, qoaodo ai voderanno» ae ben certo habtiano *ct l'uno et l'altro moUa ragione dl Carlo.'* D. V. :b>, Or. üeler Liechtenstein vgl. Khevenhillcr Cnnter* fet II, U!*, Hurter VI, 4*i9 f., und ChlumecVy Zierotin 1-V'i, ly7, 2dl Anm 62, 'J-W Anm. or», 240. Ueber seine politi^^ehe StelliiBg arthellte der vencxiani«cbc (ieumlte Kr. So- ranto am 20. Februar 1G07: „11 e' Carlo, se l>«ne per gli sooi ioter«Ksi ai va acco^tando alla fattionc Fpagnola, nicnte<linieiio vi ha per natura 11 geoto aattai contrario." D, V. •iß, II, 30:i Or.
V-io) Auch an llcnogin ^agdalt-na von Baicrn dachte er vielleicht. Schon am >^. Oelober lo99 schrieb Groisbccek an Ulrich Speer aus Arnsberg, der Kai-or haW »ich das Bild der Prinxosain erboten nnd es habe ihm so gut gefallen , dass er soghdeh seinen Maler Hans von Achen ab* geschickt habe, „per tirarla del tuttu al vivo.'* Ma. 415, ‘>^4, 2^. CrI. Vgl. unten.
I:t6) Khevenhiller V, 222H f. u. Bvitag«* VI. Am 1. J.'inuar UKh) meldete Manhart dem Hz. von Batern, es heisse, da;a Mecker stark vom Hofe weg trachte. .Mn. 50/10. I Or. Ursache davon waren wohl auch die I^aunen Budulfs. Vgl. auch Briefe und Acton I. u. 120.
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Zur Rückkehr nach Prag konnte er sich lange nicht entschliessen. obgleich die Pest bereits im Januar 1600 fast gänzlich erlosch’”). Erst Anfang Juni machte er sich plötzlich von Pilsen auf und zog wieder auf den Hradschin. Die Jagden, die er unterwegs abhielt, die gewohnte Umgebung und der Wiedergenus.s der Sammlungen, Anlagen imd Be- schäftigungen, die seine Freude waren, besserten noch einmal seinen Zu- stand '**). Dann aber kam die so lange vortereitete Krankheit mit voller Macht zum Ausbruch.
Die unbestimmte Angst, welche die Begleiterin heftiger Nervenleiden zu sein pflegt, Hess dem K.aiser Tag und Nacht keine Ruhe und wenn sein Zorn erregt wurde, artete sie zu Hallucinationen und an Raserei streifenden Zuständen aus. Er glaubte. da.ss eine Verschwörung gegen ihn bestehe, dass man ihn ab.setzen, ja uuibringen wolle, dass er ver- zaubert sei oder Gift erhalten hal)e. Sein Argwohn gegen Erzherzog Albrecht empfing neue Nahrung durch eine Reise des Churfürsten von Köln zum Administrator von Sachsen'”), durch einen Besuch, den Erz- herzog Ma.\'imilian eben damals der Kaiserin -Mutter in Spanien abge- stattet hatte"*), und durch das Gerücht, dass jener von Madrid nach Belgien ziehe.
237) Machart an dm Ilt. von Baiom 1. Janaar 1000: Die Peat hat fast ^anz aofgehört. Die 6e> Oüchtetm kehren zurück. Bfan erwartet den Kaiser zu dem am 14. Wginnenden bühmiscben Itandtage. Vom 1. Äugest bis zant 30. NovembiT 1399 sind nach den dem Kaiser cingeiie- ferten Totenzetteln in Pr^ genau 4000 Personen gestorben. Ma. 50/10, I Or. Vgl. Bei- lage VI, 3.
133) Prantl an Hz Maximilian von Baiem 17. Juni 1000: „Sonntag den 4. dUs nachmittag Ut die B. ksl. unfürsehencr weiss, als das Hofgesind vor dem mittagronhl dergleichen gar nichts gedacht, eiloods aufgebroehen and denselben tag von Pilsen bis geen Rockvzan verraist. Dess an- dern tag* seind I. Mt. gleich widernmben vernickt und haben etliche tag von einer herrsebaft zu der andern loatratficn gethan, unterwegs etliche gejagten gehalten und also sambetag den 10. glücklich allhie ankommen und befinden sieh wegen ihrer hiesigen ezercitien, recreationen und allerlei gelcgenbaiten, dergleichen si anderer orten nit gehabt, sehr wol.“ Die geheimen Ratbe und die Iteichsbofr&the sind jetzt auch wieder hier. Ma. 50/10, 4.5 Or. Manhart an den- selben, 10. Juni 1000: Der Kaiser ist von Pilsen so plötzlich aufgebroehen , dass Rumpf kaum Zeit hatte, sieb zur Keise anzukteiden und die Pilsner die Valediction rerBaumten. Das gemeine Hofgesinde folgt allmählich; da cs an Fuhren fehlt, reist es meist zu Fass. Das. 47 Or. Auch Dnodo berichtete am 12. Juni, der Kaiser sei „con buonisslma salute“ zurückgekehrt. D. V. :«). lOU Or.
. 139) Sieh unten.
140j Kbevenbillcr V, 2224 ff.
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Jede ärztliclie Hülfe verschmähte der Kaiser und ebensowenig ver- mochte ihn seine Umgebung, die ihn für verzaubert oder vom Teufel heimgosucht hielt, zu bewegen, im Empfange der Sacramente Befreiung zu suchen, denn in jo schrofferem Widerspruche seine geschlechtlichen Ausschweifungen zu den religiösen Anschauungen standen, die ihm in der Jugend eingeprägt waren und die ihn nach wie vor beherrschten, desto mehr musste ihn in seiner angstvollen Erregung der Gedanke an die Beichte und an die Verantwortung vor Gott erschrecken'").
Während seiner Anfälle war er mehrfach im Begriffe. Hand an sich selbst zu logen. Auch das Leben seiner Kammerherren und Diener war oft bedroht; mehrere wurden von ihm verwundet; wenige vermochten bei ihm auszuharren. Die Erletligung der Geschäft!! stochte mehr als jemals und beinahe alle Bäthe, w'olche mit Rudolf persönlich zu ver- kehren hatten, fielen in Ungnade"*).
Sein Geheimsecretär Johann Barvitius ’**) durfte seit Mitte August
Ml) So >(laube ich Kudolfs Abneijj-ung gegen die Beicht« erklären la mösf^en In BeilAge IX wenlen antdrnckiicfa «eine religiusen Scm{>el erwähnt. Das« er nicht, wie Ranke z. deiiUchen Ge* schichte l«8 meint, in religiöser Hinsicht gleicbgQttig war, beweist wohl gerade die Äofregnng, in welche er gerieth. wenn er beichten musste, sowie der Umstand, dass er seit dem Kndc des Jahres 16lM) den fanatischen Convertiten PUtorine zum Bekhtrater annahm: > nnten. Zudem trat er ja je länger desto entschiedener fdr die Restanratinn ein und strättbte sich aus religiösen Bedenken so heftig gegen die Bestitigang des FriedensRchlQsse von lOOG und die Rrtheilung der Majestätsbriefe. Vgl. auch Alberi Heiazioni I, t. VI, 240. Wie übrigens der Kaiser in der Folge stets jenen Widerwillen zeigt, so scheint er von ihm auch schon in früheren Jahren BUS dem oben bezeichneten Grande erfüllt gewesen zu sein. In dem oben Anm. 80 beepro- ebenen Vortrage wird nämlich gesagt: .,Hec rero a patris aut ari ingenio Uiidolphus alla* tenns degencrat. Nam enin magis usu quodam quam consilio christianuni ona# nemo non ag- Doecif, qui videt, qnanto religionis contemptu patrem spiritualem aive confessionarium quin* qoaginU milliaribus a se dUtantem alat, qnem vix semel in anno accersat, ut alü intelligant, enm ob inünita sua rirginum et mnlicrum stapra et magicas incantatione« ac praestigias. qui* bas cam sao Jadaeo Halo dat operani. impatientes non anquam aaros offemlere.“
142) S. Beilage VIII, IX, X und XI und Briefe und Acten I, n. 2(>0 am Ende MS) Vgl. Kherenhlllor Conterfet II, 74. Unrichtig wird dort »eine GeburUstätte nach lnner> Österreich verlegt. Er war ein Niederländer. Ob die Angabe bei Ranke Z. d Geschichte 287, er sei „ciocs tompfaffen son von Utrecht/' richtig, weis« ich nicht. Um werde er Lehrer des Herzogs Maximilian von Daiern. Aretin Maximiltan I. 8G2. LVtH wurde er bairischer Rath. Md. HofzahlarotsbQcher. Schon im Sommer desselben Jahres trat er als Rath und ge- heimer lateinischer becretär [erster Reichshofrathssecretär] In Rodolfs II. Dienste, Anfang April ir>98 wurde er, ohne jenes Amt tu verlieren, Reich«bofrath. Manhart an Hz. Wilhelm von Baiem, 21. April 1598. Ma. 50/7, 12 Or. Vgl. Ej'zinger Rel. hist. 1593, II, 77. Am 2i).
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nicht mehr vor ihm erscheinen. Am 26. Sej)teinher liess er dann Kumpf, naciidem er ilin vorher wiederholt mit leidenschaftlichen Vorwürfen über- häuft hatte, durch Hornstein die Knthebung von allen Aemtern ankiin- digen und die Abreise von Prag befehlen, und als Trauteon ihm Gegenvor- stellungen machte, wurde auch er, den der Kaiser ohnehin für Rumpfs Mitschuldigen hielt, verabschiedet und verbannt. Beide glaubten selbst
29. Hai schrieb Oftilklrcher an Hl Wilhelm: „Video et aadio, BarTitü aoetoritatem etexisti* matioDcm in dien ereseere et augeri maj^is.** Ma. 399^0. eigh. Or. 1597 wird B. alt Tor- oehmster Sacretär des geheimen Ratbee bexcichnet. Seine Stellnng scheint schon seit 1594 der ein» jetxigeii CabineUsecretÄrs entsprochen xn haben Er besorgte namentlich die prirate und aoiUnduche Oorrespoodenx det Kaisers. Vgl. Briefe u. A. IV. Kegister t. Rob. Torneri epütolae 37, 41, ‘JOh, 274 IT. >155. Burmann Sjrlloge epp. I, .59.5 und Harter Philipp Lang 162. 16.5. Hx. Wilhelm von Bsiem schenkte dem ßarritiax durch Hecret vom 10. Juli 1,59^ fhr dessen ihm geleistete Dienste und fUr die Zeit, wo derselbe ohne bestimmtes Gehalt gedient habe, 3000 Gl. and befahl darüber einen SchuldtcheiD tu o% aoaxustellcn ; was B. früher für Zehrung and im Abschlag auf sein in Aussicht gestelltes Gehalt empfangen habe, »olle ihm auch geschenkt sein. Mc. Decreto IV, n. 85 Or. Am 1. Juli 1594 mahnte Rarvitins den Herzog ihm eine Gnade za erweisen, sonst werde sein Diensteifer gegen Baiem erkaltea; am licbeten sei ihm , wenn ibro der Herzog zur Heirath mit einer in Baiern begüterten Waise verhelfe Ma. 899/81, 10 eigh. Or Wio aus anderen Briefen von ihm a. a. 0. 12 ff. erhellt, wollte er die Schwägerin de« bairischen Ratbea Philipp Kurz von Senftenau heiratben und wünschte, dass der Henog deren und der Verwandten Widerstreben brt'che Gailkircber schrieb am 21. Juni 1594 an den Herzog: ßarvitius schwankt, ob er jene Dame oder eine andere Baieriit nehmen solle ,,Sunt, qni exütiment, non faetnrum illum conditionem suam apnd Caesarem et caeaareanos roeliorem, si docta Bavarica uxore magis sese in posterum obstringat Bavaricae clientelae. Offerantur ei Austriacae virgines. riduae, oobiles, locupletes, nibilominos Video illum bactenus pro mirabili sua in Ser<«*‘ V. affectione in Bavariam propendere.'* Ma. 398/80, loO eigh. Or. Am 28. Juli 1597 lud B. die bairischen Herzoge zu seiner auf Ende August an- geseilten Hochzeit mit der Jungfrau Maria, Tochter des verstorbenen Pranx de Bailliencourt. Herrn von Barlettc und Douchy ein. Dabei schrieb er un Hz. Maximilian: „Ad nuptias . . . Serw-tn V. invito .... O^am überalitatem ac munitlccntiam Suam ita in me iniignitcr hac oc- easionc oeteusuram spero, ut studia erga Ipeam mea deinceps roagia magisque accendantur. Quae raea sint erga augustain Bavariac domum merita, quac Ber^^ V. a me obsoqoia praestita, novit Ipsa quam optime; quid mihi com Vicheuseri fllia [wohl die oben erwähnte Schwägerin des Kurz] iütcri daoda esset, promissum fuerit, meminit. Penaio lUa ducentorum quinqoaglnta florenorum aonuoram, quam Ser’**'* D. parens post comitia Ratisbonensia praeiente Ser"*^ eler- tore [Cbf. Emst von Köln] mihi promisit, nunqoam soluta sed plano aboliu fult, quae boe meo nuptiarom tempore comp'‘Dsari benigno gratiae documento poternnt. ai eam Ser^* V. de me opinionem, quam me mereri *ezi»timo, habuerit. Jam enirn, qoanti me patroni faciant, ezpecto, ut reipaa declarent.“ Md. I, Verehrungen, eigh. Or. Maximilian äusserte sich Über den an- verschämten Brief sehr misvergnügt. doch wurden B., damit er nicht scltade, 600 Gl. geschenkt und Tür die Zukunft jährliche Geschenke von gleicher HOhe in Ausaiebt gcetellt. A. a. 0. Ob sie gezahlt wurden, ist nicht ersichtlich; B. blieb jedoch stets io oalier Verbindung mit Baiem.
Abb. d. in. CI. d. k. Ak. d. Wisa. XV. Bd. I. Abtb. 7
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wohl 80 wenig wie der gesammte Hof, dass diese Anordnungen ernstlich gemeint seien. Als sie jedoch zwei Tage später den Versuch machten, Milderung zu erlangen, gebot ihnen Rudolf, die Stadt bei scheinender Sonne zu verla.ssen. Sogar Freiheit und Leben Kumpfs sollen l)«lroht gewesen sein.
Gleichzeitig erhielt Coratliiz seine Entlassung, die freilich sehr bald wieder zurückgenommen wurde, und der Kammerjirilsident Freiherr Fer- dinand von Hofmann ward unter der Anklage schlechter Verwaltung mit llaushaft belegt'**).
Da wir gesehen haf)en, wie Rudolf in seinen Wuthahfallen häufig Leute aus seiner Umgebung wegjagte und wie er gegen Rmupf mid Trautson schon längst Unwillen trug, und da seine Ungnade gleiclizeitig noch andere Käthe traf, wird es beinahe üljerflüäsig erscheinen, nach einem bestimmten Anlasse zu forschen, welcher die Absetzung der beiden Minister herbeiführte. Wir müssen jedoch die überlieferten Nachrichten, die von einander abweichen, prüfen.
Kldesl bemerkte sieben Jahre später, Rumpf sei in Ungnade ge- fallen, weil er die Ernennung des Erzherzogs Matthias zum Nachfolger Rudolfs betrieben habe'**). Der Zusammimhang, in welchem diese Be- hauptung vorgotragen wird, schwächt indes von vornherein ihre Beweis- kraft und sie wird vollends dadurch widerlegt, dass der Kaiser gleich nach dem Sturze Kumpfs eben jenen Bruder zu sich berief Es wird ihr daher nicht mehr zu entnehmen sein, als dass Khlcsl ülM«rzeugt war, Rumpf habe in der Wahlfrage zu Matthias gehalten. Der Erzherzog selbst war der gleichen Meinmig '**). Dass Beide in dieser Hinsicht falsch unterrichtet gewesen seien, ist nicht anzunehmen, und welcher Grund sollte auch Rumpf bestimmt haben, von Matthias, für den er noch
144) S. HeiU^ VI( and XI and Kbevenhiller Annalet V, 2*221 fT. and Coot«rfet II, (MS f. Vgl. Cbluraeek; Karl von Zierolio ^1, Ritter Union 1. 249 flf., Oiodelj Rodolf II uad teino Zeit I, 46 ff. Ra nke Zar deaUchpn Geechidite 106.
145) Hftiamer Khlesl II. Beilagen S. 55.
146) Vgl. des RnbenogB Schreiben an Kampf Tom 24. Mürz 1600 bei Hammer 1 Beil. S.<527 and die Art, wie er in Beilege Vlll and XI von den geetünten Blinietern spricht. Den Secretär Kampfe Eberhard Wittenhorst bcetcUte MatthUe sofort za seinem Agenten am kaiserlichen Hofe. Prüntl an Hz. Max. ron Baiern 25. April 1601. Ma. 50/10, 49. Or.
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im Juli 1599 wirkte'"), zu Albrecht Ohorzugehen? '**) Hätte sich aber selbst seine Gesinmmg geäiulert, so wüisle er sich doch gewiss nicht da- zu vei-standen haben, dein Kaiser die Ernennung Albrechts zum Nach- folger zu empfehlen, denn Niemand wusste besser als er, wue sehr dies Rudolfs /om erregen und wie wenig es fruchten werde.
Wir werden mithin auch der Angabe, dass der Sturz des Ministers durch eine Bemühung zu Gunsten Albrechts herbeigeführt worden sei, den Glauben versagen müssen. Diese Angabe findet sich in einem Be- richte des französi.schen Gesandten zu Prag, Ancel"*), und in einem .Schreiben von dort an den Markgrafen von Ansbach '**). Der Verfasser des letzteren erscheint jedoch als mit dem Kaiser nicht in unmittelbarem Verkehre stehend und als in die politischen Verhältnisse wenig einge- weiht“') und auch Ancel konnte bei der feindseligen Stellung Frank- reichs zum Hause Habsburg den V'orgängen im kaiserlichen Gemach, die man sorgfältig geheim hielt'“), schwerlich auf den Grund kommen, üeberdies erregt die Angabe beider Berichtei-statter, dass der spanische Gesandte und der päpstliche Nuntius Kumpf zu der ihn verderbenden Verwendung veranlasst hätten, noch weitere Bedenken. Am madrider Hofe entschloss man sich erst im t.lctober des nächsten Jahres, für Al- brechts Erhebung zu wirken'“), und nach einem Berichte des venezia- nischen Gesandten Pier Duodo vom 26. Februar 1601 versicherte
147) S. oben S- «IO.
14d) An Beeteebao^ durch Spanien ist nicht zu (lenken , da diesee »ich erst im October 1601 für die Candidatur Albrechts entschied.
140) Die^m bericht ist Chlumeckjr a. 0. gefolgt. Aoeh Gindely enahlt a. a. O den ätnrx der Minister nseh derselben Quelle, gibt aber im Widerspmebe mit ihr als dessen Ursache an, (lass TOD Kumpf und Trautson ond .wahrscheinlich auch von dem Gesandten Philipps III* fQr Matthias gearbeitet worden sei Da er Itir diese ßebauptung keinen Beleg bietet, glaube ich mich nicht weiter bei ihr aufbaltcn lu müneo, zumal sie die irrige Annahme zur Vorauasetzuog bat, dass Matthias i. J. IfiOO vor dem October nach Prag gekommen sei. Auch Ranke lasst a. a. 0. die Verbannung Rumpfs durch eine Bemühung für Matthias verursacht werden, doch gibt er gleichfalls keine Quelle an.
150) Bei Ritter a. a. 0.
151) Ervteres bemerkte schon Kitter 247 Anm. 3, letzteres zeigt der bei Ranke Zur deutschen Qesebiebte 2^2 f. veröffentlichte Theil des Berichtes.
1521 Vgl. Beilage V und X. Khevenhiller V, 2221 und Briefe und Acten I, u. 157.
153) Gindely I. 54.
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San Clemoiite damals dem Erzherzog Maximiliiin, das» Albredit nicht nach der Kaiserkrone trachte imd nicht zu Mathias Nachtheil wirke was er doch nicht behaupten durfte, wenn jenes Gerücht über die Ur- sache der Entlassung Rumpfs berechtigt war, da Maximihan den Zu- sammenhang des Ereignisses genau kennen musste oder leicht ergründen konnte. Ebensowenig ist, wie wir späterhin sehen werden, anzimehmen, da.ss Papst Clemens VIII zu Schritten für Albrecht Auftrag gegelien habe. Der Nuntius zu Gnu weiss erst im November 1600, dass jener die Wahl eines römischen Königs wünsche, dann aber bezeichnet er an erster Stelle den Erzherzog Ferdinand als den seinem Herrn Genehmsten Auch bei den gleich zu erwähnenden Verhandlimgen, die Matthias jiHog, um seine Ansprüche zur Geltung zu bringen, ist niemals von Bemülnmgen die Rede, welche von Seiten Spaniens und des Pa]>stes zu Gunsten Al- breclits im Se|)tember untcmomiuen seien, vielmehr rechnet Matthias auf deren wie auf seines Bruders Untei-stützmig für sich selbst Endlich meldet Duodo am 23. üctober 1600, dass San Clomente und der prager Nuntius für Matthias wirkten '**), und es liegt kein Grund vor, zu be- zweifeln, dass sie, da Rudolfs Erkrankung ilie schleunige Ordnung der Nachfolge nothwendig erscheinen lies» und sie noch keine anderen Be- fehle, empfangen hatten, den ältesten um! in Prag anwesenden Erzherzog bei seinen Bemühungen um jene imterstützten oder doch nur im Allge- meinen auf die Vornahme der Wahlen drangen, was Matthias zu gute kommen musste.
Dass trotzdem jene irrigen Venuiithungen entstanden, ist leicht zu erklären. Schon lange hegten die Gegner Habsburgs den Verdacht dass der König von Sj>anien für sich oder für seinen Schwiegersohn die Kaiser- krone begehre. Erst im Juli 1600 hatte man sich wieder von eifrigen Bewerbimgen Albrecht» erzählt'*’). Nun reiste, wie erwähnt der Kur- fürst von Köln zum Administrator von Sachsen, Erzherzog Maximilian weilte in Spanien, es hiess, er wolle von dort nach Belgien gehen, der
154} S. iint«n.
155) Seine Berichte werden weiterhin mitzutheileo »ein.
156) S. aoten.
157) S. unten Doodos Bericht v. 24. Joll 1600.
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Condestable von Castilien, Graf Olivarez, kam — veniiuthlich um die Thronbesteigung Philijnw III anzuzeigen — im Sej)tember nach Prag'“) der Nuntius hatte beim Kaiser Audienz und unmittelbar nach dieser er- folgte die Entlassung Kumpfs. Da lag es nahe, diese Thatsachen und Gerüchte in der erwähnten Weise in Zusammenhang zu bringen.
Das oben angezogene Schreiben an Ansbach und ein anderer Bericht an den Markgrafen '") enthalten übrigens noch eine dritte Angabe über den Anlass des Sturzes der Minister. Dem Kaiser, sagen sie, seien Briefe in die Hände gefaUen, welche ihm gezeigt hätten, dass jene vor ihn gehö- rige Sachen nach Beliel)en hinterhielten, dass Kumpf nach S)>aiuen geschrieben habe, er sei regienmgsunfähig, und dass dersellje Albi-echts Ileirath mit Isabella befördert, die florentinische Kudolfs aber im spanischen Interesse verhindert habe. Wir hoben bereits hen’or, da.ss der Verfasser des ersten Schreibens tieferen Einblickes in die Verhältnisse entbehrte; auch der zweite Berichtei-statter war wohl nicht ein Mami, welcher eine ihn in die Geheimnisse der kaiserlichen Kammer einweihende Stellung einnahm '“)
1591 C b I tt mec ky a 0.
159) Gedruckt bei Ranke Zur deuteeben Gcacbichtc 2^4 ff.
160) Bitter Termuthet a. a 0. 247 Anm. 3, dass der Bericht tüq Burkhard too Berlichingeu her* rfibre. (Dieaen erwähnt Sattler Geachichte de« Herzogtbums Würtenberg V, 185 zum Jahre 1595 al« Rath den Herzoges von Wirtemberg. Wenn er »agt, derselbe habe «ch „als zugleich in kaiMrlichen Diensten stehend, meistens an diesem Hoflager" aufgebalten, so liegt dem qd« zweifelhaft eiu MuTerstindnis zu Grunde. B. dQrfte wirtembergischer Agent in Prag gewesen sein und nur den Titel eines kaiserlichen Käthes besessen haben; 1597 nämlich rief ihn Henog Friedrich lorQck und hielt ihn bis zum Jahre 1600 in Haft, a. a 0. 200. Dann mag er aus eigenem Antriebo an den kaiserlichen Hof znrQckgekehrt sein.] Kitter stdtzt seine Vertnnth* ung vor allem darauf, dass das erste bchreiben an Ansbach sechs Geheimrätbe und unter diesen Berlichiugcn nennt, der in Frage stehende Bericht dagegen nnr fünf und eben B. nicht Diese Auslassung ist jedoch wohl daraus zu erklären, dass Ü. nicht förmlich zum geheimen Rathe bestellt worden war. Ich habe ihn aU solchen nie erwähnt gefuDlen und die Art, wie seiner in Beilage XI und in den dort Anm. 2 angeführten Berichten Manharts gedacht wird, spricht dagegen, dass er jenes Amt bekleidete. Das erste Schreiben dürfte nnr die Stellung in Betracht tieheo, die er thatsächlich einnahm. Ich müchte der Vermutbuog Ritteis die entgegenstelleo, dass der Bericht von dem in Beilage XI erwähnten „gewüsten brandenburglschen canzler" Merkbach verfasst worden sei. Alles, was Uilter ausser dem bereits angeführten Grunde auf BerlichlDgen scbliessen lässt, passt ebenso gut auf Merkhach. Dazu kommen noch andere Um- stände. Der Verfasser des Berichtes wird io dem Schriftstücke bei Ranke a. a. 0. stets in Gegensatz zu den kaiserlichen Räthen gestellt; er steht dem Kaiser, den Ministern und den HofTerbältnissen ferner, als es bei Bcrüchingeo der Fall sein konnte; was er über die Berufung lies Erzherzogs Matthias erzählt, iat ungenau nnd er lässt dieselbe sogar irrig vor dem Sturze
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und offenbar kam er erst nacli tler Al)setzung der Minister nach Prag. Die Anklagen, welche beide erheben, waren, wie wir wissen “ ), dem Kaiser bereits vor mehr als Jahresfrist ziigetragen mit Ausnahme derjenigen, w'elche den Bericht nach Spanien ül)er Rudolfs Unfiihigkeit betrifft. Diese aber können wir nicht für Iregründet erachten, weil wir überhaupt der Annahme, dass Rumpf in engen Be/,iehungen «um madrider Hofe gestan- den hal>e, nicht beitreten dürfen**'), und weil Rudolf seinem Wesen nach gerade eine solche Verschuldung dem Minister niemals verziehen haben würde, während er ihm in der Folge den Aufenthalt in Prag gestattete, ihn wie Trautson in wichtigen Dingen zu Rathe zog'**) und beiden wie- derholt Gnaden erwies, so dass „mänuiglich die Ungnade nicht, wohl aber die Heue vor gross gehalten'**).“
Am glaubwüniigsten erscheint die Angal» des venezianischen Ge- sandten**'), dass der Anlass zum Sturze der Minister dadurch gegeben worden sei, dass der päpstliche Nuntius sich in einer Audienz l)eim Kaiser heftig über sie beklagte, weil sie in den Händeln mit den Uskoken den dringenden Wünschen des Papstes nicht entsprachen. Was Duodo hier- über mittheilt, hatte er vom Nuntius stdbst erfahren, und eine Bestäti- gung seiner Erzählung kann darin erblickt wervlen, dass der Kaiser gleich nachher klagte, der Nuntius habe ihn verzaul)ert ***). Die michdrückliche
der Minister erfolgen; er teigt sieh ferner ^anx ran den protestantischen Vorartheilen über die kaiserliche Politik erfüllt, die ß. doch richti^r beurth^ilen musst« ; er h5rt von einem Tornclimen Herren, was der kaiserliche Gesandte xn Rom berichtet batte, wahrend B. den ßrief selbst b&tte lesen können; endlich lasst ihn Aticel xu sieh berufen, um ihm eine Mittheiluni? tn machen, was einem einfachen Residenten, wie Ancel war, gegenüber einem Msnne in Berlichingens Stellan; nicht instand. Gerade diese Verbindang mit Ancel deutet auf einen Mann, der nicht in Diensten des Kaisers, sondern der protestantischen Reichsst&nde war und auf Merkbar!) lasst schliessen, dass der Bericht an ein Mitglied des Hauses Brandenburg gerichtet wurde. Ist meine Vermntkang berechtigt, so sinkt damit natürlich der Werth des Berichtes bedeutend.
IfiU Vgl. oben S. as.
162) 8. oben S.
168i Am 2^. October 1602 berichtete der Kuntios xu Grax Graf Hieronymus Poriia dem Hx. Maxi- milian von Baiern, der Kaiser habe dem Erxhx. Matthias eine grosse Menge Schriften nach Wien geschickt. ,,da consoltarsi col Kumf etTrautzen et col s^ Anuibal (Hannewald] solaroentn“ und um dann eine Denkschrift für die Reichsstande aber die Grunde und Gegcugründc Blr die Fortsetiung des Türkenkrieges xu rerfassen. Ma. 4<)2/«, 66 eigh. Or.
164) Kherenhiller Annalcs V, 2222; »gl. Conterfet II, 66.
\Sh) 8. Beilage VIF.
166) 8. Beilage XI.
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Sprache desselben dürfte ihn erregt und seinen Zorn gegen die Minister entflammt haben. In dieser Stimmung mochten dann der Unwille und das Mistrauen, wovon er in Folge der uns bekannten Thatsachen und Verdächtigungen längst gegen Rumpf erfüllt war, sowie die Sorge vor Umtrieben üu Gunsten Albrechts, welche bei ihm wie bei den Gegnern seines Hauses durch die oben erwähnten Umstände wachgerufen worden war, mit voller Kraft in seiner Seele aufleben und nach einer schlaflosen Nacht den WuthaHsl)ruch gegen Rumpf bewirken. Duodo berichtet, dass er in jener Nacht davon sprai'h, seine Minister wollten im Verein mit Spanien den Erzherzog Albrecht zum römischen Könige machen, und dass er Rumpf ein langes Sündenregister vorhielt und dabei vornehmlich auf die Aufliebnng der wirtembergischen Afterlehenschaft und auf die Releh- nung Ferraras hinwies. Letztere bezeichnete auch der spanische (iesandte Bjiäter als Ui'sache der Entlassung'”) und Khcvenhüller erwähnt sie und die Anklagen, dass Rumpf alle Gewalt an sich gezogen und zu deren Behaujitung die spanische xmd die florentinische Heirath gehindert hal>e, als Gründe der Ungnade, die jenen traf'**). Dass Trautson nur gleich- sam zufällig in Folge seiner Füraprache für Rumpf in dessen Geschick verfiel, werden wir gegenüber den bestimmten Angaben Khovenhüllers nicht in Zweifel ziehen können. Vorbereitet war jedoch, wie wir sahen, auch sein Sturz schon längere Zeit.
Nach der Entfernung der beiden Minister übertrug der Kaiser das Oberst hofmeisteramt und den Vorsitz im geheimen Rathe vorläufig an Karl von Liechtenstein, das Ilofmarschallamt aber an den Hauptniann seiner Hatschierleibwacho, Grafen Hans Reichart von Schönberg'**). Um für die Entlassenen Ersatz zu schaflen, wurden sofort Berufungen ausge- fertigt. Zugleich befahl Rudolf seinem Bruder Matthi.as durch zwei ein-
167) S. Bfilagc VII, 2.
16S) 2221.
169) Jac. KrancQS Rel. hUt. 1601, I, 56. In einem Schreiben des Krzbz. Ernst t. 1.5. Janoar 1594 wird crw&hnt, da» der ebartrierer Oberst Schdnber^ rotn Kaiser berufen «ei, um für diesen ein Regiment gegen die TQrken zu werltcn; am 11. April 1>597 bezeichnet ihn Erzhz. Albrecht aU k«t. Knegsrath. Obersten und Hatschierleibqttardibaoptmann. Br« Secret. d'Allem.
N. 293, 45 und 264 Copien
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ander folgende Hriefe, seldeunigst nach Hofe zu kommun. Vermuthlich hoffte er, durch denselben in seiner Beängstigung Hülfe zu finden, und beabsichtigte, ihn dauernd an seiner Seite zu l)ehalten
V.
Matthias hatte schon früher daran gedacht, sich nach Prag zu be- geben. Sein Kanzler Unverzagt brachte ihm nändich von dort im Fe- bruar 1600 Nachrichten über den Zustand Kudolfs'*') und gleich darauf wurden ihm auch von anderer Seite beunruhigende Mittheilungen ge- macht imd der Kath ertheilt, den Kaiser zur Ordnung tier Nachfolge zu drängen. Matthias äusserte hiergegen anfangs Betlenken, weil er den .■Vrgwohn und Zorn des Kaisers gegen sich zu erregen und so der Er- füllung seiner Wünsche ein unüberwindliches Hindernis zu bereiten fürch- tete Dann neigte er sich jedoch dem Vorschläge zu und ersuchte die geheimen Käthe um ilir Gutachten, ob er j>ers6nlich mit seinem Bruder verhandeln solle”*). Sie dürften sich zustimmend geäirs-sert haben, denn Matthias hielt um die Erlaubniss zum Besuche an. Erst nach län- gerem Zögern entschloss sich Rudolf, seinen Brief zu erbrechen, und es scheint, dass er verneinend antwortete'''). Nur der Oborststallmeister
170) Vgl. VII, I.
171) Keichart Streis an Mattlius, Hcideck 26. M&rz 160U in Antwort auf ein Srhr. t. 24. Wi. Sdc- cesB. Matthias, eigh. Or Vgl. Hurter III, 287.
172) Hammer Khlesl I. n. BI7. Daa SebriftatOek ist nicht, wie Hammer meint, ein Schreiben,
iK)&'lero, wie die erste Zeile zeigt, ein Oedenkzettel för eine mündliche Antwort auf ein raönd> lieh geacbehence Anbringeo. Es muss in diese Zeit gesi*(Kt werden, da rnrerzagts Bericht er* wähnt wird und der Erzhene^ in dem Schreiben an Strein mm 24. März [s. die rorhergehendo Anmerkung] dessen (lOtachten forterte, ob er nach Prag gehen solle, währentl er in diesem Bescheide noch ablehnt, feineriN»its eine Aniuabnung an Rudolf zu richten. Vgl. unten den Brief <les Nnntius Ponia rom 21. Februar ItlOO an Hz. Mazimiiian von Baiern. Für die V'er- muthuug, dass der Bercheid an Barritius gerichtet. sei, gibt Hammer keine Begründung an und Ich wage ilaher nicht, mich ihr anzuschltessen. <•
17S) Hammer Khlesl 1, n. VM, !».'>. 1»6.
174) Pawlo Termuthet freilich da* Gegenlheil. Er berichtete am 12. Juni: „II 8er“* Matthias giä alcuni di haveva aoeh' egli per corriero espreaso riebieflto 1ic<*nza da S. con una Irttera per venirrene ä lei. Molti giorni c stata per online suo trattenuta ^.senza vederla ei in fine la fece aprire al s'’ Uonfo aila sua preaenza, ct si dice, che habhia riespedito U corriero con or* dine, cbö aene reuga. et se bene la raggione ruole, che sia per ie cose «rOngaria et altre rac*
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des Erzherzogs Ottavio Cavriano kam im Juli nach Prag'”). Ob der- selbe, wie man sich erzählte, wegen der Wahl Worbimg ablegte, oder, wie es wahrscheinlicher ist die Einwilligung in die llerüberkunft seines Herrn erwirken sollte, ist nicht überliefert. Gewiss ist dass er weder in der einen noch in der anderen Beziehimg etwas erreichte.
Um so willkommener musste dem Erzherzoge die Einladung des Kaisern sein. Er folgte derselben sogleich, obwohl er el)en zum Heere nach Ungarn aufbrechen wollte, um den Entsatz Kaniszas zu versuchen; der Verlust dieser Festung erschien im Vergleich zu den durch des Kai- sers Zusttnd drohenden Gefahren wie ein „Kinderspiel”*).“
Als aber Matthias am 3. October in Prag eintraf, schlug Rudolfs Stimmung gegen ihn plützlich um. Derselbe unterlies.s den üblichen Empfang, für den er bereits die Befehle ertheilt hatte, zeigte sich gegen den .\nkommonden sehr imfreundlich und wollte nichts davon wissen, dass er selbst ihn berufen habe. Seine Furcht, dass man ihn vom Throne zu stossen gedenke, wandte sich sofort, auch gegen Matthias und wuclis von Tag zu Tag. Nach jener heftigen Aeusserung seiner Krankheit, welche den Sturz der Minister herbeiführte, war er ruhiger geworden. Jetzt kehrten die frühere Aufregung und mit ihr die Hallucinationen zurück. Er liess alle Wachen verdoppeln imd das ganze Schloss sorg- fältig durchsuchen. Seinem ersten Leibärzte Guarinoni, einem Veroneser,
commandate alla sua carica, tutUTia, esaeodo stato tanto trattenuto il corriero, si e anco detto qa««tl di, che potesa« caaer per la elettione di rc di Rornaoi. dod firendoai qoi aenaa qoalche gelosia delle noTe che nono andate attorno le aettimane passate, che S. Chri8t"=* habhia poato qaalcbe pentiero in qqesto negotio, aoti altri aoeo aggiongoco. efaÖ per qaesto effetto a panto il go?emator di llilaoo, rcaiguato ehe havera quoato gOTcrno, ala per venire a qaesta corte . « . . Se S. si riaolTeaae di farlo, noo k alcuo dnbbio, che Totteitira, perche, ßn qnanto atabili ü negotio delle noize eon Toacaoa, baveva promeasa certa da tuiti li eiet* tori dal Palatino in poi et con oecaaione del coadjatorato di Colonia baveva anco ferma la promeaita da qoell* arcivescovo." D. V. 30. 109 Or.
1?5) Doodo an den Dogen 24. JqH 1600: „Continua qui U a' Ottavio Cavriano !e trattationi per il 8QO padrone, le quali ai dicono essere intorno qneate coae de re de Romani, easendo entrata gran geloaia in 8. del Ser"° Alberto auo fratello, del quäle i inforniato, che andaaae pra* ticando qualch' uno dl qnesti elettori et perö si crede. che U mandati dal rä cattolico siano piü per favoriro li interessi del secondo ehe del primo per le coae note. Tuttavla ancora noo li sa. cb^ S. sia ressoluta di cib ehe habbia da fare. ae bene a favore di Mattbiaa li sti* moU et li artificii che si usano. siano grandissimi per ogni parte.*' D. V. 30, 159. Or.
176) Worte Khlesls b. Hammer I, n. 139 am Rnde.
Abh. d. III. CL d. k. Ak. d- Wiaa. XV. Öd. I. Abth. 8
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der ihm lange Jahre gedient hatte’’’), gab er den Aiiscliied und nahm statt seiner den Octavian Roberetti aus Innsbruck an ”*). Sogar die Kapuziner, welche gegen Ende des Jajires 1599 nach Prag gekommen und bis dahin von ihm Iwgflnstigt worden waren hatten unter seinen An- fällen zu leiden. Es mochte ihn l>elästigen und mit ängstlichen (mlanken an das Jenseits erfüllen, wemi in den Nächten, die er schlaflos zubrachte, ihr Gebetläuten von dem in der Nähe des Schloases erbauten Kloster herübertönte Bald beschuldigte er auch sie, ihn verzanl>ert zu halien, und begann zu rasen, so oft er ihr lainten vernahm. Wie<lerholt befahl er ihnen, die Stadt zu verla-ssen, und wenn ihre Vertreibung auch immer noch verhütet wurde, so blieben sie doch unausgesetzt von dersellien be- droht '**).
Seinen Bruder suchte er auf alle Weise zur Abreise zu bewegen und als derselbe auf Bitten der geheimen Räthe aiwharrte, traf er mehr-
177) „Benisairoo conosciato da tanti miei pr^ceasori,“ sagt Da<xlo in einem Berichte vom 9.0c*
tober 16CH), JD. V. 30» 221 Or. der neben den weiter sniurühreiideD Acten dem oben Gesagten in Grande Hegt.
178) Pr&ntI an den Uz. von Üaiera 15. October lOiK). Ma. 50/10» 66 Or. Gnarinoni wurde übrigens bald wieder sa Gnaden aafgenomincn. Bericht Dnodos r. 13. Nov. 1600. D. V. 30, 279 Or. Am 24. and 31. März 1603 erwähnt Giacomo Vendramin ihn als in Dienst stehend. D. V. :i3, 24 n. 28 Orr. V’gl. unten. Roberetti winl noch bei Hammer Verhaodlangen des H«'rrn t. Roeenberg 29 erwähnt.
179) Manbart an den Hz. von Baiern 1. Januar 1600: „Die capazinermönich seind unlängst alher kommen und haben -von I. Mt. tTlaalnus allhie zu wohnen, denen man auch b^rait ain Ort ausgezaichnet. Dise ordenabrfteder kommen denjenigen, welche sie zuvor nie gesehen, gar sel- lam für. Gott gebe, dass sie vil guets aussrichten bei dlseu aigensinnigen leuthen.*^ Ma. 50110, I Or.
180) Bonaventura da Coccallio et Erardo da Bad kerspurgo: RUtretto istorico dclla vUa, virtü e miraeoli del b. Loreuzo da Brindisi, Rom 178:1, p. 61 ff.
181) Dies scheint die einfachste Erklärung. Wie Rudolf während seiner Krankeitsanftlle die Sacra- mente nicht empfangen wollte, s. oben S. 48, so zeigte er sehun 1593, als er trübsinnig war, Abneigung gegen die Jesuiten, s. den Bericht des Barvitius vom 18. Februar 1593 oben Anm. 93. Die legendenhaft ausgeschmückte Erzählung bei Coccallio a. a. 0. 65 ff. lasse ich auf sich beruhen. Sie leitet des Kaisers Unwillen vornehmlich von der Einwirkung des Kammerdieners Machowskj, „perfldissimo calvinista'* und des Astronomen Tjcho Brahe her, der dem Kaiser prophezeit habe, er werde dnreh einen Kapuziner ermordet werden. Dort ist öbrigens S. 65 statt „il signore Dietriebstein*' ohne Zweifel „Liechtenstein*' zu lesen, da der Cardinal nicht in Prag war und nicht bloe signore genannt werden würde.
182) Duodo an den Dogen 16. October 1600 D. V. 30, 235 Or. und Beilage X, XI umi XV.
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facli Anstalten, die Stadt zu verlassen, ja er wollte die prager Bürger auffordern, den Erzherzog mit Wachen zu umgelwn, damit dieser ihn nicht vom Throne stosse '**). Wenn er gleiclizeitig Miene machte, den Feldmarschall Kosworm zum Hauptmann seiner Hatschiere zu ernennen und denselben in seinem Vorzimmer schlafen liess, so schrieb man das wohl nicht mit Unrecht dem Umstande zu, dass Kosworm Matthias üus- sei-st verhasst war ***),
Gleichwohl scheint die Frage der Nachfolge bei den Besju-ochimgon, welche Kudolf in ruhigeren Stunden dem Bruder gewährte, erörtert worden zu sein. Nachdem Erzherzog Ferdinand von Tirol 1595 ge- storl)en war, ohne ebenbürtige Söhne zu hinterlassen, hatte der Kaiser in seiner krankhaften Begehrlichkeit und Eifersucht von seinen Brüdern und seinen steirischen Vettern verlangt, dass sie auf die ihnen insgesammt gehörige Erbschaft zu seinen Gunsten verzichten sollten. Vielfach war darül>er verhandelt worden, ohne dass er zum Ziele kam'“). Im Januar 1600 hatte er nun Matthias angelmten, dass er ihm gegen Abtretung seines Antheils an Tirol und den vorderösterreichischen Landen die Nach- folge zusichem lassen wolle'“). Die ihn damals beunruhigenden Nach- richten, dass Erzherzog Albrecht sich um die römische Krone bewerbe'*’), mochten dazu beigetragen haben, dass er sich zu diesem Vorschläge ent- schloss. Matthias hatte sich mit demselben einverstanden erklärt'“). Jetzt kam vermuthlich er'*“) oder der Kaiser selbst darauf zurück. Es
183) Bericht Prfintls vom 15. Oetobcr 1600, Xt Tin>l Hammer Khlesl II, Beilngen S. ‘215.
184) Bericht Daodoo vom IG. October. Vgl. unten deii Bericht Portias v. 24. October.
18.')) Harter HI, 279 fl*., J&ger Beitrüge tor Ge»chiefate der VerhüDdluDgon Ober die erbfallig gewordeoe Grafsebaft Tirol im Archiv (, ust. Geachichte 50, 103 ff. und Rgger Geechichtc Tirols II, 26.^ ff.
186) Harter III, *287.
187) S. oben Aom. 13*2.
198) II arter a. a. 0.
189} Schon in dem oben Anm. 171 envahnten Schreiben batte Strein gerathen. das Anerbieten ta benatseo, am bei einem Beiache io Prag aaf Ordnung der Nachfolge lo dringen. Wolle dann, hatte er dabei bemerkt, der Kaiser die Sache iq Bedacht nehmen , io hebe der Erahertog vor* xastellen. dass eich bei den Practiken im Beleb, die immer gefährlicher würden, leicht etwas Ungleiches in den vorderiüsterTeiebisebeD Landen ereignen kbnne. Beigelegt hatte Strein eine eigenbündige Aafieicfanong, welche dem Errberxoge Wort f&r Wort vorschrleb, was er sagen sollte, wenn der Kaiser selbst die Suche anrege, und was, wenn dies nicht geschehe.
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findet sich nämlich aus dieser Zeit ein Entwm-f zu einem entsprechenden Vertrage. Dessen Unterzeichmmg erfolgte indess nicht"®) und in allen Beziehungen blieb des Erzherzogs Besuch ohne Frucht. Am 24. October musste Matthias dem Drängen des Kaisers weichen und Prag verlassen
Er glaubte jedoch nicht unthätig hleiben zu dürfen. Der Zustand des Kaisers stellte dessen baldigen Tod in Aussicht"*) und auch, wenn dieser nicht eintrat, drohte schweres Unheil. Die Geschäfte komiten nicht mehr erledigt werden, da die Beschlüsse der Käthe der Bestätigung des Kaisere bedurften und dieser weder einen Vortrag anhöron noch seine Unterschrift ertheilen wollte'”). Durch die Entlassung der Minister und durch die Verjagung der Kapuziner, die jeden Augenblick erfolgen konnte, mus.ste ülwrall der Venlacht erweckt werden, dass Rudolf geistes- krank sei, und man fürchtete, dass die Churfüiisten auf Grund der gol- denen Bulle Gesandte schicken würden, um sich über den Zustand des Kaisers zu unterrichten, und da.ss, wenn sie die Wahrheit erführen, sie ihn für regior,ungsunfUhig erklären und die Churfürsten von der Pfalz
190) Hortet III, 2S7 Anm. 16.
191) S. Beikge XI. Piintl schrieb dera Hz. rou Baiero 23. October 1600: Morgen reist Mnttbiu ab and „wie man vemiUFten will, bsben 1. fl. Dt. nit gsr vU aoasgeriebtet, dan 1. Mt seind noch wie hievor sehr melancholisch and anlastig “ Ma. 50/10, OS Or. Am selben Tage be* richtete Daodo dem Dogen: Mattbias ,,al€i]iia volta oelli Incidi intenralli si ritrora con la
S. et Del proposito di r5 di Romani ba otlenato corteaissima risposta, tutto cbo nclla indispo* sitione S. faabbia fatto molti taotatirt per disgostarlo, aoeib chb partisae, roa tntti li snoi baoni servitori Tbanno disaaio. Li lopradetti ministri [der spanische und pipstlicbo Üesandte] anco in questa parte sollecitano, quaoto possono, qoesta elettione, et giä si b di online del 3or<°<’ Matthias scritto al Massimiliano, ü quäle b arrivato a Noistot [Wiener*Nousta<it] ebb
venga et al Ser*° Alberto, coa fine di farli abboccare qoi tntti tre insieme etchb unitarnente si prendi qoalcho rieeolationo, assicurandosi per questo rerso dtdle diseordie, che poteuero per si- roili competenze naseere fra di loro et se non Teniraano, Hndicio sara molto potente, che vi posssno easer delli mmori/* D. V. 30, 249 Or. Besser über die Hauptfrage unterrichtet, mel* dete Duodo am 25. October: „Parti bteri il Ser«^’^ Mattbiu, come mi disse di dorer fare, per- ebb in eifctto in flno cosi volae S. M^^, chb facesse. Et so, ehe disse ad un ministro, chb fra $fi niffi, pariando Hi rb Hf Efmani, o tutto farebbe, in rotina o accomtnodtUo^ et ilojto che tutti U mezzi che haceva tenuto fin qui, fffi hafHyiano ftociuto, chi ti rolterebbe att altra parle, rolcnHo inferire aili elettori, daW qiudi upera, eseendo d primo dojjo *S, Jl*«* deUa nua cn$a, non ifli $ard fatto questo torto. Et da quetifo liarlare questi argui/ieom , ebb ci eia qualche gelosia tra lui et H Ser"^ »uoi fratelli“ D. V. 30, 258 Or. Vgl. Beilage XI.
m) S. Beilage VllI, IX.
193) S. Beiiage XI uod Doodos Bericht vom 9. October 1600.
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und von Sachsen das Reichsvicariat in Ansj)ruch nehmen könnten. Dann brachen all die Gefahren, welche man von einem Interregnum besorgte, herein und den Praktiken des Königs von Frankreich, von welchem man el)en damals wieder hörte, das.s er sich um die i-ömische Krone bewerbe, sowie all der anderen Gegner der Habsburger wurde freie Rahn gegeben. Unter den Erzherzogen selbst fürchtete Matthia.s einen Nebenbuhler um das Kaiserthum zu finden und dessen Erwerbung musste ihm um so mehr erschwert werden, als er noch kein eigenes Gebiet besass'”*). Dass die Hausliinder sich ihm rasch und freiwillig unterwerfen würden, war nicht zu hoflfon. Die Protestanten unter den böhmischen Stünden, welche ge- rade zum Landtage versammelt w'aren, hielten bereits geheime Berath- ungen, sie forderten drohend Abstellung ihrer Beschwerden und sprachen davon, dass sie diese, wenn ein Interregnum eiiitrete, nöthigenfalls mit Gewalt erawingen und sich von den Habsburgem befreien w’ollten. Auch in Ungarn und in dgn übrigen Ländern gährte es "*). Ueberdies drangen
194) S. Beilage Vlli, IX, X, XI, XV and XVI, aowie unten daa SehreilNin Matthias an Enht, Al- brecht r. 29. NoTeinber 1600 und den Briefwechsel AlbrcchU mit Salibarg aas demselben Mo* nate. Duodo schrieb in seinem Berichte vom 10. Oeteber: ,,Qaeste cose [das Verhalten Rudolfs] essendo diruIgaU fanno dubitare grandemente alli ministri, cbe {>ervenute alle orecchic delti elettori li faceiano risaoWere di mandar qai ambaaciatori espresat per saper Io stato della
S-, in che ei aarebbe da travagliare aasai, ae ti pensasae ad ana elettione di re de Romani, perebe, aebene aenza qoeata diagratia ciascuno crede, ch^ il laoeo sarebbe atato da tntti It fra- telli ceaso al Scr**^ Matthias, tattavia al presente fa dubitare grandemente del sacceaso et della roncordia pote^ae eaaere tra loro medesimi, oUro che, ae il nomioato Joveaae haver prima altri atati et foeae fatto di Bohemia, non ai vede manco verao di farlo nel atato cbe
noi siamo, easendo masaime li Bohemi beniaaimo informati di totto. Cosi si travaglia per ogni verao aenza poter con fondainento coogietturare qoello poeai eaaere dl nna cosi importante ma- teria. Ha pero il conaeglio ritaoluto di mandar doi di questi aignori alli elettori per veder ch^ ai contentino, ehe «ii Convocata la dioU, como fu fatto ultimamente con la prcsenia del Ser»» Matthias et aenia rasaistensa della M<^ S., ma Dio non voglia, che per chiarirsi del vero atato delle coee, si riasolrino in rispondere. di non voler venire, ae Ceaare non ri si trova in persona.“ D. V, 80, 235 Or.
195) S. aoten die Stelle aus dem Entwurf eines Briefes von Krtbt. Matthias an Albrecht v. 29. No* veraber. Üuodo berichtete am 9. October: „Questi Bohemi cominciano a fare delle conventicole et gli heretici particolarmente, li quält aneo in qualche occasiooe bsano parlato molto alla gagUarda in propoaito delli torii che pretendono di ricevere csaeti lo esclusi da totti quasi li ca* richi publicl« et hanno miuacciato qaalehe persona principale cattolica, se veniase interregno. ehe Dio non voglia, vorranno haver auch* esai la loro parto, altrimenti ehe faraono correre totti qoeati fiami di sangne. et ciascuno pensa ä quello doverä fare. Et se bene si dice, qoesto regno eaacr hcreditario in firtü di ordinationi di Carlo quarto, di Ladislao et di reasolationi di
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die Türken siegieich vor. Sie brachen die begonjR'uen Friedensverhand- lungen ab. Kanisza musste sich ihnen am 20. October ergelxMi und da- mit stand ihnen Innerösterreich offen. Die kaiserliclien Kassen waren leer, die Hausläuder erschöi)ft. Hörten durch ein Interregnum oder durch die Unfühigkeitserkliirung Rudolfs die Hülfen des Reiches auf, ent- standen dort, oder in den Hausländem Unruhen, so muasten diese dem .Vnfall des Fh'bfeiniles erliegen.
Unter diesen Umatilnden hielt Matthias für unbedingt nothwendig, dass er baldigst zum Nachfolger des Kaisers eraannt und sofort als Coad- jutor mit der Regierung betraut werde. Schon während seines Aufent- haltes zu Prag regte er, wie es scheint, bei den Ijöhmischen Kronbeamten die Einsetzung der Regentschaft, wenn nicht gar die Vornahme der Kö- nigsw'ahl an. Als er da keine Unterstützung fand, beschloss er, die Hülfe seines Hause« und der diesem befreimdeten Churfürsteu mid Fürsten in Anspruch zu nehmen, um den Kaiser zur Einwilligung in seine Pläne zu bewegen «xler diese auch ohne dessen Zustimmung zu verwirklichen. Er fortlerte seinen Bruder Albrecht auf, herüberzukommen , damit sie mit den Erzhei-zogeu Ma.\imilian und Fenlinand jjersönlich in den Kaiser dringen und nöthigenfalls weitere Schritte vereinbaren könnten '“). Zu- gleich beauftragte er einen gerade in Prag anwesenden Secretür des Chur- fürsten von Köln, schleunigst zu diesem und den beiden anderen geist-
diet« et altro, tottarU sanno dir b«nissin]o 1« loro ra^ooi. J1 megUo di qactto negotio che io effetio dod bavvrebboDo capo di qaalit« al qoale potesaero odherir«, ct eaaendovi anco divisione tru loro Btcsai, sarebbe grati coaa, ch^ tomaasero i cader di noovo in quel laedo. dal qoale pretenduno di Uberarai, et faccia Dio, che ooo possano baver luoco li loro disaegni. — I>a qoesti antecedenti fomiano altri an* altra contcqoenza, ch« non «ia possibile. che qoesti non habbiano da fare )a paco con l'arcbi. anco coo ogni conditione per non troTarsi in an temiM) Bterao iinbarazxaii tra tanti traragU et qaesto tanto piü ai crcde, percho il Petxcn richiamato [s. Beilage Yil] non compare giuata U primi ordini, et por oggi mi i atato detto, eseergli stato di DQovo commandato, cbe auch* esao cali con gU altri comroissarii verao Strigooüa** D. V. 30, Or. Am 13. Norember ecbrieb Daodo: „Mi ha anco aflfermato an mioiatro di principe che k qni et mio molto confidente, di aaper certo, che gli Ongari trattino con Turchi di met- terai sotto la loro obedienxa, pagandogli un ongaro [Ducaten] per fnoco, roa a conditione, chö slano loro lasciati U loro castelli et fortezzo et che siano gaardate et coatodile da loro mede- simi. Jo gli doinandai,*^ae erano tatti gli Ongari ö pnr parte. Mi diaac, tulti. Et queati roi> nistri lanno le trattationi ne aanno, cnme proredcrvi, stando an le aperanze, ch^ non possano far co^a alcuna.*' D. V. 30, 279 Or. Vgl. Ranke Z dettUchen Geach. 2^7.
190) BeiUge Vlll.
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liehen Churfürsten zu reisen, uni ihnen den Zustand des Kaisers zu schil- denuind er bat dieselben, auf Mittel zu denken, ,.dainit nicht dein Kaiser, seiner Hoheit und dem Hause Oesterreich zum Nachtheil der katholischen Religion ein Schimpf widerfahre“ Auch an den Administrator von Sachsen schrieb er in gleicher Weise
Erzherzog Albrecht erklärte. Belgien nicht verla-ssen zu können, billigte aber im Allgemeinen die Absicht seines Bruders'"'). Darauf ver- anlasste dieser die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand, mit ihm zu Schottwien in der zweiten Hälfte des Novembers*’") zusammenzukommen.
Maximilian wurde ohne Zweifel schon damals von jenem uneigen- nützigen Eifer für das Wohl des Hauses geleitet, den er später fort und fort bewährte, und war, wie im Mai 1599™'), von vornherein l>ereit, Matthias zu unterstützen. Ferdinand aber, dem jedes politische Verständ- nis fehlte*"*) und dessen Aufmerksamkeit ganz und gar durch die von ihm Ijegonnene Ausrottung des Protestantismas in seinen Landen und durch den Türkenkrieg in Anspruch genommen wurde, hatte sich bis dahin mit der Frage der Nachfolge durchaus nicht beschäftigt ““). Seine
197) Eigh. Schreiben v. 16. October« Wm. Succetsionswesen I, n. OleichlauteDtle Entwürfe tod Krunberg &n Mainz. Trier antl Köln, Wi. Sncceasion Matthias. An Köln wurde am 21. October eine Nachschrift gerichtet, welche der in Beilage VIII enUpricht. Das. Cpt. Krenbergs.
198) Briefe and Acten I, n. 166 Anm. 1 Das Schreiben lautete offenbar wörtlich wie dns an Mainz and Trier, onr fehlten natürlich der Verweis auf den kölnischen SecreUr und die Worte ,in praejudicium der katholischen religion.*
199) Brief vom 2. November 1600 Wi. Saccession Matthias. Or.
2(KlJ Am 15. November schrieb der Nuntios zu Grai, llieronjmas Portia, an Hz. MaximüUn von Baiem. die drei Erzherzoge würden in der nSchsten Woche [19.— 25. Kot.] zosammeh kommen. Ma. .Sll/26, 71 Crl. Vom 29. Nov. liegt ein Bericht des Mathias an Erzherzog Albrecht aus Wien über die Bi'sehlüsse vor; s. unten.
201) S. oben S. 29.
202} Vgl. meinen Aufsatz in der Allg. deotschen Biographie VI, 644 ff.
200) Berichte Portias an Hz. Maximilikn: 21. Februar 1600: ^De negotio illo ad refftm H&»ttimrnm pertioenti hic satis frigide cogitatur. Solas nnas ex jfatrihug fodetatis »Uquid faceret, si sciret, si poaset, aed viz attingimos terminos. Sola Ser^V. i>0Met prodesse consilio et aactoritate, sed res sunt tarn confhsae, ut quid dieendum sit, nedom sperandum, riz haberem. Sed arcAi^iu’ Afatthim est valde io illa cogitatione immersna et soi omnes ewtsäiarii secreti perpetuo, ut audio, hoc agont vel saltem bis cogitationibus exerceot mentem arckifiucM, et jam aliqui scribunt, quod omnino flet pax inter arrAWucem Alftertum et reffinnm Awrjfmc, et qood reffina
babeat animnm, quod AfTmis quaedam ineat mrifniNOi'iiNm cum «ircAirfNce Matthm. Sed quam bene nosraet nobisroetipsis isU ftngimos, ac si non intclleiiasemos annis elapeis, qaam
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politischen Gedanken reichten nicht über die salzburger Berge hinaus’*'). Hütte sich aber sell)st jetzt in ihm ein ehrgeiziges Verlangen geregt, so mussten ihn die Gefahr der Lage und die Bedrängnis, in der gerade er sich durch den Fall Kapiszas befand, abhaltcn, demselben Baum zu gel>en. So wurde es denn Matthias nicht schwer, die Erzherzoge zu bestimmen, dass sie ihn als den zur Nachfolge Berechtigten anerkannten und ihm ihre Unterstützimg zur Verwirklichung seiner Ansprüche zusagten.
Man beschloss, diuss sümmtliche Mitglieder des Hauses und die bai- rischen Herzoge, ja sog.ir der Pfalzgraf von Neuburg, der durch die Türkengefahr wie Baiern nächst Oe,sterreich am meisten lietlroht war, den Kaiser in einem gemeinsamen Schreiben auf seine Krankheit und das Unheil, welches deren Bekamitwerden nach sich ziehen könne, hin- weisen und ihn zu einer medizinischen und geistlichen Kur ermahnen
beoe T«lit archulutibtu omnlbo« et toti f&mi)iAe re<finn Anytbtt, quae nunquam deeeret ami* citiam et conailta reffte Oaitiae. Sed forte erit practica, ut diridat co^tationee Alberii et Mrttthiae. Tandem tgo Tereor, oe Germania aliquid mali ett pateora propter peocata imperatorU et sgomni, et rix habebit laceei corem.*' Mc. Füratensacben tom. 08, C4 CrI. — 4. October: >VrdinA»t(fK.tr parntn cogiUre videtnr de regt* et siroiliboj,
ita at »’xiatirnarim interdum, qnod expectet oblationcm aliqoam ab qoi babent electionem in siinili negotio. Veram Tenrndom etti, ne Mnithitu Tel Afhtirttu praecipiat. et üabitandnm etiam, quod auccessui in bU profiocUs rationcbr/fiin et proxiini» bis finibus maltam impediant, qaia xere archidnx Fordinandax |>otaisset aibi procurare magnam nomen et existimationem apnd omnea in Gmnania, ai movisaet sc occaaione belU pracaentis et xicini. Sed peenniae non sant et molta aJia etiani deaiderantur, qnae tarnen potniaset habere, $i foiaaet in Donoullia provideotia. Certe, ai hoc modo pergent, rex Oalliae multum negotii faceaaet (WchtdueiltHit omniboa etiam in illo negotio eledioHie** Das. 74 CrI. — *24. October: „Qnt ai tiene che r/m/fcrolore cogitet de componendis tribu* khm frairibus ioTiceni ei ioter te, et quod praecipoe faveat Mntthiae quoad eUctianem regU Jiomam. Haie enim dieitur Teile deatinare regattm Bvitemtac, Mastmiliamt antem directionem et Alberitut ro&nebit
cum eo, quod obtlnult ex gratia Hiepani. Sed vix iVtArimti/mntfir et AWciiu* cedet Mathiae, Terendum enim est, no omnea ambiant. Solua archidus Ferdinandus videtor quiedeere vel oimia occutte et lente procedere. Si <irc^j<fi4X i’Vrrftiitimfif.'r et archidHcisna mAfer aliqnid Bperarent in auctoritato Tel faroriboa regia JUapaHiae, eerte jndicio meo deciperentur. Vix enim aliom babebit fautorem quam V. etSuoa. Reliquoa qnoatl partem regia JliapaMiaet
ai tarnen aliquid valeront, occupabit infanta. Sed Terc timeo, quod archidujc Ferdmandua nimia tarde procedat. Interim etiam amittit jna auum in TVrofi, ad quam partem dieitur, quod Imperntor xelit ae recipere.“ Ma .011/20, G5 Crl. — Vgl. unten.
204) Portia an Hz. Maximilian 0. Mai 1601 : ,,Si dotmn qua in molte ceee ne gli noatri pensieri paaaano i monti di Salibcrg. Qualcbe lioea e penaiero si getta verao le coae del re di Spagna per liaxer qualchc penaione da quella patte, ma nel rimanente liatno huomini di pace,'* A. a. 0. 117 Crl.
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f.5
sollten. Erzherzog Ferdinand, welchen der Kaiser bis dahin noch nicht im Verdacht hatte, dass er Uim nach der Krone stehe, einer der bai- rischen Herzoge und womöglich auch der Churfürst von Köln, welchem Rudolf so sehr gewogen war, sollten dieses Schreiben üben-eichen, münd- liche Mahnungen hinzufügen*®*) und in den Kai.ser dringen, dass er sich gegen Bürgschaften, welche ihm seine Macht und M'flrde sicherten und die Literessen der ehelichen Kinder, die er etwa noch erhielte, wahrten, Matthias als „Gehülfen“ bestelle und denselben zum Nachfolger erwählen lasse. Insbesondere sollten sie sieh auch angelegen sein lassen, die Aus- weisung der Kajmziner zu verhüten, da diese einerseits das befürchtete Eingreifen der protestantischen Churfürsten fördern, anderseits aber den Papst und die katholischen Fürsten des Auslandes, die den Kaiser für vom Glaulien abgefallen erachten würden, von der Bewilligung ausgie- biger Türkenhülfen abhalten, ja vielleicht den Papst veranlassen woi-de. einen anderen deutschen Fürsten zum Könige zu erklären oder gar das Kaiserthum auf eine fremde Nation zu übertragen. Für den Fall end- lich, dass die Beauftragten nichts erreichen oder mit Rudolf wegen seiner Krankheit überhaupt nicht verhandeln könnten, nahm man in Aussicht, die Stände Böhmens und der zugehörigen Länder zur Ernennung des Nachfolgers und Coadjutors aufzufordem, worauf man die Churfüi-sten imd Ungarn zu entsprechenden Schritten zu bestimmen hoffte**).
Diese Beschlüsse gelangten indes nicht zur Ausführimg. Bei reiflicher Erwägung mochte sich neben anderen Bedenken vor allem das aufdikn- gen, dass eine so revolutionäre Massregel wie die Aufforderung der Böh- men zu selbständiger Vornahme der Wahl doch kaum zulässig sei und gefährliche Folgerungen nach sich ziehen könne, und dass ihr Erfolg bei der feindseligen Stimmung der böhmi.schen Protestanten sehr zweifel- haft sei. Auch lehnte vielleicht nachträglich Ferdinand ab, die Reisl^ nach Prag zu übernehmen. M;ui hielt wohl schon damals für möglich, dass Rudolf in seiner Abneigung gegen alle seine Brüder ihm die Nach-
20<5) Die Anleitofig zq dieten M&hnQDf^ii M>llt« wohl BeiUge X oder rielmehr die dort in der An- merknog nm Schinne erw&hnte ITmarbeituDg denelbeo bilden.
206) Beilage IX.
Abh. d, ni. CI. d. k. Ak. d. Wi«. XV. Bd. I. Abth. 9
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folge zuweiule. DuitIi die ihm aiifgetragone Verhandhing aber musste er dessen Zorn und Argwolm gegen sich waehrufen*^’).
Mattliiii« und Ferdinand einigten sich daher, den Churfürsten von Köln aufzufordem. diuss er allein nach Prag gehen uud den Kaiser zur Onlnung der Nachfolge drängen möge. Mit der Uebermittelung ihres Ansuchens wurde Ferdinands Kammerrath und Geheiinsecretär Peter Casal betraut, sei es, weil Jlattliias jenen um so fester zur Vertretung seiner -Vnsprüche verptlichton wollte, sei es, weil man auf diese Weise dem Argwohn d('s Kaisers leichter zu entgehen hoffte. Unterwegs sollte Casal den Erzherzog ^^aximilian, der sich nach der schottwiener Tagfahrt nach Mergentheim, wo er als Deutschmeister residierte, begeben hafte, zur Ge- nehmigung und Uiitei'stützung des geänderten Beschlusses bewegen und von den bairischen Herzogen eigenhändige Befürwortimgen an den Chur- fürsten erwirken”'"). Den Eraherzog Albrecht ging Matthia.s selbst um eine solche an'"*).
207) V(^l. Harter VI. I2T. ^*hon am 15. November eehrieb Portia an Ht. MazimiliaQ von Baiern: „Intcndo aoco. eh^ Mutfhin et runnitjUeri tuoi vorrebboDO, ch^ Ftrdimtiuim faceaae &leun ofHcio 00» VlmfMirnlorr, non baatando l'animo k Mafthüt di farci altro. Ma non penao, cho Ferdt- uandtuf n latMierä fHTKiia«leri% peitbe pare a totti, cho anderebbe a riachio di perdere certo per se et giovar ad altri incertament«** Kr fßgte bei, ea solle znSrbottvrien auch über den TQrlteo* krieg verhandelt werden und er bbre, da» .MattbiM und seine Ratbe Ferdinand die Last aaf« legen wollten, „ina in Gumroa orant's nrthiihtvrn sunt aptiorea ad {mcem quam ad bellnm et vix credo. quod aliqnid boni efflcient, qaia tllorum persimae sunt !mpe*Iiinento qooad bellum.** Ma. nil/Äi, "I Crl.
20.S) Beilage XI.
2ü9) Sein Schreiben vnro Ifi, December b. Uamnier Khetl I. n. 140. Wi. Succession, Matthias liegt ein Entwurf Krenberg» vom 2!i. November vor. Danach irt bei Hammer S. d32 Z. 15 T. unten statt: „gelhonener Bittens“ rn lesen: ..getlionen erpietens", Z 5 v.q. statt: „vorthiel“ „veitraolich“, S. 3.‘W Z. 8 v. o. statt; „ßaich“ „ratb“, Z. 10 r. o. statt: „ohne durch“ ..oder dc«h.*‘ Die Stelle 8. Z. H ff. lautet im Entwarf ausführlicher: ..in was achwärlicbem stand wir uns detteiten ht^rauaser behntleo, da es an allem manglet, die expetlitionen nahet er* ligen, kaine neue raicbsbilfen erfolgen und diae Und lum widerstand enchepft sein. Sollte cs nun ito mit J. zu einem fanl kamen (das Gott gnedigüch verhOet) da kain succesaion richtig gemacht, die rellgionen aller urten spaltig, Siebenburger von Türken, Polacken und Sigmunden Batori angefoebten sein, ao sehe ich nichts anders als den endlichen andergang unsers hauss, diser Und, den katholischen religion und suvor der ganzen chrisienbett hochaten schaden, zumal «la mau bisshero keine rometlia, geiatliche noch weltliche miitel noch ainichen gatten rat zu* lasGcn will, ich such selbst in ungleichem verdacht pin, also das alUin der allmecbtige Gott helfen muesa, der tlaiumben wol zu pitteii ist.** Das. Z. 2 v. u. bat der Entwurf; ,, neben uns und der freundbchaft zuatimmeten , insonderheit des churfürsten von Köln L. behandleten,
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Sie wurde ohne Zögem ertlieilt *'") und ebenso erhielt Casal in München rasch die erbetenen Schreiben, die sich freilich auf eine nüch- terne Herichterstattung ül>er seine Werbung Ijeschriliikten-"). Erzherzog Maximilian war, als Casal nach Mergentheim kam, kurz vorher auf Be- fehl des Kaisers nach Prag gereist*'*). Sein Einverständnis mit der l>e- absichtigten Werbung durfte man jedoch voranasetzen. Am 22. Januar 1601 legte Casal dieselbe in Köln tei dem Churfürsten al>*'*).
VI.
Churfürst Emst hatte schon im Anfang des Jahres 1600 den Erz- herzog Albrecht ermahnt, gegenüber den Umtrieben evangelischer Ueichs- stände und Frankreichs Schritte zur Sicherung der römischen Krone für das Haus Oesterreich zu thun, und seine Dienste zu Gunsten Albrechts angelroten. Dieser hatte ihn darauf gebeten, jrersönlieh mit dem Kaiser zu verhandeln*"). Das hatte Emst, wie es scheint, cinstw'eilon abgelehnt.
(Ute Verrichtung in fein und der zwei AOileren ehurfürtten D&men durch ein persönliche raiss zu I Mt. je ehUt so möglich auf sieh zu nehmen , dann wir je kein pessem und I. Mt. zu ditem werk annemblichem wisBien. Sonaten uni auaaer diaes piu ich nahet auüs aller hoffr nung, dau ich £. L. nit verhalten kan, das et im kunigreich B<'haimb nit allaio der calviniaehen, pikhartiachen , hnasitiachen und anderer aectiachen religion, souder auch der atänd unter ein- ander aignen Spaltung halben ain Mizambea ausaehen, die ingemain und soudera von kainer erb. liehen succession wissen wOlleu. Sollte Hebam von aimerin hausa kuiumeu, bo ist Ungern nit zu erbalben. Dalier ich E. L. bruederlich eraueche, den tachon treuherzig naefazodenken, was auf ein solchen unverhofften fal (den Got gnediglicb verbiete) zethuu »ei. damit die u»torreich- ischen erblander nit unter ainsten zu gruod geen. aomit'r bei der chriatenhalt und dan daa kunigreicb Bebaim bei pilicber erblicher Huecesaion cnift habender gerechtigkait erhalten werden möge.** Das bei Hammer Folgende fehlt bia auf die SchluaaaaUe. Die Aendernng der achott* wiener Abraaebungen erfolgte al»o wol Aufang Deceraber, denn mit der auch im Entwurf er* wähnten Reise Kölns ist dort wohl nur die zur Unteratulzung Ferdinands und des Herzogs von Raiern gemeiot.
210) Krzhz. Albrecht an den Gbf. von Trier IS, Januar 1601, Brs. Secret d'AHem. N. Ut'l, I. 47 Cpt.
211) Er kam dort am :J1. December 1600 an. Bericht Casala v. Februar 1601, Wi. Succossion. Mat- thias, Copie. Daa Schreiben Hz. Maximilians v. 3. Januar 1601. Ma. 30/16, 2 Crl.
212) Bericht Caaala. Er kam am 5 Janoai 1601 nach Mergentheim.
213) Bericht Casata.
214) „Weil ich gar woll weias, wie E. L. mit I. Mt. sonderlich woll stehen und bet deroselben gar vil vermögen, Iro sarorderist auch deaa bl. römischen reicha wollatand ganz eiferig angelegen
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dagegen vonij»rochen, sich bei erster Gelegenheit mit dem Administrator von Sachsen ins Einvernehmen zu setzen.
Anfang September 1600 liesuchto er diesen auf dessen Einladung zu Silbach bei Schleusingcn. Frietlrich Wilhelm brachte dort selbst die Angelegenheit zur Sprache, Er wies auf die Krankheit des Kaisers hin und frug, warum die geistlichen Churfürsten ihre früher lx>gonnenen lle- mOhungen. um die üitlmmg der Nachfolge nicht fort.setzten ; andere Füi-sten, namentlich der Churfürst von der Pfalz, wollteu Heinrich IV zum römischen Könige erheben; das habe er bei der Kindtaufe zuKas.se!*'*) jenem stdbst gesagt, als der Churfürst ihm vorgeworfen, er und die geist- lichen Churfür.sten wollten ohne Zuziehung der Amtsgenossen einen König machen, und Pfalz habe nicht widersprochen; er sei bereit, wenn Ernst es nützlich erachte, mit seinem .Mündel, dem Churfüi-sten Christian II von Sachsen*'") nach Prag zu reisen*'). Wir vernehmen nicht, was ver- abredet wurde. Es scheint, dass Ernst daran dairhte, sich selbst zum Kaiser zu Ircgeben*'“).
««in lassen«** Hrüssel 2“. April IttOO. Brs Secri-t il’Allemaj^ne N. JM». Copie eines
Sehr. Als Ziel der Vcrhandlnnjrco bsseichnete Atbre«ht» dass einer der Bröder des Kaisers gewühlt werde« »vriä >cb dann solche ehr und glück (das mir£. L. sicherllchen glauben möegen)
, ainem rvon meinen lierrn broe^iern von honten gpm gnnne und was« mein person betreffen mOebt, I. Mt. gnedigen willen in allem baimbstelle nnd dem gemainen wesen durch ainige aigne pretenston ira weuigisten prajodicierlicb »ein wolt/*
21*>) Ende August Kriedilieb Relatio hiatorica IdOl, 1, 6.
2U>) Damit dieser „sich daselbst etwas bekannt machete und einon anfang gewänne« I. Mt. za re- »pectieren.**
217) Protokoll über das Anbringen des kölner Geheimmths« Drosten zu Bilstein und Amtmanns za Frizlar Caspar von Förstenbirg bei d« m Cbf. von Mainz und über dessen MasÄnahmtm. Wra. Sacccaaionswesen I. n. 24.
*218) In einem Creditiv d. d. Hau.s Hirschberg 2ö. September UiOO, mit welchem der Chf. seinen Geheimrath Bille zur Berichterstattung über die Cnterredung mit dem Administrator an Krzhz. Albrecht schickte, sagt er: .Und «ollen E. L. das gewisse vertrauen in ans sezen, dos wir hin- fürter an uns (da wir anderst von E. L. nit verlasaen) nit ersiten lassen werden, dasjeitig, was der ganzen algemeiiien chrtstenheit, dem hochlüblieben haass Oesterreich und E. L. bevorab zum besten nuz und hohen gedeien gereichen mag, jeder zeit zo Wfurdern**, doch fehlen uns bisweilen die Mittel, da all uusere Lande aosgesoge» sind und jetzt durch die Sperrung der Rheinschiffiahrc noch mehr in Kotb gesetzt weixlen. Brs. Secret. d'.Allem. M. 110, 00 Or. Das klingt, als habe Ernst die Zarückziehung der spanischen Besatzungen nnd Ausleger durch InaassichUtellung der von Albrecht gewünschten Reise nach Prag l>efurdcru wollen. Am 18. Dccember berichtete Duodo, cs werde versichert, dass Chf. Ernst tnr Betreibung der Nachfolge nach Prag kommen wolle, „non essendori elettorc che habbia maggior antorita con lei [S tli questo." I>. V. ;iü, 208 Or.
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Als er jedoch dann von dem heftigen Ausbruche der Krankheit Rudolfs und von der Entlassung der Minister Nachricht erhielt, fand er nothwendig, andere Wege einzuschlagen. Er venmlassto *”), dass sich mit ihm der Churfürst von Trier am 4. December bei dem mainzer zu Aschaffcnburg einfaud, und er beantragte dort, dass alsbald ein Chur- fürstentag berufen werden solle, um Schritte zur Herbeiführung der Wahl eines römischen Königs zu vereinbaren. Ein solches Vorgehen fanden jedoch Trier und namentlich Mainz mit der goldenen Bulle und den Rücksichten, welche mau dem Kaiser und den weltlichen Churfürsten schulde, unvereinbar. Sie trugen zugleich Bedenken, etwas zu thim, w'as dem Kaiser unangenehm sein könnte'-“), denn die Ehrfun-ht vor dem 01)crhaupte des Reiches war noch .so stark und festgewurzelt, dass man sich trotz der Gefahr imd trotz Rudolfs Krankheit nicht von ihrem Banne zu lösen vermochte. Von der Person des zu Wählenden wagten die Churfürsten nicht einmal vertraulich mit einander zu reden“*).
Nur mit Mühe gelang es dem Kölner, nach dreitägiger Besi)rochung zu bewirken, da.ss dem Administrator von Sachsen der Entwurf eines Ausschreilwns zum Churfüi-stentage zugeschickt und sein Gutachten er- beten wurde, ob da.s.selbe zu erlassen sei*“), und er konnte vorläufig nichts weiter thun, als dass er seinen geheimen Rath, den Domherrn Arnold von Bucholz zur Befürwortung des Collegialtages an den Admini- strator abordnete '’“).
219) Dnrch Caspar von FQrstenberg. Dieser legte am 21. Oetober seine Worbaog ab. Die Hache warde so sehr als Oebelmnia behandeU, dass i^ich F. di« Ztuiehung eines mainzer Rathe« za seiner Aodieoz verbat. Die Nachrichten Ober drs Kaisers Zustand Qbcrgab er versiegelt ond bat, sie ebonio zurOckzugeben. Mainz erwiderte, er habe bis dahin keine Kenntnij von jenem gehabt. Durch seinen Domscholaster Adam von Bicken Ind er daraaf Tri>r za sich. S. das oben Anm. 217 erwähnte Protokoll.
220) Rescheid des Chf. von Kuln fUr Casal, 23. Janaar 1601. Brs. Seerct. d’ Allem. N.116, SOCopie.
221) lieber den aschaßenbarger Tag an Erzl.z. Albrecbt berichteml, bemerkte der Chf. Lothar von Trier: .Auf was person wegen der sacces»ion Mogantinas und Colonienaii gesinnet. hab ich nit vernommen.“ Brs. Seeret. d'Ailem. N. 132, 46 Or.
222) Protokoll des Tages za Aachaffenborg 5.-7. December 1600. Wm. Saccessionswesen I, n. Mainz an Sachsen 9, December, das. n. Cpt v. Faust. [Vgl. Briefe und Acten I, n. 160 Anm. 1).
22‘d) Am 16 Januar ICOl schrieb Groisbeeck an Speer: «Per le lettere del Sei“® elcttore scrilte dopo che fu i^rtiko d'Aschaffenborg haverä V. S.”» vUto quelto che era passato. In summa
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Dieser hatte im November auf da« Sclireil>en, welches Matthias von Prag: ans an ihn richtete, dem Chnrfilrsten von Mainz die Abhaltuiv' eines Colleprialtages selbst vorgeschlagen“’*). (Togen die sofortige Beru- fung desselben äasserte er jedoch jetzt — vielleicht durch eine münd- liche Besprechung mit dem Churfürsten von Brandenburg beointlusst”’) — Bedenken, weil man erst gi’ündlich über den Zustand des Kaisers unterrichtet und gewiss sein müsse, dass Pfalz und Brandenburg ei-scheincn würden, vor allem aber nicht ohne Vorwissen und Zustiinuuing des Kai- sei's die Ordnung der Wahlfrage in Beiiithung ziehen dürfe*“). Da« ent- sprach den Auschauungen der Churfüi-sten von Mainz und Trier und diese einigten sich daher um so leichter, einstweilen unthätig zu bleiben, als in Aussicht stand, dass der Kaiser die Churfürsten um ihre Kinwilli- gung zur Abhaltung eines Beichstages angehen und so selbst den Anlaas zum Collegialtage geben werde”').
Neben der Sehen, des Kaisers Missfallen zu erregen und dessen Ho- heit sowie die Gesetze des Reiches zu verletzen, war es vor allem die Furcht vor den Protestanten, welche Maiitz und Trier zu ihrer Zurück- haltung bestimmte “**).
oibil, et sc non Ti st tromva il nostro patrone, rosneo. Mi ha detto ..-i'', haver trorato i7 Mogunthm molto rafreddato di qaello cbe cra, qnando havcTt mandato da loy it r/rngf »ifiin, et cre<le, che procede delU soggt'stione delli mütuifri crMrei. Fin a1 ritorno del s** lUi~ chfiU, cM i ito dal amminintratorr tli Su^ftonia, non potria serlrer a V. S'** in ehe parerä quf^ta wuveutifwr dt'Ui etfttori. Mi disae S. „4", haver tirato dal cancfUiere di Treviri, ch’il sno patroiie inclinara al ni-ritluca FenUiutmUt. Le cose sono ancora ntuUo erudo. 11 tempo li faia jiaTii." Ma. 36 Crl.
224) HO. üctober. Wm. Snerpasionswosen 1 n. 27 Or. Am 3. Notember befichtete Mainz, antwor* tend, Ober FSratenbergs Werbnng; ihm sei vom kaiserlichen Hofe seit geraumer Zeit nicht mehr geschrieben worden ; er habe seine gdstUehen Aintsgenossen uro ihr Ootachten gebeten nnd erwarte dieses oder ihren Besuch. Das 211. Cpt. [Vgl. Briefe o. A. a. a. 0.] Dem Krahz. Matthias erwiderte Sachsen am 7. November nur, er werde, wenn Rudolf sterbe, seine Pflicht thun nnd das Beste de« Vnterlandea nach Kräften fördern. Wi. ^nccession. Matthias Or.
223) S. Briefe Q. A. a. a. 0.
226) 25. December Wm. a. a. 0. n. 40 Or. Vgl, Briefe u. A, a. a. 0.
227) Mainz an Trier und Köln 10. Januar, Trier an Mainz 2ü. Januar und Mainz an Trier 2. Fe- bruar 1601. Wm. s. iw 0. D. 40b Cpt. 48 Or. und 51 Cpt. Qroisbceck schrieb aro 1. Februar an Speer; „Mi pare, che )a congregatione delli elettori volc aoüar in furoo b aila lunga Ogoi giomo se senopre piu, qnanto sia raffreddato Mogunza** Ma. 415/H4, 30 CrL
228) Man müsse warten, sagte Trier in seinem Schreiben vom 20. Januar, sonst werde man niehU auarichten, ja in ein gefährliches Lab^inth geratben, da andere Churfürsten schon Verdacht geschöpft hätten.
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Diese Furcht war durcli Schreiben des Churfüraten von der Pfalz verstärkt worden, worin sicji dieser nach dem Zwecke der asehaffen- burger Zusammenkunft mit dem Hemerken erkundigte, dass es den Churfürsten gebüre, in wichtigen, das Ueich betreffenden Sachen sich mit einander zu veretändigen *“). Mainz beeilte sich darauf zu erwidern, dass er und seine geistlichen Genossen sich dessen l>ei ihrer Besprechung sehr wohl bewusst gewesen seien, er liiugnetc, von Unterhandlungen über die Wahl eines römischen Königs Kenntnis zu haben, und er wagte nur schüchtern, den Collegialtag in Vorechlag zu bringen, nicht aber dessen Aufgabe anzudeuten
Durch das Verhalten seiner geistlichen Genossen uml Sachsens sah sich nun auch der Churfürst von Köln den Weg, welchen er zur Ord- nung der Nachfolge eiuzuschlagen gedacht hatte, versperrt. Als ihn Casal im Namen der Erzherzoge bat, die Heise nach Prag zu unternehmen, weigerte er sich entschieden. Nelwn anderen untergeordneteren Gründen bestimmte ihn dazu unter dem Eindrücke der eben gepflogenen Verhand- lungen vor allem die Ansicht, dass es vergeblich sein und ihm von den übrigen Churfüi-sten verdacht werden wüi*de, wenn er ohne deren Vor- wisseii und Vollmacht die Wahl l)etreibe. Zugleich fürchtete er die Gnaile dos Kaisers zu verlieren, ja vielleicht gar von demselljen in einem seiner Wuthanfölle schwere Beschimpfung zu erdulden“'). Auch er glaubte, vorläufig seine Bemühungen einstellen zu müssen.
Während so die katholischen Churfüinten die Hände sinken Hessen, suchte Pfalz den Kaiser in einer ihren Wünschen entgegengesetzten Rich- tung zu beeinflussüii.
Bis dahin hatte die protestantische Bewegungspartei iler Nachfolgo- frage wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Nach dem Reichstage von 1594 waren Berichte San dementes*”) über die dort wegen der römischen
A. a. 0. 40c Or. und Briefe il A. 1. n. 162 Anm. 2.
230) Briefe u. A. h n. 166.
2HI) Bccchcid für Caaal t. 23. Jan. J601. Brs. Secrt^. d'AUcm. N. 116, iM) Copie, und Bericbt Ca* «als T. Febr. 160l. Wi. Socceesion, Matthias Copie.
232) Briefe u. A. IV, 467 ff.
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Königswalil gepflogenen Verhandlungen und ein Schreilien des Admini- strators von Sachsen, worin er Philipp 11 seiner vollsten Dienst Willigkeit versicherte*”), aufgefangen luid verbreitet worden*”). Man erfuhr da- raus. wie eifrig Sj)anien und der rajtst die Sache betrieben, wie geneigt die geistlichen Churfüi'sten und der Administrator ihren Wüiw?cheu waren, imd wie juan letzterem auf spanischer Seite eine Pension zudachte, ja sogar auf seinen Uebertritt zum Katholicismus hoffte, und mau konnte aus seinem Schreiben muthmassen, dass er sich ganz an Spanien binden wolle. Gleich darauf forderte Churfürst Ernst von Köln zur Unterstütz- ung der Königswalil auf. AVir erzählten*”) wie Pfalz und dann auch Brandenburg dieselbe vemagten und weitere Bemühungen unterblieben. Damit begnügten sich die deutschen Gegner der Habsburger. Im .Jahre 1506 erzählte man sich wohl, dass Erzherzog Albrecht sich um die Kaiserkrone bewerbe*“) und ähnliche Gerüchte mochten in der Folge noch öfter auftauchen. Da jedoch ernstliche Schritte zur Oixlnnng der Nachfolge nicht geschahen, fanden sich Pfalz und seine Freunde, deren Aufmerksamkeit stets nur auf ihre iHt.sonderen und die nächstliegenden Interessen gerichtet war, nicht veranlasst, Gegenbemflhungen anzustellen oder auf eine AVahl in ihrem Sinne zu denken. Zugleich beruhigte es sie wohl, dass sie den Kaiser der Ernennung eines Nachfolgers und dem spanischen Hofe abgeneigt wussten**'). AA'as man auf katholischer Seite über ihre Anschläge in Bezug auf das Kaiserthum hörte, war leere Er- findung.
Mit grösserer Sorge vernahm Heinrich lA' von Frankreich die Nach- richten, welche Philiji]) III Indd für sich, bald für Erzhei-zog Albrecht
233) Nur er kaoD ia dem Brief« des Boogars rom 10. Mai 159<% Bongarsi et Lingelsbemi epp. 08, an der durch Punkte beieichneUn Stelle genannt gevreBon Bcin, da er tu den .Teatri bo- mines* gerechnet wird. Vgl. den Sehlusa dee zweiten Berichte« von Clemente, Briefe u. A- IV, 471 f., oben Äom. 50 und Keldanns Annalce Belgarum 301.
234) Briefe u. A. IV, 400 Anm. 2. S. ferner das. I, S. 440.
235) S. oben S. 19 ff.
236) Bongarat epistolae ad Camerariom 290 nud 3*)8.
237) •Hoc Toleote Caeaare non puto faturum”, sagt Bongar« in dem ersten «einer in der toH^d Anmerknog erwähnten Briefe am 27. Februar 1596.
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nach der Kaiserkrone trachten Hessen. Seinem Gegner, dem er die Vor- herrschaft in Europa zu entreissen gedachte, wollte er nicht die erste Würde der Christenheit Zufällen und die Jlöglichkeit zn Thoil werden lassen, dass er unmittcllmren und tiefgehenden hiinfluss auf Deutschland ■<
gewinne. Ebensowenig oder wohl noch weniger genehm war ihm die Erhebung Albrechts. Erhielt dieser die Kaiserkrone, so fielen ihm vor- aussichtlich auch die österreichischen Hauslundo zu und der so geschaf- fenen Jlacht mussten dann die Holländer erliegen oder sie konnten sich, wie es schon wiederholt vorgt^schlagen worden war, freiwillig dem Reiche wieder anschliessen, dessen Heligionsfriede und Verfassung ihnen ihre kirchlichen und staatlichen Freiheiten sicherte; dem sj)anischen Einflüsse aber wurde in kaum geringerem Ma.sst* als durch die Wahl Philipps Zu- , gang im Reiche verschafft und an der Ostgi’enze Frankreichs erstand ein Feind, der es im Verein mit Spanien zu Boden drücken konnte.
Schon im Jahre 1598 machte daher Heinrich einen leisen Versuch, den Herzog Maximilian von Baiern zur Bewerbung um die Kaiserkrone anzureizen”"). Dann wandte er sich dem Gedanken zu, selbst die Hand nach ihr auszustrecken”“), denn das Ansehen, welches sie noch immer in ganz Europa besass, und die Macht, welche sie in Dtuitschland verlieh,
Hessen sie auch ihm begehreimverth eisicheinen Von ernsteren Schritten in dieser Richtmig hielten ihn freilich die grossen Schwierig- keiten ab, welche, wie er nicht verkannte, seinen Wünschen im Wege lagen. Dagegen wurde er, als mit der Rückkehr Albreclits in die Niederlande die Gerüchte von spanischen Umtrieben verstärkt wieder auftruten, nicht müde, die Pfälzer darauf hiiizuweiaen und sie zu Gegen- vorkehrungen anzuajxn-nen”').
Seine Warnungen und Mahnungen blieben indes unbeachtet. Ei"st im Januar 1601 wurde der heidelberger Hof aufgeschi'eclct. Mau war überzeugt, dass zu Aschaffenburg Verabredungen über die Kaiserwahl
23S) Briefe n. A. IV, S6fi.
*2:i9) Winwoo«! Memorials of affairs of State 29.
240) .Cest^ digiite qoi Yous coailoLroit in&liblemcnt ä U monarebie de TEnrope, voire da toat le iDOode', sa^te Ancel dem KoDige, Briefe o. A. I, S. 299.
241) Briefe o. A. I. n. 12iV,
Abh. d. UI. CI. d. k. Ak. d. Wiw. XV. Bd. I. Ablh. » 10
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geh'offeu seien. Bald darauf kam Nachricht, dass der Cardinal Franz von Dietrichstein zu Flui-enz, aus Iloiii zurückkehrend , gesagt habe, er sei v'oni Papste beauftragt, der Wahl eines dun Si)auiern gefiilligen z'ömiachen Königs anzuwohnen und eine Liga zwischen Sjianien und den deutschen Katholikcm gegen Frankreich zu betreilx'n"**). Die Pfülzer zweifelten an der Zuverlässigkeit dieser abenteuerlichen Meldung ’“), aber
242) Dietrichitein, dtr J« daroalt otaUflniliMidcn Jnbiläoms wegen n«ch Koni reUte, war Tora Kaiwr Waaftni^t worden» den Papflt am Hilfe trcgoo die Turlcen anzu^ehvn. A. &.O. I, n. 178 Anm. 1. Es war dien kUod vor dem Starae der kal. MioUter geschieben. Nach demselben kam Dietrich- stein in die Nähe von Frag um neue Hefehle %ü holen. Duodo an den Dogen 9. October IGOO D. V. oO» 2‘Jl Or. Er sagt, Dietrichütein solle die Erhöhung der vom Papste zur tTuterneb- ninng gegen özolnok veraproebenen Sendi erwirken. .Fin a queat'hora che »ouo oUo gi-
oriii, aüpetta Honi'altra reaolutioue et Dio aa aneo loi, quando rbareii.* Am 11. December meldete Duodo; Dietrichstein hat von Venedig am 24. November berichtet, da»« er vor «einer Abreiso von Kum vom Papste «ognt prü ampla et amorerole attisitatioae et proroesa iotomo le co»e di Caiiiaa et gli affari della guerra presente" erhalten Habe; derselbe erbiete sich» nicht nnr das ^einige tu thuu, aondern auch bei anderen Fürsten «ich zu verwenden. D. melde weiter» er bube Auftrag .di comiunnicare a bocca nioUc eose ä la S. toccanti ü tuo •ervitio.“ Er habe sich erboten, nach Prag zu kommen and der Kaiser habe ihn berufen. «Viene seuza dnbbio non solo per queste cos<*, ma con pensiero dl fürtiursi qua; se 8. gliido vorrä conetHiere, baverebbe )a mira di entrare nel cou-siglio »ecreto et a'^Utervi» «e potti» in ch’e grandomente favorito da qui^to ambasciator cattoUco» roa si crede havera delle difBcolta, «i per non csaer molto in gratia di S. come («r Ic Opposition} che gli saranno falte da qoelU che vi sono interessati." D. V. 21U Or. Am 22. Deceinber kam D. nach Prag. Bericht Dnodot v. 25. a. a. 0. :121 Or. Erst nach acht Wochen erhielt er Audienz. Briefe und A. I, n. 179 Anm. Am 8. Januar lÜOl berichtete Duodo: Dietrichetein bat mir» aU ich ihn beuchte, gesagt: .cbe egli non portava alcuoa oflerta di ajuti ä S. inaravigliandoei forte, come questa nova fasse aparsa. tnttavia e cosa certissimn» ehe egli di cib ne »crisse al die Lietistain et ehe gli di- cesse hn tanto, ehe 8. si coutenterebbe di dare 6no k lOLHjO fanti con corte conditioni. le qnali non si «anno, ina perü, ae saranim quelle che si credono, si dubita, cbe haveranno delle difficultä ad ed’ettuarai et massiiue dalla M^-‘ 8.» come il fare una dieU di Germania, deebiarire un rö di Komairi et cose tali, ond« si stima, ebb saranno piu presto apparenze di buona volonta cb« alcnn* ciTetto proportioiiato alle nece:»ita presenti, non mancando anco di coloro cbe «uggo- riscono» se len con poco fondamento, 8. 8*^ essere di animo fort«' inclinato alla parte del re Cbri«t*>" et che per questo soleciti particolarmente tale elettione affine di fare, ebb sopra S.
eada queeta dechiaratione» et come qui si {>enetri poco et si sospiefai molto, non aarebbe gran inaraviglia» che eoee tali fscessoro grande impressione.** I). V. 80» 3^0 Or.
24^1) Briefe und Acten 1, n. 162. Schon gleich nach DietriebsUina Ankunft in Korn [28. October] ging dort da« Gerücht, er solle den Papst ersuchen, die geistlichen Cburfürsten za beeinflnssen, damit einer der Brüder des Kaisers oder der Erzbz. Ferdinand erwählt werde. Jac. Franca« liel. bist. 1601, 1, 70. Am IB. November trat D. die Kückreise an; das K5,
244) Briefe n. A. I» n. 162. Anm. 2. Dietriebstein hatte vermathUeb gesagt, der Papst wünsche die Wahl eines römischen Königs und einen Band der christlichen Fürsten gegen die Türken, um den er sich vielfach bemühte. Das« der Papst ihm wegen der Wahl emenAoftrag gegeben
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sie wurden doch mit der Sorge erfüllt, dass die Ordnung der Nachfolge im Sinne ihrer Gegner herbeigeführt werden solle. Wie die geistlichen Churfürsten wegen ihrer Besprechung zur Rede gestellt wurden, so ging man Churbrandenburg, Ansbach, Braunschweig und Baden - Durlach um ihr Gutachten an, was zur Wahrung der evangelischen Interessen zu thim sei***).
Heinrich IV war um diese Zeit der Ansicht, dass bei dem Zustande des Kaisers die Ernennung eines Nachfolgers hinnen Kurzem unvermeid- lich sein und dann auf einen Oesterreicher fallen werde. Es mochte ihm zu spät dünken, sich selbst um die Krone zu bewerben. Den Gedanken, Herzog Maximilian von Baiern vorzuschlagen, hatte er aus unbekannten Gründen aufgegeben. Er glaubte sich darauf beschränken zu müssen, die Wahl Albrechts sowie Ferdinands von Steiermark, der allzu fanatisch imd Spanien zu sehr ergeben schien, zu verhindern. Deshalb und um den künftigen Kaiser seinen Freunden zu verpflichten, wünschte er, dass diese die Wahl des Erzherzogs Matthias befördern möchten, welche er ohnehin für wahrscheinlich hielt*“).
In Heidelberg wollte man jedoch, womöglich ein Interregnum her- beiführen. Man mochte hoffen, dann eine den eigenen Wünschen ent- sprechende Wahl bewirken oder das Reichsvicariat für die Sonderinter- essen der Pfalz imd der Protestanten .ausbeuten zu können. Fürst Chri- stian von' Anhalt unteniahm es, den Kaiser selbst zur Unterstützung des pfälzischen Planes zu bestimmen.
Schon auf die ersten Nachrichten von der Entlassung Rumpfs und Trantsous hatte er sich auf den Weg nivch Prag gemacht Da als Grimd des Sturzes der Minister the Entdeckung ihres Einverständnisses mit Spanien und dem Papste bezeichnet wurde, hatte der Fürst, der stets zu
hatte, ist nicht aninnehmcn, Clemens am I.S. Januar ISOt dem Chf. Ton Hains über jene nicht die mindeete Andeutung machte, ah er ihm schrieb, wie sehr er »egen der Deutschland durch die Türken drohenden Oefahr und wegen der Krankheit Rudolfs besorgt aei und wie alle katholischen Reichsstände, namentlich aber die geistlichen Churfürsten ihr Aensserstes zur Ab- wehr des Türken thnn müssten. Wm. Reichstag ISO-d, Praeambnia n. 2B Or.
24.5] liriefe Q. A. X, n. 162 Anm. 2.
246) A. a, 0. I, n. 164 und 168.
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ülwrschwönglidion Hoffnungen und atenteuerlichen Entwürfen ge- neigt war, die Meinung gefasst, dass es möglich sein wcnle, lludolf zu einer vollständigen Aenderung seiner Politik zu l>ewegen und ihn auf die Seite der Protestanten zu ziehen. Das gedachte er durch mündliche Vorstellungen zu liewirken und zugleich lioffte er, so dem Churfürston von der Pfalz, in dessen Namen er den Ilesuch ausführen wollte, vor allen anderen Cliurfüi-sten Einfluss und Vertrauen heim Kaiser zu erwerben. Unterwegs wai-eii ihm jedoch Mittheilimgen zugekommen, wonach die Ab- setzung der Minister als eine krankhafte Aufwallung und der spanische Einfluss am Hofe als ungebrochen erschien. Das hatte ihm lledenken erregt und er hatte beschlo.s.sen, in Arnberg auf weitere Nachrichten zu warten*^'). Es dürfte nicht au solchen, die ihn ernmtliigten, gefehlt liaben -■**), und als die Sorgen vor den Umtrieben der katholischen Partei hinzukamen, wimle beschlossen, dass der Eürst die geplante Itcnse aus- führen müsse. Man kannte die Stimnumg des Kaisers. Anhalt sollte ihn daher ermahnen, seine liegierungsgewalt nicht durch die Wahl eines römischen Königes be.schriiuken zu hissen. Dadurch hoffte man ihn von der Einwilligung in die Ordnung der Nachfolge nbzuhalten. Zugleich gedachte man den ursprünglichen Gedanken Anhalts durch Versicherungen der Pirgebenheit und Anerbietungen des Beistandes der Protestanten und namentlich des Churfürsten von der Pfalz zu verwirklichen-*®).
Am 21. l'ebruar IGOl traf Füi-st Christian am kaiserlichen Hofe ein.
VH.
Die Gesundheit Rudolfs hatte sich seit der Abreise des Erzherzogs .Matthias nicht gebessert Der Verlust Kaniszas, den man ihm an-
247) Briefe n. A. I, n. 157. In erwartete man den Fürsten »eit Anfan)^ NoTomber, Ihiodo an den Dogen Ö. November 16fK), D. V. ilO, 2ft9. Orp, Am 13. meldete er, ea heisse, Anhalt werde nach Wien und vielleicht nach Qrai geben, um den dortigen Protestanten beizusteben; nach Prag aolle ein anderer Gesandter kommen. Das. 279 Or.
248) Vgl. unten 8. 79 über Rudolfs Bespreebungeo mit protestautisebeu Mäunern.
249) Briefe n. A. I. n. 17u.
250) Duodo an den Dogen 6. November 1600: „Sta S. eecondo i'ordinario et piü presto qualcho cosa peggio et aitrimente in modo, cbe si dubita asiuii, cbe nel progresso di qualche meae si
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fangs gar nicht mitzuthoilen wagte®*"), der unglückliche Ausgang dos speirer De])utationstag€-s, das Auftreten der auf dem Landtage versam- melten böhmischen Protestanten, welches offenen Aufruhr fürchten liess, *•'’*) und wohl auch die schottwiener Zusammenkunft boten neue ^Anlässe zur Erregung. Kr wurde nicht, wie man gewöhnlich anuimmt, irrsinnig. Nm- zeitweilig Imtielen ihn die Hallucinationen und die ihnen enteprin- gende Raserei, ln den kilrzoron oder längeren Zwischenräumen zeigte sich keine Störung des Geistes aber auch dann war er von einer Verstimmung und Unruhe erfüllt, welche ihm den Verkehr mit Men-scheu luid die Geschäfte der Regierung zuwider nuichten und ihm ängstliche Sorge vor ihn bedrohenden Anschlägen erweckten.
Während seiner Anfälle richtete sich sein Zorn noch immta’ vor- nehmlich gegen die Kapuziner. Wiederholt erneuerte er den Refehh <iass man sie aus Prag hinausti’eiben solle, worauf auch die böhmischen Protestanten bei ihm drangen; die .Ausweisung imtcrblieb jedoch auch jetzt, da die Räthe sich weigerten, zu ihrem Vollzüge die Hand zu bieten®*'*).
rendere ilel tutto poco fttU alle negociationi/' D. V. :10, 209. Or. Am 13. November be- richtete Duoilo, der Kais> r ftcheine steh Beit drei oder vier Ta^n viel bivser za befinden. Da«. 270 Or. Vgl. Beilage XI.
Präiitl ao Hz. Maximilian von Baiern. 11. NoTember 1600: Der Terliut Kani.oza« wurde hier er«t am 8. bekannt uni dem Kaiaer bi« gestern verheimlicht. Ma. 50/10, 24 Or.
252) Duodo an den Begeh 13. November 1600: „Questi giumi paeaati eon oeeasiono dclle indiepo- aitioni di 8. aooo ao Jate attorno vori molto gagliarde delle aollevationi ehe volevano fare gli beretici in queuta cittA, le quali accrcscerono taato. cbö moa«^ nontio, dobitando di qualcbe «inistro incootro, per gli avi«i ehe glt ermno dati, ai ritiro all* improvuo quasi nella citta pic* coia in uo' altra ca^ che haveva trovato, il che mi db'de causa di andarlo a vedere . . . . Harerano gli heretici «critto una polirza sotfoecritta dalla maggior parte de* loro priocipali a S. l>er la qnale ai sforzavano di persuatlero a dover mandar via qocstl poveri padri capnz- zini et giit tre volte oltre alla inclinationo cbe i>er U sua naturale indiapositione vi baveva, ordinö, ehe foescro licentiati, ma non ha trovato ministro cattolico che rolesae fare simile utßcio, in modo cbe la coea h resiata cot], et »e poco |k»co cam'mano le eoae piii inaanzi, potrebbono li cattolici correr io questo paese una gran borasca; che Die ci guardi.“ D. V. SO, 27!) Or.
253j Vgl. den Bericht bei Banke Z. deutschen Geschichte S. 285 und unten. Machart berichtete schon am 23. October 1600: ,.I. Mt. mathematicus Tjcho Brahe hat 1. Mt. za belustigen, ez- licbo kuosiliche grosso instrumenta in dem lusthau«« bimier dem scblon aufgericht. Diss sicht man von fern.*' Ma. 50/10, 6H Or.
254) S. oben Anm. 252. Aehnlicbea beriehtt te Duodo am 25. December. Ifanhart schrieb dem Hz. Maximilian von Baiem am 22. Januar 1601: „Es ist gar nabend darauf gstanden, dass die capuztuer betten von hloDen mDessen pr<»pter mala quaedain de ÜIU oarrata, aber wie ich temimb, sein I. Mt. besser informiert, Qod si also lenger alhie zu verbleiben jezt dardurch bestettet worden." Ma. 50/10, 5a Or. Vgl. Coccalio p. 69 ff.
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Audienzen waren nur noch ausnaiinisweise zu erlangen. Wer dem Kaiser etwas anzubringen wünschte, musste sich an seine Kammerdiener Ma- chowsky und Frank***) oder an noch untergeordnetere Leute wie den Kammerknecht Heid wenden. Von seinen Ministern imd Käthen durfte kamn noch ein Anderer als der wietler einigermassen zu Gnaden gelangte Barvitius, auch dieser indes nur selten, vor ihm erscheinen. Sogar Liech- tenstein musste sich bald der Vermittelung Machowskys bedienen**®). Rudolf hielt alle seine Käthe ausser Hornstein, den er jedoch zu furcht- sam fand***), für Spanien ergeben und verkauft Dass jenes und Erz- herzog Albrecht ihn mit Hilfe des Papstes und anderer Fürsten ent- thronen wollten, blieb nach wie vor die grösste seiner Sorgen und er fuhr fort, darüber zu gi-übeln, wie er sich behaupten und rächen könne. Vorübergehend kam er auf den Gedanken zurück, Matthiiu« gegen Bürg- schaften für die Wahrung seiner Macht zum römischen Könige ernennen zu lassen. Auch sprach er wieder davon, sich zu verheirathen und liess
2.W) R«nke Z. dentwhen Gfsthicbte 2S2. Auch in einer Schiiä der br'bmiKhen Stände ». J. 1611 wird gesagt, mit Kodolfs Rückkehr roQ Pilsen hab« das Regiment der Kammerdiener begonnen. Harter V, 98 inm. 161. Frank finde ich tonst nicht erwähnt. Ueber Hicronytnas Machowskj Ritter von Machao auf Aichdorf und Birkenthal Tgl. Harter Philipp I^ang 10, 20, 21, 168, 199, Hammer Kblesl I. S. 190 Anm, 2 und CoccalUo p. 66 und 76. Am December 1604 berichtete der reoezianitche Gesandte Francesco Soranzo: t.Quel Macoschi aiatante di ca- mera, tanto favorito delP Imperatore, ehe Taono ptmto fa condennato ämorto et poi per gra- tia ehe gli fn fstta da S. confinato in perpeCuo carcere per imputationi di lesa roaetii, h fuggito con qoattro gnanliani che lo barcraro in custodia.'* D. V. ;14, .’hH Or. Am 3. Januar 160.'» meldete er, M. sei in Meisten aufgefangen. Das. 377. Or. Bei Hammer a. a. 0, heisst M. der ..Purghartecho cammerdiener." Sollte damit auf Burkhard von Oerlichingen [a. oben Anm. 160 und Beilage XI] augt-spielt werden und M durch diesen an seine Stelle gebracht worden sein? CoccalUo bezeichnet M. wieoWn Anm. 181 erwähnt ist, als ..perfldissirno cah Tinuta" in dem protestantischen Berichte bei Ranke 2^2 wird er als niederträchtiges Werk- zeng der Pä{«lischen und Spanischen geschildert. Bieter Widerspmch zeigt, wie Torsichtig derartige Berichte Femst<hender zu Benutzen sind. Tr&fo die obige Veirniuthung über Berli* chingens Verbältnia zu M. tu, so würde man. da B. Protestant war, wohl CoccalUo den Vorzug geben müssen, der sich überhaupt gut unterriehtet zeigt und namentlich über die kircliUcbe Stellung Machowakjs bessere Nachrichten gehabt haben dürfte, als jener Protestant, der sich An<*s nach Hüreusagen und nach den V'orurtheilen seiner Partei zarechtlegte.
25C) Hammer Khlesl I, S. 1U6 Anm. 2. Oec Brief masa wie die Übrigen dort erwähnten in den Juni oder Juli 1601 gehdren.
2«'i7) Ranke Z. deutschen Oesebiehte 287. Die Pnrehtsamkeit Hornsteins bestand wohl darin, dass er Rudolf von unbeaonoenen Schritten gegen Spanien turückzuhalten sachte.
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sich die Bildnisse verschiedener Prinzessinnen schicken Daneben äus- serte er die Absicht, sich der Nie<lerlande zu beniiichtigen. Wohl um seine Stellung zu sichern, zeigt« er sicli zugleich den Protestanten seiner Länder gnädig. Als Enksinus von Tschernembl iin Aufträge der Obcr- österreiclier über die gegen diese angeordneten Kestaurationsinassregeln klagte, soll er deren Einstellung befohlen haben*®-'). Mit Protestanten, die in Prag weilten, trat er in vertrauten Verkehr, theilte ihnen seine Befürchtungen und Plline mit und erfoi-derte ihren Bath. So erlangten insbesondere der in seine Dienste getretene Burkhard von Berliehingen, der chm-sächsische Agent Dr. Gödehnaim und der ehemalige braudon- burgische Kanzler ^Merkbach jetzt Zutritt und Vertrauen Der Kaiser äusserte gegen einen von denselben den Wunsch, lutherische lUithe um sich zu haben, \veil sie treuer mid deutscher gesinnt sein würden als die seinen, und jener meinte, lludolf werde es gern sehen, wenn evangelische Fürsten sich an seinem Hofe auflnelten, und er werde dem Eiutlusso jn-ütestantischer Männer zugänglich sein*®').
Plötzlich änderte sich jedoch des Kaisers Stimmung in dieser Be- ziehung und er berief seinen Bruder Maximilian zu sich. Als derselbe am 1. Januar 1601 kam, empfing er ihn mit grosser Freude*®*) und der Erzherzog, welcher in der Nachfolgefrage für sich nichts begehrte und ebenso einsichtig wie geschickt war, wusste sich iui Vertrauen und in
2ÖS) lianke 286. Schon am II, October 1000 berichtete DuoOo : ,,k gionto qni tm conto di Solti, mandato anibuciator dal dnea di Bariera et ba {lortato il ritratto di nna figlinola di quel princip«, cosi ricercato da S. D. V. alO, 219 Or. Aro 29. Jauuar IGOl weidete er: Per Kaiser bat sieb das Bild ainer der itmsbrackur Prinxcasificu aal das der lothriagischen koromen lassen; erstere gefällt ihm nicht sehr. D. V. 30» 307 Or.
2&9) Nach einem Heiuorial des Enbz. Matthias vom 23. Marx 1610 soll Radolf „bei zwölf Jahren her'* mehrfach die Urheberschaft der kirchlichen Verfolgungen in Oesterreich geläogoet haben. Hammer Khlesl II, n. 272.
2G0) S. Beilage XI, die Berichte bei Ranke 2t<2 and 234 ff. and Briefe a. Ä. I, n. 195. Daodo berichtete am 11. October 1600: „Dopo questi strepiti [Starz der Miniator] S. ha fatto andare ä se due b tre Tolte, che h coaa inaolita, un'agente di Sasaonia che h qai.'* D. V. 30, 219 Or. ^
261) S. den Bericht bei Ranke 285 ff. Perseihe mass nach dem ober Erzherzog Maximilian Getagten Tor dessen gleich za erwähnender Berafnng geschrieben sein. Ueber den Verfasser s. oben Anm. 160.
262) Daodo an den Dogen 8. Janoar 1601. D. V. 30» 330 Or.
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der Gunst seines Bruders zu befestigen. Er soll demselben mit einem Freiinuthe, wie es nie Jemand gewagt hatte, die unheilvollen Folgen seiner Abgeschlossenheit dargelegt haben, doch in einer Weise, dass er gern gehört wurde und wirkte. Der Kaiser ertheilte wieder zahlreiche Au- dienzen und erledigte die Ge.schäfte ***). Auch die Ordnung der Nachfolge brachte Maximilian mit Nachdruck zur Sprache*“*) und auch hier erzielte er — vielleicht untemtützt durch Gerüchte von französischen Umtrieben*®“) — Erfolg. Es geschah ohne Zweifel, um die römLsche AVahl vorzuboreiten, wenn der Kaiser den Erzherzog beauftragte, zu dem Administrator von Sachsen und dem Churfiii>iten von Brandenburg zu reisen und sie zu bitten, dass sic in- und ausländischen, gegen sein Haus gerichteten Um- trieben entgegenwirken und ihm mit Bath und That beistehen möchten, damit die Kaiserkrone jenem erhalten bleibe *®®).
268} Doodo an den 22. Jannar 16ul. Kr bei : ,»I>ae restano ancora ad baver andien»»
il s** Cardinal« Dletriatain et gU ambaaciatori de! rh di Persia." D. V. Or.
261) Daodo an den Dogen 21*. Januar 1601 : Kribt- Maiimiiian hat lange über Siebenbürgen mit Rudolf geapn>chei3 und sieb znr rebt'rnahtue der StatthaltemcbaR unter drei Bedingungen be- reit erklärt ; ersten« müssten ihm die nOChigeo (ieldmittel *o gesicdicrt werd<‘n, dasa er unbe- dingt auf sie aäblcn könne; tweitens müsse er vorher seine wegen der polnischen Wahl g<- machten grossen Schulden ordnen ; drittens ,cUe non intei\|ieva voltare le spalle alla Germania, »t B. nun st risolvesse di procurarsi prima il sDCdssore, perchi* dubitarebW forte, mentre foBse abaente, ]>ot^He nascer qaalche disordine ct cbö gli eteltori lo facessuro da se, stante certa voce sparsa per tutto, ehe S. non fosae piü habile a governarc Pimperio, ae bene egli vedesse, per gratia di Dio, ehe fosse altrimentl. Ha S. ricevulo in beno tutto rufUcio,
massiine da questo principe, ebi qui dentro ogniino dice, non pretenda altro, cho il bene et la grandezza della sua easa senza haver alcuna pretensione, et coine fatto da persona non interes- sata tanto piü e stato accetto alla et per qnanto rot ba detto roinistro che lopub molto
b<*n sapere, nel proposito di re de Romani ella ba promesso di rlssolTersi K vero, cb^
mi soggionse il »opradetto roinistro, che dl questa cosa non si doveva rallegrarscnc tanto. fino che non sene vedeva IVffetto.“ D. V. 80, 3*'>7 Or.
26o) Duodo an den Dogen 26. Februar 16Ü1 : „La adunata de* ininistri di totti gli elettori laict ct altri per la compositione deüe coee di Argentina da grande geloeia qui nella congiontura del tempo. ndia qualo siamo, et tanto piü si fa maggiore , qoanto cbo nella Sassonia si va aueo facendo qualcbe nuraero de soldati, tutto cbö si diea sotto notno del duca di BrunBuicIi per li dispiaceri che ba con quella cittä. £t questo ambasdaior cattolico molto teme, non siano tutte traroo faite per metter la coroua de re de' Romani in capo alla Christ»* Per queato qualcbe altro signor principale ini ha detto, ehe Spagnuoli sentino male la paco tra Francia et Savoia, parendo loro, cbö non sia servitio di questo ne^otio, che il re di Francia si trovi quicto et aicuro da ogni parte, üno che non si vegga Pessito di questa elettiooe.** D. V. 30, :J82 Or.
266) Briefe und Acten 1, n. 178. Maximilian reiste am 10. Februar ab. Pranil an Hz. MaxiroU Han von Baiern 12* Pebruar 1601. Ma. &0/10, 15a. Or.
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Der Adininislrator von Sachsen lehnte in seiner ängstlichen Gesetzes- treuo ab, sieh in Bezug auf die Wahl zu binden, doch war man seiner ja ohnehin sicher. Clmrfärst Joachim Friedrich hatte sich noch vor Kurzem gegen die Abhaltung des von Mainz beantragten Collegialtagcs geäussert-®^). JetÄ erklärte er, das,s er ohne wichtige Ursachen nicht vom Hause Oesterreich abgehen wolle, dafür alwr erwarte, dass der Kaiser sich ihm in seinen Angelegenheiten günstiger als bisher erweise ***). Auch auf ihn durfte man also rechnen.
Wieder nutzte jedoch Budolf die Gunst der Umstände nicht aus. Am 28. Februar legte Anhalt seine Werbung bei ihm ab. Er erreichte nicht, was er gehofift hatte, deiui der Kaiser war deim doch zn einsichtig und inistrauisch, um sich durch die naive Schlauheit der Heidelberger über deren Gesinnung gegen ihn und sein Haus täuschen zu lassen, und die Versicherungen über die Ergebenheit der protestantischen Bewegungs- partei konnten ihn um so weniger verlocken, als Anhalt sie mit der Forderung verband, dass er auf die Gerichtsbarkeit des lieichshofrathes verzichten solle, welche allein noch dem Kuiserthum wirkliche Begierimgs- gewalt im Beich imd unmittelbaren, kräftigen Einfluss auf dessen Ange- legenheiten verlieh und welche er daher stets mit jener zähen imd hef- tigen Eifersucht, womit er über seiner Stellung in allen Beziehimgen wachte, gegen die Angritfe der Protestanten vertheidigte. Anhalt wirde mit nichtssagenden Bedensarten verabschiedet Indes mochten seine
V'oi'stellungen doch die alte Abneigung Rudolfs gegen die Ordnung der Nachfolge verstärken uml d.azu lieitragen, d.i.ss er den Schritten, zu welchen ihn Erzherzog M.aximilian bewogen hatte, weitere nicht folgen lioss.
Jener war, wie es scheint, nach der Besprechung mit Brandenburg nicht zu neuen Bomühiuigen nach Prag zurüekgekehrt , sondeni nach
267) Briefe u. A. I» n. 173.
268) A. A. 0. n. 178 Anm. Am 27. Februar berichtete der Adinintstrator von Sachsen über seine nn«) Brandenburgs Antwort an Mainz. Wm. Snccessionswesen 1, o. Ö5. Or.
269) Briefe o. A. I n«179 «nJ 1«8. Die „Sache“ welche sich der Cbf. von der Pfalz in letz- terem Schreiben f^omäss dem an Anbalt gerichteten Begohteo des Kaisi.rs angelegen sein lassen ZQ wollen Terspriefat, war Termnthlich die lliiulcrnng der dieAbsetzuog des Kaisers bezwecken* den Praktiken. Vgl. das. n. 298 nnd 425.
Abh.d.Ui.Cl.d.k.Ak.d Wiis. XV. Bd. I. Abth. 11
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Mürgentlieim gereist. Auch Matthias und Ferdinand blieben imthätig und machten keinen Versuch, den Churfiirsten von Köln trotz seinen Bedenken zum Besuche des Kaisers zu bewegen. Sie beschlossen, auf den Reichstag zu warten, zu dessen Berufung der Kaiser Anstalten traf
Da forderte plötzlich im Mai Rudolf selljst den*Kölner auf, schleu- nigst und in aller Stille zu ihm zu kommen”'). Die Anregung dazu hatte vennuthlich Ernst selbst gegeben. Obgleich er sich Casal gegen- über der prager Reise geweigert hatte, war er doch bald darauf für dieselbe, w'ie es scheint, durch Erzherzog Albrecht, dom er ülaer die Ver- handlungen in der Wahlsache durch seinen Geheimrath Bille Bericht hatte 'geben las.sen -’*), gewonnen worden. Gleich nach Billes Rückkehr Anfang Febriiivr 1601 hatte er die Gelegenheit, dass ihn der Kaiser ent- weder über die Verhandlungen zu Aschaffenburg oder über die mit Casal zur Rode stellte, benutzt, um demselben seine Einladung nach Prag nahe zu legen *■'*). Im April hatte er dann wohl, nachdem Bille wieder in Brüssel gewesen w'ar , weitere Schritte zu gleichem Zwecke gethan
Am 2. Juli traf er in Prag ein*^^). Rudolf hatte der Ankimft
370) Casal an Rrehi. Albrocht 18. Man IGOl. Brs. Scerci. d*Allem. N. 116, 101 eigh. Or.
371) CoaUjator Ferdinand von Köln an Hx. Maximilian von Baiero, 27. Mai IGOl, Ma. ^18/37, 97 eigh. Or. Er berichtet, Ernst sei sogleich aufgcbrochon.
272) 8. Beilage XIV das Creditiv für Bille.
273) Groisbeeck an Speer 9. Februar 1601. Ma. 41.VS4, 40 Crl.
274) Groisbeeck an Speer, Arnsberg 20. April 1601: hCIö qnalche cosa in aerc. ma le nnvole »ono
tanto spesse, che ancora non posso penetrare a ben saper, che cosa sia, perb tra noi drtto con- oerne la andata dt S. rerso Vlmjtemtore, i! quäle deve csser cbiauiato da S. Et il
nogotio Tienc diretto tanto st'cretamentc da Hi7fro, che ti^ il baren di Kekem [s. Briefen. A. IV, ne i) scr Bocholt nc io non ne sappiamo a parlar. Il ItilU tornb da JiritjttUes alU 10 del presente, ove fu in gran iretta, et iicssuno di noi tre ancora non pnb seuoprir qnello ehe ha trsttato. Jo me ne dabbito bene, pern per non saper il Tcro non dico per adesso nulla. Ben lo scQOprirb presto et m'accargo, per che causa Udleo . . . Üene nascostu qnesto trattato a noi tre et c/edo, che V. S«» facilmente lo imagina." Ma, 415 84. Crl.
275) Präntl an Hz. Maximilian von Baiem. 9. Juli 1601. Ma. 60/19, 72 Or. Am 18. Juni schrieb der Chi. von Köln an Erxhz. Ferdinand ausFreisiug: „Was sonsten das negotium, so vordisom der Casal bei mir anbracht, betrifft, bleibt hieneben unrerborgen, das ili mih nechstkunftigon Freitag [den 22.] von hinnen aufmachen und zu 1. ksl. Mt. erheben werde; wie ih uun 1. Mt. hoiuor befind, wir ih nit underlassen. allo sahou so dextre nah muglikeit dahin xu ricbteiY, das cs dem gemeinen wtsen und der ganzen Christenheit zu nuxen und besten kommen möge.“ Wh. FamilieacorresiitoDdvDZ, fase. 5 A, eigh. Or.
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seines „lielwten Freundes“ mit grosser Freude entgegengesehen®’*). Er empfing ihn überaiw gnädig und gewälirte ihm mehrere se)ir hinge Be- sprechungen ®”). Den Hauptgogenstand derselben bildete, wie es scheint, die Orflnung der Nachfolge.
Churfürst Emst war von München her aufgofordort wonlen, die Wahl seines XcfFcn, des Herzogs Maximilian, zum römischen Könige zu befördern.
Der alte Herzog Wilhelm von Baiem, welcher sich mitmiter durch kleinliche Begehrlichkeit und Empfindlichkeit iire leiten lies.s, hatte schon im Jahre 1500 daran gedacht, die Wahl eines Erzherzoges zu hindern und die Kaiserkrone seinem Hause zu erwerlsm. Sogar mit dem Admini- strator der Chnrpfalz, Johann Casimir, deiil Hauptgegner der Katholiken, hatte er zu diesem Ende in Verbindung treten wollen®’*). Die gelahr- liche Gestaltung der Verhältnisse im Reich hatte ihn jedoch bald diesem Plane entsagen imd den Kaiser, wie erw'ähnt ®’®), zur Oribmng der Nach- folge drängen lassen. Seitdem war wohl noch öfter der V'erdacht go-
2T6) Burriliu an Spe«r 2;L Jnni 1601 : der Chf. ron K^In seine Anknnft in Praa rnn einige
Tafc« terachoben hat« „hero non displicet, nt snperatis bia festis et legatiooibns, qnac tardiua anditae foemnt, liberiori amienm amicuBiraain aninio aeeipiat.*' Der Cbf. möge nach Peter and Paal konnnen, ,,ne in paroxiffmani, qaem perillaatris V. norit, incidamus.** Schon sind Briefe vom Administrator von Sachten gekommen. Ober deren Inhalt der Kaiser mit Kmst reden will. „Videt perillu&tris nt occasione« aesc imdiqad in congreasnm cnmnlent»
Aget de omnibna familiarisaime hcrus cum principe, at oportnnius potnerit venire nnoquam phncepe, de qao sponte saa berns in dies roentionem focit*' Ma. 311/17, 80 eigh. Or.
277) Präntls Bericht v. 9. Jali. Duodo schrieb am gleichen Tage: „Tre voUe e sUto qa^ti di oon S. in andienze langhissime.“ D. V. 31f 99 Or. Vgl. Briefe n. A. IV. 305 Anm. 2 and das. Beilage 31.
278) 8. Briefe nnd A. IV, Bl. Nach der dort Anm. 4 miteetheiUen Stelle atu dm Memorial för Minacci heisst es weiter: Bei der bevorstehenden Ziisammenkonft der rbeinlacben Clmrfürsten können aach die geistlichen von Chf. Emst ein wenig darüber atugeboit werden, „was sie von